Freitagsfragen #68

Freitagsfragen

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

„Weihnachten ist nicht mehr weit.“ ist heute im Freitagsfragen-Beitrag des Brüllmausblogs zu lesen. Ein Satz, der auf mich normalerweise die selbe Wirkung hat, wie ein Stilett auf einen Lkw-Reifen. Noch bin ich allerdings angesichts der Aussicht auf Glöckchengebimmel und „Wham!“ relativ entspannt. Und so lange das so ist, widme ich mich lieber der Beantwortung der eben genannten Freitagsfragen, welche lauten:

1.) Welches ist Dein liebstes Märchen?

Ich kenne eine ganz zauberhafte Person mit einer hohen Affinität zu Märchen, die auf diese Frage vermutlich sofort eine Antwort hätte. Ich jedenfalls habe keine. Ich habe schon seit etwa 400 Jahren keinen sonderlich großen Bezug mehr zu Märchen und weiß allenfalls noch, was Volksmärchen von Kunstmärchen unterscheidet.

Aber hey, als Kind konnte ich den gesamten Text von „Max und Moritz“ auswendig aufsagen! Okay, das ist streng genommen kein Märchen, sondern eine Bildergeschichte. Aber ich wollte es mal erwähnt haben, denn wie oft bekommt man schon die Gelegenheit, in halbwegs passendem Zusammenhang zu verkünden: Als Kind konnte ich den gesamten Text von „Max und Moritz“ auswendig!?

Gebracht hat mir diese sehr spezielle Fähigkeit für den weiteren Lebenslauf aber irgendwie nichts …

Aber sollte ich mich nun partout, trotz meines begrenzten diesbezüglichen Kenntnisstands, für ein Märchen entscheiden müssen, wäre das vermutlich „Schneewittchen“: Der Beweis dafür, dass auch bei eher kleinen Leuten wie ich es bin, plötzlich eine wunderschöne Frau im Haus stehen kann. Also dann, die Tür ist offen, ich warte … ;-)

2.) Magst Du Buchverfilmungen?

Das kommt sehr auf die Verfilmung an, denn naturgemäß gibt es da gute und schlechte. Als Beispiel für eine gute Verfilmung sei hier mal „Misery“ genannt, was wohl rückblickend betrachtet zu großen Teilen an der schauspielerischen Leistung von Kathy Bates liegt. Und da wir gerade bei King-Verfilmungen sind: „Friedhof der Kuscheltiere“ hat mir als Film auch gut gefallen – jedenfalls bis ich das Buch gelesen habe.

Als bestes Beispiel für eine gelungene Buchverfilmung fällt mir naturgemäß „Der Herr der Ringe“ ein, allein schon, weil die Buchvorlage sich auf den ersten 150 Seiten liest, wie eine literarische Wurzelbehandlung ohne Betäubung und darüber hinaus auch noch Tom Bombadil enthält.

Dann gibt es Buchverfilmungen, die eben nicht so gut gelungen sind. „Per Anhalter durch die Galaxis“ ist da leider so ein Buch. So sehr ich die Bücher auch mag, mit dem Film wurde ich irgendwie nicht warm.

Und zuletzt gibt es da noch die Buchverfilmungen, bei denen man gar nicht weiß, dass sie auf einem Buch basieren. Und auch da gibt es gute und schlechte. So habe ich, Asche auf mein Haupt, erst Jahre später erfahren, dass „Der englische Patient“ auf einem Buch von Ondaatje basiert. Darüber hinaus muss ich gestehen, dass das einer der Filme ist, bei denen ich mich schlicht weigere, ihn mir nochmal anzusehen. Ich kann mich nicht erinnern, mich bei einem Film schon mal so gelangweilt zu haben. 160 Minuten mit der Dramatik des Testbildes … Angesichts der Tatsache, dass der Film neun Oscars gewonnen hat, habe ich aber wahrscheinlich einfach keine Ahnung.

