Freitagsfragen #98

Freitagsfragen

Hallo, liebe Leserinnen und Leser,

ausnahmsweise starten wir mal ohne große Vorrede in die Freitagsfragen aus dem Brüllmausblog. Auf gehts.

1.) Was ist ein deutsches Wort oder Sprichwort, das Du super findest?

Plusquamperfekt! :-) Ich fand immer, dass das super klingt. Sprach-Puristen und Anhänger semantischer Spitzfindigkeit mögen einwenden, dass es sich nicht um ein deutsches Wort handelt, weil es aus dem lat. plus quam perfektus (übersetzt etwa „mehr als vollendet“) abgeleitet wird. Ich gedenke diesen Einwand aber zu ignorieren.

Tja, und Sprichworte? Da mag ich ja ganz besonders die falsch verwendeten Sprichworte, solche, bei denen man beispielsweise Wechsel verwörtert oder aus zwei Sprichworten eines zusammensetzt. Wobei das ehrlicherweise oft eher Redensarten sind, aber egal, denn ich bin, was das angeht, eine ganz große Trophäe auf diesem Gebiet, jawohl. Wobei es eigentlich, wenn man mal genauer darüber nachdenkt, dem Fass die Krone ins Gesicht schlägt, wenn jemand noch nicht mal Sprichworte beherrscht. Das geht mir mächtig auf die Palme. Aber da ich ganz entspannt bin, lasse ich mich von so etwas nur selten aus der Konserve locken. Ach, Schwamm beiseite.

Was ich dagegen überhaupt nicht mag, sind diese Motivations-Kalenderpruch-Sprichworte wie „Morgenstund´ hat Gold im Mund.“, „Der frühe Vogel fängt den Wurm.“ „Von nichts kommt nichts“, „Ein jeder ist seines Glückes …“ hüüäääh, ich muss aufhören, sonst übergebe ich mich …

Wenn ich mich für eines entscheiden sollte, wäre das: „Aus dem Stein der Weisen macht ein Dummer Schotter.“

 

2.) (Wie und wofür) belohnst Du Dich?

Öhm, relativ selten. Ich wüsste auch spontan gerade nicht, wofür.

 

3.) Stell Dir einen Ort vor, an dem Du Dich wohlfühlst, der Dich erdet, entspannt und an dem Du Dich frei und zufrieden fühlst. Wie sieht dieser Ort aus?

Wir befinden uns – passionierte Leser ahnen es bereits – in der Hölle, dem Stammsitz der Firma Fate LLP, deren Eigentümer und Geschäftsführer S. Atan gemeinsam mit seinem Assistenten Lübke die neuesten firmeninternen Probleme bespricht.

„Wie, Aufstand im Pantheon? Was wollen Sie mir damit sagen Lübke?“

„Nun ja, dass es … einen Aufstand im Pantheon gibt!? Dieser Reisswolfblog-Spinner hat schon kurz nach seinem Dienstantritt dort seine Kollegen aufgewiegelt und jetzt droht das Ganze zu eskalieren.“

„Ich wusste, dass es mit diesem Idioten nur Ärger geben würde. Holen Sie ihn mir mal her, Lübke.“

„Das … könnte schwierig werden …“

„Weil?“

„Na, der Spinner hat sich in seine Unterkunft zurückgezogen und den Heiligen Georg vorm Eingang Aufstellung nehmen lassen.“

„Wen?“

„Den Heiligen Georg. Den Drachtöter, Sie wissen schon.“

„Oha …“

„Japp, es wird außerdem behauptet, dass er den Erzengel Michael auf seine Seite gezogen hat. Haben Sie den mal gesehen? So eine Kante, der Typ. Kein Wunder, der ist Schutzheiliger der Soldaten, die wissen schon, warum.“

„Hm, das klingt kompliziert …“

„Kompliziert? Wenn Sie mich fragen, Chef: Dieser ganze Scheiß fliegt uns hier bald achtkantig um die Ohren!“

„Nicht so negativ, Lübke. Ich hab´s: Sie sind ab jetzt mein Parlamentär!“

„Ich bin Ihr was?“

„Mein Parlamentär, mein Unterhändler! Sie suchen sich jetzt irgendwo eine weiße Flagge her und …“

„Bei allem Respekt, Chef, aber haben Sie sich kürzlich mal hier umgesehen? Wo, in Gottes Namen, soll ich …“

„LÜBKE!“

„Entschuldigung, ich hab mich vertan. Also: Wo, zum Teufel, soll ich hier eine weiße Flagge finden?“

„Ich bin sicher, Sie werden eine Lösung finden. Nehmen Sie ein Bettlaken, oder so!?“

„Ja, aber die sind in den wenigsten Fällen hier noch wirklich weiß …“

„Nehmen Sie jetzt das verdammte Bettlaken, gehen Sie damit zu dem Spinner, fuchteln ein bisschen damit rum und dann bringen Sie mir den Spinner her.“

