„Das Floß der Medusa“ von Franzobel

Buch: „Das Floß der Medusa“

Autor: Franzobel

Verlag: btb

Ausgabe: Taschenbuch,

Der Autor: Franzobel, geboren 1967 in Vöcklabruck, ist einer der populärsten und polarisierendsten österreichischen Schriftsteller. Sein Werk wurde vielfach ausgezeichnet. Mit seinem Roman „Das Floß der Medusa“ stand er auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis, und er erhielt den Bayerischen Buchpreis. (Quelle: btb)

Das Buch: 18. Juli 1816: Vor der Westküste von Afrika entdeckt der Kapitän der Argus ein etwa zwanzig Meter langes Floß. Was er darauf sieht, lässt ihm das Blut in den Adern gefrieren: hohle Augen, ausgedörrte Lippen, Haare, starr vor Salz, verbrannte Haut voller Wunden und Blasen … Die ausgemergelten, nackten Gestalten sind die letzten 15 von ursprünglich 147 Menschen, die nach dem Untergang der Fregatte Medusa zwei Wochen auf offener See überlebt haben. Da es in den Rettungsbooten zu wenige Plätze gab, wurden sie einfach ausgesetzt. Diese historisch belegte Geschichte bildet die Folie für Franzobels epochalen Roman, der in den Kern des Menschlichen zielt. Wie hoch ist der Preis des Überlebens? (Quelle: btb)

Fazit: Zugegeben, es sind der Beispiele zu wenige, um daraus eine generelle Tendenz abzuleiten, aber: Es scheint sich so darzustellen, als würden mir Bücher, die für den Bayerischen Buchpreis nominiert wurden oder diesen gewonnen haben, ganz besonders liegen. So halte ich Klaus Cäsar Zehrers Buch „Das Genie“ (nominiert 2017) immer noch für eines der besten Bücher, die ich in den letzten fünf Jahren gelesen habe, und auch Franzobels „Das Floß der Medusa“ (Preisträger 2017) gefiel mir ausnehmend gut.

Darin schildert Franzobel die Ereignisse rund um den Untergang des Schiffs Medusa im Jahr 1816 vor der Küste Mauretaniens und er tut das auf eine Weise bzw. bedient sich dabei erzählerischer Kniffe, die man mögen oder eben auch nicht mögen kann.

Der Autor erzählt seine Geschichte streng chronologisch, beginnend mit der Zeit vor der Ausfahrt des Schiffes. Dabei wendet er sich einem umfangreichen Figurenensemble zu, allerdings ohne eine der Figuren explizit als Protagonisten herauszufiltern, vielmehr stehen lediglich mit dem Schiffjungen Viktor, dem zweiten Schiffsarzt Savigny sowie dem Matrosen Hoesa Thomas einige Personen mehr im Fokus als andere.

Und an diesen Charakteren könnte man trefflich herumkritisieren, denn sie wirken in der Mehrzahl doch teils deutlich überzeichnet, beispielsweise in Form des als grenzenlos inkompetent dargestellten Kapitäns Chaumareys. Wenn man sich aber ein wenig mit der Materie befasst, muss man zum Schluss kommen: Der war tatsächlich grenzenlos inkompetent! Und insgesamt passen die in Summe etwas überzeichneten und jenseits der Norm liegenden Charaktere auch wunderbar zu den späteren Ereignissen auf dem Floß, denn Selbstmorde, Morde in Form von Erschießungen, Kannibalismus etc. liegen, ich denke, da sind wir uns einig, schließlich ebenfalls weit jenseits der Norm. Lediglich die Gouverneursgattin Reine Schmaltz habe ich hier zu kritisieren, deren historisches Vorbild wohl eine von wiederkehrenden Depressionen geplagte Frau war, von denen man bei Franzobels Reine nichts bemerkt, der sie eher als eine arrogante, abgehobene, verzogene und über dem Pöbel stehende Adlige zeichnet, was mich tatsächlich etwas störte.