Ein Positivbeispiel für Verfilmungen von mir unbekannten Büchern war dagegen „Shutter Island“. Leider funktioniert dieser Film nur einmal, weswegen ich nicht weiß, ob es Sinn ergibt, das Buch von Denis Lehane noch zu lesen …

Kurz: Ob ich Buchverfilmungen mag, lässt sich nicht pauschal mit ja oder nein beantworten, sondern hängt immer von der einzelnen Umsetzung ab.

3.) Befasst Du Dich mit den Künstlern Deiner Lieblingsmusik?

Nein, nicht mehr. Wobei das mal anders war. Gegen Anfang der 90er hörte ich gerne die Musik von Bands, die aus mindestens vier langhaarigen Musikern bestanden und von der „Bravo“ in den Bereich „Hardrock“ eingeteilt wurden: „Europe“ (Helden meiner frühen Jugend), „Bon Jovi“ (die plötzlich gar nicht mehr so langhaarig waren, was mich, so weit ich mich erinnere, schwer schockiert hat), „Guns N´ Roses“, „Aerosmith“, die von mir erst kürzlich wiederentdeckten „Thunder“ (kennt keine Sau) und so weiter und so fort.

Und damals war ich durchaus informiert, was die betreffenden Bands so tun, allein schon durch regelmäßiges Studium der „Bravo“, die es ja tatsächlich immer noch gibt, was für mich eines der größten Mysterien der Menschheitsgeschichte darstellt, noch vor den Nazca-Linien und der Frisur von Donald J. Trump.

Heute ist das anders. Zwar könnte ich jeden Meter, den die Mitglieder der Band „Volbeat“ wandeln, mit Rosen streuen, weil ich ihre Musik großartig finde, ich weiß allerdings spontan nicht mal, wie auch nur ein einziger dieser Herren heißt.

Bei „Matchbox Twenty“ beispielsweise weiß ich wenigstens noch, wie alle heißen und kriege auch noch halbwegs auf die Reihe, wer gerade welche Solo-Projekte am laufen hat, konzentriere mich allerdings in erster Linie auf die Frage, wann, verdammte Axt, endlich ein neues Album erscheint. Ich meine, das letzte ist sechs Jahre her. Sechs Jahre! SECHS JAHRE!

Lassen wir das …

Kurz: Früher beschäftigte ich mich noch mit den Bands selbst, heute in erster Linie nur noch mit ihrer Musik. Die Zeit, die ich investiert habe, mich über Bands zu informieren, nutze ich heute, um mich darüber auf dem Laufenden zu halten, was AfD, CSU und Mittelschicht-Friedrich „Ist-das-Asylrecht-oder-kann-das-weg?“ Merz so verzapfen. Damit bin ich vollständig ausgelastet. ;-)

4.) Die Wahl der Qual: Ein Leben ohne Kunst oder ein Leben voll herzloser Kunst?

Beides sind Horrorszenarien. Aber was „herzlos“ ist, ist ja auch immer Definitionssache. Also nehme ich ein Leben voll herzloser Kunst, in der Hoffnung, dass da etwas dabei ist, was ich persönlich nicht als herzlos empfinde.

 

Das war es auch schon wieder, getreue Leserschaft.

Ich wünsche allseits einen schönen Restfreitag und einen guten Start in ein hoffentlich schönes Wochenende.

Gehabt euch wohl!

14 Kommentare zu „Freitagsfragen #68

  1. Oh mein Gott. Deine Ausführungen über Bands haben es mir angetan. Wie recht Du hast!!! Mit 41 kann ich mittlerweile wirklich von Jugendsünden sprechen. Die Band mit dem großen Ä am Anfang empfinde ich mittlerweile als größte Peinlichkeit meine Lebens. Dabei kann noch heut so tolle Bands entdecken, die schon ewig im Geschäft sind. Einfach großartig: Eine fängt mit MONO an 😉

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  2. „Herr der Ringe“ ist tatsächlich die beste Buchverfilmung, die ich kenne und ich habe den Schmöker mehrmals gelesen, war also entsprechend voreingenommen. „Die Insel der besonderen Kinder“ ist aber auch nicht übel.
    Bei der schönen Frau vor deiner Tür kann ich dann nur hoffen, dass sie eine geringere Affinität zu kontaminiertem Obst zeigt 😉

