Die Prophezeiung des magischen Steins“ von Stephan M. Rother – A Bard´s Tale

Buch: „Die Prophezeiung des magischen Steins“

Autor: Stephan M. Rother

Verlag: Thienemann

Ausgabe: Softcover, 399 Seiten

Der Autor: Stephan M. Rother, 1968 in Wittingen geboren, studierte in Göttingen Geschichte, Kunstgeschichte und Philologie. 1997 erfolgte seine Graduierung zum Magister Artium. Seit Mitte der Neunziger trat Rother als „Magister Rother – Deutschlands erster, bester und einziger Standup Historian“ auf den Bühnen Deutschlands auf. Seit dem Jahr 2000 hat sich Rother auf das Schreiben verlegt, seither hat er zahlreiche Romane veröffentlicht, die häufig im Mittelalter spielen. Der Autor lebt, nach eigener Aussage, mit seiner Frau und fünf Katzen „am Rande des Wahnsinns und der Lüneburger Heide“.

Das Buch: Er ist ein Meisterwerk der alten Elben, eine der mächtigsten Schöpfungen ihrer Magie: der singende Stein. Dass ausgerechnet Dafydd, Lehrling des Barden Palatin, der Träger des magischen Steins sein soll, um dessen Besitz Kriege geführt wurden, vermag er kaum zu glauben. Und doch findet er sich bald mit Palatin, Prinzessin Livia, einem Gnom, einem Zwerg und der schrulligen Hexe Morgat im größten Abenteuer seines Lebens wieder. Können die Gefährten verhindern, dass das Land, wie sie es kennen, vergeht? Und kann die Magie des Steins auch Dafydds persönliches Glück beeinflussen? Denn trotz aller Standesunterschiede schlägt sein Herz für Prinzessin Livia … (Quelle: Thienemann)

Fazit: Dass ich – für mich übrigens recht untypisch – in den Besitz eines kostenlosen Rezensionsexemplars von „Die Prophezeiung des magischen Steins“ gelangte, verdanke ich einer gewissen Impertinenz meinerseits, der freundlichen und aktiven Mithilfe von Stephan M. Rother höchstpersönlich und den netten, einsichtigen Menschen bei Thienemann. Allen Beiteiligten gilt an dieser Stelle mein herzlichster Dank!

Nachdem ich mich in der jüngeren Vergangenheit mit wachsender Begeisterung Stephan M. Rothers „Königschroniken“-Trilogie gewidmet habe, war mein Interesse durchaus geweckt, als ich erfuhr, dass mit „Die Prophezeiung des magischen Steins“ ein weiteres Fantasy-Buch des Autors erscheinen sollte. Gleichzeitig war aber auch meine Vorsicht geweckt, denn das Buch sollte Elben enthalten. Kürzlich erst erwähnte ich, dass ja jedes Fantasy-Buch, das mindestens einen Zwerg enthält, per se ein gutes Buch sei. Für Fantasy-Bücher, die Elben, Elfen oder  – in der Markus-Heitz-Version – Albae enthalten, gilt allerdings das vollumfängliche Gegenteil. Ich mag sie halt einfach nicht, diese affektierten, überheblichen Spitzohren!

„Die Prophezeiung des magischen Steins“ dennoch zu lesen, war letztlich aber eine sehr gute Entscheidung.

Rother schildert die Geschehnisse mittels einer auktorialen Erzählperspektive. Dabei verzichtet er auf einen Prolog oder ähnlichen erzählerischen Schnickschnack und wirft den Leser direkt in die Handlung. Diese teilt er in Kapitel überschaubarer Länge, die aber nicht so bezeichnet werden, sondern lediglich durch entsprechendes Layout voneinander abgegrenzt werden. Schon zu Beginn des Buches wird wieder die bildhafte Erzählweise Rothers deutlich, die ich schon in der Königschroniken-Trilogie zu schätzen wusste. Sehr bald hat der Leser ein bestimmtes Bild der eingangs der Handlung erwähnten Stahlritter, der Königsstadt und insbesondere des Palastes vor Augen. Ich fühlte mich zu Beginn des Buches – und auch später, bei der Erwähnung der Magierfestung Mormur – ein bisschen an das Intro von „Spellforce 3“ erinnert – da aber einerseits beides nichts das Geringste miteinander zu tun hat und außerdem mein persönliches Problem ist, soll uns das nicht weiter beschäftigen. :-)

