„Könige der Finsternis“ von Nicholas Eames

Buch: „Könige der Finsternis“

Autor: Nicholas Eames

Verlag: Heyne

Ausgabe: Paperback, 636 Seiten

Der Autor: Nicholas Eames wurde in Wingham, Ontario geboren. Er besuchte das College für Theaterkünste, gab seine Schauspielkarriere aber auf, um Fantasy-Romane zu schreiben. »Könige der Finsternis« ist sein Debütroman. Er lebt in Ontario, Kanada. (Quelle: Random House)

Das Buch: Einst war Clay Cooper Mitglied der gefürchtetsten Söldnertruppe im ganzen Land. Kein Ungeheuer, das nicht von ihnen besiegt wurde. Keine Jungfrau in Nöten, die nicht von ihnen gerettet wurde. Inzwischen liegen die Heldentage lange hinter Clay – er hat eine Familie, arbeitet bei der Stadtwache. Dann steht eines Tages sein Freund Gabriel vor der Tür und bittet Clay um Hilfe bei einer Mission, der sich nur die tapfersten Krieger anschließen würden – oder die dümmsten: Gabriel will die alten Gefährten zusammentrommeln und in ein neues Abenteuer ziehen. Doch ein Held zu sein, ist heutzutage gar nicht mehr so einfach wie früher … (Quelle: Random House)

Fazit: Wenn „Buzzfeed Books“ über „Könige der Finsternis“ urteilt: „George R. R. Martin meets Terry Pratchett!“, dann vermittelt das eher den Anschein, als würde man simples Namedropping betreiben, einfach, weil es gut klingt. So ähnlich wie zu den Zeiten Anfang der 2000er, als auf nahezu jedem neu erschienenen Fantasy-Buch ein Vergleich mit J. R. R. Tolkien abgedruckt war, deren dämlichster bis heute gewesen sein dürfte: „Passt perfekt neben J. R. R. Tolkien ins Buchrregal“, über ein Buch, dessen Titel ich leider verdrängt habe, das aber wohl genauso gut neben das Telefonbuch von Olpe im Sauerland ins Regal gepasst hätte.

Denn oben genanntes Urteil ist per se nicht vollständig falsch, allerdings doch ein wenig dick aufgetragen. George R. R. Martin hat in vielen Jahren ein Fantasy-Universum und Figurenensemble erschaffen, das derart komplex geworden ist, dass es ihn mittlerweile offensichtlich selbst beim Schreiben blockiert und Terry Pratchett hat uns legendäre Zitate über die Existenz des Schnabeltiers, den sich selbst in Ohnmacht salutierenden Troll Detritus und nicht zuletzt den ausschließlich in Großbuchstaben sprechenden TOD hinterlassen,  mit dem man beizeiten übrigens mal reden müsste, weil ich Pratchett gerne zurück hätte …

Man tut einem jungen Autoren also meines Erachtens keinen großen Gefallen, wenn man gleich bei seinem Romandebüt derartig überzogene Vergleiche anführt. Zumal „Könige der Finsternis“ das auch gar nicht nötig hat, die Lektüre war nämlich in der Tat recht unterhaltsam, auch wenn es durchaus Anlass zur Kritik gibt.

Positiv zu bemerken ist erst einmal, dass es sich bei Eames´ Erstling um ein Buch handelt, das sich gut als Einzelband lesen lässt, selbst wenn im April mit „Die schwarze Schar“ eine Art Fortsetzung erscheint. Diesen ersten Band teilt der Autor in gut 50 Kapitel, eingerahmt von Prolog und Epilog.

Dabei wird schon zu recht zu Beginn deutlich, dass Eames ein humorvolles Buch schreiben wollte. Phasenweise gelingt ihm das. Und wenn, dann sogar richtig gut. Über weite Strecken empfinde ich den Humor allerdings als etwas infantil bis pubertär. Nun ist an infantilem bis pubertärem Humor erst mal nicht das Geringste auszusetzen, wenn die Gags allerdings zu gefühlten 85 % irgendeine Art sexueller Anspielung sein sollen und die meisten davon auch nicht sonderlich subtil sind, dann nutzt sich das relativ schnell ab und endet, zumindest bei  mir, irgendwann in genervtem Augenrollen und dem Wunsch, der Autor würde sich diesbezüglich endlich etwas zusammenreißen.

