abc.Etüden KW 6/7 IV

abc.etüden 2020 06+07 | 365tageasatzaday

Hallo, liebe Leserinnen und Leser,

das Reh springt hoch, das Reh springt weit, warum auch nicht, es hat ja Zeit. Also, gerade nicht viel davon, aber ein bisschen schon. Und da bietet sich immer mal wieder eine kurze Ausgabe der von Christiane geleiteten Etüden an. Wenn da nur nicht die Wortspende von Alice wäre – „gebleicht“, jetzt mal ehrlich … :-)

 

„Na, was gibt es Neues?“

„Peter Gabriel wird 70!“

„Njaaaa …“

„Gut, dann was anderes: Heute ist Welttag des Radios!“

„Njaaaa …“

„Oookay, dann doch lieber Altbekanntes. Reden wir über Spahn!?“

„Oh, ja, thematisieren wir also doch nochmal das Coronavirus oder die Grippe? Ausgebleichte, kranke Menschen, die zu knuddeln ich gerade nicht empf …“

„NEIN!“

„Schade … also?“

„Na, Spahn hat gestern seinen Entwurf zur Intensivpflege im Kabinett durchgeboxt. Das Problem mit den Beatmungspatienten, Du erinnerst Dich?“

„Ja, sicher. Und?“

„Nun, es gab da durchaus noch Verbesserungen, aber …“

„Aber …“

„Na, beispielsweise muss ich, wenn ich als Beatmungspatient zu Hause bleiben möchte, dem MDK nachweisen, dass die Pflege dort auch möglich ist.“

„Das bedeutet?“

„Na, ich muss den MDK-Schergen in meine Wohnung lassen, ob ich das will oder nicht. § 13 GG ist Spahn wohl unbekannt. Und ob man zu Hause ggf. schon seit Jahren intensivmedizinisch gepflegt wird und selbst vielleicht am besten einschätzen kann, wie gut das läuft und wie gut das möglich ist, ist völlig irrelevant.“

„Und falls ich mich weigere?“

„Wird mir die heimische Pflegunterbringung zwingend versagt. Auch wenn da ein MDK-Lokalfürst reinstolziert, der sich für Prinz Pommes hält und sagt: „Nee, also hier geht das nicht!“, obwohl es ggf. seit Jahren ging, hat man wohl schlechte Karten.“

„Oha!“

„Japp! Dazu kommt noch, dass man als stationärer Patient Zuzahlungen für 28 Tage pro Jahr zu leisten hat, diese 28-Tage-Grenze bei Heimunterbringung aber wegfällt.“

„Sehe ich das richtig? Ich kriege Betreuungsgeld, wenn ich auf eine Kita verzichte, aber ich werde finanziell schlechter gestellt, wenn ich auf Heimunterbringung verzichte?“

„Japp!“

„Oha.“

„Und das Schönste: Das Ganze wird ein Einspruchsgesetz, benötigt also nicht die Zustimmung des Bundesrates. Der kann nur Einspruch einlegen.“

„Und dann.“

„Muss das Gesetz erneut im Bundestag mit absoluter Mehrheit verabschiedet werden.“

„Von dem Organ, dass es schon mal verabschiedet hat?“

„Japp …“

„Das ergibt total Sinn …“

 

300 Worte.

 

 

abc.Etüden KW 6/7 III

abc.etüden 2020 06+07 | 365tageasatzaday

Hallo, liebe Leserinnen und Leser,

„mögest Du in interessanten Zeiten leben“ lautet angeblich ein chinesischer Fluch, der erstmals vom ehemaligen britischen Botschafter in China, Hughe Knatchbull-Hugessen – ein Hammername, oder!? Die Briten haben Humor! Auch wenn Sie beschlossen haben, ihn, wie so vieles andere, für sich selbst zu behalten und nicht mehr mit anderen zu teilen. Egal … – schriftlich festgehalten wurde. Und da wir das tun, also in interessanten Zeiten leben, bleibt mir aus erneut aktuellem Anlass nichts anderes übrig, als die Blogosphäre mit einer weiteren Spontan-Etüde zu belästigen. Hinsichtlich der Etüden ist alles wie gehabt: Sie werden von Christiane geleitet, die Wortspende kommt von Alice.

„Na, schon gehört?“

„Was kommt denn jetzt schon wieder? Weltknuddeltag? Oder eine Deiner wirren Theorien zum Corona–Virus oder irgendwas mit Grippe!?“

„Nö – die AfD hat beschlossen, eine rechtliche Abmahnung mit Unterlassungserklärung gegen die Kanzlerin einzureichen.“

„Dafuq?“

„Ja, ich hätte es nicht besser sagen können. Oh, und Höcke wird Strafanzeige nach § 106 des StGB wegen Nötigung des thüringischen Ministerpräsidenten Kemmerich stellen. “

„Ja, sag mal, haben die schon wieder Lack gesoffen, Klebstoff geschüffelt, oder so was? Was steht denn in diesem § 106 so drin?“

„Na, unter anderem: „Wer den Bundespräsidenten“ – übrigens putzig, dass das StGB sprachlich offenbar die Möglichkeit einer BundespräsidentIN nicht vorsieht – also, „Wer den Bundespräsidenten oder ein Mitglied der Regierung eines Landes rechtswidrig mit Gewalt oder durch Drohung mit einem empfindlichen Übel nötigt, seine Befugnisse nicht oder in einem bestimmten Sinne auszuüben, wird mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft.“

„Ich brech ins Essen … – Das gebleicht, äääh, gereicht den Schergen ja wieder mal zur Ehre. Und womit begründen die Herrschaften dieses putzigen Vereins nun ihren neuesten Hirnfurz?“

„Nun, als die Kanzlerin sich während ihrer Afrika-Reise zu der Lage in Thüringen äußerte – und zugegeben, „das Ergebnis muss rückgängig gemacht werden“, war unglücklich formuliert -, da habe sie sich „nicht als CDU-Mitglied, sondern als Regierungschefin geäußert“. “ „Das ist nichts anderes als ein Putsch der Bundeskanzlerin gegen ein Verfassungsorgan des Landes Thüringen“, sagt der Faschist.“

