Prangenten e.V. prangert an: Mangelndes Sprach – und Demokratieverständnis

 

Hallo, liebe Leserinnen und Leser,

die Stammleserschaft weiß es längst, den anderen sei es hier nochmal gesagt, nämlich, dass der geschätzte Bloggerkollege René und ich vor ziemlich genau einem Jahr – genau eine Woche fehlt übrigens noch zum einjährigen Jubiläum – den non-profit-Haufen „Prangenten e.V.“ hochgezogen haben, mit dem Ziel, alles was es landauf, landab anzuprangern gibt, auch anzuprangern. Anfänglich zugegebenermaßen ins Leben gerufen, um selbiges eher mit einem Augenzwinkern zu tun, nehme ich mir in jüngerer Vergangenheit die Freiheit heraus, verstärkt Dinge anzuprangern, die mir tatsächlich ernstlich auf den, sagen wir vorsichtig Keks gehen. Auch heute wieder:

 

Wer aufmerksam die Medien verfolgt, dem wird vielleicht schon bekannt sein, dass der MDR jüngst Uwe Steimle gefeuert hat. Vor dem Hintergrund der Ewigkeit und der Sinnlosigkeit allen irdischen Seins könnte man das mit der Nichtbeachtung strafen, die dieser Sachverhalt eigentlich verdient hat, wenn da nicht Steimles Reaktion wäre, die eigentlich nicht unwidersprochen bleiben darf.

Was war nun im Einzelnen passiert?

Uwe Steimle ist Schauspieler, Kabarattist, wenn man den Begriff wohlwollend auslegt, und Satiriker, zumindest selbsternannter. Bekannt wurde er einer breiteren Öffentlichkeit als Ermittler im „Polizeiruf 110“. Als 2008 bekannt wurde, dass die Reihe mit Steimle nicht fortgesetzt werden soll, vergriff sich der Schauspieler erstmalig im Ton und sprach von „Dolchstoß“ und „Berufsverbot“. Er forderte sogar eine Art Sondersendung am Sonntagabend, in der er mit dem damaligen ARD-Programmdirektor über das Thema diskutieren wollte. Eine völlig angemessene Reaktion, schließlich fordere ich meinen Chef auch immer auf, sich mit mir auf dem Marktplatz auf Apfelsinenkisten zu stellen, und es auszudiskutieren, wenn wir mal unterschiedlicher Meinung sind. Gleich, nachdem ich ihm vorgeworfen habe, mich mundtot zu machen …

Auch in der Folge hat sich Steimle häufig diskussionswürdig verhalten, bezeichnete beispielsweise den jetzigen Außenminister Maas, den man auch gar nicht mögen muss, als „Arsch“ und „Flachzange“, weil dieser es doch tatsächlich gewagt hatte, etwas Negatives über die Pegidioten und deren peinliche Veranstaltungen zu sagen. Er verbreite falsche Gerüchte über Flüchtlinge und verglich die Rassisten von „Revolution Chemnitz“ mit der Olsen-Bande.

Während dieser Zeit stand Steimles Haus- und Hofsender, der MDR, immer hinter seinem Künstler, egal, wie streitbar er auch war.

Nun aber hat Steimle vor einigen Wochen der Wochenzeitschrift „Junge Freiheit“, die sogar von der „Welt“ – und das will was heißen – schon vor 10 Jahren als „Sprachrohr der Neuen Rechten“ bezeichnet wurde, ein Interview gegeben, in dem er – die Lektüre des Interviews empfehle ich übrigens, allerdings nur unter vorheriger Einrichtung von Sicherheitmaßnahmen, wie einem Eimer, einer Tüte oder einem sonstigen Behältnis, welches für die Aufnahme des Mageninhaltd geeignet erscheint – unter anderem Dinge gesagt hat wie

„(…) glauben Sie zum Beispiel bitte nicht, wir hätten einen staatsfernen Rundfunk!“

denn

„Inzwischen weiß jeder, daß etwa Atlantikbrücke-Mitglied Claus Kleber der Karl-Eduard von Schnitzler der BRD ist, zusammen mit seiner Marionetta Slomka.“

Auch da gab es seitens des Senders lediglich einen obligatorischen Schuss vor den Bug.

Angesichts dieser Reaktion stellt der Schauspieler in einem weiteren Interview, diesmal bei der „Neuen Thüringer Zeitung“ klar, er sei „entsetzt und traurig“, dass sich der Sender nicht schützend vor ihn stelle.

Nachdem also Steimle seinem eigenen Haus- und Hofsender, genauer gesagt seinem Arbeitgeber (!), mangelnde Staatsferne vorgeworfen hat, und dann noch beleidigt darüber war, dass man ihm dafür nicht huldigt, war für den Sender jetzt der Ofen aus: Steimle wird gefeuert, seine aktuelle Sendereihe im nächsten Jahr nicht fortgesetzt.

Der Schauspieler zeigt nach dieser Reaktion, dass er das Beleidigtsein aber noch viel besser beherrscht, sagt er doch zu seinem Rauswurf:

„Ich wurde entfernt, das ist eindeutig Berufsverbot, Zensur ersten Grades!“

und

„Eine Demokratie, die der freien Meinungsäußerung keinen Raum lässt, muss sich fragen lassen, ob sie noch eine Demokratie ist“

Berufsverbot, Zensur, Meinungsfreiheit:  Steimle braucht nur zwei Sätze, um zu verdeutlichen, dass er drei  wichtige bis tragende Begriffe unseres Grundgesetzes nicht begriffen hat.

