„Der Babylon-Kult“ von Tom Knox – „I Can’t Believe It’s A Law Firm“ oder Ein unfassbar indyotisches Buch

Buch: „Der Babylon-Kult“

Autor: Tom Knox

Verlag: Hoffmann und Campe

Ausgabe: Taschenbuch

Der Autor: Tom Knox (eigentlich Sean Thomas) wurde 1963 in England geboren. Als Journalist für die Times, den Guardian sowie die Daily Mail hat er die ganze Welt bereist. 2007 wurde er von der Sunday Times zum Reisejournalisten des Jahres gewählt. 2009 veröffentlichte er seinen ersten Thriller, Genesis Secret, und landete damit einen großen internationalen Erfolg. Darauf folgte Cagot und Bibel der Toten. Wenn Tom Knox nicht auf Reisen ist, lebt er in London. (Quelle: Hoffmann und Campe)

Das Buch: Wer dachte, schon alles über die Templer zu wissen, wird hier eines Besseren belehrt. Mysteriöse Selbstmorde stellen die Londoner Polizei vor ein Rätsel. Haben sich die Menschen im Rausch selbst verstümmelt? Wurden sie dazu gezwungen? Journalist Adam Blackwood recherchiert zeitgleich zum Tod des berühmten Templer-Forschers Archibald McLintock. Gemeinsam mit dessen Tochter Nina reist Blackwood auf den Spuren des Historikers zu sämtlichen Templerhochburgen und entdeckt dabei ein brutales Ritual: den Babylon-Kult. Ähnelt er nur zufällig dem Ritus einer prekolumbianischen Zivilisation in Lateinamerika? (Quelle: Hoffmann und Campe)

Fazit: Eigentlich sollten hier an dieser Stelle ja erst die Rezensionen anderer Bücher Priorität haben. Auf die hatte ich aber im Einzelfall gerade keine Lust oder aber habe sie schlicht noch nicht durchgelesen. Wir haben schließlich DFB-Pokal-Woche und ich muss bis zum Start von Staffel 8 von „Game of Thrones“ noch etwa die halbe Staffel 6 sowie die ganze Staffel 7 nachholen (Wer mich fragt: „Bist Du schon an der Stelle, wo …?“ zieht sich meinen zeitlich unlimitierten Zorn zu!), wie also sollte man da noch ausreichend Zeit fürs Lesen finden!?

Aus diesem Grund beschäftige ich mich heute erst mal mit „Der Babylon-Kult“ von Tom Knox. Und aus dem, dass ich diese Rezension dann hinter mich gebracht habe und dieses Buch schnellstmöglich vergessen kann …

Selten, ganz, ganz selten gibt es die Situation, dass ich schon beim Kauf eines Buches weiß, dass es sich dabei um ziemlichen Mist handeln dürfte. Dennoch kaufe ich solche Bücher manchmal. Eine Handlung, der wohl der selbe Impuls zugrunde liegt, durch den man mit der Zunge überprüft, ob der Zahn noch schmerzt. Man weiß, dass es eine dumme Idee ist, man tut es trotzdem. Fast vier Jahre hat das Buch jetzt auf meinem Stapel ungelesener Bücher verbracht und war diversen Leseversuchen ausgesetzt, denen es sich erfolgreich widersetzt hat. Hätte ich es doch nur dort liegenlassen. Oder im Garten vergraben.

Denn selten lag ich mit meiner Einschätzung so richtig, wie bei Tom Knox´ „Der Baylon-Kult“. Aber beginnen wir mit dem Positiven.

Das Paradoxe an Knox´ Roman ist, dass er eigentlich wirklich gut geschrieben ist. Rasant und temporeich, zwar ohne den Leser zu überfordern, aber dennoch nicht gänzlich anspruchslos und insgesamt so, wie ich es von einem Abenteuerroman erwarten darf, der seinerseits erwartet, gelesen zu werden.

