„Ready Player One“ – Text-RPG

Buch: Ready Player One

Autor: Ernest Cline

Verlag: Fischer TOR

Ausgabe: Taschenbuch, 540 Seiten

Der Autor: Ernest Cline ist international erfolgreicher Roman- und Drehbuchautor, Vater und Vollzeit-Geek. Er ist Verfasser der Romane »Ready Player One« und »Armada« und hat am Drehbuch für Steven Spielbergs Verfilmung von »Ready Player One« mitgearbeitet. Seine Bücher wurden in über 50 Ländern veröffentlicht und standen mehr als 100 Wochen auf der »New York Times«-Bestsellerliste. Zusammen mit seiner Familie – sowie einer großen Sammlung klassischer Videospiele und einem zeitreisenden DeLorean – lebt er in Austin, Texas. (Quelle: Fischer)

Das Buch: Im Jahr 2045 ist die Welt ein hässlicher Ort. Richtig wohl fühlt sich Wade Watts nur in der OASIS, einer riesigen, virtuellen Welt, wo die meisten Menschen den Großteil ihrer Zeit verbringen.

Als der exzentrische Schöpfer der OASIS stirbt, hinterlässt er ene Reihe vertrackter Rätsel, die auf seiner Leidenschaft für die Popkultur der 80er beruhen. Wer sie als Erster löst, erbt nicht nur sein gigantisches Vermögen, sonder auch die Kontrolle über die OASIS.

Dann finder Wade den ersten Hinweis. Plötzlich ist er umringt von Konkurrenten, die für den Sieg über Leichen gehen würden. Die Jagd hat begonnen, und Wade hat nur eine Chance: Will er überleben, muss er gewinnen. (Quelle: Klappentext)

Fazit: Wenn man, so wie ich, seit Jahresbeginn immer wieder zu Auszeiten gezwungen ist, dann hat das den positiven Nebeneffekt, dass man unheimlich viel zum Lesen kommt. Es hat allerdings auch den unerwünschten Nebeneffekt, dass sich die gelesenen Bücher stapeln, ohne dass man darüber schreibt, denn dafür fehlt dann letztlich doch immer die Muße. Eben jene sollte ich so langsam wieder finden, auch damit von mir bereits vor geraumer Zeit gelesene Bücher nicht vollends in Vergessenheit geraten, so wie eben „Ready Player One“, denn das ist, so viel kann ich vorwegnehmen, schlicht grandios!

Das liegt zum Einen an Ernest Clines Figurenensemble. Sein Protagonist, Wade Watts, den man im Buch weit häufiger unter seinem Nickname „Parzival“ antrifft, hat es tatsächlich nicht leicht im Leben. Umso leichter fällt es der Leserschaft, diesen Jungen ins Herz zu schließen und mit Spannung bei seinem Abenteuer zu begleiten. Sein Freund „Aech“ sowie die von Wade schon immer mit einer gewissen Anbetung verfolgte „Art3mis“ vervollständigen das Trio an sympathischen Figuren.

Das liegt zum Zweiten aber auch an Clines Art zu erzählen. Sein Roman liest sich wie ein Text gewordenes RPG mit Fortschrittsmechanik, dass es dem Leser – und ich verabscheue diese Phrase, aber hier stimmt sie – schwer macht, das Buch aus der Hand zu legen, weil man immer wieder gespannt, ist, welche weiteren Fortschritte Wade auf seinem Weg durch die OASIS macht. Es liest sich wie ein PC-Rollenspiel, bei dem man eben „nur noch diese eine Quest“ erledigen möchte, oder wie eine Partie „Civilization“, in der man „nur noch eine Runde“ spielen will.

Letztlich liegt es aber vor allem am wunderbaren Nerd- und Retrofaktor, der das Buch ausmacht, an seiner Coolness und an seinem Humor. Wer Kind der 70er oder 80er Jahre ist und auch nur einen Hauch von Bezug zu Videospielen, Rollenspielen, Filmen, Musik allgemein und vor allem aus dieser Zeit hat, der kommt in „Ready Player One“ vollumfänglich auf seine Kosten.

Jetzt stellt sich die Frage, ob man mit dem Buch auch ohne einen solchen Bezug seinen Spaß haben kann. Nun, ich erinnere mich da an einen Gag aus dem „Simpsons“ über die Gesetze der Thermodynamik – den ich persönlich nicht verstanden habe – über den eine ganz zauberhafte, in den Naturwissenschaften bewanderte Person sagte: „Der Gag ist noch witziger, wenn man die Gesetze der Thermodynamik auch kennt.“ Und so ähnlich ist es hier wohl auch. Wenn man den kurzen Dialog

„Du bist echt böse“, sagte ich.

Sie grinste und schüttelte den Kopf. „Chaotisch neutral, Schätzchen.“

versteht, findet man ihn vielleicht, so wie ich, echt witzig, und falls nicht, liest man wohl einfach so darüber hinweg. So ist es auch an vielen anderen Stellen, die ich als Beispiel heranziehen könnte, so dass ich sagen kann: Ja, auch wenn einem der oben genannte Bezug fehlt, kann man seinen Spaß haben. Gewisse Nerdkenntnisse werten die Lektüre allerdings deutlich auf. :-)

So viel dazu. Wie sagt man so schön: Ich muss weg, ich krieg noch Beton. Ich muss jetzt erst mal darüber nachdenken, ob ich mir Clines zweiten Roman „Armada“ organisiere, muss BioWare anrufen, damit sie mir eine OASIS programmieren, eine Runde „Asteroids“ spielen, intensiv darüber lamentieren, dass meine Nachfolgegenerationen zweistellige Beträge in Tanzmoves und Skins in „Fortnite“ investieren und so weiter.

All das nimmt seine Zeit in Anspruch, es gibt hier also nichts mehr zu sehen. Deshalb: Abschalten! :-)

Wertung:

Handlung: 9,5 von 10 Punkten

Charaktere: 8,5 von 10 Punkten

Stil: 9,5 von 10 Punkten

Nerdfaktor: 10 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 9,375 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „München“ von Robert Harris.

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7 Kommentare zu „„Ready Player One“ – Text-RPG

    1. Der wiederum ging an mir vorbei.

      Das liegt aber in erster Linie daran, dass ich mittlerweile selten ins Kino gehe. Rückblickend schleppe ich mich eigentlich seit geraumer Zeit nur noch für „Star Wars“ oder Verfilmungen von Tolkien-Büchern dahin. :-)

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  1. …definitiv ein Buch, das ich nicht lesen werde: PC-Spiele und Ähnliches sind gänzlich an mir vorbei gegangen.

    Meine Nerdkenntnisse beziehen sich auf andere Themenfelder, aber da tobe ich mich dann aus!!!

    Ich hoffe, es geht Dir gut!
    Lieben Gruß
    Andreas

    Gefällt 1 Person

    1. Ach, es gibt für jeden Nerd das passende Buch, da kannst Du dieses auch mal ungelesen vorbeiziehen lassen. :-)

      Danke, ich würde mal sagen, mir geht es den Umständen entsprechend. Also zumindest gut genug, um morgen wieder arbeiten gehen zu müssen. Äh, dürfen. :-)

      Gefällt 1 Person

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