„Die Phileasson-Saga II – Himmelsturm“ von Bernhard Hennen und Robert Corvus – Eine Sache der Sichtweise

Buch: „Die Phileasson-Saga – Himmelsturm“

Autoren: Bernhard Hennen und Robert Corvus

Verlag: Heyne

Ausgabe: Paperback, 476 Seiten

Die Autoren: Bernhard Hennen, 1966 geboren, studierte Germanistik, Geschichte und Vorderasiatische Altertumskunde. Mit seiner Elfen-Saga stürmte er alle Bestsellerlisten und schrieb sich an die Spitze der deutschen Fantasy-Autoren. Hennen lebt mit seiner Familie in Krefeld. (Quelle: Heyne)

Robert Corvus, 1972 geboren, studierte Wirtschaftsinformatik und war in verschiedenen internationalen Konzernen als Strategieberater und Projektleiter tätig, bevor er mehrere erfolgreiche Fantasy-Romane veröffentlichte. Er lebt und arbeitet in Köln. (Quelle: Heyne)

Das Buch: Die beiden großen Kapitäne Asleif Phileasson und Beorn der Blender sind zue legendärsten Wettfahrt angetreten, die Aventurien je gesehen hat: Den ganzen Kontinent müssen sie umrunden und sich dabei gefährlichen Prüfungen stellen. Nur der Sieger wird sich mit dem Ehrentitel „König der Meere“ schmücken dürfen. Ihr zweites Abenteuer führt die Rivalen ins ewige Weiß des Nordens zum sagenumwobenen Himmelsturm. Doch der Turm hat seinen eigenen Willen, und so geraten die beiden Helden und ihre Gefährten bald in tödliche Gefahr. (Quelle: Klappentext)

Fazit: Zu Türmen in der Fantasy – egal ob Buch, Film, PC-Spiel oder Pen-&-Paper – habe ich ein eher gespaltenes Verhältnis.

Zwar sind „Die zwei Türme“ über jeden Zweifel erhaben, dafür scheitere ich gerade am PC in großem Stil an „Tower of Time“ und finde, für den sogenannten „Magierturm“ in „Dragon Age – Origins“ gehören die dafür verantwortlichen Herrschaften von BioWare noch heute bei Wasser und Brot in einen stockfinsteren Raum gesperrt und gelegentlich mit Dachlatten und Nagelkeulen verdroschen.So großartig der Rest von „Dragon Age“ auch ist.

Und über „Der dunkle Turm“ sage ich jetzt besser nichts, sonst verkommt das Ganze hier wieder zu einer Hetzschrift gegen Stephen Kings Machwerk, welche vermutlich die Formulierung „wirrer Gewaltporno“ enthalten könnte, und das kann ja schließlich niemand wollen.

Ich war also gewarnt und rechnete mit dem Schlimmsten, als ich die Lektüre der „Phileasson-Saga“ mit Teil zwei fortsetzte. Glücklicherweise waren meine Sorgen gänzlich unbegründet – zumindest, wenn man zu einer ganz speziellen Art Leser gehört.

Der zweite Teil der Reihe beginnt – ebenso wie der erste, ich erkenne ein Muster – mit einem umfangreichen Prolog, dessen Handlung ebenfalls wieder eine gewisse Relevanz für die Haupthandlung hat – was mir erschreckend spät aufgefallen ist und mich etwas peinlich berührt zurücklässt. In selbige Handlung kommt man nach Abschluss des Prologs auf recht einfache Art wieder hinein, wichtige Ereignisse aus dem ersten Band werden zwischendurch der Einfachheit halber auch nochmals kurz erwähnt, glücklicherweise, ohne eine komplette Inhaltangabe zu liefern.

Die Handlung erstreckt sich diesmal über einen geografisch überschaubaren Raum, sie findet zu großen Teilen im namensgebenden Himmelturm statt. Auf dem Weg durch die einzelnen Sockwerke des Turms finden durchaus spannende, tempo- und actionreiche Szenen statt, insgesamt wirkt „Himmelsturm“ aber etwas ruhiger und unaufgeregter als der Reihenauftakt. In meiner Wahrnehmung liegt in der Fortsetzung eher die Entwicklung der einzelnen Charaktere im Vordergrund, verschiedenste Identitäten werden geklärt, manches Geheimnis gelüftet.

Darüber hinaus bietet die Handlung etwas, das wohl nur eine recht überschaubare Leser-Gruppe zu schätzen weiß: Sie bietet weite Einblicke und Hintergrundwissen in das DSA-Universum. Ich persönlich finde das ja mindestens großartig, bin da als bekennender Fan aber eher nicht soooo objektiv. Es mag dagegen also durchaus Leser geben, die weniger in der Materie sind als ich und die weite Teile des Buches daher möglicherweise als unspektakulär empfinden würden.