Rothers Geschichte wird in erster Linie von den sehr gelungenen Charakteren getragen. Besser noch als die beiden Hauptfiguren Dafydd und Livia gefallen mir hier die Nebenfiguren. Wie oben erwähnt: Jeder Fantasy-Buch, das mindestens einen Zwerg enthält, ist per se ein gutes Buch. Und „Die Prophezeiung des magischen Steins“ enthält einen. Und was für einen! Fhargolf entspricht charakterlich genau der Vorstellung, die ich von Zwergen habe, unterscheidet sich in anderer Hinsicht jedoch deutlich. So dürfte es sich um einen der eloquentesten Zwerg des Fantasy-Genres handeln, wenn nicht sogar um den einzigen eloquenten Vertreter seiner Art. Zugegeben, auf seine Eigenart, permanent in Alliterationen zu sprechen, muss man sich einlassen. Wenn man das tut und seine Passagen dann auch noch mit der Stimme von Wolfgang Hess – Synchronsprecher des „Gimli“ aus den „Der Herr der Ringe“-Filmen – liest, dann hat das einen echten Unterhaltungswert. Vor meinem inneren Auge zieht ein Epilog für das Buch vorbei, der beginnt mit: „Zwei Jahre später. Nach den Geschehnissen rund um die Prophezeiung des magischen Steins hat sich Fhargolf in Köln niedergelassen und schreibt Off-Texte für „Schwiegermutter gesucht“. :-) Ja, Fhargolf mochte ich wirklich gerne!

Auch Memphy, der Gnom und Palatin, der Barde, konnten mich überzeugen. Lediglich die Magierin Morgat begann irgendwann, mich ein wenig zu nerven. Zugegeben, sie ist selten um eine guten Spruch verlegen, stellt aber sprachlich eine Art Anachronismus dar, der nicht recht zum Handlungsrahmen passen will.

Lobend hervorheben möchte ich an dieser Stelle den gelungenen Antagonisten. Diese werden in vielen Literaturgenres häufig etwas stiefmütterlich behandelt und sind oft nur aus dem Grunde „Weil halt!“ böse. Hier ist das anders. Der Antagonist hat Beweggründe für sein Tun, die auf verquere Weise sogar halbwegs rational wirken.

Inhaltlich möchte ich überhaupt nicht viel verraten. Es sei nur erwähnt, dass man dem Buch anmerkt, dass es sich (auch) an eine jüngere Leserschaft richtet, als der, der ich angehöre. Diesmal stellt das aber für mich kein sonderliches Problem dar, so empfand ich beispielsweise den altersgerecht dosierten Gewaltgrad als recht angenehm. Rother lässt seine Gefährten nicht durch literweise Blut waten, viel mehr müssen sie als eingeschworenes Team funktionieren, um eben möglichen Konfrontationen aus dem Weg zu gehen. Dennoch mangelt es der Handlung nicht an Spannung.

Kurz: Wer mal wieder ein spannendes (Jugend)-Fantasy-Buch lesen möchte, dass vor allem durch unterhaltsame Charaktere besticht, dem kann ich „Die Prophezeiung des magischen Steins“ wärmstens empfehlen.

Wertung:

Handlung: 8 von 10 Punkten

Charaktere 9 von 10 Punkten

Stil: 8,5 von 10 Punkten

Atmosphäre: 8,5 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 8,5 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Der nasse Fisch“ von Volker Kutscher.

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4 Kommentare zu „Die Prophezeiung des magischen Steins“ von Stephan M. Rother – A Bard´s Tale

  1. Auch das liegt hier noch auf meinem Stapel (ein Zufallsfund in meinem Bücherschrank) und ist nach deinem Beitrag gerade ziemlich weit nach oben gerutscht :-) Was hast du gegen Elben? Außer, dass sie arrogant sind? Ist das ähnlich wie mit glitzrigen Vampiren? Und wie hältst du das mit Mr. Spock? Der hat schließlich auch so Spitzohren? ;-) Liebe Grüße

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    1. Wer immer es in den Schrank gestellt hat, hat damit offensichtlich ein gutes Werk getan. Es könnte Dir gefallen.

      Was ich gegen Elben habe? Nichts, was hilft! ;-) Ich mag sie halt einfach nicht, diese überheblichen, arroganten, besserwisserischen, snobistischen, ätzenden, Namen tanzenden Waldorfschüler des Fantasy-Genres! Ich mag sie jedoch deutlich lieber als glitzernde Vampire! :-)

      Mr. Spock hat mit der genannten Spezies ja nur die Ohren gemein, ansonsten ist der mir eigentlich auch ziemlich egal. :-)

      Gefällt 1 Person

      1. Hm….. ich mag Elben :-) Und Mr. Spock :-) Und ich finde die überhaupt gar nicht „das-alles-was-du-genannt-hast“. Sie sind großartige, wunderschöne, kluge, elegante Gestalten, die ja so gar nix mit Namen-tanzenden Waldorf-Kindern zu tun haben….. Neinneinnein ….. :-) Statt dessen schweben sie leicht abgedreht über den Dingen – ja, ich mag sie!

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