abc.Etüden KW 15/16 IV

Hallo, liebe Leserinnen und Leser,

mein katastrophales Zeitmanagement – sofern man in diesem Zusammenhang überhaupt von Management sprechen kann – lässt derzeit weiterhin keine neuen Rezensionen zu. Aber Etüden gehen ja eigentlich immer und geben mir außerdem die Gelegenheit, immer mal wieder über das aktuelle Tagesgeschehen zu mäkeln. Das tue ich ja gerne und exakt dafür scheine ich das Format gerade zu entdecken. :-) Verantwortlich für die Ausrichtung der Etüden zeichnet weiterhin Christiane, die Wortspende für den Rest der Woche kommt von Veronika.

 

„Was ist Dir denn passiert? Du siehst aus, als hättest Du eine Tulpenzwiebel verschluckt.“

„Das sagst Du nur, damit es im Text steht!“

„Stimmt, aber fand die Idee ganz kurzweilig.“

„Du tust es schon wieder!“

„Mensch, es wird Zeit, das Deine Laune aufersteht …“

„Und wieder! Lass das!“

„Na gut – aber mal ernsthaft: Was ist los?“

„Ich ärgere mich, das ist los.“

„Hat denn die Idee mit Eschweiler in London nicht geklappt?“

„Nicht so wirklich. Als ich anrief, war er von der Idee nicht begeistert. Also bin ich hingefahren und …“

„Ja?“

„Na, die einstweilige Anordnung hängt da eingerahmt an der Wand. Ich darf mich Herrn Eschweiler nicht mehr auf weniger als 100 Meter nähern. Hör auf zu lachen!“

„Entschuldige – und das beschäftigt Dich also?“

„Weniger. Mich beschäftigt eher, dass das Verfassungsgericht heute über das Wahlrecht von betreuten Behinderten schon zur Europawahl entscheidet.“

„Ja, aber das ist doch eigentlich eine gute Sache. Uneigentlich auch.“

„Natürlich, aber offensichtlich sieht das nicht jeder so. Hier, auf der Website des MDR fragt jemand, ob es denn verfassungskonform sei, dass die Betreuer nun „de facto“ zwei oder mehr Stimmen hätten. Das lasse man sich „auch nicht wegargumentieren“.“

„Hart.“

„Japp. Der Nächste stellt die Vermutung an, dass durchaus klar sei, dass die Stimmen der über 80.000 Betroffenen wohl an die Parteien gehen, die den entsprechenden Antrag gestellt haben und fordert deshalb „internationale Wahlbeobachter“.“

„Ich …“

„Oder hier, sinngemäß, in der „Zeit„: Leicht zu beeinflussende Menschen sollten nicht wählen dürfen!“

„Ha! Andererseits –  dann hätte die AfD kaum Stimmen …“

„Mich kotzt das nur noch an. Da bekommt eine ganze Gruppe von Menschen ein Grundrecht zugesprochen und andere Menschen meckern auf die ekelhafteste Art darüber, obwohl es sie weder betrifft, noch einschränkt noch sonst was.“

„Tja …“

„Weißt Du, manchmal glaube ich, das Leben könnte ganz schön sein – wenn da nicht die Menschen wären.

 

300 Worte.

 

 

 

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13 Kommentare zu „abc.Etüden KW 15/16 IV

  1. Der fehlende kollektive Aufschrei … den meisten ist das Hemd näher als der Rock und warum sich für etwas einsetzen, das einen nicht betrifft?
    Dabei gibt es keine Garantie, dass es einen nicht doch irgendwann einmal betrifft.

    LG, Veronika

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    1. Vielleicht ist das der gewünschte Effekt solcher Leute: Dass den anderen Menschen die Worte fehlen.

      Ich würde mir wünschen, dass, wo immer jemand solchen verächtlichen Unsinn von sich gibt, andere Menschen aufstehen und sagen: „So nicht!“ – Am besten auf der Straße. Mit Bannern. Und Plakaten. Und Trillerpfeifen. Und Protestrednern.

      Aber irgendwie hat meine Generation das verlernt und an die Nachfolgegeneration weitergereicht. Immerhin. :-)

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  2. Danke und toll, dass du dich dem Thema annimmst. Ich müsste und wollte eigentlich auch, aber ich habe gerade auf den Fädenrissen dieses Fortsetzungsfiktionsding am Abspulen, das heißt, ich komme frühestens Ende der Woche dazu und du machst es zeitnah.

    Interessant bei allen Artikel, die ich bis jetzt heute gelesen habe: Niemand spricht an, dass die Auschlüsse gegen die UN-BRK sind. Man könnte ja auch als Medium auch mal darüber reden zumal die Staatenprüfung läuft.

    Auch interessant finde ich, dass bei Betreuung sofort assoziiert wird, es müssten schwer geistig behinderte Menschen sein. Es gibt etliche Psychischbehinderte oder Depressive, die ebenfalls ausgeschlossen sind, weil eine Betreuung besteht, genauso wie kognitiv völlig normale schwerst Körperbehinderte. Da merkt man wieder mal, dass Leute von Dingen reden, von denen sie keine Ahnung haben…

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    1. Es beschäftigt mich halt immer, wenn ich merke, dass da – das sagst Du ganz richtig – Menschen von etwas reden, von dem sie keine Ahnung haben, das dann aber dennoch unwidersprochen bleibt.

      Was das Wahlrecht angeht, so ist es ja schon mal ein Fortschritt, das festgehalten wurde, dass der Ausschluss gegen das Grundgesetz verstößt. Mit der Umsetzung der Behindertenrechtskonvention wird wahrscheinlich irgendwann dann angefangen, wenn man die selbe nicht mehr als grobe Empfehlung auffasst …

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    1. Vielen Dank. Ich habe es mir diesmal eigentlich ziemlich einfach gemacht. ;-)

      Ich würde mir aber auch wünschen, dass der kollektive Aufschrei mal lauter wäre, und das nicht nur bei diesem Thema.

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    1. Exakt – aber es werden immer mehr gewisse Menschen. :-)

      Nicht in den Text geschafft haben es übrigens:

      „(…) ich denke die haben in der Regel andere Probleme als Wahlen (…)“

      „Wenn ein Mensch, der seine eigenen Angelegenheiten aufgrund geistiger Einschränkungen nicht mehr regeln kann und deshalb sogar einen bestellten Betreuer hat, kann er auch keine eigenständige Wahlentscheidung mehr treffen.“

      und ähnliche Dinge. :-(

      Gefällt 2 Personen

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