Aus meiner persönlichen Sicht bietet „Himmelsturm“ aber wenig Grund zur Kritik. Die Entwicklung der Charaktere wird in der Mehrheit überzeugend fortgeführt, dennoch wird der Hintergrund einiger Personen ausreichend im Dunkeln gelassen, um weiterhin neugierig zu machen. Weiterhin sind es die Nebenfiguren, die mir persönlich am besten gefallen.

Die Story ist – je nach Sichtweise – hintergründig, fesselnd und im besten Sinne interessant oder aber zumindest noch solide, mit vielleicht einigen Längen – ich vertrete, wie gesagt, die erste Sichtweise – und auch in stilistischer Hinsicht kann man den beiden Autoren nichts vorwerfen.

Da bleibt mir eigentlich nur, den Buchhändler meines Vertrauens zu kontaktieren, um Teil III zu bekommen, auf den ich mich tatsächlich jetzt schon so freue, wie sonst nur auf die Veröffentlichung von „Nichts weniger als ein Wunder“ von Markus Zusak letzten Monat. Oder die Veröffentlichung von Marisha Pessls „Niemalswelt“ am Ende dieser Woche. Oder die Veröffentlichung von Joël Dickers neuem Roman „Das Verschwinden der Stephanie Mailer“ im April. Oder die Veröffentlichung des neuen „Schandmaul“-Albums „ARTUS“ im Mai. Oder … – es hat an Anschein, als hätte ich recht viel Grund zur Freude …

Wertung:

Handlung: 8 von 10 Punkten

Stil: 9 von 10 Punkten

Charaktere: 8,5 von 10 Punkten

Atmosphäre: 10 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 8,875 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Das Original“ von John Grisham.

7 Kommentare zu „„Die Phileasson-Saga II – Himmelsturm“ von Bernhard Hennen und Robert Corvus – Eine Sache der Sichtweise

  1. Frage: hast du den Zusak schon gelesen? Und wann kommt dein Beitrag?
    Niemalswelt möchte ich auch lesen, andererseits wird das auch ziemlich gehypt gerade…. hmm…. mal sehen….
    Und dein Beitrag: Mercy – Teil 1 habe ich immer noch nicht gelesen. Zu viele gute Bücher, zu wenig Zeit…. (davon abgesehen liegt es immer noch beim Bruder in MeckPom 😁).. liebe Grüße

    Gefällt 1 Person

    1. Antwort: Ich kam über die ersten 150 Seiten nicht hinaus, dann begann meine Krankenhaus-Odyssee und ich war nicht in der Stimmung für die Thematik. Aber bald, bald hab ich ihn gelesen. Und schreibe dann auch drüber. Sollte ich meine gelesenen Bücher aber chronologisch zu Rezensionen verarbeiten, würden eigentlich erst sieben andere Bücher warten … :-)

      „Niemalswelt“ wird – wenn ich von ihren bisherigen Büchern auf dieses schließe – sicherlich zu Recht gehypt – Marisha Pessl kann schreiben. Und – was in diesem Zusammenhang völlig unerheblich ist, aber dennoch nicht unerwähnt bleiben soll – sie sieht fantastisch aus! ;-)

      Zum Beitrag: Die Reihe läuft ja nicht weg. Sie dürfte aber eher beendet sein als „Das Lied von Eis und Feuer“, ewig Zeit bleibt also auch wieder nicht. :-)

      Liebe Grüße zurück

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      1. Ich gestehe – ich kenne bisher nichts von Zusak (wobei mich das wirklich reizt) und von Pessl habe ich noch nie gehört …..wenn sie dann natürlich auch noch gut aussieht, überzeugt mich das total …. 😉😂
        Ach ja – Zeit (rein logisch gesehen hast du davon mehr als ich )
        😎

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        1. Aus meiner Sicht ist beides natürlich völlig unverständlich. ;-) Wohingegen man bei Pessls Büchern manchmal ein gewisses Durchhaltevermögen braucht, kann ich Zusaks „Bücherdiebin“ soooo uneingeschränkt empfehlen, wie nur wenig anderes.

          Und das mit der Zeit ist eine rein subjektive Spekulation, die jeder Grundlage entbehrt! :-)

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          1. Ach komm, Frauen leben statistisch gesehen länger, das gleicht sich aus. :-) Aber danke für den „Jungspund“, so hat mich seit Jahren niemand mehr genannt. :-)

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