abc.Etüden KW 8/9 II

abc.etüden 2020 08+09 | 365tageasatzaday

 

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

manchmal gibt es Geschichten, bei denen ich annehme, dass sie überregional kaum zur Kenntnis genommen werden, es sei denn man liest diese boulevardeske Rohstoffverschwendung mit den vier großen Buchstaben, und sind wir mal ehrlich: Wer tut das schon!? Und so eine Geschichte ist heute an der Reihe. Wie gehabt, werden die Etüden von der lieben Christiane organisiert, die Wortspende kommt diesmal vom geschätzten Kollegen René aka BerlinAutor.

 

„Na, schon vom aktuellen Schabernack aus Hannover gehört?“

„Bürgermeister-Rücktritt?“

„Was? Schon wieder? Nein!“

„Sondern?“

„Die Medizinische Hochschule Hannover hat man kürzlich einen Patienten aus Montenegro aufgenommen.“

„Und?“

„Nun, dem Vernehmen nach handelt es sich um einen montenegrinischen Mafiaboss, der dort, in Montenegro, nach allen Regeln der Kunst über den Haufen geschossen worden sein soll.“

„Und?“

„Seine Frau, mittlerweile auch hier, behauptet, dass es da eine Verwechslung gegeben haben soll. Der Mafiaboss heiße so wie ihr Mann, sei aber 15 Jahre älter.“

„Ja, nee, is´ klar.“

„Jedenfalls hat man aus Montenegro Kontakt zur MHH aufgenommen, die zugesagt hat, ihn zu behandeln, die Kosten der Behandlung wollte er selbst tragen. Privatpatient halt.“

„Und?“

„Tja, ab da ist wohl einiges schief gelaufen. Erst bei der Ankunft habe der begleitende Arzt gesagt, dass der Typ in der Klinik in Montenegro von einem großen Polizeiaufgebot geschützt worden sei. Also hat man auch hier die Polizei kontaktiert. Mittlerweile wird ein SEK aufgeboten. Der zuständige Minister ist erst Tage später informiert worden.“

„Und?“

„Tja, nun erhebt sich Volkes Seele und allgemeiner Zorn macht sich breit. Denn irgendjemand muss den SEK-Einsatz ja bezahlen. Normalerweise der Steuerzahler. Das sieht der Bund der Steuerzahler aber nicht ein. Darüber hinaus wird der Klinik Gier vorgeworfen, zumal ja nicht mal klar ist, ob das Geld, mit dem die Behandlung gezahlt wird, aus legalen Quellen stammt.“

„Na, aber was hätte man denn machen sollen? Da er nun mal hier ist, sollte man sich an das Grundgesetz § 2 erinnern. Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit und so. Und um den Polizeieinsatz hat er sicherlich nicht gebeten.“

„Das ist alles richtig, was Du sagst. Aber: Währenddessen kommt es vor, dass weniger gut situierte Notfallpatienten in Kliniken abgelehnt werden und wer einen neuen Hausarzt sucht, ist erst so richtig in den Arsch gekniffen. Da passt doch was nicht!“

 

300 Worte.

 

 

13 Kommentare zu „abc.Etüden KW 8/9 II

  1. Auf die Schnauze hauen ist Selbstjustiz und als Protestmittel wohl eher nicht geeignet.
    Und wo willst Du anfangen zu selektieren? Ein Bekannter von uns hat eine Augenkrankheit. Er ist 93 Jahre alt, hat jetzt insgesamt 10 Augenspritzen a EUR 1.800,– bekommen. Zahlt auch die Gemeinschaft. Und auch einem erwischten Mörder, der selbst schwer verletzt ist, müssen wir aus ethischen Gründen helfen und können ihn nicht verbluten lassen.
    Aber wenn er die Operation selbst bezahlt, dann kann man ja wohl auch die SEK Sicherungskosten von ihm verlangen wollen.

    Gefällt 2 Personen

    1. Klar wäre das Selbstjustiz, alle anderen Formen des Protests haben aber bis hier ja nichts geholfen, denn die Leute laufen dem Demagogen ja immer noch nach, da muss man sich mal Alternativen überlegen … ;-) Natürlich plädiere ich nicht dafür, irgendwem auf die Fresse zu hauen, aber es gibt Menschen, für die gibt es in meinem begrenzten Wortschatz nicht genug Beleidigungen. Menschen, die das Schlimmste in mir zum Vorschein bringen.

      Im vorliegenden Fall geht es mir eher darum, dass jemand der stinkreich ist, und sein Geld möglicherweise illegal erwirtschaftet hat, in der Lage ist, sich eine gute Versorgung zu erkaufen, während andere abgelehnt werden. Natürlich hat der Mann Rechte und das erwähne ich ja auch, und ihn hier zu behandeln ist die einzige, menschliche Lösung, aber dennoch bleibt da ein Geschmäckle. Inwiefern es möglich ist, ihm den Polizeieinsatz in Rechnung zu stellen, wird man sehen …

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  2. Ich staune. Okay, zweierlei Maß. Aber wen wundert das?
    Und jetzt, wo ich dies schreibe, finde ich, dass das der eigentliche Skandal in unserer schönen Demokratie ist: dass es nicht mal mehr mich wundert.
    Tja.
    Trübsinnige Grüße
    Christiane 😒☕👍

    Gefällt 3 Personen

    1. Eben! Es wundert nicht nur niemanden mehr, es interessiert doch bald auch niemanden mehr! Als Beatrix von Storch 2016 „von der Maus abgerutscht“ war, gab es noch so etwas wie einen Skandal. Heute wäre das nicht mal mehr eine Randnotiz. Das ist für mich das eigentlich Schlimme: Dass Faschisten wie Höcke eigentlich unaussprechliche Dinge propagieren können und sich die Menschen – auch und gerade aus der Politik – allenfalls halbherzig wehren und sich niemand hinstellt sagt: „Björn, es reicht! Wenn Du weiterhin davon schwafelst, dass man „leider Bevölkerungsteile verlieren“ werde, Björn, dann werden wir Dir leider auf die Schnauze hauen müssen!“

      Gefällt 3 Personen

  3. Es ist tatsächlich faszinierend welche Neuigkeiten sich deiner stets zu bemächtigen wissen. Denn da ich die papiergewordene Verschwendung mit den vier Buchstaben nicht verfolge bleibe ich doch gut informiert. Mal sehen wie sich das fortsetzt mit dem montenegrinischen Padre :-)

    Gefällt 1 Person

    1. Die Nichtverfolgung der Rohstoffverschwendung finde ich lobenswert. :-) Und, nun ja, man schnappt halt schon so das eine oder andere auf. Bin selbst gespannt, wie es da so weitergeht, wenn man den Leserkommentaren bei den Onlineauftritten diverser Tageszeitungen folgt, dann stehen wir wohl kurz vor einer umfassenden Revolution …- aber die bekommt außerhalb von Südniedersachsen dann auch wieder keiner mit. :-)

      Gefällt 3 Personen

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