Während des gesamten Buches bedient sich Franzobel eines rauen, schonungslosen Erzählstils. Neben diversen Szenen expliziter Gewalt, die aber, zumindest in meiner Wahrnehmung, niemals um des Effektes selbst eingefügt werden, sondern, weil sie teils den Tatsachen entsprachen, teils halt in sich stimmig sind, sind auch Stellen vertreten, an denen es durchaus mal eklig bis unappetitlich werden  kann. Und manchmal stolpert man in solche Szenen auch unversehens hinein und denkt sich: „Boah, iiiih!“ Nun, zumindest tat ich das …

Darüber hinaus macht sich im stilistischen Bereich der Verzicht auf einen klar auszumachenden Protagonisten bezahlt. Das ermöglicht Franzobel, erzählerische Kamerafahrten zu machen und dem Leser das Gefühl zu geben, er würde von oben herab auf die Geschehnisse auf der Medusa betrachten können. Gut gelöst!

Hinsichtlich der Handlung hält sich der österreichische Autor, so weit meine umfassende Google-Recherche ergab, erfreulich nah an die historischen Realitäten, bemüht sich aber, in seinem Buch durchscheinen zu lassen, dass er hier keinen historischen Roman schreibt, sondern eher einen um historische Fiktion angereicherten Tatsachenbericht. Und er lässt auch keinen Zweifel daran, dass er aus heutiger Sicht auf die Geschehnisse blickt, beispielsweise, indem Charaktere mit aktuellen Prominenten verglichen werden (Schwarzenegger etc.). Das muss man nicht mögen, und mich riss es tatsächlich immer wieder unangenehm aus der Lektüre, als Stilmittel weiß ich es aber zu schätzen. Das kann man so machen.

Man sollte meinen, um herauszufiltern, was aus Menschen in Extremsituationen werden kann, reiche es, einen handelsüblichen Oktoberfestbesuch zu unternehmen, man kann sich aber auch Franzobels „Das Floß der Medusa“ zur Gemüte führen, dessen Buch ganz unter dieser Frage steht. Und die Antworten, die der Autor, sein Buch, seine Charaktere geben, beruhigen eindeutig nicht, in Summe ist „Das Floß der Medusa“ dennoch höchst lesenswert.

Und um herauszufinden, ob es tatsächlich eine Korrelation zwischen dem Bayerischen Buchpreis und meinem Buchgeschmack gibt, wäre es jetzt eigentlich angeraten, sich zeitnah mit dem diesjährigen Preisträger David Wagner und seinem Buch „Der vergessliche Riese“ zu beschäftigen. Nun, wir werden sehen …

Ich danke dem Bloggerportal und dem btb Verlag für die freundliche Übersendung des Rezensionsexemplars. Die Tatsache, dass es sich um ein Rezensionsexemplar handelt, beeinflusst meine Meinung selbstredend nicht. Mein besonderer Dank geht an die freundliche Mitarbeiterin bei Random House, die sich nicht nur hinsichtlich meines Interesses an Franzobels Roman verständig zeigte, sondern mich gleichzeitig von der Bürde befreite, ein Buch lesen zu müssen, nach welchem mir mittlerweile nicht mehr der Sinn stand.

Wertung:

Handlung: 9 von 10 Punkten

Charaktere: 8,5 von 10 Punkten

Stil: 8,5 von 10 Punkten

Atmosphäre: 10 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 9 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: Schaun mer mal …

Prangenten e. V. prangert an: Spar(kassen)maßnahmen und Barrierefreiheit

 

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

der geschätzte Bloggerkollege René und ich bilden seit mittlerweile geraumer Zeit den non-profit-Haufen „Prangenten e.V.“ (weitere Mitstreiter sind übrigens nach wie vor absolut willkommen), mit dem Ziel, Dinge, die Unbill bereiten, standesgemäß anzuprangern, oftmals geschieht das mit einem gewissen Augenzwinkern, manchmal, so wie heute, handelt es sich um Dinge, die aber wirklich, wirklich ätzend sind. Auf gehts!

 

Sparkasse, oh, Sparkasse!

