„Helix – Sie werden uns ersetzen“ – von Marc Elsberg – Ich wollte es mögen …

Buch: „Helix – Sie werden uns ersetzen“

Autor: Marc Elsberg

Verlag: Blanvalet

Ausgabe: Taschenbuch, 647 Seiten

Der Autor: Marc Elsberg wurde 1967 in Wien geboren. Er war Strategieberater und Kreativdirektor für Werbung in Wien und Hamburg sowie Kolumnist der österreichischen Tageszeitung »Der Standard«. Heute lebt und arbeitet er in Wien. Mit seinen internationalen Bestsellern BLACKOUT, ZERO und HELIX etablierte er sich auch als Meister des Science-Thrillers. BLACKOUT und ZERO wurden von »Bild der Wissenschaft« als Wissensbuch des Jahres in der Rubrik Unterhaltung ausgezeichnet und machten ihn zu einem gefragten Gesprächspartner von Politik und Wirtschaft. (Quelle: Blanvalet)

Das Buch: Der US-Außenminister stirbt bei einem Staatsbesuch in München. Während der Obduktion wird auf seinem Herzen ein seltsames Zeichen gefunden – von Bakterien verursacht? In Brasilien, Tansania und Indien entdecken Mitarbeiter eines internationalen Chemiekonzerns Nutzpflanzen und –tiere, die es eigentlich nicht geben kann.

Zur gleichen Zeit wenden sich Helen und Greg, ein Paar Ende dreißig, die auf natürlichem Weg keine Kinder zeugen können, an eine Kinderwunschklinik in Kalifornien. Der Arzt macht ihnen Hoffnung, erklärt sogar, er könne die genetischen Anlagen ihres Kindes deutlich verbessern. Er erzählt ihnen von einem – noch inoffiziellen – privaten Forschungsprogramm, das bereits an die hundert solcher »sonderbegabter« Kinder hervorgebracht hat, und natürlich wollen Helen und Greg ihrem Kind die besten Voraussetzungen mitgeben, oder?

Doch dann verschwindet eines dieser Kinder, und alles deutet auf einen Zusammenhang mit sonderbaren Ereignissen hin – nicht nur in München, sondern überall auf der Welt … (Quelle: Blanvalet)

Fazit: Es muss so ungefähr fünf Jahre her sein, als mir Marc Elsbergs Thriller „Blackout“ in die Hände fiel und mich absolut begeistert und ziemlich sprachlos zurückließ. Spannend und lehrreich schilderte der Autor darin, was eigentlich so alles passieren könnte, sollte es mal zu einem wirklich, wirklich flächendeckenden und langanhaltenden Stromausfall in Europa kommen. Ein Szenario über das man – ich zumindest – sich bis dahin keinerlei Gedanken gemacht hat. Einer Szenario aber auch, dass zumindest mit der immer größeren Verbreitung der „smarten“ Stromzähler nicht unwahrscheinlicher geworden ist. Hach, der letzte Satz der Menschheit wird sein: „Aber es war doch so schön bequem!“ Aber ich schweife ab.

Nach dieser Erfahrung stürzte ich mich einige Jahre später begierig auf Elsbergs Nachfolgeroman „ZERO“. Auch dieser gefiel mir, allerdings weit weniger gut, unter anderem, weil die Protagonistin eine typische Mary Sue darstellt, mit der ich so gar nicht klarkam.

Derlei literarisch fortgebildet, begann ich mit der Lektüre von „Helix“, dessen bescheuerten Untertitel „Sie werden uns ersetzen“ ich mir im Folgenden sparen werde. Mal ehrlich, wer lässt sich solche Untertitel einfallen? Bin ich der einzige der sich dabei an „Sat1-FilmFilm“ aus den 90ern erinnert fühlt? Sei´s drum!

Leider hat mich Elsberg aber mit seinem neuen Thriller nicht so wirklich „abgeholt“, wie man heutzutage sagt.

Am wenigsten liegt das noch an Elsbergs Art zu erzählen. Der Autor teilt seinen Roman in neun Teile – pro Tag der Handlung einen – und teilte diese wiederum in kurze Kapitel, von denen einige nur eine Seite lang sind und bewegt sich auf sprachlich ähnlich solidem Niveau wie in den Vorgängern.

