„Was wäre ich ohne Dich?“ von Guillaume Musso

Buch: „Was wäre ich ohne Dich?“

Autor: Guillaume Musso

Verlag: Piper

Ausgabe: Taschenbuch

Der Autor: Guillaume Musso, geboren 1974 in Antibes, arbeitete als Dozent und Gymnasiallehrer. Musso ist einer der erfolgreichsten Gegenwartsautoren Frankreichs, seine Romane wurden in über zwanzig Sprachen übersetzt und haben sich als internationale Bestseller durchgesetzt. (Quelle: Piper)

Das Buch: Martin, engagierter Polizist in Paris, konzentriert sich nach einer enttäuschten Liebe voll und ganz auf seine Arbeit. Das muss er auch, denn zurzeit hat er es mit einem besonders schwierigen Fall zu tun: Er ist dem berühmt-berüchtigten Archibald MacLean auf den Fersen, dem größten Kunstdieb aller Zeiten. Martins abenteuerliche Jagd führt ihn bis nach San Franciso, wo er ausgerechnet Gabrielle wieder über den Weg läuft – der Frau, die ihm vor fünfzehn Jahren das Herz gebrochen hat. Und auch sie hat eine Verbindung zu Archibald …(Quelle: Piper)

Fazit: Eingangs sei erwähnt, dass diese Rezension Spoiler enthält, möglicherweise massive. Diese waren nicht zu vermeiden, um meinen Unmut zu diesem Machwerk angemessen zu äußern. Ihr wurdet gewarnt!

Manchmal sollte man doch auf seine innere Stimme hören. Denn so sehr man auch mit ihr diskutieren mag, meistens hat sie eben doch recht. Im Beispiel von „Was wäre ich ohne Dich?“ hat meine innere Stimme in etwa gesagt:

„Alter, lass die Finger davon! Alleine der Titel!“

„Ja, aber … aber ich habe schon „Das Atelier in Paris“ von Musso gelesen. Und das gefiel mir recht gut.“, antwortete ich meiner inneren Stimme.

„Ach ja!? Und die Charaktere? Schon vergessen? Die waren ätzend! Und dass das Buch gegen Ende voll vor eine massive Kitsch-Mauer knallte, das hast Du auch verdrängt, was!?“

„Ja, aber bis dahin …“

„Ach, papperlapapp, ich sag Dir: Lass es!“

„Ey, halt die Backen, ich weiß, was ich tue!“

Ich wusste es nicht.

Und deshalb sehe ich mich genötigt, mich jetzt auch noch in schriftlicher Form mit dem Gelesenen auseinandersetzen zu müssen. Selbst schuld. Denn meine innere Stimme hatte durchaus recht. Die Charaktere in „Das Atelier in Paris“ waren schlecht, und ja, das Ende war kitschig. Ich hätte also gewarnt sein müssen.

Bezeichnenderweise sind die genannten Punkte auch das, was man „Was wäre ich ohne Dich?“ vorwerfen kann und muss. Nur leider ist es damit noch längst nicht getan …

Erwartet habe ich etwas zwischen „Ocean´s blabla“, „Die Thomas-Crown-Affäre“ und irgendwas mit Jean-Paul Belmondo – bekommen habe ich einen Roman mit indiskutablen Figuren, einer überschaubaren Story und immensem Kitschfaktor.

Beginnen wir mal mit der Story: Zu Beginn des Buches ist Martin als junger französischer Student für einen recht kurzen Aufenthalt in den USA und lernt dort Gabrielle kennen. Die beiden verlieben sich, müssen sich aber kurz darauf eben wieder trennen und, wie das halt so ist, verläuft die ganze Sache im Sande, wiewohl Martin Monate später nochmal einen letzten Versuch unternimmt, sein ganzes Geld in ein Flugticket in die USA investiert um dort in einem Café auf Gabrielle zu warten, die er zwar vorher per Brief von seinen Plänen informiert hat, die aber nicht kommt.