Auch die Figuren sind – obwohl nicht sonderlich vielschichtig – eigentlich ganz gut getroffen. Zumindest den Protagonisten Adam Blackwood, ein Journalist, der vor dem Hintergrund des Printmedien-Niedergangs seinen Job verloren hat, mag ich recht gerne.

Alles in Allem hat „Der Babylon-Kult“ also gute Voraussetzungen, ein gutes Buch zu sein. Wäre da nicht diese Handlung! Selbige ist von vorne bis hinten hanebüchen, ein riesengroßer Unfug, eigentlich nahe dran an einer Frechheit und verströmt den Hauch eines ganz, ganz miesen Indiana-Jones-Films.

Da schneiden sich also Menschen die Gliedmaßen ab. Einer sogar seinen Kopf, mittels einer Kettensäge. Ich wüsste zu gerne, ob das funktioniert, möchte aber niemanden zu Feldversuchen anregen …

Auf der Suche nach dem Grund dafür landen die Protagonisten inhaltlich sehr bald bei den Templern und stellen die Vermutung auf, diese könnten eine Form der Hypnose erfunden haben, die sie in eine Art Raserei versetzt und diese, die Hypnose, könnte nun erneut unter den Menschen gelandet sein. So ungefähr auf diesem Level bewegen wir uns inhaltlich, nur um mal ein Beispiel geliefert zu haben. Schon sehr schnell fragt man sich als Leser, was um alles in der Welt das soll. Und bis zum Ende wird man diese Frage auch nicht mehr los. Theorien von Templern in Südamerika machen die Runde und, ach, das würde jetzt zu weit führen, es ist und bleibt Murks.

Neben der eigentlich fast indiskutablen Handlung würzt Knox seinen Roman noch mit Zutaten, die er doch lieber weggelassen hätte. Spätestens hier fragt man sich, ob überhaupt ein Lektor in den Entstehungsprozess des Buches involviert war. Augenscheinlich dachte sich Knox, dass zum Indy-Charme seines Buches auch diverse Nazi-Vergleiche passen würden, auch wenn hier niemand die Bundeslade sucht. Jemand in einem Ledermantel wird vom Protagonisten aufgrund seiner Kleidung mit einem Gestapo-Offizier verglichen. Und als Jessica eine indianische Opferstätte von vor einigen Jahrhunderten findet, erinnern sie die Skelette an die Leichen der Kinder der Eheleute Goebbels. Anders als den indianischen Kinderopfern hat man denen aber, so weit ich weiß, nicht die Brustbeine demoliert, um die Herzen zu entfernen. Was diese ganzen Nazi-Vergleiche, von denen es noch eine Reihe mehr gibt, sollen, erschließt sich mir nicht und wird wohl auf ewig das Geheimnis des Autors bleiben.

Aber damit nicht genug. Wir erinnern uns nochmal an einen Teil des Inhalts: Templer, Hypnose, Raserei, ja!? So weit, so gut. Nun rekapitulieren die Protagonisten irgendwann natürlich auch den Prozess gegen die Templer. Diesen wurde unter anderem vorgeworfen. sich mit ihrem Gelübde der Homosexualität zu verpflichten. Dieser Anklagepunkt wird seitens der Protagonisten offensichtlich unwidersprochen als Fakt angesehen. So wundert dann auch nicht, dass sie die Theorie aufstellen, dass sich die Templer mittels ihrer Hypnose in eine „homoerotische Raserei“ (ich zitiere!) hineingesteigert hätten. Ich gebe zu, diese Stelle ließ mich mit einer gewissen Fassungslosigkeit nahe am hysterischen Kichern zurück.