Ich hab Dich einst geliebt, Sparkasse! Bereits als Kind wartete ich ungeduldig auf so weltumspannende Ereignisse wie den Weltspartag, an dem ich freudestrahlend meine übers Jahr angesammelten Ersparnisse – so ich denn welche hatte – in Deine Obhut verbrachte, auf dass sie von Dir in Kapitalanlagen investiert würden, die heutzutage Christian Lindner schamhaft erröten und Friedrich Merz in mitleidig-sarkastisch-hysterisches Übersprungskichern ausbrechen ließen, und um dort in Deinen Heiligen Hallen dämliche Comics abzugreifen, in denen Menschen mit den seltsamen Namen Backbert und Steuerbert herumliefen, und ich wundere mich, dass es alles das noch gibt, den Weltspartag, die mittlerweile obsoleten Kapitalanlagen und „Knax“.

Ja, liebe Sparkasse, Dich und mich verbindet eine schon recht lange Geschichte, eine, die – man kann es kaum anders sagen – von gegenseitigem Geben und Nehmen geprägt ist. Gut, einmal wurde diese Beziehung nachhaltig belastet, als ich irgendeinen Riester-Mist, von dem ich mittlerweile weiß, dass ich damit vermutlich im Alter, so ich es erreiche, so gar nichts anfangen kann, unterschrieb, und das nur, weil mich eine Deiner Mitarbeiterinnen, Sparkasse, bei jedem meiner Besuche so penetrant mit der Frage nervte, ob ich nicht irgendeinen Riester-Mist unterschreiben wolle und die Möglichkeit der Unterschrift mir sinnvoller erschien, als die Mitarbeiterin mitten in eurer kameraüberwachten Hauptstelle in ihre verdammte Halsschlagader zu beißen, wiewohl mir danach eher der Sinn gestanden hätte.

Nun, wie auch immer, diese unsere danach wieder weitgehend harmonische Beziehung wurde dadurch geprägt, dass es Dich, Sparkasse, damals™ auch im ländlichen Raum noch gab. In meinem kleinen, beschaulichen etwa 900 Seelen umfassenden Dorf gab es in den 80ern nicht nur eine Deiner Filialen, Sparkasse, nein, es gab auch einen Bäcker, eine Post, zwei Kneipen, einen „co op“-Markt und einen täglichen Kuh-Abtrieb von den Weiden in die Ställe. Mittlerweile gibt es davon nichts mehr. Im erwähnten Markt residiert heute ein Atiquitätengeschäft und in Deinen ehemals Heiligen Hallen, Sparkasse, hat sich ein Elektriker-Fritze häuslich eingerichtet und der Verkehr auf den Straßen, auf denen einst Kühe marschierten, hat dich gefühlt vervierfacht.

Inwieweit all dies – vom Kuh-Abtrieb mal abgesehen – einen Fortschritt darstellt, lasse ich dahingestellt. Und Du, Sparkasse, kannst ja auch gar nichts dafür! Du kannst nur etwas für Deine kleinen Filialen, also lass uns an dieser Stelle mal über Deine kleinen Filialen reden.

Ja, ich weiß, Sparkasse, Dir wäre es auch lieber, wir würden über die neue Tesla-Fabrik in Deutschland reden oder darüber, dass gestern der Tag des schlechten Wortspiels war und ich könnte Dich damit erfreuen, dass ich frage, warum man statt Flugangst nicht „Airfurcht“ sagt, oder fragen, was braun ist und nicht schwimmt, worauf die Antwort „ein U-Brot“ lauten würden, aber, Sparkasse, das sind alles andere Geschichten, die an einem anderen Tag erzählt werden sollen.

Also kommen wir wieder zu den Filialen. Natürlich ist mir klar, dass diese irgendwie rentabel sein müssen und da ich keine Einblicke in Deine Finanzen habe – Du in meine aber schon, worüber wir eigentlich auch mal diskutieren müssten  -, muss ich Dir glauben, dass es wirtschaftlich notwendig war, im Laufe der Zeit so ziemlich alle ländlichen Zweigstellen zu schließen, und die dort arbeitenden Menschen zu großen Teilen in den Trubel des Arbeitsmarktes zu entlassen.

