abc.Etüden KW 2/3 II

abc.etüden 2020 02+03 | 365tageasatzaday

 

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

wenn schon von sonst niemandem, so werde ich wenigstens gelegentlich von der Muse geküsst. Nein, nicht die Band! Und da die kurze, etüdenfreie Zeit ja segenswerterweise vorbei ist, kann ich dem Ergebnis daraus ja auch wieder gelegentlich Ausdruck verleihen. Also gibt es heute zur angenehmen Wortspende der Etüdenorganisatorin Christiane höchstselbst eine weitere Etüde. Bar jeden Humors und unter der Rubrik „Return of the Versmaß“ übrigens. Auf  gehts:

 

„Na, was machst Du?“

„Pssst, ich dichte. Auch in 2020 wieder.“

„Oh, na dann will ich Dich mal nicht weiter …“

„Warte! Hör Dir wenigstens an, was ich habe.“

„Also, um ehrl…“

„Och, bitte.“

„Na gut.“

„Okay, also hier, ich nenne es „Der Weltenwächter“.

„Klingt nach Fantasy …“

„Leider nicht … – also:

Es war einmal ein Präsident,
und noch dazu ein ziemlich schlechter,
der sich in ´ne Idee verrennt,
er hält sich für den Weltenwächter.

Entdeckt für sich das Kommandieren,
kurz darauf sind Menschen tot,
nun, das kann ja mal passieren,
des Opfers Auto glüht noch rot.

Man wünscht, es wäre noch Advent,
der Präsident im Skiurlaub,
man wünscht, er hätte dort verpennt,
und wär´ verfall´n zu Staub.

Stattdessen nun Raketen ziehen,
ihre Spur am Firmament,
ob bald nun wieder Menschen fliehen?
Na, sicher nicht der Präsident.

Er sieht sich weiter voll im Rechte,
obschon nun weit´re Menschen tot,
wohl dieser Mensch, der schlechte,
nie hat gehört von Mordverbot.

Es schmiedet nun der micktig´Wicht,
weiter stur sein Ränkespiel,
warum, weshalb, das weiß man nicht,
was ist denn nun sein Ziel?

Man wünscht ihm endlich mal ein Hirn,
denn ohne eins erscheint er dumm,
selbst wenn er trägt den feinsten Zwirn,
ach wäre er doch endlich stumm.

Na, was hältst Du davon?“

„Gefällt mir! Das muss man sich aber wirklich vorstellen: Da befiehlt ein Präsident einen Mord – ohne Haftbefehl, Festnahme, Anklage, Prozess oder Gerichtsurteil, einfach so. Nun handelt es sich beim Mordopfer nicht um ein Unschuldslamm, allerdings ist das völlig egal, denn dieses Vorgehen entspricht nicht meinem Verständnis eines Rechtsstaats.“

„Exakt! Und niemand stellt sich hin und sagt: „Das war eine dumme Idee und Du bist ein Trottel!“ Nein, alle sagen der Gegenseite: „Bitte seid lieb, schießt nicht zurück!“ Kannste Dir nicht ausdenken, so was.“

„Ich sehe, wir sind uns ausnahmsweise einig.“

 

300 Worte.

 

 

 

22 Kommentare zu „abc.Etüden KW 2/3 II

  1. Dein Gedicht trifft es sehr pointiert. Es ist schon gruselig. Da denkt man so ein Präsident sollte kompetent sein und dann kommt Trump. Ich hab das Gefühl in einem Albtraum zu sitzen, in dem fast alle anderen vollkommen irrational handeln.
    Grüße, Katharina

    Gefällt 1 Person

    1. Ganz herzlichen Dank!

      Ja, da entspricht ziemlich genau meinem Empfinden. Man steht mittig zwischen einer Riege durchgeknallter Polit-Spinner und denkt sich: „Ihr habt doch alle einen an der Waffel!“, ohne dass man etwas dagegen tun könnte. Unangenehmes Gefühl!

      Gefällt 1 Person

  2. Auszug aus Wikipedia:
    „Donald John Trump (* 14. Juni 1946 in Queens, New York City, New York) ist ein US-amerikanischer Unternehmer, Entertainer und seit Januar 2017 der 45. Präsident der Vereinigten Staaten.