„Wer?“

„Na, Höcke!“

„Na, klasse. Aber ich sehe da noch nirgendwo eine Drohung.“

„Na, angeblich habe sie gedroht, falls Kemmerich nicht zurücktrete, werde man die schwarz-gelben Koalitionen in NRW und Schleswig-Holstein beenden.“

„Aha – und was geht die AfD das an?“

„Ja, nix!“

„Also will mir der guten Gewissens als Faschist zu bezeichnende Landesvorsitzende einer Partei, deren „Flügel“ und Nachwuchsorganisation vom Verfassungsschutz als „Verdachtsfälle“ eingestuft werden, erklären, wie man sich als Politiker zu verhalten hat?“

„Japp …“

„Okay – klingt plausibel …“

„Das Gewicht der Worte“ von Pascal Mercier

Buch: „Das Gewicht der Worte“

Autor: Pascal Mercier

Verlag: Hanser

Ausgabe: Hardcover, 573 Seiten

Der Autor: Pascal Mercier, 1944 in Bern geboren, lebt in Berlin. Nach Perlmanns Schweigen (1995) und Der Klavierstimmer (1998) wurde sein Roman Nachtzug nach Lissabon (2004) einer der großen Bestseller der vergangenen Jahre und in zahlreiche Sprachen übersetzt. 2007 folgte die Novelle Lea. Unter seinem bürgerlichen Namen Peter Bieri veröffentlichte er, ebenfalls bei Hanser, Das Handwerk der Freiheit (2001) sowie Eine Art zu leben (2013). Pascal Mercier wurde 2006 mit dem Marie-Luise-Kaschnitz-Preis ausgezeichnet und 2007 in Italien mit dem Premio Grinzane Cavour für den besten ausländischen Roman geehrt. 2007 erhielt er die Lichtenberg-Medaille der Universität Göttingen. (Quelle: Hanser)

Das Buch: Seit seiner Kindheit ist Simon Leyland von Sprachen fasziniert. Gegen den Willen seiner Eltern wird er Übersetzer und verfolgt unbeirrt das Ziel, alle Sprachen zu lernen, die rund um das Mittelmeer gesprochen werden. Von London folgt er seiner Frau Livia nach Triest, wo sie einen Verlag geerbt hat. In der Stadt bedeutender Literaten glaubt er den idealen Ort für seine Arbeit gefunden zu haben – bis ihn ein ärztlicher Irrtum aus der Bahn wirft. Doch dann erweist sich die vermeintliche Katastrophe als Wendepunkt, an dem er sein Leben noch einmal völlig neu einrichten kann. Wieder ist Pascal Mercier ein philosophischer Roman gelungen, bewegend wie der „Nachtzug nach Lissabon.“ (Quelle: Hanser)

Fazit: Ihr habt demnächst etwas vor? Familie, Freunde, Einkaufen, Kino, sonstwas? Na gut, dann stellen wir uns jetzt alle mal Sir Alec Guiness – meinetwegen auch Liam Neeson, wenn es sein muss – vor, der mit der Hand dieses Jedi-Gefuchtel macht, während ich euch sage: „Das ist nicht die Freizeitbeschäftigung, die ihr sucht. Was ihr sucht, ist der neue Roman von Pascal Mercier.“

Und? Hat es funktioniert? Nicht? Das dachte ich mir, viel zu lernen ich noch habe und die Macht ist schwach in mir …

Aber mal ohne Kappes, ich kann – und ich denke, das ist bis hierhin deutlich geworden – Merciers neuen Roman wirklich empfehlen. Diesbezüglich muss allerdings gesagt werden, dass ich zu den Leuten gehöre, die den literarischen Weg, den Mercier wandelt, mit Rosen streuen wollen, insofern gibt es sicherlich differenziertere Besprechungen, aber sei es drum, zwischendurch ein Hohelied auf ein Buch sei mir gestattet. Nun aber in medias res.

Wir haben also den Übersetzer Simon Leyland, der in London aufwuchs, wo er seine Frau kennenlernte, wo zwei Kinder geboren wurden und wo sich die Familie allgemein die Zukunft vorstellte. Dann jedoch erbt seine Frau einen Verlag und man beschließt, gemeinsam nach Triest überzusiedeln. Dort geht jahrelang alles seinen gewohnten Gang, seine Frau Livia leitet den Verlag, Simon geht seiner Übersetzertätigkeit nach. Schließlich jedoch verstirbt seine Frau plötzlich und nun sieht sich Simon damit konfrontiert, unerwarteterweise einen Verlag führen zu müssen. Dann, weitere gut zehn Jahre später, wird bei Simon eine nicht heilbare Erkrankung diagnostiziert, ihm bleiben vermutlich nur noch wenige Monate. Kaum hat er den Verlag verkauft, stellt sich sein vermeintliches Todesurteil jedoch als Fehldiagnose heraus. Wo er eben noch damit beschäftigt war, Dinge zu regeln und Abschied zu nehmen, sieht sich Simon plötzlich mit der Frage konfrontiert, was er mit seinem Leben noch so alles anfangen möchte.

