abc.etüden KW 51/52

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

gestern verschickte die geschätzte Bloggerkollegin Christiane die nächste Schreibeinladung für die abc.etüden in den Kalenderwochen 51 und 52. Und da aufgrund einer Verkettung unglücklicher Umstände in jüngerer Vergangenheit – und das bitte ich, durchaus als Euphemismus zu verstehen – mein Lesefluss vollständig zum Erliegen gekommen ist, kann ich meinem Kerngeschäft, den Rezensionen, derzeit nicht so nachgehen, wie ich das gerne möchte.

Als Ersatz versuche ich mich mal an einer weiteren Ausgabe der abc.etüden. Wir nähern uns mit großen Schritten den dunkelsten Tagen des Jahres und auch bei meinem Protagonisten aus meiner Etüden-Premiere scheint sich einiges verdunkelt zu haben. Grund genug, sich ihm nochmals zu widmen.

Das Beitragsbild stammt von Christiane, die Wortspende kommt diesmal von der lieben Kollegin dergl und die Wörter lauten:

Regenbogen
transparent
bluten

 

Frustriert schlug Matteo das Exemplar von Goethes „Italienischer Reise“ zu und ging wieder ins Haus. Die Worte des Dichterfürsten erreichten ihn heute nicht. Was nicht verwunderlich war, weilten seine Gedanken doch schon seit Tagen bei Agathe.

Erstmals gesehen hatte er sie beim Bäcker und war sofort verzaubert. Er staunte nicht schlecht, als er einige Tage später wieder auf sie traf, im Café beim angeregten Gespräch mit seinem Nachbarn Giorgio. Er setzte sich dazu, und erlebte einen wundervollen Vormittag.

Seitdem konnte er an nichts anderes mehr denken, als an Agathe. Eigentlich wollte er ihr das sagen, fürchtete sich aber vor ihrer Reaktion. Außerdem wusste er noch so gut wie nichts von ihr, außer, dass sie aus Deutschland kam und Literatur liebte. Und sie war augenscheinlich einige Jahre jünger als er, aber das hatte ihn noch nie gestört. Doch sonst wusste er nichts. Vielleicht war sie sogar verheiratet? Sicherlich war sie das, wie sollte es anders sein!? Er könnte Giorgio fragen, würde aber den Teufel tun!

Sein Herz begann zu bluten beim Gedanken, dass es bei diesem einen Vormittag im Café bleiben könnte. „Lieber Himmel!“, dachte Matteo, „ich bin 92 Jahre alt und benehme mich wie ein Pennäler!“

Frustriert betrat er das Wohnzimmer, zog die halbtransparenten Vorhänge zu und ließ sich aufs Sofa fallen. Sein Blick fiel auf den in allen Farben des Regenbogens schillernden Druck von Paul Klees „Burg und Sonne“.

„Nein, das ertrage ich jetzt nicht!“, dachte er und begann in seinem umfangreichen Drucke-Fundus zu wühlen. „Guernica?“ lachte er, „nein, so schlimm ist es auch wieder nicht!“

Kurz danach zierte Claude-Marie Dubufes „La Suprise“ die Stelle, die eben noch Klees Bild eingenommen hatte. „Besser!“, dachte Matteo, „viel besser!“. Auf dem Sofa ausgestreckt und in eine Decke eingewickelt starrte er auf das Bild und dachte: „Was mache ich denn nur?“

 

300 Wörter.

Ich wünsche allseits einen schönen Wochenbeginn.

Gehabt euch wohl.

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18 Kommentare zu „abc.etüden KW 51/52

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