abc.Etüden KW 10/11 III

abc.etüden 2020 10+11 | 365tageasatzaday

 

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

da es bis zu den nächsten Rezensionen noch eine Weile dauern dürfte, die Anlässe zu weiteren Etüden aber (leider) nicht weniger werden, gibt es heute die dritte Etüde der Woche, organisiert von Christiane und mit einer Wortspende von Corly unterstützt.

 

„Na, was machen wir heute?“

„Dasselbe wie jeden Tag: Wir versuchen, die Weltherrsch…“

„Nicht DAS, ich meinte, worüber reden wir heute?“

„Oh – hm, über die Wahl von Ramelow und wie Hetzblätter wie die „Bild“ versuchen, gegen die Linke zu schießen?“

„Hm, nee, langweilig.“

„Okay, dann reden wir über den Bundestag.“

„Was hat der nun wieder verbrochen?“

„Er hat über den Antrag der Grünen abgestimmt, 5.000 der an der griechisch-türkischen Grenze festsitzenden Flüchtlinge in Deutschland aufzunehmen.“

„Und der wurde abgelehnt?“

„Korrekt – gestern nach Sonnenuntergang. Die GroKo strebt weiter eine Koalition der Willigen an.“

„Weil das seit 2015 auch so super geklappt hat …?“

„Geeenau.“

„Wobei – beim Malta-Abkommen zur Aufnahme von Bootsflüchtlingen zwischen Malta, Italien, Frankreich und Deutschland hat es ja auch geklappt!“

„Njaaa … weißt Du, wie viele Bootsflüchtlinge nach der Unterzeichnung des Abkommens wirklich nach Deutschland gekommen sind?“

„Keiner.“

„Ups …“

„Ja. Und bezüglich der aktuellen Problematik will man lieber „humanitäre Hilfe vor Ort“ leisten. In Griechenland, über das schon 2011(!) der Europäische Gerichtshof für Meschenrechte geurteilt hat, dass die Menschenrechte der Flüchtlinge dort nicht gewährleistet sind. Und anstatt jetzt wenigstens in erster Linie Frauen und Kinder da wegzuholen, spielt man auf dem Rücken dieser Menschen auf Zeit. Wieder mal zum Kotzen!“

„Na, vielleicht ist Seehofers Obergrenze in Gefahr!?“

„Nö, dieser „Zuwanderungskorridor“ von maximal 200.000 Menschen wurde schon 2019 nicht ansatzweise erreicht. Wenn man die Zahlen bis November auf 12 Monate hochrechnet, kommt man ungefähr auf 106.000 Menschen.“

„Man hätte also Kapazitäten?“

„Ja, sicher! Stattdessen müssen sich die Flüchtlinge mit Tränengas und teilweise scharfer Munition beschießen lassen, auch weil von der Leyen keine warmen Worte überbrachte, sondern sagte: „„Die Aufrechterhaltung der Ordnung an unserer Außengrenze hat für uns Vorrang“ und mit einem Helikopter über die Köpfe der Flüchtlinge hinwegflog.“

„Widerlich!“

„Japp – wenn ich das sehe, lese und höre, dann frage ich mich ernsthaft, wofür es die AfD eigentlich noch braucht …“

 

300 Worte.

 

 

18 Kommentare zu „abc.Etüden KW 10/11 III

  1. Die Maut-Millionen, welche die CSU vergeigt hat, hätte man auch gut in Flüchtlingshilfe investieren können!
    Aber es ist ja schon Standard geworden, dass die Bundes-, Landes- Ministerien, Landkreise und Kommunen keine eigenen Entscheidungen mehr treffen. Da wird erstmals Alles zu externen Beratern / Gutachtern ausgesourct, damit man die möglichen (finanziellen) Folgen vor Augen hat, um dann verzögern zu können, bis die Thematik sich erledigt hat.

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    1. Oh ja, das wäre eine sinnvolle Verwendung für die Kohle gewesen.

