„Fuchs 8“ von George Saunders

Buch: „Fuchs 8“

Autor: George Saunders

Verlag: Luchterhand

Ausgabe: Hardcover

Der Autor: George Saunders wurde 1958 in Amarillo, Texas, geboren und kam erst auf Umwegen zur Literatur. Er studierte Geophysik, arbeitete auf den Ölfeldern in Sumatra und schlug sich nach seiner Rückkehr als Türsteher, Dachdecker und Schlachthausgehilfe durch, bevor er Literatur studierte. Inzwischen hat er mehrere Bände mit Kurzgeschichten, einen Essayband und ein Kinderbuch veröffentlicht, lehrt Creative Writing an der Syracuse University und wurde u.a. 2006 mit dem MacArthur „Genius Grant“ und dem Guggenheim Fellowship, 2009 mit dem Academy Award der American Academy of Arts and Letters ausgezeichnet, erhielt 2013 den PEN/Malamud Award und 2014 den Folio Prize. George Saunders gilt als einer der besten Shortstory-Autoren der Gegenwart und neben David Foster Wallace als einer der bedeutendsten modernen Autoren Amerikas. Er lebt mit seiner Frau und zwei Töchtern in Oneonta, New York. Das Echo auf seinen ersten Roman »Lincoln im Bardo« war überwältigend: Man Booker Prize 2017, Shortlist für den Golden Man Booker Prize, Premio Gregor von Rezzori 2018, New York Times-Nr.1-Bestseller, SWR-Bestenliste Platz 1 und Spiegel-Bestseller. (Quelle: Random House)

Das Buch: Fuchs 8 war immer schon neugierig und ein bisschen anders als die anderen Füchse seiner Gruppe. So hat er die menschliche Sprache gelernt, weil er sich gern in den Büschen vor den Häusern versteckte und zuhörte, wenn die Menschen ihren Kindern Gutenachtgeschichten vorlasen. Die Macht der Worte und Geschichten befeuert seine Neugier auf diese Wesen, bis Gefahr am Horizont auftaucht: Der Bau eines riesigen Einkaufszentrums zerstört den Wald, in dem die Füchse leben, und sie finden kaum noch Nahrung. Dem stets belächelten Tagträumer Fuchs 8 bleibt nur eines: Er beschließt, seine Fuchsfamilie zu retten, und macht sich auf den Weg zu den Menschen … (Quelle: Random House)

Fazit: Nein, gestern war wirklich kein guter Tag für die Blogosphäre. Da es aber Dinge gibt, zu denen man nichts Sinnvolles sagen kann, tue ich das auch nicht, verweise nur im Falle unstillbarer Neugier in der Leserschaft auf den gestrigen Beitrag im Brüllmausblog hin und wende mich den positiven Seiten der Blogosphäre zu. Denn die gibt es!

Kaum hatte ich am vorgestrigen Freitag den Umgang von Bloggerinnen und Bloggern untereinander gelobt, schon tritt Wuschel von „Nicht noch ein Buchblog“ (beides geniale Namen übrigens, wie ich finde) an, um meine Behauptung zu untermauern, indem sie mir ungefragt ihr Exemplar von Saunders´ „Fuchs 8“ zukommen ließ, da ich zwar grundlegendes Interesse an der Lektüre des Buch äußerte, mich eine absolut unemotionale Kosten-/Nutzenrechnung allerdings grübeln ließ. Daher erst mal vielen, herzlichen Dank für das Buch, ich habe mich in der Tat sehr gefreut.

Und ich weiß tatsächlich nicht, ob Saunders´ Buch ansonsten bei mir eingezogen wäre, denn 12 Euro für 56 Seiten sind schon ziemlich happig. Ja, ich weiß, die Auseinandersetzung mit Literatur sollte keine Kostenfrage sein, ebenso wie, was weiß ich, der Kauf von Biofleisch und frischem Gemüse vom Wochenmarkt, aber machen wir uns nicht vor: Manchmal ist es das eben doch.

Umso begeisterter bin ich, dass „Fuchs 8“ nun doch bei mir eingezogen ist, denn Saunders Fabel hat durchaus Charme.

