abc.Etüden KW 8/9 III

abc.etüden 2020 08+09 | 365tageasatzaday

 

Hallo, liebe Leserinnen und Leser,

„Ein´ hab ich noch!“, würde Otto Waalkes sagen. Ich könnte mir den folgenden Text auch bis morgen aufsparen, aber dann kriege ich nur wieder Sodbrennen. Manches muss halt raus. Diesmal aus der Kategorie „Unwissenheit kann ein Segen sein“ oder auch „Dinge, die ich lieber nie erfahren hätte“ oder eben „Da sieht man sich mal einen Tag nicht die Nachrichten an …“ Ansonsten alles so, wie gehabt: Etüdenorganisatorin: Christiane. Wortspende: BerlinAutor.

 

„Boah, Höcke, ey!“

„Willst Du mich beleidigen?“

„Ach, Quatsch, nur hat der thüringische Faschist mal wieder den Mund aufgemacht. Diesmal bei dem Pegida-Schabernack in Dresden.“

„Und?“

„Und was er da wieder gesagt hat! Nicht, dass er sich zum ersten Mal im Ton vergriffen hätte. Schon in seinem Buch …“

„Der kann schreiben?“

„Ja, wundert mich auch. Jedenfalls, schon da schrieb er 2018 etwas davon, dass man Deutschland von „kulturfremden“ Menschen zu säubern habe, und dass man dabei wohl „um eine Politik der ‚wohltemperierten Grausamkeit'“ nicht herumkommen werde. Und dass „wir leider ein paar Volksteile verlieren werden, die zu schwach oder nicht willens sind“ dabei mitzumachen und dass die Demokratie sich im „letzten Degenerationsstadium“ befinde und dass …“

„Alter, lass gut sein, entweder ich kotze gleich oder ich ramme mir Bleistifte in die Ohren! Das kann sich doch kein geistig gesunder Mensch anhören. Und so einer will mir was von „Degeneration“ erklären. Was war denn nun in Dresden?“

„Nun, er bezog sich auf die Gegendemonstranten, die angeblich in linken Vereinen organisiert seien, stellte sich breit hin und sagte dazu, wenn die AfD an der Macht sei, „werden wir die sogenannte Zivilgesellschaft, die sich aus Steuergeldern speist, leider trockenlegen müssen“. Außerdem stehe das Land Kopf, das Unterste müsse wieder nach unten gestellt werden.“

„Aaalter … – Mundtotmachen aller politischen Gegner und ein Aufruf zum Umsturz also!?“

„Das kann man so sehen. Jedenfalls, jetzt liegt eine Anzeige gegen ihn wegen Volksverhetzung vor.“

„Sauber! Gut zu wissen, dass sich doch noch jemand gegen ihn erhebt.“

„Ja, aber das bringt doch alles nichts, so lange die Pegideppen weiter auf die Straße gehen. Man sollte ja meinen, dass auch denen das Geschwafel vielleicht mal zu hart geworden wäre, aber nee, dem Vernehmen nach wurde er von den Teilnehmern der Pegida-Demo frenetisch bejubelt.“

„Und so geht die Freiheit zugrunde – mit donnerndem Applaus!“

 

300 Worte.

 

 

18 Kommentare zu „abc.Etüden KW 8/9 III

  1. Ich verstehs nicht. Es ist so, als würden so Menschen sich so krass wie bei einer Religion damit identifizieren, aber nicht aus der Sinnsuche ehraus, sondern von Angst getrieben. aber Angst hin oder her, so sehr kann man sein Hirn doch nicht Ausschalten. Pfuh…manchmal will ich in den Schreibtisch beißen.

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    1. Ja, ich verstehe es ja auch nicht. Aber es hat in der Tat Grundzüge einer Religion: Egal, wie logisch auch die Argumente dagegen sein mögen, man glaubt halt einfach daran, was der Mensch da vorne sagt, weil nicht sein kann, was nicht sein darf.