Merciert teilt seinen Roman, dessen Handlung von einem personalen Erzähler geschildert wird, in 45 Kapitel, deren Besonderheit darin besteht, dass zwischendurch immer wieder Briefe eingefügt sind, die Simon geschrieben hat. An seine verstorbene Frau. Das mag seltsam klingen, aber bereits auf Seite 32 stellt Simon in einem dieser Briefe fest: „Wenn man in Gegenwart anderer über sich spricht, sagt man nie genau das, was man eigentlich sagen möchte: Selbst wenn man sich dessen nicht bewusst ist, hemmt einen die Rücksicht, entweder die Rücksicht auf die Wirkung der Worte in den anderen, oder die Rücksicht auf die Art und Weise, wie man für die anderen durch diese Worte erscheinen würde.“ Diese Feststellung ist so simpel, wie zutreffend, deswegen ist Simons Entschluss, seiner verstorbenen Frau zu schreiben, auch vollständig logisch: Er kennt sie, er kann ihr vollständig vertrauen, und er muss eben keinerlei Rücksicht mehr nehmen, da sie schließlich, lapidar gesagt, keine Widerworte mehr geben, er sie aber auch nicht mit dem Geschriebenen verletzen kann. Insbesondere die Briefpassagen haben es mir angetan, aber letztlich hat „Das Gewicht der Worte“ noch wesentlich mehr, was es so lesenswert macht.

Mercier beschäftigt sich in seinem Roman mit Themen, die es mir naturgemäß angetan haben. Mit der Sprache, einzelnen Worten, deren Klang und Bedeutung, und dem Wunsch des eigenen Schreibens. Über all dem steht eben die große, nicht minder spannende Frage, was man mit seiner Zeit noch so alles anfangen kann, will und sollte, wenn einem vermutlich nicht mehr so viel davon bleibt.

Und Simon geht dieser Frage nach, um sie für sich ganz persönlich zu beantworten. Sein Weg führt ihn dabei in die Gesellschaft vieler interessanter Menschen und in Situationen, die er nie erlebt hätte, wenn es die Fehldiagnose nicht gegeben hätte. Und ja, manchmal wirkt das Ganze etwas konstruiert und Mercier weiß das auch, denn vermutlich lässt er Andrej, einer der eben erwähnten interessanten Menschen, ebenfalls Übersetzer und gerade aus dem Knast gekommen, nicht ganz ohne Hintergedanken angesichts all der Verstrickungen der handelnden Personen untereinander sagen: „Ist das nicht alles ganz unwahrscheinlich? Ganz und gar unwahrscheinlich?“ (Seite 496) Und ja, das ist es, aber es hat dennoch seinen Reiz, zu verfolgen, wie Simons Lebensweg weitergeht.

Auch wenn man, das sei als zweiter Kritikpunkt genannt, bemängeln könnte, dass eben dieser Simon, ebenso wie die meisten anderen Charaktere, manchmal etwas nerven können. Sie wirken in ihrem intellektuellen Wolkenkuckucksheim zuweilen derart abgehoben, dass die These nicht aus der Luft gegriffen scheint, dass sie alle im echten Leben wahrscheinlich nicht mal zur fachgerechten Nutzung eines Inbusschlüssels in der Lage wären.

Wer einen komplexen Spannungsbogen sucht, ist ebenfalls fehl am Platze, schließlich wird der Roman auch nicht grundlos vom Verlag als „philosophischer Roman“ bezeichnet, und das trifft es vollumfänglich.

Wer aber in der Lage ist, sich vollständig in einem Buch zu verlieren, wer willens ist, sich an Wörtern und Sätzen zu berauschen, die oftmals zitierwürdig sind, wer darüber hinaus bereits andere Bücher von Mercier gelesen hat, insbesondere vielleicht „Perlmanns Schweigen“, zu dem dieser Roman hier durchaus Parallelen aufweist, und wer insgesamt ein ruhiges, eher leises, wirlich, wirklich schönes Buch lesen möchte, der sollte „Das Gewicht der Worte“ durchaus stemmen können.

Mir persönlich passiert es nur ganz, ganz selten, dass ich das Gefühl habe, ein Buch zur absolut richtigen Zeit im Leben gelesen zu haben und mir passiert es ebenfalls nur ganz selten, dass mir ein Buch so gut gefällt, dass ich eigentlich gar nicht darüber schreiben möchte, weil ich die gemachte Erfahrung in einem Anfall der Egozentrik für mich selbst behalten oder allenfalls mit einem ganz kleinen Kreis mir nahestehender Menschen teilen möchte – Glavinic´ „Das größere Wunder“ war beispielsweise ein solches, bei dem ich auf eine Rezension verzichtet habe. Nun habe ich mich doch noch durchgerungen und mag der Versuch, meine Begeisterung kundzutun auch nur mangelhaft gelungen sein, so gilt trotz- und alledem: Klare Leseempfehlung!

Kurz: Vielen Dank, Herr Mercier! Für ihren nächsten Roman sei Ihnen nur noch kurz gesagt, dass der dann sicherlich wieder sehr ausgefeilte Stil noch ausgefeilter wirken würde, wenn sie, anders als hier, beherzigen würden, dass es sich bei „erinnern“ um ein reflexives Verb handelt. :-)

Wertung:

10 von 10 Punkten

Und das ist keine Meinung, sondern ein Axiom! :-)

Demnächst in diesem Blog: „Tod eines Gentleman“ von Christopher Huang.

abc.Etüden KW 6/7 II

abc.etüden 2020 06+07 | 365tageasatzaday

Hallo, liebe Leserinnen und Leser,

aus aktuellem Anlass gibt es eben schnell eine Spontanetüde. Für die Etüden zeichnet wie immer Christiane verantwortlich, die Wortspende stammt von Alice und ihrem Blog Make a Choice Alice.

