abc.Etüden KW 10/11 IV

abc.etüden 2020 10+11 | 365tageasatzaday

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

dumme Ideen müssen manchmal umgehend in die Tat umgesetzt werden, bevor sich die Gelegenheit ergibt, nochmal drüber nachzudenken und sie rational zu betrachten. Deshalb gibt es eben flugs eine weitere der von Christiane organisierten Etüden, weiterhin zur Wortspende von Corly.

 

„Na, was tust Du?“

„Ich reime!“

„Oh, nein …“

„Noch viel mehr als das! Ich rufe eine Bloggerinitiative ins Leben, eine Art „Band Aid“ der Blogosphäre. Ach, was sage ich, eine Art Luftbrücke für Bloggershausen.“

„Aha …“

„Japp. Seit 5:45 Uhr wird jetzt zurückgereimt!“

„Ich ahne Schlimmes … Und was soll das Ganze!?“

„Den Unmut gegen Corona ausdrücken.“

„Und das von Dir? Hast DU nicht behauptet, das wäre alles gar nicht …“

„Moooooment, ich habe nur gesagt, dass sinnlose Panikmache, Hamsterkäufe und die Installation von Sagrotan-Duschen eine dumme Idee sind, und dabei bleibe ich. Trotzdem kann man ja seinen Unmut äußern. Ich nenne das Ganze: „Reimen gegen Corona“, kurz RGC.“

„RGC kenne ich als retinale Ganglienzellen.“

„Als bitte was?“

„Na, das … ist was im Auge. Unwichtig. Jedenfalls ist die Abkürzung eigentlich vergeben.“

„Hm, dann … „Blogger gegen alles!“, kurz BGA.“

„Jeder im Finanzwesen wird BGA als Betriebs- und Geschäftsausstattung verstehen, das läuft nicht.“

„Verdammt. Okay, hier: „Reimen gegen alles!“, RGA.“

„Gut, da ist die Verwechslungsgefahr zum Remscheider General-Anzeiger gegeben, aber das Risiko würde ich eingehen.“

„Okay, also „Reimen gegen alles!“. Finde ich gut. Mir fliegen die Ideen schon förmlich zu.“

„Und, worüber wirst Du als Erstes reimen? Irgendwas Romantisches mit Sonnenuntergängen an warmen Stränden!?“

„Ich habe den Eindruck, Du hast nicht ganz verstanden, worum es mir geht …“

„Nun, um ehrlich zu sein …“

„Na, sagen wir: Wenn Sebastian Kurz eingepferchte und mit Tränengas beschossene Flüchtlinge als „gewaltbereit“ verunglimpft, dann reime ich dagegen. Wenn Dieter Nuhr Unsinn darüber twittert, dass er angesichts einer Erkrankungsrate von 0,0001 Prozent trotz allenthalben durchgezogener Absagen auch und gerade im Kulturbereich trotzdem gerne auftreten möchte, dann reime ich dagegen. Wenn Naidoo meint, trotz seines mehrfach unverhohlen geäußerten Rassismus zu behaupten, „Rassenhass und Fremdenfeindlichkeit“ seien „ihm fremd“, dann reime ich dagegen. Wenn …“

„Ich habs verstanden … – womit fängst Du denn nun an?“

„Das sehen wir dann …“

 

300 Worte.

17 Kommentare zu „abc.Etüden KW 10/11 IV

  1. Reimen gegen alles? Das kann im Falle eines Falles schwierig werden, denn Reimen ist auf Erden nicht jedem gegeben, wie so vieles im Leben. Mit dem Versmaß ist’s noch schlimmer, finde ich jedenfalls immer, Vielen fehlt der Rhythmus, bei dem jeder mit muß. Ein guter Reim auf „AfD“, was bleibt da noch als „jemineh“? Als Reim auf ’nen Namen wir Höcke fiele mir nur ein „blöde Böcke“.

    Bitte reim besser, sei so nett. Ich muß nun ins Bett.