15 Jahre später ist Martin Polizist und hat Bindungsprobleme. Und beides ist irgendwie auf Gabrielle zurückzuführen. Daher investiert er seine ganze Energie ersatzweise in die Jagd nach dem Meisterdieb Archibald McLean – dieser Name! – und allein dieser Handlungsstrang wirkt nicht nur deswegen etwas lächerlich, weil besagter Meisterdieb ein Herr in durchaus gesetzterem Alter ist, der dennoch alle Ermittlungsbehörden weltweit narrt – was müssen die unfähig sein – und sich regelmäßig von Hauswänden abseilt und ähnliche akrobatische Kunststücke unternimmt, sondern auch, weil Martin ihm auf eine Art „method acting“ der Polizeiarbeit begegnet. Augenscheinlich muss man sich in McLean hineindenken, hineinversetzen, er sein, um zu begreifen, was er vorhat. Aha …

Insgesamt ist dieser Handlungsstrang arg überschaubar, denn eigentlich wollte Musso wohl den Fokus auf die Geschichte seiner Charaktere und deren Zusammenspiel setzen. Nur leider funktioniert das auch nicht. Denn diese zweite Handlungsebene ist schon ziemlich banal und grenzwertig kitschig.

Neben der früh notgelandeten Story wären da aber ja auch noch die handelnden Personen. Und die sind ebenso allesamt Totalausfälle.

Martin hat es nach 15 Jahren nicht geschafft, sich gedanklich von einer Frau zu lösen, die er während nur weniger Wochen kennengelernt hat und lässt sich unbewusst sein Leben davon disktieren. Armer Wicht.

Gabrielle ist nochmal ein ganz anderer Fall. Angesprochen auf ihr o.g. Fernbleiben vom Café antwortet sie sinngemäß, dass sich Martin wohl nicht genug um sie bemüht habe, als dass sie dort erscheinen wollte …

Dafuq!?

Ey, der junge Mann hat wochen- und monatelang jede freie Minute gearbeitet, um sich das Ticket leisten zu können, dauernd angerufen und täglich Briefe geschrieben! Was hätte er tun sollen? Auf dem Kutschbock – passenderweise habe ich mich gerade vertippt und „Kitschbock“ geschrieben – einer Kutsche mit „Eiskönigin“-Aufdruck, die von vier Schimmeln gezogen wird, vor ihrer Tür stehen!?

Und auch Meisterdieb Mc-Lean hat so sein Problemchen. Er hat nämlich eine Tochter. Zu dieser kann er aber keine Beziehung aufbauen, weil seine Frau bei der Geburt besagter Tochter verstarb und er die Schuld dafür – sic! – dem Kind zuschiebt. Als Ausgleich für sein Fehlen als Vater entblödet er sich aber nicht, jedes Jahr zum Geburtstag der Tochter in unterschiedlichen Verkleidungen in ihrer Nähe aufzutauchen, ohne, dass sie ihn erkennt. Irgendwie gruselig, oder!? Auf eine stalking-gruselige Art gruselig, oder!? Damit aber nicht genug! McLean entblödet sich weiters nicht, im Gespräch mit Martin Weisheiten wie „Wenn eine Frau Nein sagt, bedeutet das oft: Ja, aber ich habe Angst.“ von sich zu geben.

Ernsthaft!?

Da wo ich herkomme, bedeutet ein Nein tatsächlich ein Nein und für o.g. Äußerung läuft man Gefahr, vollkommen zu recht eine gefenstert zu bekommen.