Und in denen, die es noch gibt, arbeiten mittlerweile auch keine Menschen mehr, sondern dort steht in den meisten Fällen lediglich ein Geldautomat sowie ein Kontoauszugsdrucker und manchmal ein Überweisungsautomat. So auch in dieser kleinen sympathischen Zweigstelle unweit meines Arbeitsplatzes, über die ich mit Dir, werte Sparkasse, gerne reden würde.

Diese hat, im Gegensatz zu den meisten anderen Zweigstellen, einen elementaren Vorteil: Man kann dort sitzen! Sitzen! Das Liegen des kleinen Mannes! Wie komfortabel. Und für mich, der ich, wie Du, liebe Sparkasse weißt, nicht so gut zu Fuß bin, von elementarer Wichtigkeit, denn wenn ich stehend Überweisungen am dafür vorgesehenen Automaten vornehmen möchte, bekomme ich sehr schnell, spätestens bei der zweiten Überweisung, das, was im Biathlon-Sport „Nähmaschine“ genannt wird.

Aber glücklicherweise brauchte ich mir darüber ja nie Gedanken machen, denn es gab sie ja, diese kleine Zweigstelle, in der man sitzen konnte. Und so ging es sicherlich nicht nur mir, denn auch viele ältere Menschen, die zumeist ähnlich schlecht zu Fuß waren wie ich, haben diese Zweigstelle aus den gleichen Gründen gerne frequentiert und auch Rollstuhlfahrer hatten, je nach Einzelfall, die Möglichkeit, den Automaten noch gut zu bedienen. (Angesichts des in der Zweigstelle installierten Türöffner-Knopfes für Rollstuhlfahrer, damit diese gut rauskommen, frage ich mich gerade, ob ich einen entsprechenden Knopf auch draußen schon mal gesehen habe, damit selbige gut reinkommen und ich bin mir gerade nicht sicher – das wird noch zu klären sein, Sparkasse!)

Diese paradiesischen Zustände der im Sitzen zu erledigenden Bankgeschäfte hielten lange an – bis gestern! Warum, liebe Sparkasse, hast Du das Sitzmöbel entfernt? Warum, liebe Sparkasse, hast Du den Kontoauszugsdrucker entfernt? Warum hast Du den Überweisungsautomaten entfernt und selbigen durch ein neueres, offensichtlich viel besseres Modell, denn es kann jetzt auch Kontoauszüge drucken, was die Abwesenheit des ehemaligen Kontoauszugsdruckers schlüssig erklärt, ersetzt, das aber, verdammte Axt, gefühlt doppelt so hoch ist, wie der Vorgänger, was nicht nur bedeutet, dass man eben dort nicht mehr sitzen kann, sondern dass es eben auch für die gerade erwähnten Rollstuhlfahrer jetzt vollkommen unmöglich ist, das Ding zu bedienen!? Erklär mir das, liebe Sparkasse, wenn nötig, erkläre es mir, als wäre ich sechs Jahre alt, denn ich verstehe so etwas nicht!

Weißt Du, Sparkasse, nicht mal mehr in Deiner Hauptstelle in der kleinen Stadt, zu der das oben erwähnte Dorf gehört, gibt es einen Überweisungsautomaten, an dem man sitzen kann, gab es so was auch nie! Offiziell übrigens aus Platzgründen, das hast Du, liebe Sparkasse, bzw. Deine für Dich tätigen Schergen mir selbst so gesagt. Natürlich, wenn man die beiden Dinger in Wandnischen einbaut, die erfordern, dass man sie seitwärts betritt, weil man sich drinnen nicht mehr umdrehen kann, dann, ja, dann verstehe ich Dich, Sparkasse, dann hat man natürlich dafür keinen Platz.

„Ach, werter Kunde, stört Dich das denn wirklich so enorm?“, wirst Du vielleicht fragen!? Nun, dann lass Dir gesagt sein, dass ich Deine Zweigstellen selten, wie gestern geschehen, mit einem laut ausgerufenen „Are you fuckin´ serious?“ betrete, was einerseits beweist, dass ich mich zum Zwecke des Fluchens gerne der englischen Sprache bediene und dass, ja, es mich wirklich so enorm stört.