    Und in Abwandlung einer Strophe von Truck Stop (Der wilde wilde Westen):

    Ob du aus New York City kommst
    Oder als Präsident aus Washington
    Das ist doch so was von egal
    Solang du denkst du bist im Honkytonk
    Und stehst im Bierlokal
    Mit ein paar Cowboyboots und einem Fernwehblues
    Und einem kleinen Knacks im Herz
    Dein Kreislauf geht nach oben
    Wenn du die Drohnen fliegen hörst!

    Gefällt 2 Personen

  3. Den trifft leider kein Schlag, denn ein Attentäter, über den streiten sie sich in Himmel und Hölle noch, denn keiner will ihn irgendwo haben und auf den guten alten Mond sollte man ihn auch nicht schießen, das hätte der Mond nicht verdient, vielleicht zur Betageuze in ein schwarzes Loch. Ich frage mich nur, wie eine ganze Nation so verblendet sein kann, so einen Präsidenten zu wählen. Dass sie ihn einmal gewählt haben, ist ja noch zu verzeihen, aber es besteht ja die Gefahr, dass er vier Jahre weiter im Amt bleibt: Gnade der Welt!!!
    Likeshoch10 für Dich, Karin

    Gefällt 2 Personen

    1. Nach Dante käme er in den siebten Höllenkreis für Gewalttäter, ich denke nicht, dass es da Unstimmigkeiten hinsichtlich der Zustimmung gäbe. Sicherlich gäbe es welche, die ihn dort nicht haben wollen, aber hey, es ist immerhin die Hölle, da kann man sich vermutlich relativ wenig aussuchen … :-)

      Im Übrigen gilt gleiches Recht für alle, wenn das also der Mond nicht verdient hätte, dann auch kein unschuldiges schwarzes Loch in Richtung Betageuze. ;-)

      Ich hab schon die Wahl nicht verstanden, die Gründe dafür sind wohl auch vielschichtiger, als dass man sie hier kurz zusammenfassen könnte, aber viel hat wohl mit dem anscheinend weitverbreiteten Wunsch zu tun, endlich wieder sagen zu dürfen, was man denkt. Und wenn der Präsident selbst dafür sorgt, dass die Messlatte dessen, was man tun und sagen darf, weit nach oben verschoben wird, indem er – Jahre her, das Ganze – darauf verweist, wo er Frauen gerne hingreift oder sich in einer PK über einen behinderten Journalisten lustig macht, dann finden das die Leute offensichtlich toll und sehen sich darin betärkt, sich selbst aufführen zu dürfen, wie der letzte Arsch.

      Ähnlich ist es doch hierzulande mit den zur Gruppe der „Dawimadonosadüs“ (Das-wird-man-doch-noch-sagen-dürfen) zählenden AfD-Wählern.

      Herzlichen Dank Dir!

      Gefällt 2 Personen

    1. Ich kann Dir jedes Buch der Welt signieren, wenn Du möchtest, aber einen Lyrik-Bank aus meiner Feder wird es wohl nie geben, denn, man mag es kaum glauben, Lyrik – also, so richtige, nicht ein paar rumplige Verse zweifelhaften Versmaßes – ist so gar nicht meine Stärke. ;-)

      Sollten sich meine Talente allerdings mal dahingehend verschieben und ich ernsthaft über einen solchen Band nachdenken, ist ein signiertes Exemplar für Dich natürlich vorgemerkt. :-)

      Gefällt 1 Person

  4. Es erwischt immer die Falschen im Skiurlaub, so eine kleine Lawine … aber herrjeh, soll ich mich nun schuldig machen, weil ich Böses wünsche?! Okay, dann eben keine Lawine, nur plötzliche Auflösung zu Staub, okay.
    Es ist ein Grauen …
    seufzend ab.
    Ulli

    Gefällt 3 Personen

    1. Es finde die plötzliche Auflösung zu Staub auch viel spektakulärer! ;-) Ich wünsche ja tatsächlich niemandem etwas Böses, ich wünsche mir nur, dass dieser Mensch irgendwann mal morgens wach wird und ihn die Erkenntnis trifft: „So kann ich nicht weitermachen!“ Das wird zwar nicht passieren, aber wünschen kann ich es mir dennoch.

      Gefällt 2 Personen

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