*Lübke geht ab. S. Atan nimmt sich die von Lübke überreichten Unterlagen über die Aufstände zur Hand und liest mit zunehmendem Stirnrunzeln die Details. Wenige Minuten später kommt Lübke in Begleitung des Spinners zurück.*

„Okay, Sie Randalierer, Sie Störenfried, Sie … Sie Tumultant!“

„Bitte?“

„Seit Sie hier sind, geht es hier drunter und drüber. Sie haben sogar die Heilige Scholastika aufgewiegelt. Die ist die Schutzpatronin der Nonnen, verdammt, die kann keiner Fliege was zuleide tun. Jetzt brabbelt Sie irgendwas von „Quote“ und trägt Transparente durchs Pantheon! Oder die Heilige Monika, Schutzpatronin der Frauen und Mütter. Die hat mir ein Schreiben geschickt, in dem es um etwas geht, dass sich „Elterngeld“ nennen soll. Elisabeth von Thüringen, Schutzpatronin der Notleidenden fordert Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Und das Lächerlichste: Wir haben im Sinne einer Arbeitsüberlassung den Erzengel Gabriel, Schutzpatron der Briefmarkensammler, in der Verwaltung angestellt. Der fordert jetzt eine Frankiermaschine! Eine Frankiermaschine! Erklären Sie mir, was hier los ist, ja!?“

„Haben Sie sich mal mit den Arbeitsbedingungen in diesem Laden auseinandergesetzt? Ein bisschen sollte man sich an seinem Arbeitsplatz auch geerdet fühlen, entspannt sein, frei und zufrieden.“

„Arbeitsbedingungen? Hier ist die verdammte Hölle, Mensch! Wie hätten Sie es denn gerne? Krankenversicherung, Urlaub, in jeder Pause einen Caipirinha?“

„Seife!“

„Was?“

„Wir brauchen Seife! Sehen Sie nicht, wie schmutig hier alles ist?“

„Aber …“

„Und wissen Sie, was das Schlimmste ist?“

„Nein!?“

„Diese Geschichte führt absolut zu nichts …“

 

Und da das so ist, lassen wir die Kontrahenten jetzt wieder alleine und stellen fest: Die Hölle wäre ein solcher Ort nicht.

Ob ich mich geerdet, frei und zufrieden fühle, hat letztlich weniger mit Orten und mehr mit Menschen zu tun, in deren Gegenwart ich mich aufhalte. Das kann dann im Grunde fast überall sein.

 

4.) Die Wahl der Qual: Sollen lieber alle außer Dir fliegen oder Gedanken lesen können?

Ganz einfach: Mir wäre es lieber, wenn alle außer mir fliegen könnten, denn darauf habe ich ohnehin keinen Bock.

 

 

Das war es auch schon wieder. Ich wünsche allseits noch einen schönen Restfreitag und ein anschließendes schönes Wochenende.

Gehabt euch wohl.

10 Kommentare zu „Freitagsfragen #98

  1. Ich möchte die Sammlung noch um das Kaffeetassen-Niveau erweitern: „Morgenstund hat Blei im Knie“ sowie „Der frühe Vogel kann mich mal!“ Beides entspricht durchaus meiner persönlichen Erfahrung und Einstellung.
    Hatte ich schon mal erwähnt, dass ich (unter anderem) deine Freitagsantworten in der Hoffnung auf ein neues Stückchen „Fate LLP“ verschlinge?
    Gehab dich heiter! 😉
    Liebe Grüße
    Christiane 🤣🤣🤣

    Gefällt 2 Personen

    1. Auch schöne Beispiele. ;-)

      Und ja, es soll vereinzelte Personen geben, die es hinsichtlich der „Fate LLP“ genauso sehen wie Du – umso betrüblicher, dass mir heute nichts Sinnvolles eingefallen ist … :-)

      Gefällt 2 Personen

  2. Auch pensionierte Leser ahnten die Hölle als Bühne der Konfrontation.
    Ich schätze im Übrigen verfälschte Fremdwörter, die das Eigentliche noch mehr verdeutlichen. Z. B. den Ferrari-Marmor, die Erklärung zu einem Choleriker, er sei gegen bestimmte Themen algerisch (ein köstliches Bild) sowie die Aussage der Mega-Shopping-Frau eines beförderten Abteilungsleiters, sie müsse jetzt schließlich respektieren.
    Herzlich gelacht habe ich einmal bei dem mahnenden Spruch: Der frühe Wurm fängt den Fisch. Rührt er doch von einem doppelten Missverständnis her. Meine Antwort, das spreche doch eher gegen frühes Aufstehen, wurde nicht recht verstanden und führte zu einer algerischen Reaktion.

    Gefällt 4 Personen

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