„Dann mach doch Homebanking!“ wirst Du vielleicht sagen, Sparkasse!? Ja, das wäre eine Möglichkeit, aber ernsthaft, wäre das Deine Lösung, Sparkasse? Menschen dazu zu bringen, noch weniger das Haus zu verlassen, als sie es ohnehin schon tun? Menschen, die, wie in meinem Fall oder in dem der erwähnten älteren Semester, einen ohnehin schon beschränkten Bewegungsradius haben? Nein, Sparkasse, das kann nicht die Lösung sein!

„Na, dann fülle doch zu Hause Überweisungsträger aus und gib diese am Schalter der Hauptstelle ab!“, wirst Du vielleicht sagen, Sparkasse!? Ja, das könnte ich tun, dabei verkennst Du aber den Umstand, dass auf diese Idee auch andere Menschen kommen, und man deshalb in der Bank sehr gerne mal in der Schlange steht – damit hätte ich nichts gewonnen und könnte auch weiterhin den seines Sitzmöbels verlustig gegangenen Überweisungsautomaten nutzen.

Ja, ich weiß alle Deine Lösungsansätze durchaus zu schätzen, Sparkasse, nur sind diese alle vor allem eines: Sie sind mir scheißegal!

Wenn Dein Umgang mit alten und/oder behinderten Menschen so aussieht, dass Du sie systematisch der Möglichkeiten beraubst, ihre Bankgeschäfte selbst und selbständig auszuführen, dann ist es nicht an diesen Menschen, sich mit Deinen Alternativen zu arrangieren, sondern es ist an Dir, diese Möglichkeiten wieder zu schaffen.

Also, liebe Sparkasse, sei so lieb: Stell wieder Sitzmöbel an Deine Überweisungsautomaten!

Hochachtungsvoll,

ein Kunde

abc.Etüden KW 45/46 II

abc.etüden 2019 45+46 | 365tageasatzaday

 

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

irgendwie hatte ich den Eindruck, meine Etüde von letzter Woche würde nach einer Fortsetzung verlangen. Näheres zu den Etüden gibt es bei Christiane, die Wortspende kommt weiterhin von Anna-Lena.

 

„Sehet dort, ein Himmelsleuchten,
scheint herab vom Firmament,
nicht, dass wir sie noch groß bräuchten,
doch die GroKo ist Zement!“

„Wusste ich doch, dass ich die Stimme kenne!? Was tust Du hier? Stehst auf einer Apfelsinenkiste und deklamierst dummes Zeug?“

„Na, die GroKo hat eine Einigung in der Grundrente erzielt und ich verkünde nun die frohe Botschaft! Mir fällt nur noch kein Reim auf „recyclebar“ ein …“

„Komm´ da weg, die Leute schauen schon. Man wird Dich festsetzen, die Justiz Dich zum Ausreisen zwingen.“

„Mit welcher Begründung?“

„Fremdscham! Komm jetzt!“

„Vade Retro Satana! Ich habe die Grundrente zu verkünden!“

„Die tolle Grundrente, bei der Menschen unterhalb von 0,30 Rentenpunkten im Schnitt leer ausgehen? Jemand, der 40 Jahre Minijobs gemacht hat, also nichts bekommt?“

„Ernsthaft? Das ist doch …“

„Japp! Die tolle Grundrente, die an 80 % der Rentner, die derzeit Grundsicherung beziehen, vorbeigeht, weil sie, die Renter, die 35 Jahre nicht voll kriegen?“

„Na, aber wie hätte man das anders …?“

„Na, mit einer Staffelung beispielsweise: x Euro nach 20 Jahren, y Euro nach 25, z Euro nach 30 und die volle Summe eben nach 35.“

„Zugegeben …“

„Na, wenigstens möchten sie die Grundrente durch eine Finanztransaktionssteuer gegenfinanzieren. Wahrscheinlich erbricht Ribery schon sein Blattgoldsteak vor Empörung!