Und Zitate wie dieses gäbe es noch einige …

Meiner unmaßgeblichen Meinung nach hätten alle drei Protagonisten in erster Linie – und ich meine das nicht zynisch, sondern tatsächlich so – professionelle Hilfe nötig gehabt, um ihre Traumata in irgendeiner Art und Weise aufzuarbeiten. Anstatt dann unbedarfte Leser damit zu quälen …

Zu den Protagonisten gesellen sich dann noch so zwei, drei Nebenfiguren, die skurril, dafür aber vollkommen überflüssig sind und deren Vorhandensein in dieser Form ich mir nicht rational erklären kann. Beispielsweise hat McLean eine Art Assistentin, die aus, wenn ich das jetzt richtig auf dem Schirm habe, Geheimdienstkreisen kommt, Kampfsportarten beherrscht und was-weiß-ich sonst noch kann. Die Assistentin taucht in gefühlt drei Szenen auf, die inhaltlich von wenig bis absolut nichts zur Handlung beizutragen haben. Was soll diese Figur also!?

Ich könnte mich noch Ewigkeiten über dieses Buch echauffieren, das tatsächlich zu den schlechtesten gehört, die ich seit langer Zeit gelesen habe. Am schlimmsten fand ich persönlich ja noch, dass zu den die Kapitel einleitenden Zitaten aus Liedertexten und Büchern auch ein Zitat aus „Der Schatten des Windes“ gehört. Zafóns schöne Worte in diesem, mit Verlaub, Schund lesen zu müssen, tat weh. Aber da alles weitere Lamentieren nichts hilft, belasse ich es bei:

„Was wäre ich ohne Dich?“ ist letztlich ein grenzkitischiges Machwerk voller Pathos und mit absolut indiskutablen Figuren.

Ich behaupte nicht, dass es dafür nicht Leser oder Innen geben kann, ich gehöre aber wohl eindeutig nicht zu Zielgruppe.

Und ich werde fürderhin halt doch um weitere Bücher von Musso den größtmöglichen Bogen machen.

Wertung:

Handlung: 3 von 10 Punkten

Stil: 7 von 10 Punkten

Charaktere: 1 von 10 Punkten

Atmosphäre: 2 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 3,25 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: Entweder „Bis ihr sie findet“ von Gytha Lodge oooder „Ein angesehener Mann“ von Abir Mukherjee.

16 Kommentare zu „„Was wäre ich ohne Dich?“ von Guillaume Musso

  1. Hihi ich habe kein Mitleid 😉. Von Musso habe ich zweieinhalb Bücher gelesen, das erste fand ich ganz gut, das zweite naja und das dritte habe ich vor Langeweile abgebrochen. Die Titel habe ich allesamt vergessen.
    Aber wenn man sich schon durch quält, muß man auch drüber schreiben, das versteh ich sehr gut 😜

    Gefällt 2 Personen

    1. Ja, ich hätte vorgewarnt sein müssen. Müssen! :-)

      Das Original des Buches ist schon 2009 erschienen, von einer Verfilmung ist mir nichts bekannt. Wahrscheinlich ist potenziellen Produzenten einer solchen bewusst geworden, dass man aus der Vorlage auch unter Zuhilfenahme eines extensiven Violinen- und Harfeneinsatzes nichts Brauchbares machen kann … :-)

      Herzlichen Dank!

      Gefällt 1 Person

    1. Ja, ich nicht! ;-) Aber danke. Ich fürchte zwar, dass Guillaume Musso das etwas anders sieht, baue aber andererseits darauf, dass ihm meine Meinung völlig wurscht ist. :-)

      Und mal so unter uns: Beiträge zu schlechten Büchern schreibe ich eigentlich auch ganz gerne. Das entschädigt ein bisschen für die verschwendete Lebenszeit, die ich nie zurückbekomme …

      Gefällt 3 Personen

        1. Auch wieder wahr … – und dennoch … :-)

          Danke der Nachfrage. Es wird.

          Und ich weiß Deinen Eifer hinsichtlich Deiner Tätigkeitsausübung zu schätzen, aber treten in jeglicher Form ist derzeit eigentlich nicht nötig. :-)

          Gefällt 1 Person

          1. Hömma, wenn ich schon eine eigene staatlich geprüfte Arschtreterin habe, dann schicke ich die nicht einfach weg. Also ja: Bezahlter Urlaub! Stell mir einfach alles in Rechnung, wir klären das dann später … ;-)

            Gefällt 2 Personen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.