„Martini für drei“ von Suzanne Rindell

Buch: „Martini für drei“

Autorin: Suzanne Rindell

Verlag: btb

Ausgabe: Taschenbuch, 636 Seiten

Die Autorin: Suzanne Rindell ist die preisgekrönte Autorin von Die Frau an der Schreibmaschine, ihr vielgelobtes und extrem spannendes Debüt über Singlefrauen in den Roaring Twenties in New York – und den ein oder anderen Mord. Keira Knightley wird in der für 2019 geplanten Verfilmung die Hauptrolle spielen. Suzanne Rindell lebt in New York. (Quelle: btb)

Das Buch: New York, 1958: Die Stadt ist im Aufbruch, besonders das lebendige Stadtviertel Greenwich Village mit seinen Jazzclubs und dem Geist der Beat Generation. Drei junge Menschen haben den Traum, in der aufstrebenden Verlagsbranche ihren Platz zu finden. Cliff, der Sohn eines berühmten Verlegers, ist überzeugt, der nächste große Star am Literaturhimmel zu werden. Eden träumt davon, Lektorin zu werden, wenn sich ihr nur nicht dauernd Steine in den Weg legen würden. Während Miles bereits am Ziel seiner Wünsche angekommen zu sein scheint, auf dem Weg zum umjubelten Schriftsteller. Die Wege der drei kreuzen sich auf ungeahnte Weise … (Quelle: btb)

Fazit: Mit Büchern über Bücher und/oder die Literaturbranche kann man mich immer schnell kriegen, da fallen Kaufentscheidungen öfter eher so halbrational aus. Und wenn, wie im vorliegenden Fall, „Entertainment Weekly“ urteilt: „Eine Hommage an die Beatnik-Generation und ihre Literatur. Das „Mad Men“ der Verlagsbranche.“, dann hat es sich mit der Rationalität weitgehend erledigt. Auch wenn ich mitnichten der Beatnik-Generation angehöre. Und „Mad Men“ nie gesehen habe.

Glücklicherweise sind manchmal gerade Kaufentscheidungen, die fern jeder Rationalität getroffen werden, die besten. So zumindest war es bei „Martini für drei“.

Auch bezüglich Rindells Romandebüt „Die Frau an der Schreibmaschine“ kann ich nur mit Unkenntnis glänzen. Allerdings braucht man auch keine solche Vorbildung, denn innerhalb weniger Seiten wird klar, wie gut Suzanne Rindell schreiben kann.

Sie erzählt die Geschichte ihrer drei Protagonisten aus deren unterschiedlicher persönlicher Sicht, gesteht jedem Charakter einige Kapitel zu und wechselt dann zum nächsten. Dabei werden vor allem zwei Dinge deutlich, nämlich in erster Linie, wie gut es der Autorin gelingt, jeder ihrer Hauptpersonen eine individuelle Erzählstimme zu geben und darüber hinaus, wie intensiv sie sich ihren Charakteren widmet.

Eden ist jung, hübsch und ehrgeizig, will sie doch in einem weitgehend – sagen wir eher: nahezu ausschließlich – männerdominierten Arbeitsumfeld Fuß fassen und eine Karriere als Lektorin starten. Dabei gelingt ihr nicht immer alles, wie es soll, dennoch lässt sich die junge Frau nur schwerlich aus der Ruhe bringen und bleibt beharrlich dran an der Umsetzung ihres Traums.

Einen Traum hat auch Verleger-Sohn Cliff, der das Studium schmeißt, um fortan als Literat Karriere zu machen und von der Schriftstellerei zu leben. Dumm nur, dass er eigentlich durchgehend an einer Schreibblockade leidet und das Wenige, was er letztlich zu Papier bringt, einer Qualitätsprüfung nur bedingt standhält. Dafür beweist der junge Mann umso mehr Kompetenz, wenn es darum geht, größere Mengen Alkohol zu vernichten.