„Der ist hier nicht mehr steuerpflichtig! Außerdem, was hat der mit Finanztransaktionen zu tun?“

„Ja, ich weiß, mir ging es um das Bild an sich.“

„Verstehe. Da wäre aber passender gewesen, zu sagen: Wahrscheinlich zerreißt Lindner vor Empörung schon sein Unterhemd!“

„Oh, ja in der Tat, der ist besser! Wie auch immer, Du merkst, dass es mit der so heiligen Grundrente doch nicht so weit her ist!?“

„Hm, ja …“

„Dann komm, wir gehen besser, da vorne stehen schon die Uniformierten.“

„In Ordnung. Würdest Du meine Apfelsinenkiste tragen? Ich bin zu desillusioniert dazu …“

„Na, aber sicher doch! Komm, ich geb einen aus. Trinken wir uns die Grundrente schön.“

 

300 Worte.

 

 

Frank vom Blog „reisswolfblog“ — Frollein von Kunterbunt

Frank ist einer dieser talentierten Menschen, die nicht nur lesen, sondern auch selbst scheiben.Daher findet man auf seinem Blog nicht nur unzählige Rezensionen zu tollen und spannenden Büchern, sondern ebenso seine abc.Etüden, die wöchentlich rauskommen.Bereit seit fünf Jahren postet Frank mit einer beeindruckenden Kontinuität seine Rezensionen, sodass seine Website ein empfehlenswerter Fundus für uns alle […]

über Frank vom Blog „reisswolfblog“ — Frollein von Kunterbunt

 

Hallo, liebe Leserinnen und Leser,

mit aller mir innewohnenden Bescheidenheit weise ich auf das Frollein von Kunterbunt und ihren Blog hin. Es begab sich nämlich, dass besagtes Frollein mir Fragen rund um die Themen Literatur, lesen u. ä. stellte, die ich natürlich gerne beantwortete, denn wie schon Malmsheimer sinngemäß sagt: „Wer mich fragt, darf sich nicht wundern, wenn er Zeuge eines Antwortversuches wird!“

Deshalb gibt es nun in des Frolleins Blog meine Antworten auf die Fragen zu lesen. Aber auch und gerade abseits der Fragen ist ihr Blog ein sehr lesenswerter, weswegen meiner geschätzten Leserschaft ein dortiger Besuch wärmstens empfohlen wird.

Herzlichen Dank für die Aufmersamkeit.

abc.Etüden KW 45/46

abc.etüden 2019 45+46 | 365tageasatzaday

 

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

da es bis zu meiner nächsten Rezension wohl noch eine Weile dauern wird, vertreibe ich mir, euch und uns die Zeit bis dahin mit der einen oder anderen Etüde. Selbige werden wie immer von Christiane geleitet, die zauberhafte Wortspende kommt in dieser und der nächsten Woche von Anna-Lena. Schreiten wir zur Tat:

„Na, was starrst Du so angestrengt auf den Bildschirm? Korrekturlesen Deiner Bewerbung an den FC Bay …?“

*klatsch*

„Aua! Wofür war das!?“

„Sag niemals diesen Vereinsnamen! Selbst wenn ich die nötige Kompetenz für den Job ausreisen, äh, aufweisen sollte: Für die würde ich nie arbeiten!“

„Was tust Du dann?“

„Ich warte minütlich auf eine Meldung zur Einigung über die Grundrente. Da sollte doch heute …“

„Dann darfst Du noch länger warten – das geplante Treffen ist auf den 10. verlegt worden. Außerdem: Die streiten sich darüber schon so lange – wenn da eine Einigung erzielt ist, wird man das sowieso mit Glanz und Gloria ankündigen, ein Himmelsleuchten wird erscheinen, Hubertus Heil wird in einemTriumphzug …“

„Jetzt übertreibst Du!“

„Zugegeben.“

„Und warum hat man den Termin verschoben?“

„Na, man wird sich wohl über die Bedürftigkeitsprüfung nicht einig.“

„Oh, ja, die Bedüftigkeitsprüfung. Oder wie ich es nenne: Nackig machen vor Vatter Staat!“