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  3. Ich halte es wie Elaine (Seinfeld): Ich hasse diesen Film! (Der englische Patient).
    Auswendig kann ich einige Balladen und große Teile von Max und Moritz, vorgelesen habe ich viele Märchen. Wobei mir manchmal beim Vorauslesen der Atem stockte angesichts der Grausamkeiten und ich schnell improvisierte. Leider haben Kinder ein ausgezeichnetes Gedächtnis. Und so kam es, wenn am nächsten Abend das gleiche Märchen gewünscht wurde ud die Improvisation etwas anders ausfiel, zu der Vermutung, ich könne wohl nicht so richtig gut lesen.

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    1. Ich weiß auch nicht, wie man diesen Film mögen kann … :-)

      Zugegeben, die Märchen enthalten schon diverse Grausamkeiten und darüber wird ja teils auch schon recht lange diskutiert, aber hey, mir hat man sie auch vorgelesen und es hat mir nicht geschadet :-)

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      1. Ich meine nicht die normalen Sachen wie böse Stiefmütter, vergiftete Äpfel, Hexen mit Appetit auf Kinder, jahrelangen Hausarrest im Turm oder Wölfe, die Geißlein oder die Großmutter fressen. das ist ganz klar als Phantasie erkennbar und hilft Kindern eher, Ängste zu bewältigen. Aber ich habe bisweilen mir unbekannte begonnen, weil mir die anderen langweilig geworden waren. Und da gab es eine Mutter, die ihren kleinen Sohn tötete und unter einem Baum begrub z. B. So schrecklich durch die Nähe zu maancher Realität kam das nicht über meine Lippen.
        Der englische Patient und seine Tuss haben schon deshalb kein Mitleid von mir zu erwarten, weil sie eiskalt ihre jeweiligen Partner verarschen. Und die tödliche Langeweile, die sie verbreiten, lässt sie auch nicht sympathischer werden.

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  4. Tja! Wenn Du nicht noch 6 Brüder hast, die mit Dir die Bude teilen, sehe ich für ein spontanes Erscheinen einer wunderschönen Frau eher schwarz: Vielleicht hat gerade das die Lady gereizt, für jede Lebenslage den passenden Kerl an der Hand zu haben,…

    …und auch ich würde eher ein Leben voll herzloser Kunst als ein Leben ohne Kunst leben wollen. Obwohl mir der Gedanke an beide Szenarien eine Gänsehaut bereitet.

    …und auch ich wünsche Dir das, was Du mir gewünscht hast!

    Gruß
    ein getreuer Leser

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    1. Ich sehe die Abwesenheit von sechs Brüdern eher positiv. In so einer siebenköpfigen Männer-WG hat man doch nie seine Ruhe, die Bude eines Singles dürfte da viel anziehender wirken. :-)

      Herzlichen Dank und Gruß zurück an den getreuen Leser

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  5. Hach ja, die Zeiten von „The final Countdown“ und „Living on a prayer“ waren schon toll. Und ehe man sich’s versieht, hört man die Oldiesender im Radio und erschrickt, weil die Idole der Jugendzeit heute so alt aussehen. Du hast es wunderbar beschrieben!

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    1. Oh, herzlichen Dank!

      Ja, die Zeit verfliegt. Jon Bon Jovi, James Hetfield und Europe-Sänger Joey Tempest sind Mitte 50, Steven Tyler von Aerosmith schon 70, man glaubt es kaum.

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    1. Ich wusste doch, dass ich nicht der Einzige bin, der das konnte. :-)

      Dir auch ein schönes Wochenende. Sollte während dieses Wochenendes tatsächlich eine wunderschöne Frau vor der Tür stehen, bin ich bei meinem Glück wahrscheinlich gerade unterwegs zum Fußball gucken. :-)

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        1. Da, wo ich zum Fußball gucken hingehe, gibt es gar keine. ;-)

          Das mit dem Wahnsinn kann ich gar nicht nachvollziehen – „Star Wars“ nachsprechen zu können, ist für mich eine sehr sympathische Fähigkeit! :-)

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