Mit Alkohol wiederum hat Miles, der Dritte im Bunde, weniger am Hut, was vielleicht auch dazu führt, dass er wesentlich bessere Dinge zu Papier bringt, als Cliff das jemals könnte. Bei ihm scheint der Weg in den Literaturbetrieb vorgezeichnet, teilweise auch zwangsläufig, weil es ihm trotz eines Uni-Abschlusses mit Auszeichnung aufgrund seiner Hautfarbe nicht gelingen will, einen Job zu ergattern – harte Realität für viele Schwarze in den USA zu einem Zeitpunkt, als das beharrliche Sitzenbleiben von Rosa Parks und der Freispruch der Mörder von Emmet Till gerade mal drei Jahre zurückliegen.

Rindell gönnt ihren Protagonisten allen ihre eigene Handlung, von denen eigentlich jede für einen eigenen Roman überschaubareren Umfangs gereicht hätte, und fügt die Geschichten der drei dann im Laufe des Plots zusammen. Bis es so weit ist, macht sich jede der Hauptpersonen auf eine eigene Art von Reise, manche buchstäblich, andere sinnbildlich.

Eden versucht, sich gegen die Umgleichbehandlung in ihrem Arbeitsumfeld durchzusetzen, Cliff begibt sich weiter auf die Suche nach Worten, während er still, leise und heimlich versucht, sich von seinem Elternhaus zu empanzipieren, und Miles macht sich tatsächlich auf die Socken, um Neuigkeiten über seinen Vater und seine Herkunft bekommen, sich aber auch über sich selbst und das Eingestehen seiner Homosexualität klar zu werden.

Das alles tut Rindell in einer Sprache, die den Leser wünschen lässt, nach Abschluss der gut 600 Seiten doch bitte weitere 600 vor sich zu haben. Man merkt der Autorin den Spaß am Geschichten erzählen an.

Und ich als Leser, ich hatte auch Spaß.

Wertung:

Handlung: 9 von 10 Punkten

Charaktere: 9 von 10 Punkten

Stil: 8,5 von 10 Punkten

Atmosphäre: 8,5 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 8,75 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Der Hochstapler“ von David Slattery

 

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6 Kommentare zu „„Martini für drei“ von Suzanne Rindell

  1. Kommt auf meine Wunschliste. Finde diese detaillierte Rückschau immer spannend. Ich habe ja die Fünfziger, deren Verhärtungen und auch die Veränderungen als Kind miterlebt und erinnere mich noch recht genau an meine kindliche Empörung über die alltäglichen Ungerechtigkeiten und Gemeinheiten allgemein sowie versuchte (vergebliche) Beschränkungen meines Auslebens als Mädchen. Und auch die Abwertung dunkelhäutiger Menschen treibt mich schon immer um, seit ich die ersten Besatzungskinder kennenlernte und mit 9Jjahren „Onkel Toms Hütte“ las. Wobei ich es damals (mit Begeisterung) so empfunden habe, dass die Musik in einer Art von explosivem Ausbruch vieles anstieß, was nicht mehr wegzusperren war. Die verschiedenen Möglichkeiten, sein Leben zu leben trotz aller und gegen elementare Widerstände, die allein in Geschlecht oder Hautfarbe begründet sind, interessieren mich sehr.
    Zurzeit sitze ich gerade an einem eher theoretischen Buch, das mich gefangen hat und von dem ich Kenntnis durch eine Dokumentation erhielt. „Solidarismus“ von Rudolf Diesel, bei dem ich diese Thematik nie erwartet hätte. Es ist der Versuch, die soziale Frage durch eine Art Gemeinwohlökonomie zu lösen.
    Ich schweife ab. Schluss jetzt.

    Gefällt 1 Person

    1. In dem Fall könnte „Martini für drei“ tatsächlich gefallen, wobei ich dazu sagen muss, dass das Buch Themen wie Rassismus oder Rechte der Frauen nicht wirklich kritisch, sondern eher beschreibend aufgreift. Es enthält sich praktisch einer Wertung und die genannten Themen sind der Vollständigkeit des gezeichneten Sittengemäldes halber enthalten. Wobei das jetzt auch wieder falsch klingt. Sagen wir einfach: Sie dienen der Authentizität des gezeichneten Sittengemäldes.

      Ach und: Abschweifen ist ausdrücklich kein Problem. :-)

      Gefällt 1 Person

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