„Hey! Na, wie sieht es aus?“

„Ich kann nicht klagen. Schon mitbekommen? AKK verzichtet auf eine Kanzlerkandidatur und will auch den Parteivorsitz bald abgeben!“

„Is´nich´wahr!? Warum? Grippe? Corona?“

„Nein! Was stimmt mit Dir nicht? Alles hat bei Dir immer mit dem Corona-Virus zu tun! Nein, es lag wohl am Verhalten des thüringischen CDU-Landesverbands und der Erkenntnis, dass sie ihren Laden nicht mehr unter Kontrolle hat. Sie sagte es gebe „ein ungeklärtes Verhältnis von Teilen der CDU mit AfD und Linken“, was irgendwie gruselig bis gefährlich klingt, aber hey … Jetzt muss sie nur noch Lindner eine Mail mit dem Inhalt: „So macht man das, Christian!“ schicken, dann ist alles gut.“

„Aber Lindner hat doch gar keine Weisungsbefugnis in Thüringen. Der kann doch gar nichts dafür, oder!? Der Landesverband der FDP handelt da doch unabhängig.“

„Der dortige FDP-Landesverband handelt in erster Linie unverantwortlich! Echt jetzt, in der FDP geht das Knuddeln weiter und Lindner will mir erzählen, man habe das Abstimmungsverhalten der AfD nicht voraussehen können, womit sich die Verantwortlichen entweder als naiv, als dämlich oder als Lügner outen, wobei ich auf Letzteres tippe, denn deren Ahnungslosigkeit nehme ich ihnen nicht ab.“

„Mag sein, aber wir waren bei der CDU, wer soll denn den Job jetzt machen?“

„Na, SPD-Oppermann sagt, Laschet müsse das Amt beanspruchen, sonst sei er ein „Papiertiger“!“

„Das hat er echt so gesagt?“

„Ja, warum?“

„Weil das vor zwei Wochen besser in den Text gepasst hätte und wir diesmal stattdessen irgendwo „gebleicht“ unterkriegen müssen.“

„Na, hat doch geklappt … – egal, jedenfalls: Es gibt noch zwei weitere Kandidaten, die im Gespräch sind.“

„Nämlich wer?“

„Na, einmal Friedrich Merz …“

„MUHAHAHAHAHAHAHAHAHA!“

„Ja, der will sich auch erst mal auf „kluges Nachdenken“ beschränken, anstatt „schnell zu reden“. Und dann wäre da noch …“

„Ja?“

„Jens Spahn …“

„MUUUUHAAAHAAAAHAAA! Aufhören! Gnade, ich kann nicht mehr …“

 

300 Worte.

 

Freitagsfragen #96

Freitagsfragen

 

Hallo, liebe Leserinnen und Leser,

angesichts der Tatsache, dass mit heutigem Freitag meine viel zu kurze Urlaubswoche zu Ende geht, wäre mir lieber, wir hätten heute noch nicht Freitag. Aber was soll man machen? Nun, natürlich erst mal die Freitagsfragen aus dem Brüllmausblog beantworten. Schreiten wir zu Tat, die heutigen Fragen und Antworten lauten:

1.) Durch die Karma-Lotterie landest Du in Deinem nächsten Leben im Pantheon. Wofür wärst Du die Gottheit?

Wir befinden uns in der Hölle, dem Stammsitz der Firma „Fate LLP“, dessen Eigentümer und Geschäftsführer S. Atan gerade gemeinsam mit seinem Assistenten Lübke die Zeitung liest.

„Nicht schlecht, Lübke, wirklich nicht schlecht! Dieser Move mit dem Kemmerich – ich gebe zu, ich habe mich schon lange nicht mehr so amüsiert. Wie haben Sie denn diesen FDP-Schergen davon überzeugen können, bei dieser Scharade mitzumachen?“

„Betriebsgeheimnis, Chef!“

*Beide kichern diabolisch*

„Nein, ernsthaft, Lübke, was haben Sie ihm für ein Angebot gemacht?“

„Ich habe ihm gesagt, sobald er auf Erden ab- und hier antritt, stecken wir ihn in eine Vierer-WG mit Genscher, Scheel und Hamm-Brücher, falls er nicht das tut, was wir wollen. Und schon war er zu jeder Schandtat bereit.“

„Aber die sind doch alle gar nicht bei uns!?“

„Ja, aber das weiß doch der Kemmerich nicht!“

*Beide kichern wieder. Doch die höllische Idylle wird jäh unterbrochen, denn plötzlich macht es „paff“ und mit einem Knall verteilt sich eine Rauchwolke im Raum. Inmitten der Rauchwolke sind die Umrisse einer Person auszumachen, die S. Atan sofort erkennt*

„Der Reisswolfblog-Spinner!? Ich fasse es nicht! Nicht der schon wieder!“

„Wo bin ich?“

„Na, denken Sie mal nach … kommen wir Ihnen nicht irgendwie bekannt vor?“

„Oh nein, nicht ihr schon wieder!“

„Lübke, was hat das zu bedeuten? Da kann doch nur ein Missverständnis vorliegen? Klären Sie das! SOFORT!“

„Jawohl, mein Herr und Meister!“

*Lübke verlässt das Chefbüro*

„Was in Dreiteufelsnamen …“

„Muhahaha …“

„Schnauze, Sie Spinner! Was machen Sie schon wieder hier? Wir haben Sie doch unlängst erst in eine ungewisse und eher dystopische Zukunft geschickt.“

„Ach, hören Sir mir doch damit auf. Das war reiner Beschiss!“

„Inwiefern?“

„Na, ich dachte natürlich, ich komme ins Jahr zweitausendsiebenhundertirgendwas oder wenigstens vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxis an, aber nee!“

„Nee?“

„Nee!“

„Inwiefern?“

„Na, ich bin gerade mal im Deutschland des Jahres 2040 gelandet.“

„Na, das klingt doch eigentlich ganz spannend!? Haben Sie sich vielleicht gemerkt, wer in der Zeit bis dahin jeweils Fußballweltmeister geworden ist? Falls ja, gedenke ich dem Wort „Wettbetrug“ eine völlig neue Dimension zu verleihen …“

„Nein, tut mir leid.“

„Na, macht ja nix. Und, wie war es da so?“

„Beschissen! Gauland war Bundespräsident, Höcke Bundeskanzler.“

„Nein!“

„Doch!“

„Ooooh! Und sonst?“

„Sonst? Nun ja, zuhauf fuhren die AfD-Lastwagen durchs Land, um alle die abzuholen, die nicht streng auf Parteilinie waren oder sonstwie nicht ins Menschenbild dieser Schergen passten.