Apropos Theorie: Auch Jessica vertritt eine, sagen wir mal spannende Theorie. Sie und Adam stützen nunmehr also offensichtlich offiziell die These „Alle Templer waren schwul!“ und sie, also Jessica, macht sich so ihre Gedanken dazu und sagt sinngemäß, dass die Templer ja auch einsam und allein in ihren Templerburgen, weit abgeschieden von allem, und ohne Frauen saßen und schlussfolgert: „Kein Wunder, wenn man so wird.“

„So“. Und „wird“. Man wird also so

Wenn ich mich mit dem männlichen Teil meines Freundeskreises nun für, sagen wir, 12 Monate in eine einsame Berghütte zurückziehe, wonach ich nicht das geringste Bedürfnis verspüre, aber nehmen wir das für mein Gedankenkonstrukt einfach mal an, dann bedeutet das in der Denke von Jessica, dass wir nach Ablauf dieser Zeit alle homosexuelle Beziehungen miteinander haben werden? Ich denke nicht! Es besteht vielleicht die Wahrscheinlichkeit, dass wir uns gegenseitig erschlagen haben, mehr aber auch nicht.

Und spätestens an diesem Punkt ist es dann eigentlich auch mal Zeit, das Weltbild, das Knox da vermittelt, zu hinterfragen. Und auch nochmal die Frage aufzuwerfen, ob dieses Machwerk tatsächlich durch ein Lektorat gegangen ist. Und wenn ja, ob die dafür verantwortlichen, handelnden Personen vielleicht betrunken waren.

Ich möchte nicht abstreiten, dass es Menschen gibt, die mit „Der Babylon-Kult“ ihren Spaß haben können. Wenn man ebenfalls betrunken ist. Oder wenn man sich in eine Art fatalistischen Humor flüchtet beispielsweise. Oder wenn man Filme wie „Mega Shark vs. Crocosaurus“ mag. Alle anderen lassen lieber die Finger von diesem Machwerk.

Passend zu „I Can’t Believe It’s A Law Firm“, der Aufschrift auf dem Werbeschild für die Anwaltskanzlei von Lionel Hutz aus den „Simpsons“ kann ich abschließend jedenfalls sagen: Ich kann nicht glauben, dass dieses Buch wirklich veröffentlicht wurde!

Wertung:

Handlung: 1,5 von 10 Punkten

Charaktere: 7,5 von 10 Punkten

Stil: 8,5 von 10 Punkten

Spannung: 2 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 4,875 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: Ich habe noch keine Ahnung. :-)

 

17 Kommentare zu „„Der Babylon-Kult“ von Tom Knox – „I Can’t Believe It’s A Law Firm“ oder Ein unfassbar indyotisches Buch

  1. Ich kenne den Autor nicht, ich kenne das Buch nicht und ich werde beide nicht kennenlernen, das wird sich bestimmt vermeiden lassen!
    Wohingegen ich mich beim Lesen überaus amüsiert habe und daher nicht deiner Meinung bin, dass du keine längere Geschichte zusammenbrächtest. Du kannst schreiben – der Rest ist Technik, und warum solltest du den nicht lernen können?
    Liebe Grüße
    Christiane, selbstverständlich völlig uneigennützig und nicht im Geringsten auf die Etüden verweisend ;-)

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  2. Sehr doll gelacht. Fraggle ich bin nach wie vor der Meinung Du könntest gut ein Buch schreiben. Besser als viele Bücher auf dem Markt. Aber lachen ist gesund, besonders seit immer mehr Menschen in meiner Nähe nicht mehr unter uns weilen halte ich mich daran so viel wie möglich zu lachen und die Zeit zu genießen. Was an den Arbeitstagen schon schwer fällt.
    Liebe Grüße Kenia♥

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    1. Hey, liebste Kenia, schön, Dich mal wieder zu lesen.

      Na, dann habe ich ja einiges richtig gemacht. ;-) Was das Buch angeht, so hatte ich vor nicht allzu langer Zeit mal wieder ein Gespräch darüber und musste darin gestehen, dass ich glaube, einfach nicht der Typ zu sein, der in der Lage ist, sich komplexe Plots auszudenken. Und der zweite, noch viel wichtigere Grund ist der immense zeitliche Aufwand, der dahintersteckt und den ich einfach scheue. Aber man wird sehen …

      Lachen und die Zeit genießen, ist in jedem Fall eine gute Basis. Nach meinem eher suboptimalen Jahresanfang halte ich es gerade genau so und fahre sehr gut damit. Ich hoffe, Dir geht es trotz allem den Umständen entsprechend gut!?