Um seinen Protagonisten, den namensgebenden Fuchs 8, die menschliche Sprache sprechen zu lassen, bedient sich Saunders eines netten Kunstgriffs: Fuchs 8 hat vor den Fenstern der menschlichen Behausungen Tag für Tag den Menschen zugehört, insbesondere dann, wenn den Kindern Gutenachtgeschichten erzählt wurden, bis er die Sprache selbt beherrscht. Das hat einen Nebeneffekt, nämlich den, dass Fuchs 8 das Buch so schreibt, wie er Worte hört, orthografisch ist das Buch also ein Albtraum und manchmal klingt Fuchs 8 wie eine zwölfjährige Version von Capital Bra, aber einerseits ist das absolut schlüssig, zweitens gewöhnt man sich daran und drittens ist es eine große Leistung des Übersetzers Frank Heibert, dem dafür, und insbesondere für die Wortschöpfung „fast ziniert“ ein großes Lob gebührt.

Inhaltlich kann ich natürlich nicht mehr über Saunders´ Fabel verraten als den oben erwähnten Klappentext, denn bei einem Umfang von 56 Seiten wäre jedes Wort dazu eines zu viel, daher kann ich mich nur wiederholen und feststellen, dass die tierische Auseinandersetzung mit dem menschlichen Verhalten und der Appell an freundlichen Umgang mit allen Lebewesen, die die Fabel ausmachen, eben Charme hat.

Ein bisschen erinnerte sie mich an eine der wenigen Sternstunden, die ich vor einem Zeitalter in der Schule hatte, im, man glaubt es kaum, Englischunterricht. Wir lasen eine in Form von Tagebuchauszeichnungen verfasste Geschichte über einen Wissenschaftler, der mit Ratten experimentiert, um sie intelligenter zu machen. Ab irgendeinem Punkt waren die Einträge ortografisch deutlich verändert und vermittelten eher den Eindruck, als hätte jemand nach Gehör geschrieben, was für mich (und augenscheinlich faszinierenderweise nur für mich) den Schluss zuließ, dass das Tagebuch ab da eben von einer der Ratten fortgeführt wird. Ich erntete sowohl von Lehrer-, als auch von Mitschülerseite Respekt. Das zusammen kam nicht oft vor, ist aber eine andere Geschichte, die an einem anderen Tag erzählt werden soll.

Kurz gesagt: „Fuchs 8“ lohnt sich!

Wertung:

8,5 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: Schaun mer mal … :-)

14 Kommentare zu „„Fuchs 8“ von George Saunders

  1. „Oier“ fand ich auch eine sehr schöne Wortkreation. Wobei es davon so einige in dem Buch gab. Albtraum trifft es wohl immer noch am Besten, aber dennoch… irgendwann kommt man zum Glück rein. :D
    Persönlich würde ich wohl das Biofleisch dem kurzen 12 Euro Buch vorziehen, zumindest in Sachen Investition. Es freut mich auf jeden Fall, dass ich dir eine Freude machen konnte! In diesem Sinne, sei gewarnt, wenn du Buchwünsche in Kommentaren aussprichst. :D
    Einen guten Start in die Woche! LG

    Gefällt 2 Personen

    1. Ja, es hat so zwei, drei Seiten gedauert, aber dann kommt man rein.

      Und langfristig sollte man immer lieber in Lebensmittel als in Literatur investieren, lesen sättigt schließlich lediglich den Geist. :-)

      Mal schauen, ob ich in Zukunft daran denke, mich buchwunschtechnisch (welch Wort, aber hey, es ist Montag Morgen) zurückzuhalten.

      Auch Dir einen guten Start in die Woche!

      Gefällt 1 Person

    1. Huch, da ist mir doch glatt Dein Kommentar durchgeflutscht, was die später Beantwortung desselben erklärt. ;-)

      Momentan scheint mit mir keine Buchauswahlabstimmung nötig zu sein, wenn man nämlich mal von „Fuchs 8“ absieht, lese ich derzeit so gut wie gar nicht … – was allgemein gesprochen immer kein gutes Zeichen ist. Ich hoffe, das gibt sich bald …

      Gefällt 1 Person

      1. Wiborada, die Schutzheilige der Bibliothekare und Bibliophilen, möge Dir bald wieder wohlgesonnen sein und Dich gemeinsam mit der Hilfe von Judas Thaddäus aus dieser schwierigen Situationen befreien.

        Scherz beiseite: Ich wünsche Dir, dass Du bald wieder die nötige Ruhe für das Lesen findest!

        Gruß
        Andreas

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        1. Da googelte ich mal eben neugierig „Wiborada“ und stellte erstaunt fest: Die gab es ja wirklich! Da hab ich wieder was gelernt. :-)

          Und danke, das wünsche ich mir auch. Irgendwie hält mein Vorsatz, wieder mal zu lesen, immer nur an, bis ich dann zu Hause bin, wo ich dann doch wieder nur andere Dinge tue. Aber das wird schon …

          Liebe Grüße zurück

          Frank

          Gefällt 1 Person

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