Die Probleme liegen zum Einen eher im inhaltlichen Bereich. Die Handlung braucht – so war jedenfalls mein subjektives Empfinden – unheimlich lange, bevor sie irgendwann mal ein wenig Fahrt aufnimmt. Dabei ist die Thematik – gezielte Veränderungen am menschlichen Genom – durchaus faszinierend und immer dann, wenn sich Elsberg ihr auch widmet, hat der Roman seine Höhepunkte. Immer dann wirft er Fragen auf. Wie würden sich Eltern entscheiden, wenn sie die Möglichkeit hätten, ihr Kind genau so schön, sportlich oder klug zu gestalten, wie sie es gerne hätten? Und würde man dabei auch an das Kind denken, dass dann in einem Umfeld aufwachsen würde, von dem es sich durch seine besonderen Fähigkeiten deutlich unterscheidet? Und welche Auswirkungen hätte eine solche Praxis überhaupt auf die ganze Menschheit, sollte man sie irgendwann weltweit und für alle erschwinglich anbieten können?

Und auch die Informationen, die Elsberg der Leserschaft abseits von Ethik und Moral vermittelt, sind wirklich spannend. Wer vorher kein Problem mit dem Agrar-Konzern „Monsanto“ hatte – allein beim Wort „Konzern“ schüttelt es mich, wenn es um Landwirtschaft geht -, wird nach der Lektüre eines haben. Gut, dass der Name „Monsanto“ nun bald für alle Zeiten im Bayer-Konzern verschwindet …

Leider widmet sich der Autor diesen Fragen und Informationen zu selten und beschäftigt sich dafür zu viel mit einer sich nur semi-subtil anbahnenden zarten Liebesgeschichte zwischen seinen beiden Protagonisten Jessica und Rich, die angesichts der Umstände, in der sie stattfindet, irgendwie deplaziert wirkt.

Überhaupt, diese Protagonisten! Über Helen erfährt man eigentlich nur, dass sie für das US-Außenministerium arbeitet und daher selten zu Hause bei ihrem Mann und den zwei Kindern ist. Ihr Mann beklagt das. Sie beklagt, dass ihr Mann das beklagt und bändelt daher in der Folge, als sei das ein völlig normales Verhalten, mit Rich an. Das ist im Grunde alles, was man über die Figur Helen herausfinden kann.

Das ist allerdings vergleichsweise viel. Über Rich wird dem Leser mitgeteilt, dass er Wissenschaftler ist. Punkt.

Die Ausarbeitung der weiteren Figuren ist noch rudimentärer.

Ich verstehe ja, dass man als Autor in einem solchen Thriller sein Hauptaugenmerk auf andere Dinge, idealerweise die Handlung, richtet. Aber ein wenig mehr hätte es bei den Charakteren schon sein können. So entfalten sie auf mich eine noch fatalere Wirkung, als wenn ich sie nur schlecht nachvollziehbar oder unsympathisch fände:  Sie sind mir schlicht und ergreifend egal.

Und letztlich haben sie auch zu großen Teilen dazu beigetragen, mir den Spaß an Elsbergs Buch zu verhageln.

Kurz: Elsbergs Thriller hat seine Momente und eine spannende Thematik, nutzt allerdings seine Möglichkeiten in der Handlung und insbesondere bei den Charakteren nicht ansatzweise aus. Am 25. Februar erscheint übrigens sein neues Buch „Gier“. Ich bin mir nicht sicher, ob das diesmal ungelesen an mir vorbeigeht. Wobei – spannend klingt es eigentlich schon …

Wertung:

Handlung: 7,5 von 10 Punkten

Stil: 8 von 10 Punkten

Charaktere: 4 von 10 Punkten

Spannung: 7,5 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 6,75 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: Eine nur semi-objektive Lobhudelei auf „Die Phileasson-Saga I – Nordwärts“ von Bernhard Hennen und Robert Corvus.

