„Das Original“ von John Grisham – In der Klappentext-Hölle

Buch: „Das Original“

Autor: John Grisham

Verlag: Heyne

Ausgabe: Taschenbuch, 365 Seiten

Der Autor: John Grisham, Jahrgang 1955, ist sicherlich jedem, der sich für Bücher interessiert, ein Begriff. Mr. Grisham machte sich Anfang der 90er einen Namen als Autor diverser Justizromane („Die Akte, „Die Jury“, „Die Firma“ usw.) und die Auflage seiner Bücher hat mittlerweile mehrere Hundert Millionen Exemplare erreicht.

Das Buch: In einer spektakulären Aktion werden die Manuskripte von F. Scott Fitzgerald gestohlen. Das FBI übernimmt die Ermittlungen, und binnen weniger Tage kommt es zu ersten Festnahmen. Einer der Täter aber bleibt wie vom Erdboden verschluckt. Und mit ihm die wertvollen Schriften. Endlich führt eine heiße Spur nach Florida: in die Buchhandlung von Bruce Cable, der seine Hände in Unschuld wäscht. Und so heuert das Ermittlungsteam eine junge Autorin an, die sich in das Leben des Buchhändlers einschleichen soll. Doch die Ermittler haben die Rechnung ohne Bruce Cable gemacht, der sein ganz eigenes Spiel mit ihnen treibt. (Quelle: Heyne)

Fazit: Es gibt Situationen, die einem nur so semi-gut gefallen. Wenn man kränklich darniederliegt und einem der Lesestoff ausgeht beispielsweise. Mangels der entsprechenden Mobilität schleppt man sich zum ortsansässigen Ersatz für den stationären Buchhandel, dankt kurz dafür, dass es so etwas in fußläufig zu erreichender Entfernung, sprich im gleichen Gebäude, überhaupt gibt, taxiert das Angebot – und möchte sich umgehend wieder hinlegen, weil besagter ortsansässiger Ersatz für den stationären Buchhandel in erster Linie 70 Ausgaben von Marc Elsbergs „Helix“, das ich schon kenne, diverse Bücher von Jeffrey Archer und das umfangreiche Gesamtwerk von Lucinda Riley vertickt. Und an dem Tag, an dem ich anfange, Lucinda Riley zu lesen, habe ich die Kontrolle über mein Leben verloren – was völlig subjektiv und wertfrei gemeint ist. Also schnappt man sich eines von maximal drei vorhandenen Büchern, die man in die Kategorie „möglicherweise lesbar“ einordnet – und das war im vorliegenden Fall dann eben „Das Original“ von John Grisham.

Ich mag sie ja, die Bücher von Grisham. Es mag sein, dass es viele Leser und Innen gibt, die insbesondere seine Justiz-Thriller als knochentrocken empfinden, aber ich persönlich, ich mag sie. Allerdings habe ich immer dann eher ein Problem mit Grisham, wenn er von seinen ursprünglichen Pfaden abweicht. Und so mag es nicht verwundern, dass mich „Das Original“ letztlich nicht ganz überzeugen konnte.

Das liegt zum Einen am Klappentext, der oben wiedergegeben ist. Das Problem an diesem Text ist, dass er einen großen, wirklich groooßen Teil des Buches bereits vorwegnimmt. Man könnte auch sagen, bis man am vom Klappentext beschriebenen Punkt angekommen ist, beginnt schon fast der Showdown, wenn das Buch denn einen solchen hätte. Dafür kann natürlich der Autor nichts, schade ist es aber dennoch. Ich habe auch länger überlegt, ob ich den Klappentext benutze, aber früher oder später wird die potentielle Leserschaft ja ohnehin damit konfrontiert.

Zum Zweiten wäre da die inhaltlich arg überschaubare Handlung, die man ja außerdem bereits nach Lektüre des Klappentextes fast kennt. Daher bietet sie auch keine überraschenden Höhepunkte, außer dem, was zum Ende hin wohl eine überraschende Wendung sein soll, von der ich natürlich inhaltlich nichts verrate, die aber eben kaum überrascht, weil das ganze Buch praktisch darauf hinläuft. Und es außerdem ansatzweise im Klappentext erwähnt wird …

Lassen wir das.

Abseits dieser eigentlichen Handlung bietet „Das Original“ dennoch einiges, nämlich immer dann, wenn sich Grisham inhaltlich dem Literaturbetrieb und seinen Charakteren zuwendet, was, wie ich einfach mal mutmaße, sein Antrieb gewesen sein wird, „Das Original“ zu schreiben.

Und die dort erwähnten, teils recht schrulligen Charaktere haben in den allermeisten Fällen ihren eigenen Charme, als da beispielsweise Myra wäre, die eigentlich inhaltlich anspruchsvolle Literatur schreiben möchte, aber gemerkt hat, dass sie mit banalstem Fließband-Schund viel mehr Geld verdienen kann, weswegen sie diesen stur weiterproduziert sowie ihre mit ihr zusammenlebende Freundin Leigh, die seit Jahren unter einer Schreibblockade leidet, sich allerdings weiterhin beharrlich als Autorin betrachtet.

„Einige Schriftsteller sind souveräne Erzähler mit einem unerschöpflichen Vorrat an unterhaltsamen Geschichten, geistreichen Bemerkungen und zitierfähigen Bonmots. Andere dagegen sind scheue, interovertierte Seelen die sich in selbst gewählter Isolation abrackern und Schwierigkeiten damit haben, unter Leute zu gehen.“. schreibt Grisham dann auch auf Seite 162 selbst über seine Figuren. Und in eben dieser Bandbreite schildert er sie auch, das macht sowohl Spaß als auch das Buch aus meiner Sicht aus.

Im stilistischen Bereich überzeugen mich besonders die gelungenen Dialoge, insgesamt gibt er aber weder Anlass zu Jubelstürmen noch zu überzogener Kritik. Aber das ist doch auch schon mal was.

Letztlich muss ich festhalten, dass mir Grishams Justiz-Thriller weiterhin lieber sind, als seine Ausflüge in andere Themenbereiche. Zumal sich bereits Autoren wie Edward St Aubyn mit „Der beste Roman des Jahres“ oder, wenigstens am Rande, Joel Dicker mit „Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert“ anders und besser mit dem Literaturbetrieb auseinandergesetzt haben. Natürlich ist es kein Grund, ein Buch nicht zu schreiben, weil andere Autoren ein identisches Thema bereits genutzt haben, aber dieses Buch hier, das hätte es nicht unbedingt gebraucht.

Wertung:

Handlung: 6 von 10 Punkten

Stil: 7,5 von 10 Punkten

Charaktere: 8,5 von 10 Punkten

Spannung: 4 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 6,5 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Galgendieb“ von Bernhard Cornwell. Historischer Roman.

12 Kommentare zu „„Das Original“ von John Grisham – In der Klappentext-Hölle

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