abc.Etüden KW 6/7 IV

abc.etüden 2020 06+07 | 365tageasatzaday

Hallo, liebe Leserinnen und Leser,

das Reh springt hoch, das Reh springt weit, warum auch nicht, es hat ja Zeit. Also, gerade nicht viel davon, aber ein bisschen schon. Und da bietet sich immer mal wieder eine kurze Ausgabe der von Christiane geleiteten Etüden an. Wenn da nur nicht die Wortspende von Alice wäre – „gebleicht“, jetzt mal ehrlich … :-)

 

„Na, was gibt es Neues?“

„Peter Gabriel wird 70!“

„Njaaaa …“

„Gut, dann was anderes: Heute ist Welttag des Radios!“

„Njaaaa …“

„Oookay, dann doch lieber Altbekanntes. Reden wir über Spahn!?“

„Oh, ja, thematisieren wir also doch nochmal das Coronavirus oder die Grippe? Ausgebleichte, kranke Menschen, die zu knuddeln ich gerade nicht empf …“

„NEIN!“

„Schade … also?“

„Na, Spahn hat gestern seinen Entwurf zur Intensivpflege im Kabinett durchgeboxt. Das Problem mit den Beatmungspatienten, Du erinnerst Dich?“

„Ja, sicher. Und?“

„Nun, es gab da durchaus noch Verbesserungen, aber …“

„Aber …“

„Na, beispielsweise muss ich, wenn ich als Beatmungspatient zu Hause bleiben möchte, dem MDK nachweisen, dass die Pflege dort auch möglich ist.“

„Das bedeutet?“

„Na, ich muss den MDK-Schergen in meine Wohnung lassen, ob ich das will oder nicht. § 13 GG ist Spahn wohl unbekannt. Und ob man zu Hause ggf. schon seit Jahren intensivmedizinisch gepflegt wird und selbst vielleicht am besten einschätzen kann, wie gut das läuft und wie gut das möglich ist, ist völlig irrelevant.“

„Und falls ich mich weigere?“

„Wird mir die heimische Pflegunterbringung zwingend versagt. Auch wenn da ein MDK-Lokalfürst reinstolziert, der sich für Prinz Pommes hält und sagt: „Nee, also hier geht das nicht!“, obwohl es ggf. seit Jahren ging, hat man wohl schlechte Karten.“

„Oha!“

„Japp! Dazu kommt noch, dass man als stationärer Patient Zuzahlungen für 28 Tage pro Jahr zu leisten hat, diese 28-Tage-Grenze bei Heimunterbringung aber wegfällt.“

„Sehe ich das richtig? Ich kriege Betreuungsgeld, wenn ich auf eine Kita verzichte, aber ich werde finanziell schlechter gestellt, wenn ich auf Heimunterbringung verzichte?“

„Japp!“

„Oha.“

„Und das Schönste: Das Ganze wird ein Einspruchsgesetz, benötigt also nicht die Zustimmung des Bundesrates. Der kann nur Einspruch einlegen.“

„Und dann.“

„Muss das Gesetz erneut im Bundestag mit absoluter Mehrheit verabschiedet werden.“

„Von dem Organ, dass es schon mal verabschiedet hat?“

„Japp …“

„Das ergibt total Sinn …“

 

300 Worte.

 

 

18 Kommentare zu „abc.Etüden KW 6/7 IV

  1. Mit viel Geld wenig leisten, das waren schon immer die Leitlinien im Gesundheits- und Verteidigungsministerium. Das Verkehrsministrerium hat sich das auch zu Herzen genommen und unser neuer Innenminister arbeitet auch dran. Da kann man schon bald sagen: Armes Deutschland.

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  2. Diese Vorgänge finde ich ganz besonders perfide, da es keine logisch nachvollziehbare Begründung dafür gibt, eher viele dagegen, und man sich dennoch den Zwangsmaßnahmen – und um nichts Anderes handelt es sich – nicht entziehen kann.
    Es bestimmt ja seit Jahren schon der Vorsatz das politische Pflegegeschehen, die Menschen möglichst zur Heimunterbringung zu nötigen durch unterschiedliche Pflegesätze – Pflege privat bei Pflegegrad III 545,-€, im Heim 1.262,- €. Bei Synchronisierung wäre es weit mehr Menschen möglich, ihre Berufstätigkeit aufzugeben oder einzuschränken, um zu Hause zu pflegen. Auch hier wird bisweilen bei den Berichten zur Begutachtung regelrecht gelogen. Widerspruch wird wie gehabt von derselben Stelle bearbeitet und im schlechtesten Fall die Zweitbesichtigung ebenfalls von derselben Person vorgenommen.
    Meine Einschätzung des Herrn Spahn habe ich in einem Kommentar zur AKK-Nachfolge so kundgetan: Herr Spahn ist für mich ein schwacher Mensch, der gerne bedeutend sein möchte, weshalb er zu Übersprungshandlungen neigt, und ist deshalb in keinem politischen Amt eine gute Wahl.