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  2. Solange die gewollte Ungleichheit zwischen Arm Und Reich bewußt aufrecht erhalten bzw. herbeigeführt wird (siehe nur Mindestlohn, Billiglohnland Deutschland, Konzernabzocke durch die Großindustrie) brauchen die Kapitäne unserer „Totenschiffe“ halt Nebenkriegsschauplätze, um uns weiter einzunebeln und von den eigentlichen Gegebenheiten abzulenken.
    Oder sieht man irgendwo ernsthafte Bemühungen, Pegida und Höckers gegen die Schienenbeine zu treten?

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    1. Nee, man sieht leider keinerlei solche ernsthaften Bemühungen, das ist auch das, was mich so stört. Niemand ist da, der dem Höcke sagt: „Jetzt reichts!“

      Dabei könnte man den Rechten so gut das Wasser abgraben, wenn man sich wirklich mal mit den Themen Mindestlohn, Hartz-IV-Sätze und ähnlichem beschäftigen würde. Denn sobald die Menschen sich weniger bis kaum Gedanken machen müssen, wie sie selbst durchkommen, brauchen Sie auch keine Verteilungskämpfe mehr mit einem vermeintlichen Feindbild zu führen und sich nicht mit vermeintlichen Lösungen zu beschäftigen.

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    1. Ich wehre mich ja immer, wenn jemand sagt sinngemäß sagt „Dieses oder jenes sollte Schulfach sein!“, weil ich dann immer darauf hinweise, dass für jedes „dieses oder jenes“ ein anderes Fach wegfallen muss, aber Besuche solcher Gedenkstätten sollten meines Erachtens, losgelöst von der Schulform, tatsächlich absolut verpflichtend sein.

      Nun kann es aus unerfindlichen Gründen ja immer mal sein, dass so ein Besuch doch ausfällt. Wenn man den dann selbst mit seinen Kindern unternimmt, finde ich das umso löblicher.

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    1. Weil das Menschen sind, die entweder strunzdumm, total abgewichst oder vollkommen indifferent sind. Mehrfachnennungen sind möglich. Das sind Menschen, denen völlig egal ist, was all den Menschen passiert, die nicht sie selbst sind. Also alle anderen. Vielleicht abzüglich derer, die die gleiche „Meinung“ vertreten wie sie.

      Vielleicht sind es auch simpel alles Arschlöcher …

      Aber das muss man sich mal vorstellen: Da stellt sich der Höcke da hin und nennt die Gegendemonstranten „die Opfer der deutschen Bildungskatastrophe“. DER MANN WAR LEHRER! Wenn, dann hat ER also diese Bildungskatastrophe mitzuverantworten. Top job, Björn!

      Der eigentliche Auswuchs der Bildungskatastrophe ist doch eben dieses rechte Gesindel! Wenn im Jahr 2017 4 von 10 Schülern ab 14 Jahren nichts mehr mit dem Namen Auschwitz anfangen können, dann liegt doch grundlegend was im Argen!

      Dem allen könnte man entgegentreten, indem man wirklich mal eine Bildungsoffensive startet. Aber darauf warte ich wahrscheinlich noch sehr lange …

      Gefällt 2 Personen

    1. Joah, so kann man das sagen … Hm – ich überlege, ob für den Höcke nicht vielleicht in der FPÖ noch Platz wäre, dann muss ich mich nicht dauernd aufregen … aber ihr wollts den wahrscheinlich auch nicht haben, was!? ;-)

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          1. Ach nein, bitte nicht, wir haben schon genügend eigene „Spitzenpolitiker“. Und erfreulicherweise steckt die FPÖ in jeder Hinsicht in größeren Schwierigkeiten ….. dudeldummmm, duddeldöööööö …..

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          2. Ja, schon, aber sieh es doch mal so: Das wäre ein Akt der Nächstenliebe dem schönen Nachbarland gegenüber. ;-)

            Oder wir tauschen!? Einen Strache gegen einen Höcke? Und weil wir mal nicht so sein wollen, sind wir mal großzügig und legen noch einen Gauland und eine Weidel obendrauf? Klingt doch fair, oder!? ;-)

            Gefällt 2 Personen

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