„Das Atelier in Paris“ von Guillaume Musso

Buch: „Das Atelier in Paris“

Autor: Guillaume Musso

Verlag: Pendo

Ausgabe: Taschenbuch, 460 Seiten

Der Autor: Guillaume Musso, geboren 1974 in Antibes, arbeitete als Dozent und Gymnasiallehrer. Musso ist einer der erfolgreichsten Gegenwartsautoren Frankreichs, seine Romane wurden in über zwanzig Sprachen übersetzt und haben sich als internationale Bestseller durchgesetzt. (Quelle: Piper)

Das Buch: Ein abgelegenes kleines Ateleier am Ende einer Allee, mitten in Paris: Hier hat sich die Londoner Polizistin Madeline eingemietet, um eine Weile abzuschalten. Doch plötzlich sieht sie sich Gaspard gegenüber, einem mürrischen amerikanischen Schriftsteller. Offenbar gab es einen Irrtum, denn auch er hat das Atelier gemietet, um in Ruhe schreiben zu können. Der Ärger legt sich, als die beiden erkennen, an welche besonderen Ort sie geraten sind. Das Atelier gehörte einst einem gefeierten Maler, von dem aber nur noch drei Gemälde existieren sollen – alle drei verschollen und unermesslich wertvoll. Als sie sich gemeinsam auf die Suche nach den Bildern begeben, wird ihnen schnell klar, dass den Maler ein grausames Geheimnis umgibt …

Für Madeline und Gaspard beginnt eine spannenden Jagd, die sie von Paris nach New York führt und sie nicht nur mit ungeahnten menschlichen Abgründen, sondern auch mit ihren eignenen Dämonen konfrontiert. (Quelle: Piper)

Fazit: Ich glaube, aus mir wäre ein guter Kunsthistoriker geworden. Wenn ich denn Kunstgeschichte studiert hätte. Dann, ha, dann würde ich jetzt – wahrscheinlich auch hier sitzen und diese Rezension schreiben. Nun ja. Übrig geblieben ist allerdings eine Leidenschaft für Bücher, die irgendwie mit Gemälden oder Malerei zu tun haben. Gut, da war in der Vergangenheit unheimlich viel, unheimlich unfassbarer Unfug dabei, aber zwischendurch hat man dann ja doch mal Glück. Und selbiges hatte ich mit „Das Atelier in Paris“.

Dabei ist die Suche nach den Bildern, auf die ich mich so freute, verhältnismäßig schnell vorbei. Dann jedoch legt Mussos Handlung erst so richtig los. Es gilt, ein Geheimnis aus der Vergangenheit zu lösen und die Zeit ist dabei nicht unbedingt auf Seiten der Protagonisten. Und so nimmt denn die Handlung im Laufe der Zeit passend dazu immer mehr Tempo und Spannung auf, bis die Ereignisse zu einem von mir natürlich nicht näher beschriebenen, aber zufriedenstellenden, in sich logischen Ende kommen.

Achtung: Der folgende Absatz könnte für Menschen, die die Definition von „Spoiler“ eher eng fassen, einen Spoiler beinhalten. Im Zweifelsfall ist folgender Absatz also einfach zu überspringen.

Allerdings hätten ein paar Seiten weniger, speziell die ganz am Ende, dem Buch gutgetan, denn zu einem Zeitpunkt, an dem alles eigentlich schon geklärt ist, driftet das Buch ganz ohne Not mit quietschenden Reifen und einem Drehzahlmesser im roten Bereich in Richtung Kitsch ab. Und das hätte nun wirklich nicht sein müssen, wirkt auch zu konstruiert. Abgesehen von diesen letzten Seiten überzeugt die Handlung aber voll und ganz.

Ende der eigentlich überflüssigen Spoilerwarnung

Stilistisch werde ich Guillaume Musso nicht nachhaltig im Gedächtnis behalten. Sein Buch ist halt „flüssig geschrieben und gut zu lesen“, wie ich, sehr zu meinem Leidwesen, häufiger lesen darf, denn das ist etwas, was ich beim Text eines Menschen, der damit Geld verdienen will, eigentlich voraussetze und nicht sonderlich erwähnenswert finde. Aber sei es drum, kurz gesagt: stilistisch solide.

Das einzige kleine Ärgernis sind für mich die beiden Protagonisten Madeline und Gaspard. Er ist Alkoholiker, allerdings natürlich vollkommen davon überzeugt, jederzeit aufhören zu können. Ansonsten ist er halt misanthropisch veranlagt und hält sich für etwas Besseres. So ist auf Seite 45 zu lesen: „Der Alkohol löste im Grunde kein Problem, doch er bot die Möglichkeit, die Mittelmäßigkeit zu ertragen, die nach seinem Empfinden die Menschheit infiziert hatte.“ Oh, bitte! Das ist die wohl blasierteste Begründung für Alkoholismus, die ich je gehört habe. Gaspard wirkt ein bisschen wie Jack Nicholson in „Besser geht´s nicht“, nur in ätzend. Hm, was macht eigentlich Helen Hunt heute? Ich schweife ab …

Seine Mitstreiterin Madeline kann man ebenfalls kritisch beäugen. Sie möchte nämlich unbedingt schwanger werden. So weit, so nachvollziehbar. Allerdings ist sie derzeit gar nicht in einer Beziehung. Der sonst dafür notwendige Vorgang wird durch eine entsprechende medizinische Behandlung an einer spanischen Klinik ersetzt. Das potenzielle Kind dient dabei so einer Art Selbstfindung. Und das wiederum – man mag mich konservativ nennen – finde ich irgendwie verwerflich. Abgesehen davon, dass ein Kind in meiner kleinen Märchenwelt voller Feen, Elfen und Eskimos eigentlich zwei Elternteile beliebigen Geschlechts ab Werk haben sollte, darf man diesen Grund für einen Kinderwunsch doch arg hinterfragen. Wer zur Selbstfindung aufbricht, sollte es vielleicht lieber erst mal mit einem Dackel probieren. Oder einem Goldfisch. Nein, noch besser: mit einem Kaktus.

Skurrilerweise macht das Zusammenspiel der beiden Charaktere durchaus Spaß, wenn man mal beschlossen hat, dass man sie ja beide nicht mögen muss.

Abschließend sei gesagt, dass „Das Atelier in Paris“ sicherlich nicht mein letzter Musso-Roman sein wird. Angesichts der Tatsache, dass der Franzose mittlerweile – von mir gänzlich unbemerkt – 14 Bücher veröffentlich hat, steht allerdings die Frage im Raum, ob ich die letzten gut 10 Jahre unter einem Stein gelebt habe …

Wertung:

Handlung: 9 von 10 Punkten

Stil: 8 von 10 Punkten

Charaktere: 7,5 von 10 Punkten

Spannung: 8,5 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 8,25 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Hologrammatica“ von Tom Hillenbrand.

4 Kommentare zu „„Das Atelier in Paris“ von Guillaume Musso

    1. Insbesondere dieser Aspekt hat mich am meisten gestört, obwohl er einen verhältnismäßig überschaubaren Raum im Buch einnimmt.

      Und ich kann verstehen, wenn gerade solche Dinge neugierig auf ein Buch machen. :-)

      Gefällt 1 Person

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