abc.Etüden KW 45/46 II

abc.etüden 2019 45+46 | 365tageasatzaday

 

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

irgendwie hatte ich den Eindruck, meine Etüde von letzter Woche würde nach einer Fortsetzung verlangen. Näheres zu den Etüden gibt es bei Christiane, die Wortspende kommt weiterhin von Anna-Lena.

 

„Sehet dort, ein Himmelsleuchten,
scheint herab vom Firmament,
nicht, dass wir sie noch groß bräuchten,
doch die GroKo ist Zement!“

„Wusste ich doch, dass ich die Stimme kenne!? Was tust Du hier? Stehst auf einer Apfelsinenkiste und deklamierst dummes Zeug?“

„Na, die GroKo hat eine Einigung in der Grundrente erzielt und ich verkünde nun die frohe Botschaft! Mir fällt nur noch kein Reim auf „recyclebar“ ein …“

„Komm´ da weg, die Leute schauen schon. Man wird Dich festsetzen, die Justiz Dich zum Ausreisen zwingen.“

„Mit welcher Begründung?“

„Fremdscham! Komm jetzt!“

„Vade Retro Satana! Ich habe die Grundrente zu verkünden!“

„Die tolle Grundrente, bei der Menschen unterhalb von 0,30 Rentenpunkten im Schnitt leer ausgehen? Jemand, der 40 Jahre Minijobs gemacht hat, also nichts bekommt?“

„Ernsthaft? Das ist doch …“

„Japp! Die tolle Grundrente, die an 80 % der Rentner, die derzeit Grundsicherung beziehen, vorbeigeht, weil sie, die Renter, die 35 Jahre nicht voll kriegen?“

„Na, aber wie hätte man das anders …?“

„Na, mit einer Staffelung beispielsweise: x Euro nach 20 Jahren, y Euro nach 25, z Euro nach 30 und die volle Summe eben nach 35.“

„Zugegeben …“

„Na, wenigstens möchten sie die Grundrente durch eine Finanztransaktionssteuer gegenfinanzieren. Wahrscheinlich erbricht Ribery schon sein Blattgoldsteak vor Empörung!

„Der ist hier nicht mehr steuerpflichtig! Außerdem, was hat der mit Finanztransaktionen zu tun?“

„Ja, ich weiß, mir ging es um das Bild an sich.“

„Verstehe. Da wäre aber passender gewesen, zu sagen: Wahrscheinlich zerreißt Lindner vor Empörung schon sein Unterhemd!“

„Oh, ja in der Tat, der ist besser! Wie auch immer, Du merkst, dass es mit der so heiligen Grundrente doch nicht so weit her ist!?“

„Hm, ja …“

„Dann komm, wir gehen besser, da vorne stehen schon die Uniformierten.“

„In Ordnung. Würdest Du meine Apfelsinenkiste tragen? Ich bin zu desillusioniert dazu …“

„Na, aber sicher doch! Komm, ich geb einen aus. Trinken wir uns die Grundrente schön.“

 

300 Worte.

 

 

14 Kommentare zu „abc.Etüden KW 45/46 II

  1. Wer profitiert denn davon, dass Deutschland mittlerweile DAS Billiglohnland in der EU geworden ist? Und wer lässt denen, die man lange um einen gerechten Lohn betrogen hat, jetzt nachträglich nicht etwa auf Kosten der Wirtschaft, sondern auf Kosten der Allgemeinheit einen mickrigen kleinen Brosamen zuwerfen? Die unselige ewige Allianz von Staat und Wirtschaft.

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    1. Hm, ohne dass Du selbst die vollkommen korrekte Antwort gegeben hättest, hätte ich gesagt: „Friedrich Merz?“ ;-) Wobei – das wäre irgendwie die selbe Antwort gewesen … ;-)

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  2. Das Solidaritätsprinzip hat sich weitgehend erledigt, seit es gelungen ist, alle Gruppen aufeinander zu hetzen. Finde ich am beunruhigsten, denn damit ist Gönnen ebenfalls aus dem Rennen. Scheuklappendenken tut ein Übriges. Ich hörte mit Schaudern den Satz: Die, die am wenigsten produktiv sind für die Gesellschaft, kriegen nun nach dem Gießkannenprinzip Geldgeschenke zu Lasten der jüngeren Generation. Dass diese heute unproduktiven Alten jedoch über Jahrzehnte hin durchaus produktiv waren, z. T. auch ohne Erwerbsarbeit aber zum Wohl der Gesellschaft, wird ausgeblendet.
    Dieser Kompromiss – besser als gar nichts, dennoch nicht gut – dient auch dem Zweck, Angst zu schüren und Folge-Generationen zu signalisieren, dass sie unbedingt selbst privat vorsorgen müssen. So zwingt man die Menschen in Aktien, ETFs usw., was ich schon länger als ein Ziel vermute. Wie anders wären sonst die Einlassungen des Herrn März von Blackrock zu verstehen? Doch wie vertrauenswürdig sind diese Wertpapier-Handelsunternehmen, in welchem die Kunden Opfer genannt werden und das Unternehmen selbst gegen verkaufte Wertpapiere setzt (GoldmanSachs)? Habe ich in einer Dokumentation erfahren.
    Ganz davon ab, dass der Großteil an unterbezahlten Erwerbstätigen von diesen Möglichkeiten eh ausgeschlossen ist. Von wegen 100,-€ gehen immer. Das ist alles einfach zynisch.