„Wieso? Ist die Prüfung keine gute Sache?“

„Ach komm, entweder man verkauft die Grundrente als Respekt vor denen, die lange für wenig Geld gearbeitet haben oder eben nicht. Nur weil man beispielsweise zufälligerweise mit einer wohlhabenden Allgemeinmedizinerin verheiratet ist, hat man nach den Wünschen der CDU diesen Respekt nicht verdient?“

„Tja, wohl nicht, wenn es nach Tilman Kuban von der Jungen Union geht. Der sagte: „Weitere Sozialgeschenke zur Beruhigung der SPD darf die Unionsfraktion nicht mitmachen.“

„Sozialgeschenke? Zum Kotzen! Aber hey, der Kuban … 32 Jahre jung und schon CDUler – armer Mensch …“

„War das nicht der, der 2015 forderte, Flüchtlinge an der Grenze abzuweisen?“

„Japp, und der gegen „Schultoiletten des dritten bis 312. Geschlechts“ wetterte.

„Dann war das auch der, der von einer „Gleichschaltung“ innerhalb seiner Partei sprach, womit er bewies, dass problematische Begriffe so recyclebar wie gesellschaftsfähig sind.“

„Zugegeben, von dem kann man wirklich nicht erwarten, dass er weiß, wie man Renterinnen und Rentner, Menschen allgemein, halbwegs respektvoll behandelt …“

 

 

300 Wörter.

„Tod in der Bibliothek“ von JB Lawless

Buch: „Tod in der Bibliothek“

Autor: JB Lawless

Verlag: Kiepenheuer & Witsch

Ausgabe: Taschenbuch, 368 Seiten

Der Autor: JB Lawless ist das Pseudonym eines bekannten Autors.  (Quelle: Kiepenheuer & Witsch)

Das Buch: Klassischer kann ein Krimi kaum beginnen: Ein Pfarrer liegt tot in der Bibliothek eines irischen Herrenhauses. Die Anzahl der Verdächtigen ist eher klein. Wer aus der Familie hat den Pfarrer auf dem Gewissen?

»Die Leiche liegt in der Bibliothek«, sagte Colonel Osborne. »Hier entlang bitte.«

Bei der Leiche handelt es sich um einen Kirchenmann, Father Tom, dem übel mitgespielt wurde. Glaubt man dem Colonel, war er in der Gegend sehr beliebt. Seine Tochter Lettie hingegen mochte ihn nicht besonders. Und da sind noch Sylvia Osborne, die zweite Frau des Colonels und 25 Jahre jünger als er, der gutaussehende Sohn Dominic und der leicht debile Stallbursche Fonsey. Ist der Mörder in diesem kleinen Kreis zu finden? Während der Schnee immer weiter fällt, versucht Detective St John Strafford frierend, dem Mörder des Pfarrers auf die Spur zu kommen. (Quelle: Kiepenheuer & Witsch)

Fazit: „Es war Oberst von Gatow mit der Rohrzange im Musikzimmer!“, möchte man reflexartig ausrufen, sobald man sich mit dem wirklich klassischen Einstieg in „Tod in der Bibliothek“ konfrontiert sieht, in dem ein Pfarrer tot in, nun ja, der Bibliothek liegt.

Nun ist diese Lösung einerseits falsch, was dem aufmerksamen Leser bis hierhin schon aufgefallen sein mag, weil einerseits der Buchtitel bereits das Wort „Bibliothek“ beinhaltet und zum anderen der Tote eben, nun ja, halt in der Biblitohek liegt, zum zweiten, weil er erstochen wurde und zum dritten, weil JB Lawless einen glücklicherweise ungleich komplexeren, spannenderen und sehr lesenswerten Krimi geschrieben hat.

Neben der Rätselei um die eigentliche Handlung habe ich während der Lektüre übrigens versucht, zu ergründen, um wen es sich denn nun bei „JB Lawless“ handeln könnte. Indes, es ist mir nicht gelungen. Ich kenne Lucy Lawless, aber das tut hier nichts zur Sache …

Wie dem auch sein, werden wir mal kurz ernst und wenden uns den tragenden Säulen zu, die diesen Krimi so lesenswert machen, als da wären natürlich die Geschichte selbst, der ermittelnde Protagonist sowie der Handlungsrahmen und die Atmosphäre.