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  2. Herrgottszeiten! Wie konnte ich nur so lange NICHT Deine Beiträge lesen! Ab sofort gilt die Ausrede Zeitmangel nicht mehr, ich stelle anhand dieses Beitrages fest, dass ich doch zuviel Amüsement verpasse! Geht ja gar nicht! :)

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    1. Ja, das weiß ich doch auch nicht, aber das hast Du jetzt sehr schön gesagt. :-)

      Der Verfasser dieser Zeilen hat Dich im Übrigen auch schmerzlich vermisst. Willkommen zurück!“, möchte man sagen. :-)

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  3. Den Ausspruch von Herrn Kurz bitte ich auszuweiten auf: Flüchtlinge, die mittlerweile verständlicherweise zum Teil gewaltbereit wurden. Ergibt schon ein anderes Bild. Seine Gedanken entsprechen zuweilen dem Wortsinn des Nachnamens. Passiert mir auch schon mal bei Dingen, mit denen ich mich eigentlich nicht beschäftigen möchte. Als Staatschef geht das aber gar nicht.
    Selbstherrliche Komiker, die sich für die letzte Cola in der Wüste halten und lauthals auf niedrige Emotionen abzielen, mochte ich noch nie. Wenn ich mir das anhöre, dann um zu wissen, was in dem Kopf vorgeht und überlege, was das wieder für Folgen hat.
    Die neuerliche Aufregung um Xavier Naidoo hat mich eher zufällig erreicht. Früher habe ich ihn eher als eine Art Wanderprediger empfunden – auch schon unangenehm. Heute erinnert er mich eher an einige farbige Polizisten in den USA, irgendwie entwurzelt und übertrieben hart. Das tut mir irgendwie auch leid. Ich weiß jetzt nicht, wann der Text entstand, ob das Video echt ist. Der Text, auch wenn das wohl nicht der beabsichtigte Kontext ist, löst bei mir etwas völlig anderes aus. Ich sehe dabei direkt die Kolonialisierung, die jeweils durch eine Minderheit unterdrückten, ausgelaugten, ausgedünnten Völker, ausgebluteten Länder.

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    1. Hätte er das so gesagt, hätte ich ihm möglicherweise nicht mal wiedersprochen. Aber Dinge verkürzt und/oder falsch wiederzugeben, das sollte man den Parteien des rechten Rands überlassen, die kennen sich damit aus … Er selbst macht da in der Tat eine eher unglückliche Figur.

      Was in Nuhrs Kopf los ist, kann ich mittlerweile auch nur mutmaßen, aber „letzte Cola in der Wüste“ gefällt mir. :-)

      Xavier vermittelte mir früher auch eher so den Typ des Wanderpredigers, meinetwegen auch des christlichen Missionars. Missionieren jeglicher Art finde ich zwar auch blöd, kann es aber besser ertragen. Aber gerade jemand, der so sehr den christlichen Glauben herauskehrt wie Naidoo, der überrascht mich mit seinem Weltbild dann eher doch. Wobei ein christlicher Hintergrund ja nichts mehr bedeuten muss, ein Peter Hahne beispielsweise vertritt mittlerweile auch Thesen, die bei mir Schüttelfrost auslösen.

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      1. Ich erinnere mich an ein Interview mit Naidoo vor vielen Jahren, bei welcchem er auch von seiner Nächstenliebe sprach, extrem den Samariter herauskehrte, völlig unecht. Dann zeigte er stolz seine 60? teuren Wagen in einer Halle. Auf die Frage, wie das zusammen passe, meinte er, das widerspreche sich nicht. Wenn einer seiner Freunde ein Auto brauche, wüüde er ihm sofort eines ausleihen. Das war`s dann für mich.

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  4. Sagrotanduschen???? Echt jetzt? Und Dieter Nuhr kann gerne auftreten und das dann streamen, wenn/weil keine*r im Saal sitzt. Meine Güte. Der war früher mal echt gut.
    Aber ja, da kommt was auf uns zu, und es ist bedauerlich unlustig. Nun bin ich kein Reimer, aber ich schlage die Trommel. Sag einfach Bescheid.
    Liebe Grüße
    Christiane 😁🌬️☕👍

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    1. Nun ja, die Sagrotanduschen sind eine überspitzte Erfindung meinerseits, das gebe ich zu. :-)

      „Der war früher echt mal gut“ habe ich in letzter Zeit übrigens von vielen Leuten über Dieter Nuhr gehört und denke mir ähnliches. Schon mit seinem „Jugendliche mit Vollversorgung demonstrieren gegen die Vollversorgung.“ hat er sich bei mir unbeliebt gemacht, weil er damit bewiesen hat, dass er überhaupt keine Ahnung hat, weswegen die FFF-Jungspunde freitags auf die Straße gehen.

      Okay, Du schlägst also die Trommel, fungierst demnach irgendwie als Metrum. Ich werde von Dir sagen: „Sie ist mein Metrum, sie hat das zweite Gedicht.“ ;-)

      Gefällt 4 Personen

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