      Liebe Grüße
      Fraggle

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      1. ich hoffe bei Dir ist es inzwischen besser geworden. Zumindest bin ich bis auf meine chronische Krankheit recht gesund. Wieso trotzdem morgens der Rücken so weh tut dass ich immer erst gebückt durch die Wohnung laufe bis sich irgendwas eingeschmiert hat und auch beide Händeoperiert werden müssen weiß ich auch nicht. Es tut halt alles weh, was wohl auch daran liegt dass ich kaum Sport treibe, da ich so schlecht Luft bekomme. Aber es gibt Leute denen geht es schlimmer. In der Hoffnung dass uns ein tolles Frühjahr und ein schöner Sommer bevor steht grüße ich Dich ganz lieb und wünsche einen guten Start in die Woche ♥
        Kenia

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    1. Das betrachte ich als gute Tat des Tages und hake diesen Punkt deshalb auf meiner täglichen to-do-Liste ab. ;-) Somit ist der Dank ganz meinerseits.

      Ich hoffe inständig, dass sich dieser beschissene (sag es ruhig) Tag für Dich noch zum Besseren wendet und letztlich wenigstens im Bereich von „erträglich“ landet.

      Falls ich etwas für Dich tun kann, sag Bescheid. :-)

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        1. Das klingt ganz, ganz gruselig – und ich habe leise Zweifel, dass eine Magnum-Flasche Rotwein – oder zwei, oder drei – an der Gesamtsituation etwas ändern werden. :-( Aber ich will Dir natürlich nicht reinreden, insofern: Cheers und frohes Schaffen! :-)

          Lass Dich dennoch nicht unterkriegen, wenns geht, ja!?

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          1. Was heißt denn hier „Unkraut“, Du bist eine Zierpflanze! :-)

            Und Fragen soll man nicht mit Gegenfragen beantworten, aber immer dann, wenn ich mich nach dem „Warum“ frage, antworte ich mir mit „Warum nicht!?“ Funktioniert für mich ganz gut. ;-)

            Nichts zu danken, sehr gerne.

            Und: Das wird schon!

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  3. Mich hat diese Besprechung sehr erheitert. Besonders die „homoerotische Raserei“ hat meine Phantasie humorig angeregt. Hier war wohl der Autor von seinem ursprünglichen Buch selbst nicht überzeugt, oder – der Lektor wollte mehr Bezug zu gesellschaftlich relevanten Themen? Also Nazis rein und (falsches) Verständnis für zwangsläufig entstehende, situationsbedingte Homosexualität. Bei manchen Büchern habe ich bisweilen schon das Gefühl, dass taktische Elemente nachträglich eingeschoben wurden, die mich zurücklassen mit einem: Huch, wie sind wir da jetzt hin geraten?
    So geht es mir oft auch bei Literaturverfilmungen, die dem Zeitgeist „angepasst“ wurden.

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    1. Falls das das Werk des Lektors sein sollte, gehört selbiger in einen dunklen Raum gesperrt und gelegentlich mit Dachlatten verdroschen! ;-)

      Ich bin mir auch nicht sicher, ob der Autor zumindest diese Passagen nicht doch eher todernst meinte. Wenn man Themen wie Homosexualität nämlich nachträglich in ein Buch einfügen möchte, dann tut man das doch nicht so dilettantisch!?

      Ich möchte niemandem etwas unterstellen, mir scheint das jedoch eher Ausdruck eines verstaubten Weltbildes zu sein. Allerdings kenne ich den Autor und sein Werk auch zu wenig – ich habe aber auch nicht das geringste Bedürfnis, daran etwas zu ändern. :-)

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  4. Grandios… also die Rezension, nicht das Buch. Das kenn ich nicht – aber dafür ein anderes von dem Autor, welches zum Glück schon so lange her ist, dass ich es vergessen habe…. stimmt irgendwie doch, dass die Zeit (einige) Wunden heilt… oder zumindest vergessen lässt.

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