„Drone“ von Bart-Jan Kazemier –

Buch: Drone“

Autor: Jan Kazemier

Verlag: Penguin

Ausgabe: Taschenbuch, 510 Seiten

Der Autor: Bart-Jan Kazemier, geboren 1979 in Groningen, Niederlande, hat Angewandte Linguistik studiert und unterrichtet heute an internationalen Bildungseinrichtungen. Er hat mehrere Dokumentarfilme produziert, die auf internationalen Filmfestivals gezeigt wurden. „Drone“ ist sein erster Roman, der auf Deutsch erscheint. (Quelle: Penguin)

Das Buch: Als Eliot Koler eine verschlüsselte Nachricht erhält, ist alles wieder da – das afghanische Dorf, die Explosion, die vielen Toten. Die Informationen, über die seine ehemalige Kollegin Miriam Veltman verfügt, sind brisant. Und endlich hat Eliot die Chance, die Wahrheit über den Einsatz zu erfahren. Aber noch bevor er Miriam treffen kann, ist sie tot. Denn die beiden stehen längst im Visier des Geheimdienstes und einer mächtigen Gegnerin in den höchsten Rängen der Politik. Doch Miriam hat ihm eine letzte Spur hinterlassen. Sie führt zu einer IT-Expertin, die im Nahen Osten verschollen ist. Nur sie kann entschlüsseln, was damals wirklich geschah … (Quelle: Penguin)

Fazit: Als ich zu „Drone“ griff, tat ich das in der Vermutung, mal wieder so etwas wie einen Politthriller in der Hand zu haben. Davon gibt es nämlich, zumindest innerhalb meines eigenen, kleinen, literarischen Mikrokosmos viel zu wenige Bücher in den letzten Jahren. Und so etwas in der Art bekam ich dann auch. Und noch ein bisschen mehr.

Zugegeben, es gibt Bücher, bei denen der Einsteig leichter fällt, als bei Kazemiers Thriller. Verschiedenste Rezensenten bezeichneten ich schon als „verwirrend“, was ich allerdings als arg übertrieben empfinde. Ja, es tauchen recht früh recht viele unterschiedliche Personen auf. Und nein, es wird nicht sofort klar, was diese Personen miteinander zu tun haben. Allerdings, so denke ich, sollte man als Leser vielleicht gerade zu Beginn eines solchen Buches etwas Geduld und vor allem das Vertrauen darin, dass der Autor schon noch in der Lage sein wird, einem die Zusammenhänge zu erklären, aufbringen. Leser von historischen Ken-Follett-Schinken, in denen das Personenregister länger ist als das Gesamtwerk von Ferdinand von Schirach, wissen, was ich meine.

Zumal die mögliche Irritation in den ersten Kapiteln sich bald in Wohlgefallen auflöst, die Handlung nachvollziehbarer und spannender wird.

Da haben wir also einerseits Eliot Koler, der der Spur nachgeht, die Miriam Veltman für ihn gelegt hat und die ihn mit seiner eigenen Vergangenheit konfrontieren wird. Und wir haben andererseits einen Handlungsstrang, der sich mit den politischen Entscheidungen zu Waffensystemen in den Niederlanden beschäftigt. So trocken Letzteres auch klingen mag, so spannend ist es aber, wenn man sich drauf einlässt. Die politischen Ränkespiele hinterließen bei mir eine ähnliche Gänsehaut, wie ich sie immer bekomme, wenn in den Nachrichten zu hören ist, „für dieses Gesetz war die Zustimmung des Bundesrates nicht nötig“, weil ich das einerseits mal anders gelernt habe und es andererseits ein bisschen nach der Dekret-Politik eines Donald J. Trump klingt, aber das würde jetzt zu weit führen.

Im personellen Fokus stehen hier im zweiten Handlungsstrang naturgemäß die involvierten Politiker, allen voran Ada Rodenburg, die ich hier aber alle mal weitgehend beiseite lassen möchte.

Der Protagonist des ersten Handlungsstrangs, Eliot Koler, ist Kazemier gut gelungen. Er wirkt zwar sehr ernst und hart, aber seine Persönlichkeit ist vor dem Hintergrund seiner Erlebnisse und seiner augenscheinlichen posttraumatischen Belaastungsstörung durchaus nachvollziehbar. Und trotz allem kann man als Leser einer Beziehung zu ihm aufbauen.

Auch stilistisch gibt es von meiner Seite keinen Grund zur Klage. Gefallen hat mir, neben dem Prolog, der die Tonbandaufnahme eines Militäreinsatzes in Afghanistan wiedergibt, auch, dass Kazemier sich für recht kurze Kapitel entschieden hat – genau 72 auf etwas über 500 Seiten – sowie die stetig wechselnden Erzählperspektiven und Schauplätze. Der Text an sich ist, meines Erachtens, recht unkompliziert zu lesen, ohne dabei anspruchslos zu wirken. Alles in allem also, wie gesagt, kein Grund zur Klage.

Wer Politthriller mag und dabei die Action nicht ganz vernachlässigen möchte, der könnte mit „Drone“ richtig liegen.

Wertung:

Handlung: 8,5 von 10 Punkten

Charaktere: 8,0 von 10 Punkten

Stil: 8,0 von 10 Punkten

Spannung 8,5 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 8,25 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Die Königschroniken III – Ein Reif von Silber & Gold“ von Stephan M. Rother.

 

5 Kommentare zu „„Drone“ von Bart-Jan Kazemier –

    1. Wenn man das Genre mag, sicherlich. Man darf sich halt kein Hollywood-Action-Feuerwerk darunter vorstellen. ;-) Meine Erfahrungen mit holländischen Autoren sind auch überschaubar – ein Umstand, den man vielleichtmal ändern sollte …

      Gefällt 1 Person

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