      Was die Entscheidungen angeht, so glaube ich, dass das, zumindest auf lokaler bzw. kommunaler Ebene, gewollt ist. Kommunen, die eh schon pleite sind, müssen ein ellenlanges Genehmigungverfahren durchlaufen, nur um, überspitzt gesagt, eine neue Bushaltestelle zu bauen. Und wenn dann mal irgendwann die Genehmigung da ist, stellen sie fest, dass trotz der Unterstützung durch Bund und/oder Land der Eigenanteil an den Kosten so hoch ist, dass sie ihn gar nicht stemmen können und blasen die Sache ab. Und dann stellen sich Bund und Länder hin und sagen: „Den Kommunen muss es wohl gut gehen. Die Fördergelder werden gar nicht abgerufen …na, dann brauchen wir ja zukünftig keine mehr …“

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  2. Sehr kritisch bis maximal abgestoßen sehe ich die Rolle der Söldner-Truppe Frontex. Anstatt nun durch Nachrichten und öffentliche Aussagen vermehrt versucht wird zu vermitteln, dass es sich bei den Flüchtlingen um Menschen in höchster Not handelt, die alles – wirklich alles – verloren haben, sehe ich im live-ticker : Sorge vor illegaler Einwanderung wächst. Welche Einwanderung, bitte? Dadurch wird der Vorsatz zu böswilligem Verhalten implementiert, der für noch mehr Widerstand sorgt, da er die öffentliche Wahrnehmung verfälscht. Gelenkte Existenzangst sticht Mitmenschlichkeit.
    Alles in allem eine Bankrotterklärung für Europa und die westliche Kultur.

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    1. Da bin ich, wie man heute so schön sagt, ganz bei Dir.

      In dem Zusammenhang fällt mir ein Interview in der Zeit von vorgestern(?) mit Daniel Thym ein, der an der Uni in … irgendwo Europarecht lehrt. Die „Zeit“ stellte sinngemäß die wunderbare Frage: „Aber verliert das Asylrecht nicht seinen Sinn, wenn man die, die einen Antrag stellen wollen gar nicht erst reinlässt?“

      Darauf T hym sinngemäß: „Das ist die Paradoxie des Asylrechts, man könnte es auch Scheinheiligkeit nennen: Um einen Asylantrag stellen zu können, muss man erst mal in der EU sein, aber da kommt man legal nicht rein. “

      Okay, das war jetzt nicht mehr sinngemäß, das war zitiert, weil gegoogelt. :-) Aber es beschreibt die Situation sehr anschaulich.

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    1. Oh, „NSAfD“ hat ja wirklich was! :-) Pure Poesie! ;-) Darf ich das bei Gelegenheit klauen?

      Tja, schon bei der Bayern-Wahl 2018 hatte ich teilweise den Eindruck, führende CSUler hätten ihr Parteibuch gegen das der AfD eingetauscht. Nun scheint das irgendwie auch auf andere überzugreifen …

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  3. Dass die angstgesteuerten Bürokraten verwaltungstechnisch kalte Füße bekommen, kann ich gerade noch verstehen (nicht entschuldigen, das ist NICHT dasselbe), aber MENSCHLICH gesehen ist das eine Katastrophe.
    Hilflosigkeit, wohin man schaut.
    Liebe Grüße
    Christiane :-(

    Gefällt 1 Person

    1. Hilflos sind in erster Linie die Menschen, die an der griechisch-türkischen Grenze (oder in einem der hier nicht erwähnten zahllosen und heillos überbelegten Auffanglager) ausharren müssen.

      Die angstgesteuerten Bürokraten (die Frage, ob jemand, der sich von Angst steuern lässt, in der Politik überhaupt gut aufgehoben ist, lasse ich mal dahingestellt) hatten ganze fünf Jahre Zeit, sich um eine gesamteuropäische Lösung zu kümmern. Es ist ihnen nicht gelungen. Statt die Türkei mit Geld vollzupumpen, damit sie Millionen Flüchtlinge da behalten, hätte man dasselbe Geld auch den Visegrad-Staaten zukommen lassen können, weil sie es a) gut gebrauchen können, nachdem sich innerhalb der EU jahrelang niemand um sie gekümmert hat und b) man damit vielleicht deren Bereitschaft zur Aufnahme von Flüchtlingen vorangebracht hätte, womit wir schon einen großen Schritt weitergehen.

      Stattdessen wird jetzt an der europäischen Außengrenze scharf geschossen. Als Beatrix v. Storch, weil sie „mausrutschte“, genau das gefordert hat, gab es einen Shitstorm, heute ist genau diese indiskutable Forderung Realpolitik geworden.

      Und während all dieser Geschehnisse tun wir hier so, als gäbe es keine dringlicheren Fragen als die, wo ich die nächste Flasche Sagrotan herbekomme …

      Gefällt 4 Personen

        1. Nochmals danke. :-) Ich hab in der Tat das Gefühl, dass auch die Politik schnelllebiger geworden ist, man kann tatsächlich nahezu täglich über neue Dinge schreiben. ;-) Wobei – mir wärs ja lieber, es gäbe nichts, worüber ich mich aufregen müsste …

          Gefällt 2 Personen

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