abc.Etüden KW 8/9 V

abc.etüden 2020 08+09 | 365tageasatzaday

 

Hallo, liebe Leserinnen und Leser,

manche Dinge regen mich halt auf. Und das kundzutun, duldet manchmal keine Verzögerung, weswegen es schon wieder mal eine zweite Etüde an nur einem Tag gibt. Sonst alles wie gehabt: Etüdenorganisation: Christiane. Wortspende: BerlinAutor.

 

„Oha, mittlerweile siehst Du aus, als hättest Du verdorbenen Fisch gegessen.“

„Fast. Ich habe in der „Zeit“ einen Artikel über ein Interview des „Handelsblatts“ mit Wolfgang Schäuble gelesen. Und in dem Zusammenhang bekam „schwarze Null“ eine völlig neue Bedeutung …“

„Wieso, was hat er gesagt?“

„Na, der setzt sich da breit hin …“

„Vorsicht!“

„Oh, ja, ähm, keine Absicht – also, er sitzt da und behauptet, dass man im Bundeshaushalt immer mehr für Soziales ausgebe. Das sei nicht besonders weitsichtig. Er sieht die Ursache für die Krise unseres politischen Systems im wirtschaftlichen Aufschwung und plädiert, halt Dich fest, für ein „Bewusstsein der Knappheit“. “

„Oha! Vielleicht ein karnevalistischer Schabernack?“

„Leider nein! Und da haben wir es wieder: Schuld sind wieder die Armen! Dabei sieht es doch so aus: Erstens: Jährlich gehen dem deutschen Fiskus geschätzte 125 Milliarden Euro durch Steuerhinterziehung durch die Lappen. Der aktuelle Bundeshaushalt sieht Einnahmen von 362 Milliarden vor, man könnte also ein Drittel mehr einnehmen, wenn … Zweitens: Als die Cum-Ex-Geschäfte aufgedeckt wurden, wurde nicht zuerst gegen die Verantwortlichen Klage erhoben, sondern gegen den Journalisten, der das aufgedeckt hat. Drittens: Über 1.6 Millionen Menschen in diesem Land müssen ihre Lebensmittel bei der Tafel organisieren, weil Vatter Staat nicht mehr willens oder in der Lage ist, sie angemessen zu versorgen. Soll ich denen mal was von einem „Bewusstsein der Knappheit“ erzählen? Viertens: Das Rentenniveau wurde weiter auf mittlerweile etwa 48 Prozent gesenkt. Dafür hat man vor einiger Zeit die Zuverdienstmöglichkeiten für Rentner erweitert. Zuverdienstmöglichkeiten! Für Menschen, die bereits Jahrzehnte gearbeitet haben! Fünftens: Über vier Millionen Menschen hier haben mittlerweile einen Zweitjob! Währenddessen hat man die Vermögensteuer abgeschafft, besteuert Löhne mit bis zu 42 Prozent, Kapitalerträge aber nur mit 25. Und eine Finanztransaktionssteuer kriegt man auch nicht gebacken!“

„Du bist ja richtig sauer!“

„Ja, bin ich. Hätte er geschwiegen, wäre er Philosoph geblieben … – aber „Bewusstsein der Knappheit“? Zum Kotzen!“

 

300 Worte.

16 Kommentare zu „abc.Etüden KW 8/9 V

    1. Exakt das ist mein Problem damit!

      Außerdem: Da will mir jemand, der sich aufgrund seiner Zeit im Parlament und sonstigen Ämtern nie Gedanken über seine Altervorsorge, Pflege oder, Gott bewahre, auch nur das nächste Monatsende, machen muss, sagen, dass ich mir ein Bewusstsein der Kanppheit aneignen müsse. Jemand, der selbst seinerzeit sechsstellige DM-Beträge für seine Partei am Fiskus vorbei vereinnahmt hat. Eigentlich Realsatire …

      Dass er nebenben bemerkt, dass man sich seiner Meinung nach viel stärker um die wirklich Bedürftigen kümmern müsse, hilft da wenig, denn eigentlich hat er schon bewiesen, dass er nicht begreift, was bedürftig eigentlich bedeutet …

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    1. Tüten, ich hab Tüten vergessen! Guter Gedanke, vielen Dank! ;-)

      Okay, dann wären wir bei, wenn ich mich jetzt – anders als Julian Reichelt von der „Bild“ – nicht verzählt habe, bei zwölf, plus die mir unbekannte Zahl des Clans. Falls wir es schaffen, daraus einen dreiköpfigen Vorstand zu wählen, reicht das schon zur Gründung einer Partei … :-)

      Gefällt 2 Personen

    1. Okay, elf, ich erkenne eine positive Tendenz … :-) Ohne Worte zumindest sollten diese Äußerungen nicht bleiben. Dazu sollte man sogar noch ganz viel Worte sagen. Ich wäre vermutlich in wenigen Minuten bei 3.000 gelandet, aber zehn Etüden sollten es dann doch nicht sein. ;-)

      Schlimm finde ich auch die Kritik an der Mütterrente oder der Grundrente, wenn er Zweifel äußert „ob wirklich alle bedürftig sind, die die Leistung beziehen könnten.“ Ja, Himmel nochmal … kannste Dir nicht ausdenken, so was.

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      1. Das ist die Geschichte von der auseinanderklaffenden Schere, und der Tatsache, dass „die da oben“ sich nicht mehr vorstellen können, wie „die/wir da unten“ leben. Umgekehrt auch nicht, schon klar.
        Marie Antoinette mit ihrem „Sollen sie doch Kuchen essen.“ Mich fröstelt immer, wenn ich mir vor Augen führe, dass sie es nicht besser wusste.
        Aber das sollte bei unseren Politikern, die über unser Wohl und Wehe entscheiden, natürlich nicht so sein. Ich bin dann mal so frei und gehe weiterträumen … 😥

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        1. Fairerweise muss man sagen, dass Marie Antoinette diesen Satz mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nie gesagt hat. Dagegen taucht er in einem Werk von Rousseau auf, aber als der das schrieb, war Marie Antoinette noch ein Kind.

          Aber das Prinzip ist dasselbe. Heute gehört einem Prozent der Bevölkerung so viel Vermögen wie den restlichen 99 Prozent zusammen. Und dieses eine Prozent hat es geschafft, den 99 Prozent einzureden, dass das, was für das eine Prozent gut und richtig ist, auch für alle anderen gut und richtig sein muss. Ebenso verhält es sich damit, dass den Leuten eingetrichtert wurde, Marie Antoinette habe etwas über Kuchen gesagt. :-)

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    1. Danke, dann sind wir schon zwei. Jetzt brauchen wir nur noch knapp 80 Millionen, minus etwa 7-8 % der FDP, die das anders sehen, und minus das rechte Gesindel, und dann tut sich vielleicht mal was. Aber eher lernen Schweine fliegen …

      Gefällt 3 Personen

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