„München“ von Robert Harris – Trocken

Buch: „München“

Autor: Robert Harris

Verlag: Heyne

Ausgabe: Taschenbuch, 431 Seiten

Der Autor: Robert Harris wurde 1957 in Nottingham geboren und studierte in Cambridge. Seine Romane Vaterland, Enigma, Aurora, Pompeji, Imperium, Ghost, Titan, Angst, Intrige, Dictator und zuletzt Konklave wurden allesamt internationale Bestseller. Seine Zusammenarbeit mit Roman Polański bei der Verfilmung von Ghost (Der Ghostwriter) brachte ihm den französischen »César« und den »Europäischen Filmpreis« für das beste Drehbuch ein. Robert Harris lebt mit seiner Familie in Berkshire. (Quelle: Heyne)

Das Buch: September 1938. In München treffen sich Hitler, Chamberlain, Mussolini und Daladier zu einer kurzfristig einberufenen Konferenz. Der Weltfrieden hängt am seidenen Faden. Im Gefolge des britischen Premierministers Chamberlain befindet sich Hugh Legat aus dem Außenministerium, der ihm als Privatsekretär zugeordnet ist. Auf der deutschen Seite gehört Paul von Hartmann aus dem Auswärtigen Amt in Berlin zum Kreis der Anwesenden. Den Zugang zur Delegation hat er sich erschlichen. Insgeheim ist er Mitglied einer Widerstandszelle gegen Hitler. Legat und von Hartmann verbindet eine Freundschaft, seit sie in Oxford gemeinsam studiert haben. Nun kreuzen sich ihre Wege wieder. Wie weit müssen sie gehen, wenn sie den drohenden Krieg verhindern wollen? Können sie sich überhaupt gegenseitig trauen? (Quelle: Heyne)

Fazit: Ich bin bekennender Fan der Bücher von Robert Harris. Schon „Aurora“ hat mich vor einer gefühlten Ewigkeit begeistert. Und ich lege nach wie vor jedem, der es nicht wissen will, „Intrige“ ans Herz. Meiner Meinung nach schafft es kaum ein Autor so eindrucksvoll wie Harris, sich eines historischen Stoffs zu bedienen und daraus Bücher zu stricken, die ungeachtet der Tatsache, dass man die historischen Fakten schon kennen mag, dennoch spannend sind.

Nun scheint es allerdings langsam so, als würden wir ein bisschen fremdeln, der Robert und ich. Schon sein von mir zuletzt gelesenes „Konklave“ ließ mich leicht enttäuscht zurück, erzählte es doch eher langsam und unaufgeregt und driftete bisweilen in Pathos ab. Und einen wesentlich besseren Eindruck hat leider auch „München“ nicht bei mir hinterlassen.

Natürlich, Harris vermittelt den historischen Handlungsrahmen auf gewohnt akkurate Weise, so dass selbst für kundige Leser die eine oder andere bislang unbekannte Randnotit dabei sein dürfte. Und besagter Handlungsrahmen bietet ja auch genug Möglichkeiten für eine rasante Story voller atemloser Spannung – nur, tja, insbesondere daran hapert es irgendwie.

Dass eben das Element der Spannung für mich eher auf der Strecke blieb, ist auch Harris´ Art zu erzählen geschuldet. In „München“ schlägt der Autor einen Ton an, der für mich vielmehr etwas Berichtendes hat als etwas Erzählerisches. Der Autor präsentiert seine Handlung in eher trockenem, spröden Stil ohne Esprit. Für mich war Harris jetzt ohnehin nie der größte Stilist auf Gottes weiter Erde, aber im Grunde hat mir sein knapper, zweckmäßiger Stil immer recht gut gefallen. Hier jedoch nicht, hier wäre mehr eindeutig auch mal mehr gewesen.

Auch die handelnden Personen konnten meine Begeisterung für das Buch nicht steigern. Weder Hugh Legat, noch Paul von Hartmann, sind für mich Personen, an deren Schicksal ich Anteil nehme. Oder auch nur nehmen möchte. Sie übernehmen die Funktion, die Handlung zu transportieren, damit hat es sich dann aber auch. Ich habe schon durchaus schlechtere Charaktere in Büchern erlebt, im Gedächtnis bleiben werden mir die beiden aber nicht.

Was letztlich dazu geführt hat, dass ich den Roman trotz allem zügig und auch mit einer gewissen Freude durchgelesen habe, waren die geschichtlichen Ereignisse als Handlungsrahmen an sich – und für die kann der Autor nichts.

Tja, manchmal ist es halt so, dass man das Werk einer Autorin oder eines Autors über einen gewissen Zeitraum mit Begeisterung verfolgt, irgendwann dann aber feststellen muss: „Das ist irgendwie nichts mehr für mich.“ Noch habe ich die Hoffnung nicht aufgegeben, dass mir zukünftige Bücher wieder besser gefallen dürften, aber: Ich habe da ein ganz mieses Gefühl …

Wertung:

Handlung: 7 von 10 Punkten

Charaktere: 6,5 von 10 Punkten

Stil: 7 von 10 Punkten

Spannung: 6,5 von 10 Punkten

Gsamtwertung: 6,75 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Die Phileasson-Saga II – Himmelsturm“ von Bernhard Hennen und Robert Corvus.

 

 

6 Kommentare zu „„München“ von Robert Harris – Trocken

    1. Oh, in relativ naher Zukunft werde ich noch über so ein, zwei Bücher schreiben, die Du aber ganz unbedingt, vollumfänglich und uneingeschränkt nicht lesen wollen wirst. Und auch sonst niemand. Man darf gespannt sein … ;-)

      Was das Befinden angeht, sagen wir mal: Ich bin nach Ansicht der Fachleute physisch wohl wieder hergestellt. Über die mentale Komponente der ganzen Angelegenheit breite ich mal lieber den Mantel des Schweigens.

      Und selbst? Ich hoffe, Dein Befinden ist ebenfalls besser!? Du darfst schon wieder tippen? Oder muss ich wieder schimpfen? ;-)

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        1. Ich habe zwar noch nie das Wort „lölleböbelich“ gelesen, ordne es aber wohl korrekt in den Kontext ein. :-) Ich wünsche Dir, dass sich das baldmöglichst gibt sich alles wieder zum Besseren wendet! Am besten gleich morgen. :-)

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          1. Na siehste!? Manchmal bin ich von mir selbst beindruckt: Was ich alles kann! ;-)

            Ich hielt „lölleböbelich“ für ein lokal begrenzt genutztes Wort, dessen Bedeutung sich anderswo im Land nicht erschließt, aber ein eigener Neologismus!? Ich bin beeindruckt! :-)

            Wünsche Dir einen schönen Donnerstag.

            Gefällt 1 Person

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