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    1. Das unterschreibe ich so, ich frage mich nur halt, wie um alles in der Welt es gelungen ist, alle Gruppen aufeinander zu hetzen. Es ist ja nicht so, dass hierzulange Verteilungskämpfe ausgefochten werden müssten, weil eigentlich alles für alle reicht. Reichen könnte. Reichen sollte …

      Dass man offensichtlich nur noch hinsichtlich seiner Produktivität gemessen wird, wird langfristig üble Folgen haben, weil der Anteil an Menschen, der in diesem Wettkampf nicht mitmischen kann oder möchte, immer größer wird. Mit allen Folgen, die das für diese Menschen dann physisch und psychisch hat.

      Außerdem ja, woran misst man Produktivität? Am Gehalt? Ist dann ein Banker oder Waffenhändler gesellschaftspolitisch gesehen so viel „wert“ wie drei Erzieherinnen?

      Dass Menschen mittlerweile Angst vor Alterarmut haben müssen, hat Schröder zu verantworten, der Rentenniveaus gesenkt hat, anstatt das gesamte System zu reformieren und an die Moderne und an heutige Lebensrealitäten anzupassen. Und ja, die die im Alter von Armut bedroht sind bzw. sich dieser ausgesetzt sehen, können doch aufgrund ihres geringen Verdienstes ohnehin nichts dagegen tun.

      Wer behauptet, jeder könne privat vorsorgen – oder nur Biolebensmittel kaufen oder ähnliches – der hat keine Ahnung von der Lebensrealität der wirtschaftlich Schwächsten in unserem Land und ja, der muss sich dann tatsächlich den Vorwurf des Zynismus gefallen lassen.

      Zu Herrn Merz sage ich lieber nichts, der mitsamt „seines“ Konzerns eher Teil des Problems denn Teil der Lösung ist …

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      1. Ich denke, die soziale Verunsicherung sowie soziale Vernachlässigung großer Bevölkerungsteile durch den Staat nach der Agenda 2010 war der Nährboden.
        Renten sanken, Rentenbeiträge stiegen, Löhne kaum noch, unterbezahlte Leiharbeit boomte, unsichere Zukunft – also jung gegen alt.
        Erhöhte Konkurrenz um den bestbezahlten Job, Angst um Zukunft der Kinder, zunehmender Leistungsdruck im Schulkorsett, alle zum Gymnasium, sinkende Wertschätzung für Handwerk und Produktion – also Eltern gegen Lehrer. Kampf/Angst um den besten Job bei gleichzeitiger Unsicherheit und ständig neuen/steigenden Belastungen – also arbeitende Bevölkerung gegen Arbeitslose, die dafür – auch medial oft genug – verantwortlich gemacht werden.
        Das ist mir alles so fremd und ich empfinde es zunehmend als einengend, entspricht es doch so gar nicht meinem Menschen- und Gesellschaftsbild.
        Gleichzeitig Explosion der Gesundheitsleistungen – auch weil vierzig Krankenkassen jeweils einen mehrköpfigen Vorstand brauchen -, Beiträge immer höher, Diskussionen über Fehlverhalten – also Nichtraucher gegen Raucher, Dünne gegen Dicke, Vegetarier gegen Fleischesser, Fahrradfahrer gegen Autofahrer. Und anstatt froh zu sein, dass man keine gesundheitlichen Probleme hat, werden die weniger Glücklichen mit Argwohn betrachtet.
        Dann wird die Diskussion um Gleichberechtigung fortwährend auf die Spitze getrieben – also Frauen gegen Männer.
        Das führt zu der Wahrnehmung, dass jeder jedem etwas wegnehmen will. So wird es nahezu unmöglich, dass vereint für ein Ziel demonstriert und gekämpft wird. Dann noch Ost gegen sin vielen Belangen. Bedrohnungsgefühle sind vorrangig. Deshalb sieht dann jeder nur noch seinen eigenen Bereich, bewegt sich in den eigenen Kreisen, in denen man sich wunderbar gegenseitig bestätigen kann. Die Lebenswirklichkeit anderer Gruppen existiert schlichtweg nicht. Außerdem kann man ja auch unmöglich zu einer Friedensdemo gehen, wenn da Menschen mit anderen Ansichten auf einem anderen Gebiet mitlaufen.