„Aha.“

„Ja. Nach gerade mal drei Tagen standen sie auch bei mir.“

„Und?“

„Oh, die Details möchte ich Ihnen ersparen. Sagen wir mal, es wäre schön gewesen, wenn im Arbeitslager für Sozen und Linke das permanente, trotzige Absingen der Internationale durch die Inhaftierten das Schlimmste an der ganzen Situation gewesen wäre, aber das war vergleichsweise harmlos. Insgesamt war es eine eher … unerfreuliche Erfahrung.“

„Die womit endete?“

„Na, wie gesagt, die Details erspare ich Ihnen. Es endete jedenfalls damit, dass ich nach vergleichsweise kurzer Zeit wieder vor der Himmelstür stand.“

„Aha. Und dann?“

„Na, die Verantwortlichen blubberten so was wie: „Das haben wir uns so nicht gedacht, das tut uns wahnsinnig leid, da muss jemand einen Fehler gemacht haben.“ Den Schuldigen suchen sie wohl jetzt noch.“

„Und weiter?“

„Als Wiedergutmachung hat man mich bei einer Karma-Lotterie teilnehmen lassen. Da gab es verschiedenste Dinge zu gewinnen. Mein persönlicher Gewinn war ein Platz im Pantheon. Mir erschien das nur gerecht, denn, sind wir mal ehrlich: Ich war immer schon eine göttliche Gestalt.“

„Ach, Sie sind der diesjährige Gewinner!? Tja, dann tut es mir leid, Ihnen sagen zu müssen, dass das alles seine Richtigkeit hat. Das ist im Rahmen eines gemeinschaftlichen Joint Venture mit den Himmelsspinnern so abgesprochen.“

„Aber ich sollte ins Pantheon!“

„Tjaaaa …“

„DAS HIER ist das Pantheon? Das kann doch nicht euer Ernst sein?“

„Nun ja, … doch! Das wurde irgendwann von oben hierher outgesourct.“

„Ja, wunderbar. Ihr wollt mich doch verarschen!?“

„Ja, glauben Sie, mir macht das Spaß? Um ehrlich zu sein, waren wir hier alle froh, dass wir Sie los waren. Aber es hilft ja nichts. Also sollten wir uns jetzt Gedanken über Ihre Zukunft im Pantheon machen.“

„Ich darf wirklich eine Gottheit sein?“

„So ähnlich. Wir haben umstrukturiert. Hier bei uns heißen die deshalb Abteilungsleiter. Das ist mehr so auf Höhe eines Schutzheiligen.“

„Okay, besser als nichts.“

„Also, was schlagen Sie vor?“

„Hm, vielleicht der Schutzheilige der Sänger und Musiker?“

„Oh, bitte! Ich habe ihre Akte gelesen. Weder können Sie singen, noch weisen Sie in diesem Bereich sonstige Kompetenzen auf. Außerdem haben wir dafür Lemmy Kilmister.“

„Lemmy ist in der Hölle?“

„Jetzt sagen Sie nicht, dass Sie das wundert! Weiter, was stattdessen?“

„Nun, ich schreibe Rezensionen. Verzeihung, ich schrieb, meine ich. Vielleicht Schutzheiliger der Literaten?“

„Wir haben Kurt Metzner, Leiter der Reichsschrifttumskammer im Dritten Reich. hat den Job von Franz von Sales übernommen. Glauben Sie ernsthaft, Sie könnten das besser?“

„Schutzheiliger des öffentlich-rechtlichen Fernsehens?“

„Das geht nicht, leider hat Klara von Assisi den Job schon.“

„Schutzheiliger des Radios?“

„Jeanne d´Arc“

„Ernsthaft?“

„Japp.“

„Schutzheiliger der Verliebten?“

„Was haben wir heute in einer Woche?“

„Valentinstag?“

„Exakt! Warum, glauben Sie, heißt der wohl so? Denken Sie, wir nehmen Valentin von Terni den Job weg und haben dann nächste Woche den „Reisswolfblog-Tag“? Wie klingt denn das?“

„Hm, ich gebe zu, ich würde das geil finden, aber ich sehe ein, dass sich da wohl nichts machen lässt. Dann vielleicht … oh, ich weiß etwas: Schutzheiliger der sterbenden Sozialdemokratie!“

„Hmmm, das klingt spannend. Die wird zwar noch vor dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen tot sein, aber … ja, doch, das klingt spannend. Natürlich gibt es den Posten bislang nicht, aber das kriegen wir schon hin.“

„Das freut mich. Irgendwer muss ja versuchen, das Deutschland des Jahres 2040 zu verhindern.“

*Lübke kommt außer Atem wieder zurück*

„Chef, ich …“

„Schnauze, Lübke. Ich weiß schon alles. Begleiten Sie jetzt bitte den Spinner auf seinen neuen Posten. Und rufen Sie oben an, ob wir uns Willy Brandt ausleihen können, der soll den Spinner einarbeiten.“

2.) Willkommen im Februar! Wie war der erste Monat dieses Jahres für Dich? Worauf freust Du Dich in diesem?

Och, der Januar war verglichen mit dem des Vorjahres ganz okay. Da mir vollkommen bewusst ist, dass das nicht immer so weitergehen wird, versuche ich mal, ganz in mir ruhend, das ganz entspannt zu genießen. Und so lange mich niemand daran erinnert, dass mein Urlaub praktisch vorbei ist …

3.) Isst Du Süßigkeiten bis Dir schlecht wird oder bist Du diszipliniert?

Da fällt mir die Antwort sehr leicht: Ich bin überhaupt kein Typ für Süßigkeiten, wenn Süßigkeiten wirklich die Geschmacksrichtung süß bedeutet. Ich bin mehr so für das Salzige; während der Super Bowl-Übertragung fiel mir nahezu eine komplette Packung Pringles zum Opfer, aber beim Süßkram bin ich eher diszipliniert.

4.) Die Wahl der Qual: Ständig missverstanden werden oder stets genau wissen, was andere über Dich denken?

