abc.Etüden KW 41/42 II

abc.etüden 2019 41+42 | 365tageasatzaday

 

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

wenn ich den anderen Etüdenverfassern schon Wörter wie „jodhaltig“ vorsetze, kann ich selbst ja nicht umhin, mich ebenfalls mit ihnen auseinanderzusetzen, daher gibt es heute die zweite Etüde zu meiner eigenen Wortspende, die im Übrigen wesentlich ernster ausfallen dürfte als die letzte. Für die Etüden zeichnet Christiane verantwortlich.

 

„Na, wie siehts aus?“

„Hm – ich glaube, unser Innenminister isst zu viel jodhaltige Lebensmittel.“

„Warum?“

„Nun, wenn man dubiosen Quellen glauben kann, kann eine Jodüberversorgung zu Hirninsuffizienz führen. Jetzt bin ich kein Mediziner, kann mir aber vorstellen, dass der Innenminister genau darunter …“

„Vorsicht!“

„Ich meine ja nur … – mir wäre es halt lieber, er würde im heimischen Garten im Gewächshaus Rosen züchten, aber nein, er bleibt beharrlich in der Politik.“

„Aber was hat er denn nun wieder gemacht!?“

„Er hat nach dem Anschlag in Halle im Interview unter anderem gesagt: „Viele von den Tätern oder potenziellen Tätern kommen aus der Gamerszene. (…) Und deshalb müssen wir die Gamerszene stärker in den Blick nehmen. „“

„Hach, der Horst …  man kann ihn einfach nicht ernst nehmen.“

„Japp!“

„Das Problem ist also nicht, dass die Täter antisemitische, rassistische, widerliche Arschlöcher sind, mit dem armseligen Hang, andere für ihre Probleme verantwortlich zu machen, die sich durch andere antisemitische, rassistische, widerliche Arschlöcher mit dem armseligen Hang, andere für ihre Probleme verantwortlich zu machen, radikalisieren lassen, sondern dass sie „Battlefield“ spielen? Mit anderen Worten, deren Rassismus ist nicht das Problem, sondern ihr Steam-Account?“

„So könnte man sagen …“

„Puh -die 90er haben angerufen, die wollen ihre Killerspieldebatte zurück. So kann man ein Problem auch fälschen …!“

„Außerdem will die Regierung ein Maßnahmenpaket zur Rassismusbekämpfung verabschieden.“

„Das klingt aber doch gut.“

„Joah, schon – augenscheinlich gehört zu diesen Maßnahmen aber auch, die Zuschüsse für das Exit-Programm ab nächstem Jahr zu streichen, was wohl das Aus für das Aussteigerprogramm bedeuten würde.“

„Echt jetzt? Warum?“

„Angeblich hat man über 1.000 Anträge von Organisationen, die sich gegen Rassismus engagieren, bekommen, letztlich wurden 100 ausgewählt. Denn, so hieß es aus dem zuständigen Ministerium: Wir haben eine hohe Nachfrage und begrenzte Mittel.“

„Der Kampf gegen Rassismus und Antisemitismus ist eine Geldfrage?“

„Ja, so sieht es wohl aus …“

„Das erklärt vieles …“

 

300 Wörter.

27 Kommentare zu „abc.Etüden KW 41/42 II

        1. Hach, ich bin mal wieder unangemssen neiderfüllt. :-)

          Aber sonst gehts. Ich hatte gestern einen schönen Abend in angenehmer Gesellschaft im Kino. Jetzt bin ich zwar akut unausgeschlafen – zum gefühlt achtundzwanzigsten Mal in dieser Woche – aber insgesamt: Es könnte schlimmer sein. :-)

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          1. Ich gönne dir den Neid – alles gut😉
            Kino? Den Film, den gerade alle sehen wollen (ausser mir anscheinend)?
            Klingt doch gut (und unausgeschlafen ist für mich Normalzustand – v.a.nachdem ich heute von 3 bis 5 dem Mond angestarrt hab…..)

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          2. Falls der Film, den alle sehen wollen, „Joker“ ist, dann ja. ;-) Ich habe eigentlich keinen Bezug zu diesem ganzen Superhelden-Tralala, das ich seltsamerweise schon zu Kinderzeiten vergleichsweise albern fand, „Joker“ allerdings ist tatsächlich ziemlich großartig, was zu nicht unerheblichen Teilen am nicht minder großartigen Joaquin Phoenix liegt. Allerdings sollte man sich den Film tatsächlich nur ansehen, wenn man sich emotional vollkommen gefestigt fühlt …

            Von 3 bis 5 den Mond angestarrt? Seltsame Art, die Nacht zu verbringen … Ich könnte jetzt einen launigen Lykantropie-Spruch bringen, aber mir will irgendwie keiner einfallen … ;-)

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          3. Ja, genau den Film meinte ich :-) Trotz viel Lob und so für den Schauspieler interessiert mich der Film tatsächlich so gar nicht ……

            Mond anstarren oder Decke oder schnarchenden Mann oder schlafende Katze – such dir was aus – normal :-) Meistens greife ich dann zum Buch, was ich heute nacht aus irgendwelchen Gründen nicht gemacht habe…..