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  3. Ich finde diese ganze Debatte super befremdlich. Gestern meinte einer, dass es unfair sei, wenn Leute die wenig verdient haben, von anderen, die mehr verdienen, mitfinanziert werden. Also wer auf die Ärmsten in unserer Gesellschaft neidisch ist, hat den Schuss nicht gehört. Sind dieselben Leute, die sich beschweren, dass ihr Haarschnitt jetzt 15 statt 10 Euro kostet… grml.
    Grüße, Katharina

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    1. Exakt diese Sichtweise ist ein Grund dafür, dass man hierzulande wohl nie so etwas wie bedingungsloses Grundeinkommen haben wird, weil ja nicht sein kann, dass man Menschen Geld gibt, ohne sie auch gleich den dazugehörigen Repressalien, mit den potenziellen aber altbekannten Folgen, auszusetzen.

      Anstatt eine Neiddebatte gegenüber denen zu führen, die eh schon nichts haben, sollte man eine Gierdebatte in die andere Richtung führen …

      Aber auch das wird wohl nie passieren. Denn anstatt, dass sich alle, die wenig haben, zusammenschließen und ihr Auskommen einfordern, wird von denen, die wenig haben, auf die geschimpft, die noch weniger haben, weil die den Erstgenannten ja etwas wegnehmen könnten. Und schwupps, hat man eine AfD im zweistelligen Bereich …

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  4. Ich halte es bei dem Thema ganz schlicht mit den Worten meiner Altvorderen: „Junge, mach dir keine Illusionen. Ihr bekommt sowieso nix mehr“. Und ob dieses Nichts nun grundgesichert ist oder nicht … wo ist der Unterschied? *Sarkasmus aus* :-)

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    1. Joah, ich mache mir auch persönlich relativ wenig Gedanken bzw. Sorgen, wenn ich meine Renteninformation ansehe: Was weiß ich denn, wie die Situation aussieht, wenn ich in Rente gehe? Vielleicht haben wir dann schon seit Ewigkeiten ein bedingungsloses Grundeinkommen, wer weiß!? Wobei – nein, ich glaube, das wird es nicht geben, so wünschenswert ich es auch fände …

      Eigentlich hatte Blüm damals mit seinem „Die Renten sind sicher!“ ja durchaus recht, aber dann kam Schröder und rumms, mussten plötzlich alle privat vorsorgen, was inbesondere die, die es am nötigsten hätten, gar nicht konnten und können. Dafür freute sich aber Schröders Freund Maschmeyer, der nun plötzlich zuhauf private Rentenversicherungen verticken konnte … Kannste Dir nich ausdenken so was …

      Was ich am Konzept der Grundrente am widerlichsten finde, ist weiterhin, dass man in dem Zusammenhang immer den Respekt vor der Lebensleistung der Menschen herausstellt, dann aber im Gesetzentwurf herauskommt, dass viele Menschen diesen Respekt wohl gar nicht verdient haben, weil sie – fun fact – zu wenig verdient haben …

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  5. Grundrente: Ich schwanke noch zwischen „immerhin ein Anfang“ und „alles Augenwischerei“.
    Danke für die Etüde. Hast recht, das schrie nach einem Kommentar deinerseits. Schön! 👏👏👏
    Liebe Grüße und danke
    Christiane 😁👍🐱

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    1. Ja, das ist, wie mit dem Mindestlohn, nur ein Anfang, kann nur ein Anfang sein. Trotzdem ärgert mich ein bisschen, dass nach Wochen und Monaten der Diskussionen und des Streits zwischen den Parteien DAS dabei rausgekommen ist …

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      1. Ich war schon fast verwundert, dass überhaupt was herausgekommen ist – und dann war ich erschrocken. Über mich und meine Meinung zur Funktionsfähigkeit dieser Regierung, dieses Staates etc. Wenn ich das weiterdenke, versaut es mir mehr den Tag als dieser Ansatz …

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        1. Ach, man darf nicht immer alles so schlecht reden, wie es wirklich ist. ;-)

          Aber mal im Ernst: Ich glaube zwar, dass Stand jetzt alles wirklich noch vergleichsweise funktionsfähig ist, andererseits stolpert man sehenden Auges in verschiedenen Bereichen in Probleme – Pflege, Justiz, Bildung etc. – ohne dass ich das Gefühl hätte, dass es da irgendjemanden gibt, der gewillt ist, sich schon mit Lösungsvorschlägen zu befassen. Aber hey, wir werden sehen, wir sind ja live dabei … :-)

          Gefällt 4 Personen

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