„Der nasse Fisch“ von Volker Kutscher – Ein guter Rath

Buch: „Der nasse Fisch“

Autor: Volker Kutscher

Verlag: Kiepenheuer & Witsch

Ausgabe: Taschenbuch, 566 Seiten

Der Autor: Volker Kutscher, geboren 1962, arbeitete nach dem Studium der Germanistik, Philosophie und Geschichte zunächst als Tageszeitungsredakteur, bevor er seinen ersten Kriminalroman schrieb. Heute lebt er als freier Autor in Köln. Mit dem Roman »Der nasse Fisch«, dem Auftakt seiner Krimiserie um Kommissar Rath im Berlin der Dreißigerjahre, gelang ihm auf Anhieb ein Bestseller, dem bisher fünf weitere folgten. Die Reihe ist inzwischen in viele Sprachen übersetzt.  (Quelle: Kiepenheuer & Witsch)

Das Buch: Berlin 1929: Kriminalkommissar Gereon Rath erlebt eine Stadt im Rausch. Kokain, illegale Nachtklubs, politsche Straßenschlachten – ein Tanz auf dem Vulkan. Der junge, ehrgeizige Kommissar, abgestellt beim Sittendezernat, schaltet sich ungefragt in Ermittlungen der Mordkommission ein – und ahnt nicht, dass er in ein Wespennest gestochen hat.

Fazit: Die grundlegende Erkenntnis des bisherigen Tages ist, dass sich frühmorgendliche Arzttermine nicht mit der Übertragung des Super Bowl vertragen. Da ich mir aber von Ersterem natürlich trotzdem nicht Letzteres versauen lasse, tippe ich diese Zeilen unter Einfluss eines veritablen Super-Bowl-Jetlags und bitte daher um Nachsicht, sollte im folgenden Text irgendwas nicht so sein, wie es sollte.

Volker Kutschers erster Krimi um seinen Protagonisten Gereon Rath bildet die Grundlage für die landauf, landab begeistert gefeierte Serie „Babylon Berlin“, die ich natürlich mal wieder nicht gesehen habe, selbst, als sie unlängst im Ersten lief.

Kutscher gliedert seinen Roman in drei Teile, in denen chronologisch die Ereignisse zwischen Ende April und Juni 1929 thematisiert werden. Sie wiederum teilt Kutscher in Kapitel einer Länge, die ich angesichts der Schriftgröße, oder eher Schriftkleine, als noch erträglich einstufen würde.

Der Autor hält sich nicht lange mit Vorreden auf, der Leser wird direkt in die Handlung geworfen, in der Rath zu Beginn als Mitglied der „Sitte“ an der Zerschlagung eines Porno-Ringes beteiligt ist. Angesichts der Tatsache, dass die am Set des Porno-Drehs anwesenden Personen sich als Größen der deutschen Politiklandschaft dieser Zeit verkleiden – Wilhelm zwo, Hindenburg etc. – entbehren die entsprechenden Szenen nicht einer gewissen Komik. Ich habe aber auch manchmal eine eher individuelle Art von Humor. :-)

Im Verlauf der Handlung lernt der Leser dann langsam den Kommissar Gereon Rath kennen. Und ebendieser ist auch schon das Highlight des Buches, wenn es um die Charaktere geht. Obwohl auch Rath mir seltsam fremd bleibt und mich nur eingeschränkt erreicht. Bei den Nebenfiguren ist dieser Eindruck aber eben noch stärker. Ich möchte nicht ausschließen, dass andere Leser das anders sehen, aber mir war das Personal von „Ein nasser Fisch“ eigentlich weitgehend egal. Im Grunde ist gegen einen Krimi, der bei den Figuren schwächelt, auch nichts einzuwenden, wenn denn der Rest stimmt – was hier der Fall ist, so viel kann ich vorwegnehmen. Aber schwächelnde Figuren im Auftakt zu einer Krimi-Reihe sehe ich dann doch schon deutlich kritischer, schließlich liest man – ich zumindest – diese nicht nur wegen der individuellen Handlung der einzelnen Teile, sondern auch, weil man sich für die Entwicklung der Figuren interessiert. Wenn dieses Interesse aber von Anfang an nicht da ist, wird es schwierig.

Genug des eher Negativem, kommen wir zum Guten.

Die besondere Stärke von Kutschers Krimi liegt in seiner, Kutschers, Art zu erzählen. Immer wieder lässt er historische Ereignisse, beispielsweise den sogenannten „Blutmai“ 1929 in die Handlung einfließen, was dem Buch eine gewisse Tiefe und eindrucksvolle Atmosphäre verleiht. Außerdem beziehen Kutschers Figuren gelegentlich auch – wenn auch etwas einseitig – Stellung zu den Vorkommnissen, was insgesamt ein wirklich gut gestaltetes Bild deutscher Geschichte in Krimiform ergibt.

Auch inhaltlich habe ich wenig Grund zur Beschwerde. Ich bin nicht unbedingt ein Fan der sogenannten hardboiled-Krimis – und „Der nasse Fisch“ will nicht nur so einer sein, er ist es auch -, dennoch hatte ich mit Kutschers Krimi nicht nur keine Probleme, ich habe ihn sogar gerne gelesen. Zwischendurch hat er zwar so seine Längen und man hat das Gefühl, dass Rath stundenland sinnlos durch Berlin fährt oder läuft und manches hat der aufmerksame Leser sogar noch weit, weit vor Rath herausgefunden, was etwas ermüdend wirken könnte. Aber dennoch ist „Der nasse Fisch“ ein inhaltlich gelungener, spannender Krimi.

Ob ich die Reihe aber weiter verfolge, darüber muss ich noch nachdenken, wenn ich wieder ausgeschlafen bin …

Wertung:

Handlung: 8 von 10 Punkten

Charaktere: 6,5 von 10 Punkten

Stil: 9,5 von 10 Punkten

Atmosphäre: 9 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 8,25 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Ready Player One“ von Ernest Cline.

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4 Kommentare zu „„Der nasse Fisch“ von Volker Kutscher – Ein guter Rath

  1. Interessant, ich habe nämlich das Buch nicht gelesen, dafür die Serie gesehen. Und habe mich die ganze Zeit über die meiner Meinung nach langweilige, blasse Hauptfigur geärgert. Aber scheinbar ist die Figur der in der Vorlage gut nachempfunden. Hm.

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