Missverständnisse kann man aufklären, aber ich bin mir nicht sicher, ob ich es immer mitbekommen möchte, wenn mich Mitmenschen insgeheim verfluchen, daher nehme ich Ersteres.

 

Das war es auch schon wieder. Ich wünsche allseits einen schönen Restfreitag und einen guten Start in ein schönes Wochenende.

Gehabt euch wohl!

abc.Etüden KW 6/7

abc.etüden 2020 06+07 | 365tageasatzaday

 

Guten Abend, liebe Leserinnen und Leser,

eigentlich hatte ich mir nicht vorgenommen, heute noch in bloggender Hinsicht aktiv zu werden, aber ich muss, ich kriege sonst Sodbrennen. Oder Schlimmeres. Schreiten wir also zur Tat mit der ersten der von Christiane geleiteten Etüden für die Kalenderwochen sechs und sieben zur Wortspende von Alice und ihrem Blog „Make a Choice Alice“.

„Na, wie isses?“

„Wie es ist? Beschissen ist es! Ich fürchte, wir müssen uns auf einen landesweiten, medizinischen Notfall vorbereiten.“

„Corona-Virus?“

„Quatsch, nein, aber hast Du nicht mitbekommen, was im Thüringer Landtag los was?“

„Ja, aber was hat das …“

„Na, und das kann ich mir nur dadurch erklären, dass sich unter den Abgeordneten ein fieses Virus breit gemacht. Eine Art Grippe, bei der offensichtlich das Hirn gebleicht wird.“

„Jetzt wirst Du aber persönlich! Du scheinst ein ähnlich schlechter Verlierer zu sein, wie die Linken-Landeschefin Hennig-Wellsow, die nicht mal in der Lage war, dem Wahlsieger auf angemessene Weise einen Blumenstrauß zu überreichen. Oder wie Nancy Pelosi, die das Manuskript …“

„Jetzt hör mir mal zu: Da lässt sich ein Vertreter einer Partei, die nur um ganze 73 Stimmen über die Fünf-Prozent-Hürde gehüpft ist, aufstellen, der weiß – der ganz genau weiß! -, dass er sich nur mithilfe der Schergen des thüringischen Faschisten wählen lassen könnte, und die CDU hat nichts anderes zu tun, als bei dem Spiel mitzumachen. Statt dann die Wahl nicht anzunehmen, stellt er sich in den ARD-Brennpunkt und behauptet, man würde weiterhin nicht mit der AfD – also denen, von denen er sich eben noch hat wählen lassen – zusammenarbeiten. Zu den Protesten hieß es von ihm, Politik werde im Parlament gemacht und nicht auf der Straße oder über Einzelmeinungen. Einzelmeinungen! Ich erzähl Dir mal was, Kemmerich: Von 100 Einzelmeinungen bei der letzten Thüringen-Wahl sahen etwa 95 so aus, dass Dich und Deine Partei niemand braucht. Anstatt jetzt also die große Fresse …“

„Mäßige Dich …“

„ICH HAB NOCH NICHT MAL ANGEFANGEN! Ich hätte weit Schlimmeres gemacht als Frau Hennig-Wellsow, ich hätte ihm wahrscheinlich auf die Krawatte gekotzt! Und dem Höcke, dessen AfD-Schergen jetzt vermutlich Gruppenknuddeln, dem auch! Dafür wäre ich zwischen erstem und zweitem Kotzen extra nochmal WAS ESSEN GEGANGEN, VERDAMMT!“

„Du bist wirklich sauer …?“

„Aber hallo!“

 

300 Worte, die in einer Gemütsverfassung notiert wurden, die man unter Verwendung des größten, jemals verwendeten Euphemismus gerade noch so als „gereizt“ bezeichnen könnte. Wenn ich geahnt hätte, dass ich Lindners „Es ist besser, nicht zu regieren, als schlecht zu regieren!“ mal zu schätzen gewusst hätte …

Was mich ja besonders aufregt, ist diese arrogante Gehabe der AfD-Vertreter, allen voran dem thüringischen Faschisten, die in ihrer Selbstgerechtigkeit an Schulstreber erinnern, die man früher in der Pause verhauen hat. Dazu kommen noch ganz plötzlich die Verteidiger der Demokratie aus der ganz rechten Ecke, die klarstellen, dass es sich bei der Wahl um einen ganz normalen Vorgange gehandelt habe, und man schon ein merkwürdiges Demokratieverständnis habe, wenn man dagegen argumentiere. Diese Menschen, die es selbst mit der Demokratie nicht so haben und den Artikel 5 des Grundgesetzes immer nur bis zum Ende des ersten Satzes lesen, diese Leute wollen mir was von Demokratieverständnis erzählen …

Wenn jetzt noch der FC Bayern gewinnt, also dann weiß ich auch nicht …

Gehabt euch wohl!

„Teuflischer Walzer“ von Frank Tallis

Buch: „Teuflischer Walzer“

Autor: Frank Tallis

Verlag: btb

Ausgabe: Taschenbuch, 412 Seiten

Der Autor: Frank Tallis ist Schriftsteller und praktizierender klinischer Psychologe. Für seine Romane, vor allem für seine Erfolgsserie um den Psychoanalytiker und Detektiv Max Liebermann, erhielt er zahlreiche Preise, u. a. den “Writers‘ Award from the Arts Council of Great Britain” und den “New London Writers‘ Award”. Tallis lebt in London. (Quelle: Random House)

Das Buch: In einer verlassenen Klavierfabrik wird ein Toter gefunden, auf einem Stuhl sitzend, getötet mit einem Kopfschuss – und mit Säure übergossen. Inspektor Reinhardt ruft seinen alten Freund und Freud-Schüler Doktor Max Liebermann zu Hilfe. Ihre Ermittlungen führen die beiden hinter die schillernde Fassade in die Schattenwelt der Fin-de-Siècle Metropole. (Quelle:Random House)

Fazit: Wenn auf einem Buchcover neben dem eigentlichen Titel zusätzlich „Ein Fall für Max Liebermann“ steht, dann ist davon auszugehen, dass es bereits weitere dieser Fälle gibt, mit denen sich der Leser hätte konfrontiert werden können, es sich also um eine Buchreihe handelt. Und auch im vorliegenden Fall ist das so, denn Frank Tallis schreibt bereits seit seit 2006, als mit „Die Liebermann-Papiere“ der erste Teil erschien, an dieser Reihe. Und manchmal ist es schwierig, als Leser mit Teil sieben in eine solche einzustiegen. Frank Tallis jedoch gelingt, das Kunsstück, dass man „Teuflischer Walzer“ auch ohne gänzliche Vorkenntnisse und als Einzelband lesen könnte. Und das ist nicht der einzige Punkt, der seinen Krimi zu einem lesenswerten Vertreter des Genres macht.