Ein Rauswurf bei einem Arbeitgeber IST kein Berufsverbot, es ist ein Rauswurf, mehr nicht. Und im vorliegenden Fall auch noch mehr als gerechtfertigt. Wenn ich in meinem Büro aufspringe und lauthals „Heil Dir im Siegerkranz“ gröhle, wird mein Arbeitgeber sicherlich auch erst mal irritiert sein, belässt es aber, falls ich ganz viel Glück habe, dabei, weil er meint, dass ich vielleicht Montag habe oder es allgemein gerade nicht so leicht oder was auch immer. Wenn ich ihn aber dann zum Mitsingen auffordere, er das nicht tut, und ich meinen Unmut darüber äußere, ihn in der Folge meinetwegen als illoyalen, blöden Sack beschimpfe, dann, ja dann verliere ich wohl meinen Job. Das bedeutet aber nicht, dass man mir verbietet, weiterzuziehen und zu versuchen, meinen Job ein paar Häuser weiter fortzusetzen. Bis ich dann wieder „Heil Dir im Siegerkranz“ gröhle …

Wenn mir mein Arbeitgeber in diesem, zugegeben, abstrusen Szenario, allerdings kurzerhand verbietet, weiter Siegerkranz-Lieder zu singen, ist das genausowenig Zensur, wie es das ist, wenn der MDR seine Arbeit mit ihm beendet. Das ist eine reine Personalentscheidung, sicherlich auch eine wirtschaftliche, hat aber mit einer Zensur nicht das Geringste zu tun. Genauso wie ich als Arbeitnehmer das Recht habe, mich bei jedem Arbeitgeber der Welt zu bewerben, so hat der Arbeitgeber das Recht, zu entscheiden, wer für ihn tätig ist.

Und was die Meinungsfreiheit angeht, so findet sich auf der Facebook-Seite des Schauspielers ein Bild mit der Text:

„Solidarität mit Uwe Steimle -„Steimles Welt“ wurde eingestellt. Teile dieses Bild, wenn auch DU der Meinung bist, dass das eine Einschränkung der Meinungsfreiheit ist“.

Ich werde aufgefordert, meine Meinung (!) darüber abzugeben, ob  man die Meinungsfreiheit einschränkt … – kannste Dir nich ausdenken, so was …! In einer Welt, in der gerichtlich festgestellt wurde, dass Frau Künast sich online aufs Übelste beleidigen lassen muss, wir behauptet, dass der „Meinungsfreiheit keinen Raum“ gelassen wird. Kannste Dir ebenfalls nich ausdenken, so was …!

Nein, was Menschen wie Steimle, der noch 2009 für „Die Linke“ Mitglied der Bundesversammlung war, in der Zwischenzeit also eine bemerkenswert lange Strecke in der deutschen Parteienlandschaft zurückgelegt haben muss, beklagen, hat mit mangelnder Meinungsfreiheit nichts zu tun.

Das, was Leute wie Steimle wollen, ist, rassistischen Unfug absondern zu dürfen. Und das, was Menschen wie Steimle fordern, ist, dass ihr rassistischer Unfug nicht nur unwidersprochen bleibt, nein, sie wollen dafür auch noch Zustimmung, wollen auch noch Lob dafür bekommen.

Das sag ich mal spontan: Nö!

Herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit.

 

30 Kommentare zu „Prangenten e.V. prangert an: Mangelndes Sprach – und Demokratieverständnis

  1. Ja, das Augenzwinkerm ist hier dem Finger gewichen, dem erhobenen.

    Ich selbst kenne den Kollegen so gut wie gar nicht. Wenn aber jemand einen solchen langen Weg nimmt (ein gut gewählter und passender, aber mir bis dato unbekannter Ausdruck für „nicht nachvollziehbare politische 360 Grad-Wende“), und das nicht zu Guten, dann dies auf diese Art angeprangert.

    VG, René

    Gefällt 1 Person

  2. Gefeuert werden, weil man seinen Job schlecht macht (Arbeitnehmer im TV repräsentieren auch den Sender) ist also Beschränkung der Meinungsfreiheit. Find ich irgendwas zwischen traurig und lustig. Vllt auch beides.
    Grüße, Katharina

    Gefällt 1 Person

    1. Ja, der Grundsatz, dass immer andere für eigenes Fehlverhalten verantwortlich gemacht werden, spielt in der Argumentation dieser Menschen auch immer eine bedeutende Rolle, das stimmt.

      Was machen wir denn jetzt mit Deinem Schleudertrauma – das hab ich nicht gewollt …!? :-)

      Gefällt 3 Personen

  3. DANKE! DANKE! DANKE!
    Du sprichst mir aus der Seele.
    Ich musste den mal live sehen. Ein Freund – der aus gutem Grund keiner mehr ist – lud mich ein. Ich kannte den Uwe nicht. Außer aus den schrecklichen 110-Folgen. Und da fand ich ihn schon so grotten-SCHLECHT! Ich wunderte mich, dass der Uwe sich traute in Hamburg aufzutreten und seine merkwürdigen Ansichten zu teilen. Das Publikum war daher auch eher zurückhaltend mit seiner Begeisterung. Zudem wunderte ich mich, dass der MDR sich so einen Menschen leisten kann, oder will.
    Solche Menschen begreifen einfach gar nicht, was Meinungsfreiheit ist. Vor allem eben auch die Freiheit dem zuhören zu wollen.

    Gefällt 2 Personen

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