    Gefällt 3 Personen

    1. Ja, allerdings, es handelt sich natürlich um Zwangsmaßnahmen. Man gaukelt vor, es gäbe da eine Wahlmöglichkeit, wenn aber diese Wahlmöglichkeit vom Wohlwollen des MDK abhängt, ist es keine Wahlmöglichkeit mehr, sondern ein Antrag.

      Was die häusliche Pflege angeht, so bin ich ganz selbstverständlich der Meinung, dass pflegende Angehörige für die Zeit, die sie Familienmitglieder pflegen, eine finanzielle Unterstützung in exakt derselben Höhe bekommen müssen, wie man sie für den identischen Zeitraum bei Heimunterbringung bekäme. Wie man das dann finanziert, wäre tatsächlich mal eine Frage, mit der sich Spahn beschäftigen könnte, anstatt immer neues Sparpotenzial zulasten der Betroffenen auszuloten.

      Deine Einschätzung zu Herrn Spahn teile ich vollumfänglich.

      Aus Platzgründen habe ich mir noch gespart, darauf hinzuweisen, dass eine Überprüfung durch den MDK, auch bei Menschen mit progressiven Erkrankungen, jährlich zu erfolgen hat. Das wäre so, als kämen die jährlich bei mir vorbei, um zu überprüfen, ob ich nicht doch plötzlich einschränkungsfrei laufen könnte, oder bei einem Blinden, um zu prüfen, ob der nicht vielleicht mittlerweile wieder sehen kann …

      Gefällt 3 Personen

  3. Oha!
    Ich habe diesen Herrn gefressen und als ich jetzt noch hörte, dass er sich eventuell als Kanzlerkanditat aufstellen lassen will, wollte ich sofort ausreisen! Nee, ich bin auch nicht für den Mann mit dem großen M am Anfang seines Namens … ich will endlich Menschen an dieser Stelle sehen, wenn du weißt was ich meine …
    liebe Grüße
    Ulli, die sich schon fast über nix mehr wundert …

    Gefällt 2 Personen

    1. Du liebe Zeit, das hat er ja wirklich so durchblicken lassen! Er habe immer gesagt „dass ich bereit bin, Verantwortung zu übernehmen“, na, herzlichen Glückwunsch! Danke, aber danke, nein! :-) Er kommt ja schon der Verantwortung seiner jetzigen Position nicht vollständig nach.

      Und ich verstehe absolut, was Du meinst. Es braucht tatsächlich mehr „Menschen“ in der Politik, Menschen, denen man das „Menschliche“ nicht sofort abzusprechen geneigt ist, weil man den Eindruck hat, dass sie Interessenpolitk für wenige betreiben.

      In der SPD wäre Martin Schulz so einer gewesen, aber nachdem die Menschen festgestellt haben, dass auch der nicht in der Lage sein wird, ihnen allen einen blattgoldverzierten Porsche vor die Tür zu stellen, und sein Medien-Team offensichtlich der Meinung war, ihn viel zu oft nahezu identische Reden halten zu lassen, liefen ihm die potenziellen Wähler wieder weg. :-(

      Gefällt 2 Personen

  4. Ach du Sch… ande. Ich erinnere mich lebhaft an Diskussionen an anderer Stelle.
    Wer hat den bloß in die Politik geschickt? Wahrscheinlich wollten sie ihn dort auch nicht, wo er vorher war, und haben ihn weggelobt. 😩
    Liebe Grüße
    Christiane, kopfschüttelnd 🤔

    Gefällt 3 Personen

    1. Tja, ich weiß es nicht … Er war mehrere Jahre gesundheitspolitischer Sprecher seiner Partei, deswegen ging man wohl davon aus, er könne den Job. Und das „Ärzteblatt“ urteilt über ihn: „Der amtierende Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter gibt dem oft blassen Regierungsamt einen kaum dagewesenen Glamourfaktor.“

      Das wäre jetzt nicht unbedingt meine Wortwahl gewesen, ich hätte eher gesagt: „Der neue Gesundheitsminister ordnet das Wohl des Menschen den Kosten unter, die sie verursachen.“ :-)

      Gefällt 4 Personen

        1. Ich? Das hat mir noch niemand unterstellt! ;-)

          Tja, ich beginne meistens mit Empörung, hangele mich dann rüber zur Sachlichkeit und lande, nachdem ich fetsgestellt habe, dass weder Empörung noch Sachlichkeit etwas nennenswert verbessert haben, bei der Resignation … :-)

          Gefällt 1 Person

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