Glücklicherweise schafft er das im Laufe des Buches auch immer besser, sodass man sich als Leser vollkommen auf die Handlung, die Charaktere und, ja, so drei bis vier richtig gute Gags einlassen kann.

Eames hat seinen Debütroman mit einer derartigen Fülle an Fantasy-Geschöpfen bevölkert, die teilweise nur in wenigen Zeilen erwähnt werden, und die seltsamerweise mehrheitlich auf Seite der Bösen stehen, dass sich in diesem Bereich sogar der eingangs erwähnte Tolkien etwas hätte abschauen können. Dadurch entsteht für mich der Effekt, das Eames´ Welt eine Lebendigkeit hat, die sich wohltuend von simplen „Gut-Gegen-Böse-Geschichten“ und Heldenreisen abhebt, obwohl auch „Könige der Finsternis“ im Kern sowohl das eine als auch das andere ist.

Und würde man seinen Roman allein wegen der Geschichte lesen, obwohl diese durchaus den einen oder anderen kreativen Farbtupfer hat, so wäre man möglicherweise etwas enttäuscht. So wird beispielsweise deutlich, dass der Autor noch so seine Probleme mit einem angemessenen Erzähltempo hat. Denn das oben erwähnte Zusammentrommeln der alten Gefährten, die Wiedervereinigung der legendären Söldnertruppe „Saga“ also, dauert tatsächlich schon bis etwa zur Hälfte des Buches. Da ist man als Leser schon zufrieden, dass die Gruppe nur aus fünf und nicht etwa aus 15 Leuten besteht …

Durch die in die Reunion investierte Zeit, fehlt Eames natürlich in der Folge, auch wenn „Könige der Finsternis“ an keiner Stelle überhastet wirkt, die Möglichkeit, die Ereignisse in dem ausführlichen Rahmen zu erzählen, den sie manchmal verdient hätten. Denn ehe man sichs versieht, ist das Buch auch schon wieder vorbei.

In erster Linie kann der Roman daher hinsichtlich seiner Charaktere überzeugen. Eames hat da schon eine illustre Truppe alternder Spinner ersonnen, die man mehrheitlich einfach gerne haben muss. Sei es der Zauberer Arcadius Moog, der beiläufig erwähnt, nach einem Spinnenbiss eine Woche lang unsichtbar gewesen zu sein, was das Einkaufen deutlich erschwert habe, der rechtschaffene Clay Cooper oder aber die Kopfgeldjägerin Rittersporn, von der ich mir übrigens eine ganz eigene Romanreihe aus Eames Feder wünschen würde, wohlwissend, dass diese Wunsch wohl nie erfüllt wird, sie alle wissen zu gefallen, bringen ihre ganz individuellen Eigenheiten und Eigenschaften mit und lassen den Leser Anteil an ihrem Schicksal haben. Lediglich hinsichtlich des Ettins – kurz gesagt: groß, stark, zwei Köpfe – namens Gregor bzw. Dane, hatte ich so meine Probleme.

Ingesamt ist „Könige der Finsternis“ eine ziemlich wilde Mischung aus Fantasy, „The Expendables“ und den Rolling Stones. Wer an so etwas Spaß hat, kann bedenkenlos zugreifen.

Wertung:

Handlung: 7,5 von 10 Punkten

Stil: 8 von 10 Punkten

Charaktere 8,5 von 10 Punkten

Atmosphäre: 8 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 8 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Der rote Judas“ von Thomas Ziebulla.

8 Kommentare zu „„Könige der Finsternis“ von Nicholas Eames

    1. ich würde ja sagen, man gewöhnt sich an den Humor, aber: leider nein! ;-) Ausnahmsweise würde ich kaum eine Gewähr dafür übernehmen, dass Dir das Buch gefällt, da ist die Tendenz bei „Goldkind“ schon wesentlich eindeutiger. :-)

      Und sonst? Fieber?

      Gefällt mir

        1. Dann wünsche ich erneut gute Besserung, diesmal euch beiden und erwarte vom Universum, dass meine Wünsche gefälligst sofort umgesetzt werden. Andererseits wollte ich das Universum nicht wieder provozieren … ;-)

          Und viel viel Vergnügen bei der zweiten Hälfte der Staffel, auch wenn das jetzt meine erste Wahl im Krankheitsfall wäre … :-)

          Gefällt 1 Person

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