 

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12 Kommentare zu „„Helix – Sie werden uns ersetzen“ – von Marc Elsberg – Ich wollte es mögen …

  1. Ich hab ein wenig Angst, denn das stand bei mir als nächstes auf der SuB-Abbau-Liste. Und nach hinten schieben kann ich es auch nicht so weit, weil es ein Weihnachtsgeschenk war.
    Aber deinen Ausführungen zu seinen anderen Büchern kann ich zustimmen. Und ich glaube „Untertitel-Autor“ ist ein eigener Beruf sowie einzigartig für Deutschland 😋

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    1. Wenn Du mir im Hinblick auf seine anderen Bücher zustimmst, sehe ich eine große Wahrscheinlichkeit, dass Du auch über „Helix – Wie brauchen einen Untertitel“ – eine ähnliche Meinung haben wirst. Aber Du wirst es überstehen, das habe ich ja auch. ;-)

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  2. Ha! Ich hab es als Hörbuch gehört und es war das erste Buch von diesem Autor. Tatsächlich hatte ich danach auch nicht das Bedürfnis noch weitere Bücher von ihm zu „hören“ weil mir Helix eher wie das Drehbuch zu einer Serie mit seichtem Inhalt daher kam. Interessante Stellen gabs ja, zugegeben, abeeeeer …. naja, eigentlich haste ja schon alles dazu gesagt. Aber eventuell gebe ich mir aufgrund deiner Empfehlung dann doch mal Blackout.

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    1. Ja, eben, interessante Stellen, davon aber zu wenig und zwischen diesen Stellen seichtes Gedöns. Genau so ist es! :-)

      „Blackout“ kann ich wirklich empfehlen! Die Charaktere sind zwar auch da nicht sonderlich dolle, das fällt aber angesichts der Geschichte nicht so negativ auf.

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  3. Als begeisterte Leserin von Bio-Thrillern habe ich das Machwerk auch gelesen und fand es richtig schlecht. Ebenso wie du fand ich die Ausarbeitung der handelnden Personen miserabel bis inexistent. Außerdem war die Handlung schlecht aufgebaut, wenig kohärent, entweder zu langsam oder zu schnell und ein Meister der Sprache ist Elsberg auch nicht gerade. Den Plot hätte ich gerne in der Bearbeitung eines/einer guten Autor*in gelesen.

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    1. Das kann man fast alles so oder so ähnlich unterschreiben, ich war nur etwas gnädiger, auch, weil mir persönlich keine Inohärenz aufgefallen ist. Das mag aber an meiner mangelnden Aufmerksamkeit liegen. ;-) Sprachlich fand ich es dafür in Ordnung, es verdient keinen Preis in dem Bereich, aber da ist mir schon Schlimmeres untergekommen.

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  4. Gerade der Untertitel hat mich bislang davon abgehalten, das Buch zu lesen – gruselig….. Wobei ich die Thematik mehr als spannend finde. Hm, ich denke noch …. (und werde ggf. berichten) :-) Und auf deinen nächsten Beitrag freue ich mich – das Buch hatte ich mal meinem Bruder geschenkt – der es immer noch nicht gelesen hat – grrrrr – und bin gespannt, was du darüber berichtest (der Bericht vom Bruder fehlt ja …). Herzallerliebste Grüße :-)

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    1. Da bin ich aber ggf. gespannt. :-)

      Dass Dein Bruder das Buch noch nicht gelesen hat, ist ein Versäumnis gigantischen Ausmaßes! Das ist allerdings nur meine ganz persönliche Meinung. Die Reihe spielt ja im DSA-Universum und ich habe seit etwa 25 Jahren einen intensiven Bezug zu selbigem. Man könnte auch sagen: Ich liiiiiiebe DSA! :-) Deshalb wird die folgende Rezension auch nur so semi-objektiv. ;-)

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      1. Ja – das mit dem DSA weiß ich. Mein Bruder hat seit etlichen Jahren einen ähnlichen Bezug dazu ;-) (Das ganze heißt bei uns übrigens liebevoll „Das deutsche Auge“ und zwar genau so gesprochen, wie du es jetzt wahrscheinlich denkst – lach….) Umso unverständlicher, dass er es immer noch nicht gelesen hat. Nun ja, es gibt Gründe… Kind, Hausbau, Arbeit, Schichtdienst, Frau und so …. :-)

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