Und das obwohl es auch einiges zu kritisieren gäbe. So könnte man negativ herausstellen, dass man über die Charaktere abseits ihres persönlichen oder familiären Umfelds nicht viel erfährt, Handlungsmotivationen, Denk- und Sichtweisen somit weitgehend im Dunklen bleiben. Hierzu muss man aber einerseits anführen, dass „Teuflischer Walzer“ eben schon Teil sieben einer Reihe ist und eine umfassende Charaktereinführung mutmaßlich – „mutmaßlich“ deswegen, weil ich bislang noch nichts von Frank Tallis gelesen habe – schon vorher stattgefunden hat und zum mittlerweile in der Reihe erreichten Zeitpunkt auch albern wäre.

Dafür funktioneren die Charaktere untereinander sehr gut zusammen. Sowohl das Zusammenspiel zwischen Inspektor Reinhardt und seinem Assistenten Haussmann als auch das zwischen Reinhardt und seinem Freund und Kollegen Liebermann liest sich ausgesprochen unterhaltsam und punktet mit sehr unterschwelligem Humor. Unterschwellig nicht im Sinne von humorlos, sondern eher Sinne von feinsinnig. Auch die Nebencharaktere fallen im schlechtesten Fall nicht negativ auf und sind im besten Fall recht gut gelungen.

Stilistisch kann man Tallis ebenfalls wenig Vorwürfe machen. Er teilt seinen Roman in vier Teile mit insgesamt ganzen 70 Kapiteln ein, die Kapitel als solche sind also relativ kurz, sorgen aber dafür, dass oftmals eine halbe oder gar eine ganze Seite frei bleibt, sich der Krimi in Summe also recht schnell lesen lässt. Positiv fallen hierbei insbesondere die Dialoge auf, die Tallis bzw. dessen Übersetzer Klaus Beer, dem dafür ein großes Lob gebührt, passend zum Jahr 1904, also auf eine gewisse Art zeitgemäß klingen zu lassen, ohne es diesbezüglich zu übertreiben bzw. anachronistisch zu wirken. Hierbei muss allerdings bemerkt werden – dafür können allerdings weder Frank Tallis noch Klaus Beer etwas -, dass sich neben einer Handvoll Rechtschreibfehler wie „auf den Schoss gegossen“ auch oftmals eine eher merkwürdige Zeichensetzung bei den Dialogen bemerken lässt. So werden die Abführungszeichen mehrmals erst mehrere Sätze, nachdem die eigentlich wörtliche Rede beendet ist, gesetzt. Das mag man überlesen und ich möchte dem auch nicht mehr Bedeutung beimessen, als es hat, nur ich persönlich – und ich bilde mir ein, dass es auch anderen Leserinnen und Lesern so geht – bin so konditioniert, dass ich, wenn mir ein solcher Fehler öfter auffällt, ich förmlich danach zu suchen beginne, was meistens zulasten der Aufmerksamkeit für den eigentlichen Inhalt des Gelesenen geht. Kurz: Man kann das also ignorieren, ich konnte es jedoch weniger, deswegen sei es hier erwähnt.

Die Handlung verwirrte zumindest mich zu Beginn durch die Einführung einer Vielzahl von Personen und Schauplätzen, bei denen zum Teil erst vergleichsweise spät aufgeklärt wird, wie die alle zusammenhängen, dafür dann aber umso schlüssiger. Ein riesiger Spannungsbogen voller atemlosen Staunen mag „Teuflischer Walzer“ zwar fehlen, aber die Handlung ist, wenn man die Zusammenhänge mal begriffen hat, in sich logisch, lässt den Leser lange im Dunklen und wird spannend erzählt. Da gibt es also wenig zu meckern.

Darüber hinaus fällt spätestens im Nachwort auf, wie gut recherchiert dieser Krimi ist. Selbst zu eigentlich nur beiläufig erwähnten Details, beispielsweise einer Rechenmaschine, stellt Tallis kurz die historischen Fakten vor, was für mich als geschichtlich interessiertem Menschen immer ein wahres Fest ist und in ausgiebigem Googeln endete. Da das für gewöhnlich in erster Linie historische Romane bei mir schaffen, kann man mit einem Krimi, der so etwas bewirkt, nicht viel falsch gemacht haben.

Wer historische Krimis mag oder die Reihe sogar schon kennt, ist mit Tallis „Teuflischer Walzer“ auf der sicheren Seite.

Ich danke dem btb Verlag sowie dem Bloggerportal für die freundliche Übersendung des Rezensionsexemplars. Die Tatsache, dass es sich dabei um ein Rezensionsexemplar handelte, beeinflusst meine Meinung selbstredend nicht.

Wertung:

Handlung: 7,5 von 10 Punkten

Charaktere: 7,5 von 10 Punkten

Stil: 8,5 von 10 Punkten

Atmosphäre: 9 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 8,125 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: Sobald ich die angemessenen Worte finde, um über Merciers „Das Gewicht der Worte“ zu schreiben, werde ich das tun, bin mir aber, je länger ich darüber nachdenke, umso unsicherer, ob ich das überhaupt möchte … – wir werden sehen.