Lawless siedelt seine Handlung im verschneiten Irland im Winter des Jahres 1957 an. Detective St John (sprich „sinjin“) Strafford (mit r) wird in ein Herrenhaus in der verschneiten Einöde gerufen, um den Mord an Father Tom aufzuklären. Er beginnt, ganz traditionell, mit der Befragung der Familie Osborne, die in diesem Herrenhaus residiert. Und schon hier wird deutlich, dass Lawless seinen Krimi mit verschrobenen, aber durchaus spannenden Charakteren bevölkert hat.

Das gilt einerseits für die Familienmitglieder, das gilt aber auch und gerade für Detective Strafford, mit dem Lawless eine wirklich faszinierende Ermittlerfigur gelungen ist. In gelegentlich mehr oder weniger nebenbei eingestreuten Passagen wird ein vergleichsweise komplexes Psychogramm eines Mannes gezeichnet, den durchaus Selbstzweifel plagen, der seinen Platz in der Welt sucht und der sich manchmal als Außenseiter fühlt, der aber trotz alledem nie wirklich unglücklich wirkt, sondern eine erfrischende Haltung des „Is´ halt so!“ an den Tag legt.

Da es sich bei „Tod in der Bibliothek“ um den Auftakt einer Krimireihe handeln soll, ist allein St John Strafford ein Grund, sich auf weitere Teile zu freuen.

Darüber hinaus punktet der Krimi besonders mit seinem Handlungsrahmen und seiner Atmosphäre. Lawless schildert das ländliche Irland der 50er Jahre, das phasenweise jedoch eher so wirkt, wie anderswo die 20er. Passend dazu wird immer wieder Bezug genommen auf den Irischen Unabhängigkeitskrieg (1919 -1921). Mich persönlich verleiten die Erwähnung geschichtlicher Ereignisse, mit denen ich mich, sehr zu meinem Leidwesen, weniger auskenne, als ich gerne würde, ja oft zu ausgiebigem Googeln. So auch in diesem Fall,  und immer dann, wenn ein Buch so etwas schafft, ist das schon mal ein gutes Zeichen. Zumindest weiß ich jetzt, etwa 36 Jahre nach Erscheinen, auch im Detail, worüber U2-Bono in „Sunday Bloody Sunday“ singt …

Aber auch die Gegebenheiten zum Zeitpunkt der Handlung werden ausgiebig thematisiert, beispielsweise in Form des Einflusses der Katholischen Kirche, die über den Mord am Pfarrer, und insbesondere über dessen Umstände, gerne den Mantel des Schweigens legen würde. Manches hat halt Tradition …

Inhaltlich kommt „Tod in der Bibliothek“ tatsächlich nahezu ohne größere Wendungen aus, einfach deshalb, weil Strafford dem Leser nicht dauernd den einen und einzigen Verdächtigen präsentiert, um sich dann doch wieder zu revidieren, sondern weil mehr oder weniger alle Familienmitglieder verdächtig sind, die Ermittlungen Argumente für oder gegen die Täterschaft aller zutage fördern, und man so als Leser nach Herzenslust mitraten kann.

Kurz, „Tod in der Bibliothek“ ist ein perfekt in diese Jahreszeit passender Reihen-Auftakt, für alle, die im Bereich des klassischen Ermittler-Krimis zu Hause sind.

Ich bedanke mich beim Kiepenheuer & Witsch Verlag für die freundliche Übersendung des Rezensionsexemplars. Die Tatsache, dass es sich um ein Rezensionsexemplar handelte, beeinflusst meine Meinung selbstredend nicht.

Wertung:

Handlung: 8,5 von 10 Punkte

Charaktere: 8,5 von 10 Punkte

Stil: 8,5 von 10 Punkten

Atmosphäre: 10 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 8,875 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: Möglicherweise „Ein angesehener Mann“ von Abir Mukherjee, wobei ich fürchte, dass ich wohl nie darüber schreiben werde. Alternativ käme „Das Floß der Medusa“ oder „Der unsichtbare Freund“ von Stephen Chbosky infrage. Wir werden sehen …