„Bordertown – Die Abrechnung“ von J. M. Ilves

Buch: „Die Abrechnung“

Autoren: J. M. Ilves

Verlag: Suhrkamp

Ausgabe: Taschenbuch, 319 Seiten

Die Autoren: J. M. Ilves ist das Pseudonym zweier finnischer Autoren, die sich zusammengetan haben, um eine neue Krimiserie im Stil des Nordic Noir zu schreiben. Zum Vorbild haben sie sich skandinavische Krimierfolge wie The Killing und Die Brücke genommen. Und so wurde auch Bordertown fürs Fernsehen verfilmt. Die TV-Serie begeisterte in Finnland ein Millionenpublikum und wurde in über 40 Länder verkauft. (Quelle: Suhrkamp)

Das Buch: Kommissar Sorjonen erlebt seinen persönlichen Albtraum: Seine Tochter Janina wird blutverschmiert und ohne jegliche Erinnerung auf einem Segelboot aufgefunden. Neben ihr: ein brutal ermordeter Mann. Die Beweise sind erdrückend, der Fall scheint klar. Und Sorjonen hat nur noch eine Mission: die Unschuld seiner Tochter zu beweisen. (Quelle: Suhrkamp)

Fazit: Wenn man meine Kubikmeter ungelesener Bücher genauer unter die Lupe nimmt – nicht, dass es dafür eine bräuchte -, dann wird sehr schnell deutlich: Mehrheitlich bleiben Bücher aus der Kategorie „Wälzer“ bei mir liegen, was nach meiner Definition Seitenzahlen von mehr als 500 und deutlich darüber hinaus bedeutet.

Um dem entgegenzuwirken, habe ich mit „Bordertown – Die Abrechnung“ mal wieder zu einem Krimi überschaubaren Ausmaßes gegriffen, der außerdem mit seiner hübschen Gestaltung – in etwa eine Mischung aus finnischer Seenlandschaft und fatalem Chemieunfall – punkten konnte.

Nun bin ich mit skandinavischen Krimis schon derartig oft auf die Schnauze gefallen, dass ich eigentlich renitent sein und das Genre weitgehend meiden sollte. Tue ich aber nicht, denn zwischendurch sind immer mal wieder Bücher wie „Die Abrechnung“ dabei, die mich – das sei vorweggenommen – zwar nicht völlig umhauen, aber wenigstens gut unterhalten.

Der vorliegende Krimi bildet den zweiten Teil einer Reihe um den den Kommissar Sorjonen, der etwas anders ist als andere Ermittler. Sorjonen ist ein scheuer Mensch, der größere Menschengruppen augenscheinlich nicht gut erträgt und der einige Zeit braucht bis er anderen Menschen vertrauen und sich auf sie einlassen kann. Und auch wenn ihm, wie könnte es anders sein, das Schicksal in der Vergangenheit übel mitgespielt hat – ich warte immer noch auf den ersten wirklich rundum glücklichen Ermittler in einem skandinavischen Krimi -, hebt er sich angenehm ab von anderen klischeebehafteten Figuren des Genres.

Der Einstieg in das Buch fiel mir recht leicht, da „Die Abrechnung“ stilistisch eher unkompliziert gehalten und in vergleichsweise kurze Kapitel eingeteilt ist. Die Dialoge wirken größtenteils recht realitätsnah, gleiten jedoch zuweilen, insbesondere wenn Sorjonen und seine Frau sich unterhalten, ins Pathetische ab.

Bliebe letztlich die Handlung, die – zumindest für mich – unter einem größeren Problem leidet, nämlich dem Titel des Buches. Wenn ich einen Krimi „Die Abrechnung“ nenne, kann man davon ausgehen, dass dieser nicht deswegen so heißt, weil er sich inhaltlich mit dem Rechenschaftsbericht eines Sportvereinsvorstands gegenüber seinen Mitgliedern nach dem Kassensturz für das vergangene Geschäftsjahr beschäftigt, sondern weil in diesem Buch offensichtlich irgendjemand eine Rechnung offen hat, die nun beglichen werden soll. Insofern liegt das Motiv „Rache“ schon zu Beginn der Handlungen mehr oder weniger offen vor dem Leser, was ich persönlich als etwas unglücklich empfinde.

Ansonsten bietet J. M. Ilves´ Buch solide Krimikost, die die Leserschaft nicht überfordert. Und wer mal wieder mit einer skandinavischen Krimireihe, deren Einzelbände nicht die Ausmaße von „Krieg und Frieden“ hat, beginnen möchte, dem kann ich die „Bordertown“-Reihe nur empfehlen, dann sollte man aber naturgemäß mit Teil 1 „Bordertown – Der Puppenmeister“ loslegen.

Das ist alles, was ich darüber sagen kann.

Wertung:

Handlung: 7 von 10 Punkten

Charaktere: 7 von 10 Punkten

Stil: 7,5 von 10 Punkten

Spannung: 7 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 7,125 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: Entweder „Die Hauptstadt“ von Robert Menasse oder aber „Ein gutes Herz“ von Leon de Winter. Oder etwas ganz anderes. Man wird sehen.

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