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  1. Vielleicht sollte Herr Seehofer ne Runde Pokemon Go spielen. Da kommt man mal an die frische Luft und unterhält sich mit echten Menschen, die einem vllt helfen in diesem Jahrhundert anzukommen.
    Musste bei „Die 90er haben angerufen…“ herzlich lachen, beim Thema insgesamt ist mir eher zum Weinen zumute.
    Grüße, Katharina

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  2. Es wäre ein Leichtes, entschuldigend zu betonen, dass man in einem gewissen Alter nicht mehr so tief graben kann, um an die Wurzel zu gelangen. Doch folgt es konsequent einer stets gleichen Verhaltensweise von jung und alt im „Regierungslager“ – vielleicht sollten sie dieses Lager einmal verlassen -: Handlungsantäuschung durch Benennung oberflächlich Schuldiger, die ohnehin schon kritisch beäugt werden und wirtschaftlich nicht so mächtig sind. Außerdem erhofft man sich durch die öffentliche Aufregung eine Veränderung/Verengung des Fokus. Neben Videospielen und Musik für gesellschaftliche Fehlentwicklungen werden z. B. auch gerne Raucher, Balkongriller und Autofahrer als Weltverschmutzer ausgemacht anstatt der Massentierhaltung, Containerschiffahrt, Kriegsindustrie usw.
    In diesem Fall finde ich das aber noch weitaus gefährlicher und zwar seit Jahren. Die weltweit vernetzte rechtsextrem(istisch)e Bewegung weitet ihren Einflussbereich stetig aus durch Einschüchterung, Bedrohungen, unterschwellige und offene Gewalt. Von Zeit zu Zeit wird ein Versuchsballon gestartet, um zu sehen, wie weit man noch gehen kann, weitgehend ohne echte Konsequenzen. Offensichtlich sehr weit.
    Freitagmittag habe ich mich mit meiner Familie unterhalten über die offenen Morddrohungen, auf die nicht wirklich etwas folgte außer Worthülsen angefüllt mit Empörungsbegriffen. Das hielt ich für einen solchen Versuchsballon. Mein Schluss-Satz: Demnächst folgen Schüsse.

    Gefällt 3 Personen

    1. Nicht bis an die Wurzel zu gelangen, ist das Eine. Am vollkommen falschen Baum zu buddeln, ist das Andere. ;-)

      Natürlich wird hier wieder eine Gruppe unter Generalverdacht gestellt, weil diese in der öffentlichen Wahrnehmung immer noch aus nerdigen Kellerkindern besteht und die keine Lobby hat. Unter anderem das macht diese Argumentation auch so widerlich.

      Aber sollte sich Seehofer mit den tatsächlichen Problemen – dem Rassismus und dem was ihn verursacht – auseinandersetzen, müsste er sich ja auch mit seinen eigenen Aussagen vom ganz rechten Rand, insbesondere vor der letzten Bayern-Wahl, auseinandersetzen – und das kann ja nun wirklich niemand wollen …

      Gefällt 2 Personen

        1. Eben, wo macht man da den Punkt!? Denn wenn man so argumentiert, müsste man die Argumentation auch auf Bücher, Filme, Theater, insgesamt den gesamten Kulturbetrieb ausweiten!?

          Das Problem ist da meines Erachtens, dass Menschen sich zu Themen äußern, von denen sie keine Ahnung haben. Wenn das „normale“ Leute sind, ist das halb so schlimm. So habe ich bei der Berichterstattung den Kommentar einer Zeit-Leserin gesehen, die doch tatsächlich behauptete, man könne mit dem Spielen von Shootern den Umgang mit Schusswaffen lernen – was ungefähr so ist, als würde ich durch das Spielen von „FIFA“ zum Profifußballer.

          Problematisch wird es erst, wenn es Politiker ohne Ahnung vom Sachverhalt sind. die sich dazu äußern …

          Gefällt 3 Personen

          1. Auch bei normalen Leuten wie Eltern reaktionsschwacher Schüler traf ich auf Entsetzen mit meinem Vorschlag, sie Computerspiele spielen zu lassen. Der Mantel des Tabus hatte sich ja über jegliche Computerspiele ausgebreitet. Es kostete mich einen ganzen Elternabend – mit Spielvorführungen – sie zu überzeugen. Bei vielen Kollegen war das Wissen auch kaum vorhanden, sie rieten Eltern ab, ohne sich damit befasst zu haben.

            Gefällt 1 Person

  3. Das ist zum Kotzen! Also nicht deine Etüde. Trotzdem musste ich bei: „Die Neunziger haben angerufen …“ lachen. Offensichtlich ist er dort stehen geblieben, der Horst …
    Ja, (nicht nur) das erklärt vieles …
    Liebe Grüße
    Christiane, die hier jetzt bitte gern ein würgendes Emoticon hätte und dazu auf dem falschen Rechner ist

    Gefällt 4 Personen

    1. Das Problem ist doch, dass da, beispielsweise in Person des Innenministers, Menschen argumentieren, die von der Sache, über die sie reden, nicht den Hauch einer Ahnung haben!

      Armin Schuster von der CDU – den muss man wohl nicht kennen – hat gesagt: „Braucht die Menschheit ein Spiel, wo es darum geht, Punkte zu sammeln, wenn man möglichst viele Menschen tötet? Ich glaube, diese Frage darf man stellen. Ja, das ist Zensur, aber ich sehe keinen Mehrwert darin.“

      Das muss man sich mal vorstellen! Das plädiert tatsächlich ein demokratisch gewählter Politiker für Zensur, weil er in etwas keinen Sinn sieht!

      Nun, ich sehe keinen Sinn darin, aus Wettbewerbsgründen stundenlang im Kreis zu fahren. Trotzdem sehen sich Millionen Menschen die Formel-1 an.

      Ich sehe auch keinen Sinn darin, die AfD durch Steuergelder zu finanzieren, dennoch findet das statt und dennoch wählen Millionen Menschen diese „Partei.“

      Gefällt 2 Personen

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