„Der Fund“ von Bernhard Aichner

Buch: „Der Fund“

Autor: Bernhard Aichner

Verlag: btb

Ausgabe: Hardcover, 348 Seiten

Der Autor: Bernhard Aichner (1972) lebt als Schriftsteller und Fotograf in Innsbruck. Er schreibt Romane, Hörspiele und Theaterstücke. Für seine Arbeit wurde er mit mehreren Literaturpreisen und Stipendien ausgezeichnet, zuletzt mit dem Burgdorfer Krimipreis 2014, dem Crime Cologne Award 2015 und dem Friedrich Glauser Preis 2017.

Die Thriller seiner Totenfrau-Trilogie standen monatelang an der Spitze der Bestsellerlisten. Die Romane wurden in 16 Länder verkauft, u.a. auch nach USA und England. Mit BÖSLAND schloss er 2018 an seine internationalen Erfolge an. (Quelle: btb)

Das Buch: Warum musste Rita sterben? Wer hat die Supermarktverkäuferin, die doch nie jemand etwas zuleide getan hat, auf dem Gewissen? Hat die 53-jährige wirklich ihr Todesurteil unterschrieben, als sie eines Tages etwas mit nach Hause genommen hat, was sie besser im Laden gelassen hätte? Offiziell ist der Fall abgeschlossen – aber da ist einer, der nicht aufgibt. Ein Polizist, der scheinbar wie besessen Fragen stellt – und Ritas Tod bis zum Ende nicht akzeptieren will… (Quelle: btb)

Fazit: Vereinzelten, mir nahestehenden Menschen gegenüber sage ich gelegentlich sinngemäß: „Tu nichts, was ich nicht auch tun würde. Lass Dich nicht anquatschen. Geh nicht mit fremden Menschen mit. Du kennst den Text.“  Nach Lektüre von Bernhard Aichners „Der Fund“ sollte ich diese Litanei vielleicht erweitern um „Nimm nichts mit nach Hause, was Dir nicht gehört.“ Denn die Folgen aus solchem Handeln können, wie uns der hier vorliegende Thriller lehrt, unangenehm sein.

Dabei hatte ich zum Einstieg in das Buch, schon so nach ein paar Seiten, ein ganz seltsames Gefühl von: „Das hab ich doch schon mal gelesen!?“ Seit diversen Neuauflagen von John Katzenbach hatte ich diesbezüglich ja schon des öfteren schlechte Erfahrungen gemacht. Aber bei „Der Fund“ handelt es sich eindeutig um eine Neuerscheinung. Zudem unterscheidet sich insbesondere die Erzählweise so deutlich von anderen Genrevertretern, als es mir aufgefallen wäre, wenn ich damit schon mal konfrontiert worden wäre. Zudem gab sich das erwähnte seltsame Gefühl im Laufe der Zeit. Wo es herrührte, konnte rückblickend nicht mehr geklärt werden.

Aber da wir schon bei der Erzählweise sind: Aichner teilt seinen Thriller in recht kurze Kapitel ein. Diese schildern abwechselnd die Ereignisse rund um Rita und ihren Fund einerseits und die Ermittlungen eines Polizisten andererseits. Letztere Kapitel weisen die Besonderheit auf, dass sie ausschließlich in Dialogform präsentiert werden. Mir persönlich hat das sehr gut gefallen, es stellt sich aber im Laufe der Zeit heraus, dass diese Vorgehensweise die Gefahr der Redundanz birgt. So erfährt der Leser beispielsweise aus einem der Dialog-Kapitel eine bestimmte Information über Rita bzw. über das, was ihr passiert ist und im folgenden Kapitel wird genau das nochmals ausführlicher erzählt. Zwar stellt das kein wirklich großes Ärgernis dar, es fällt allerdings eben doch zuweilen etwas unangenehm auf.

Dass die Charakterzeichnung nicht sonderlich in die Tiefe geht, könnte man ebenfalls der Erzählweise zuschreiben. Zwar findet in den Dialog-Kapiteln eine recht detaillierte Charakerisierung von Rita statt, die sich, je nach Gesprächspartner und dessen Verhältnis zu ihr erfreulich deutlich unterscheidet; um sich seinen anderen Charakteren ausgiebig zu widmen, fehlt Aichner aber auf knapp 350 Seiten einfach die Zeit. Abseits von Rita findet die Charakterzeichnung daher meistens über die Handlungen der Charaktere statt.

Das ist insgesamt auch gar nicht so schlimm, denn das reicht vollkommen, um sich ein schlüssiges Bild über die wichtigsten Personen zu machen, zumal es sich bei „Der Fund“ mal wieder um ein Buch handelt, über das ich in Ermangelung besserer Formulierungen wieder nur sagen kann, dass dabei die Handlung im Vordergrund steht.

Um mag die Handlung an manchen Stellen wegen der oben geschilderten Redundanz auch manchmal haken, so sind insgesamt in diesem Bereich meine Erwartungen voll erfüllt worden. „Der Fund“ ist spannend und insbesondere zum Ende hin recht wendungsreich. Ob man sich damit gleich die Bezeichnung „Thriller“ auf dem Cover verdient, sei dahingestellt, aber spannend ist es allemal. Wer also mal wieder auf der Suche nach einem, ja, nennen wir es ruhig Thriller, mit überschaubarem Umfang, vergleichsweise unblutigem Inhalt und einer wendungsreichen Handlung ist, dem könnte „Der Fund“ gefallen.

Ich danke dem btb Verlag und dem Bloggerportal für die freundliche Übersendung des Rezensionsexemplars. Die Tatsache, dass es sich dabei um ein Rezensionsexemplar handelte, beeinflusst meine Meinung selbstredend nicht.

Wertung:

Handlung: 7,5 von 10 Punkten

Charaktere: 7 von 10 Punkten

Stil: 8,5 von 10 Punkten

Spannung: 8 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 7,75 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Das Gewicht der Worte“ von Pascal Mercier ooooder „Teuflischer Walzer“ von Frank Tallis.