abc.etüden KW 51/52 Nr. II

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

bevor es nach einer Rezension, die ich für Samstag eingeplant habe, wenn denn mal endlich etwas so funktioniert, wie ich mir das vorstelle, für den Rest des Jahres wohl etwas ruhiger an dieser Stelle wird, unternehme ich den Versuch, die Ereignisse aus meiner letzten Etüde zum Abschluss (?) zu bringen. Die Schreibeinladung kommt von Christiane, die Wortspende von dergl und die Worte lauten weiterhin

Regenbogen
transparent
bluten

und werden mich, so vermute ich, diesmal vor größere Schwierigkeiten stellen. Nun denn, wohlan:

„Spinner!“, spie Agathe verächtlich aus, als ihr Blick auf das große Transparent mit der Aufschrift „Roboter raus!“ fiel, welches von Anhängern des PEGRODA-Bündnisses gerade auf der Straße am Café vorbeigetragen wurde.

„Lenk nicht ab!“, warf Matteo mit Augenzwinkern ein. „Erkläre mir lieber, wie man dieses Buch nicht mögen kann.“

„Ach, weißt Du, Goethes „Werther“ ist so  – kindisch …“, sagte sie.

„Kindisch?“ fuhr Matteo mit gespielter Entrüstung auf. „Ich kriege Schnappatmung! Das Buch ist …, es geht um Liebe! Unerfüllte Liebe – wie kann man …“ „Jetzt oder nie“, dachte er sich. „Agathe, ich muss Dir etwas erzählen …“

„Halt, nein, ich zuerst,“, unterbrach sie ihn.

„Was denn?“

„Ich ziehe um.“ erklärte sie begeistert.

„Wie jetzt? Wann? Wohin?“ stammelte Matteo.

„Na, Du weißt doch, dass mein Sohn bei der Deutschen Botschaft arbeitet. Und ich, nun ja, ich bin nicht mehr die Jüngste. Und ich habe jahrzehntelang weit entfernt von meinen Kindern gelebt, die sich in die halbe Welt verteilt haben. Und kürzlich hat mir mein Sohn gesagt, dass in seiner Straße ein kleines Häuschen zum Verkauf steht. Also habe ich hier alles verkauft und ziehe in zwei Wochen um.“, berichtete sie freudestrahlend.

„Deutsche Botschaft? Hier in Rom?“ fragte er.

„Ach, aber nein“, sie kicherte, „in Windhuk, Namibia.“

„In Nam… – was?“

„Namibia, ein Staat im Südw…“ wollte sie erklärend hinzufügen.

„Ich weiß, wo Namibia liegt!“, fuhr er dazwischen.

„Na, das wollte ich Dir jedenfalls sagen. Was wolltest Du?“ fragte sie.

„Ach, nichts …“ seufzte er, fühlte wieder sein Herz bluten und sah vor seinem inneren Auge einen Regenbogen in Myriaden bunter Splitter zerspringen.

Zwei Wochen später. Das Taxi zum Flughafen fuhr vor.

„Tja, dann …“ sagte sie.

„Tja, dann.. „, sagte er.

Sie stieg ein, das Taxi fuhr los.

Agathe beugte sich aus dem Fenster und winkte.

„Halt, warte, ich muss …!“ schrie er hinterher.

„Waaaas?“  rief sie zurück.

„Ach, nichts …“

 

300 Wörter.

Ich wünsche allseits noch einen schönen Restdonnerstag.

Gehabt euch wohl!

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26 Kommentare zu „abc.etüden KW 51/52 Nr. II

    1. Ich bitte, die späte Antwort zu entschuldigen, ich war einen Tag vom Internet abgeschnitten. :-)

      Nun, die Geschichte spielt in der Zukunft, zu einem Zeitpunkt, an dem die Menschheit die Singularität erreicht hat, sprich, alle Tätigkeiten weltweit werden von Robotern und KI erledigt und die Menschen können endlich das tun, was sie schon immer wollten. Und nein, ich hoffe, dass es einen so spinnerten Haufen wie PEGRODA nicht wirklich gibt, mir reicht das seltsame Original … :-)

      Gefällt 1 Person

        1. Das mit der Zukunft konnte beim Lesen nur entgehen, weil es nicht drin stand! :-) Es ist eine Fortsetzungsgeschichte, deren Anfang in anderen Etüden liegt und deren Ende ich hoffentlich erreicht habe.

          Gefällt mir

    1. Ja, eben. Ich finde es auch lebensnah, nicht immer geht etwas im Leben gut aus. Ob ich das weiterführe, weiß ich auch noch nicht. Und wenn, dann wüsste ich nicht wie. ;-)

      Aus „transparent“ ein Substantiv zu machen, werte ich als „künstlerische Freiheit“. ;-)

      Gefällt 2 Personen

          1. Das könnte natürlich „jemand“ tun, nur müsste das dann auch „jemand“ wollen – ich fürchte, da sieht es eher schlecht aus … Außerdem: Wenn in dem Szenario das Beamen schon erfunden ist, warum hätte sie fliegen sollen? :-P

            Gefällt 1 Person

          2. Ja, das war der Plan :-) Weil wenn ich weiter aushole und dir dauernd reinquatsche, wird mein Kommentar aufgrund der zu befürchtenden Länge zu einer ungefragten Sub-Etüde…und das kann ja auch „keiner“ oder „jemand“ wollen :‘-)

            Gefällt 1 Person

    1. Ja, sicher! Wenn es irgendwas in der Literatur im Übermaß gibt, dann sind das kitschige „Heile-Welt-Happy-End“-Liebesgeschichten. Erfahrungsgemäß verhält sich das Verhältnis von glücklicher zu unglücklicher Liebe in der Literatur genau umgekehrt zu dem in der Realität vorkommenden. :-) Die Welt braucht mehr Mut für Unhappy-Ends.

      Gefällt 1 Person

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