Freitagsfragen # 66

Freitagsfragen

Hallo, liebe Leserinnen und Leser,

bezüglich der aktuellen Freitagsfragen aus dem Brüllmausblog bin ich erneut leicht im Verzug, deswegen geht es jetzt ganz flugs ohne weitere Vorrede an Fragen und Antworten, welche diesmal lauten:

1.) Erledigst Du Aufgaben sofort oder schiebst Du sie vor Dir her?

Das kommt ganz entschieden auf die Aufgabe an. Wenn die Aufgabe lautet: „Nimm Dir eine Tüte Chips und setze Dich vor den Fernseher, um Dir ein Spiel der Washington Redskins anzusehen!“, dann mache ich das für gewöhnlich sofort.

Da ich aber davon ausgehe, dass es um eher unangenehme Aufgaben geht, lautet die Antwort in diesem Fall: Ich schiebe solche Aufgaben gerne vor mir her. Sehr gerne. Und lange. Sehr lange. Ich hätte schon längst den schwarzen Gürtel in Prokrastination, wenn es so etwas geben würde.

Dass das nicht unbedingt eine gute Idee ist, wusste ich schon zu Schulzeiten, was mich nicht davon abgehalten hat, das Lernen für Matheklausuren dennoch so lange hinauszuschieben, bis man den „Jetzt-isses-auch-egal-„-Zeitpunkt erreicht hat. Die Ergebnisse waren dann auch entsprechend. Wobei man fairerweise sagen muss, dass diese Ergebnisse nach intensivem Lernen auch nicht besser gewesen wären …

Und im Grunde ist Prokrastination ja auch eine dumme Idee. So musste ich in diesem Jahr beispielsweise die Erfahrung machen, dass man auch bei Behörden offensichtlich gerne prokrastiniert, wenn es um die Erledigung eines Antrages geht. Für besagten Antrag hatte die Behörde gemäß SGB irgendwas eigentlich 6 Wochen Zeit. Von der Antragstellung bis zum Bescheid vergingen aber über drei Monate, was weitere Schwierigkeiten aufwarf. Zumal man sich jetzt an den Inhalt des Bescheides auch nur so semi-gebunden fühlt, seitens der Behörde. Aber das soll uns an dieser Stelle nicht weiter interessieren.

Wenn ich so nachdenke, komme ich zum Schluss, dass es wohl nur einen Bereich gibt, in dem Prokrastination offensichtlich funktioniert: in der Politik! Schon Helmut Kohl hat auf diese Weise mehrere Jahre ein Land regiert. Oder regieren lassen. Oder so.

In der Frage nach deutschen Reparationszahlungen nach dem Zweiten Weltkrieg hat sich Prokrastination auch bewährt …

Und es ist offensichtlich eine Auswirkung der Prokrastination des Staates, wenn im Jahre des Herren 2018 Menschen im Alter von 94 Jahren wegen ihrer Vergangenheit als KZ-Aufseher angehlagt werden – was grundsätzlich natürlich zu begrüßen ist-, weil der Staat und die Justiz in den vergangenen Jahrzehnten offensichtlich gerade irgendwie anders beschäftigt waren als mit der juristischen Aufarbeitung der Vergangenheit. Tetris spielen. Oder so.

Dass Proktrastinieren in der Politik manchmal eine gute Idee sein kann, merkt man auch an anderen Beispielen. So hätte ich nichts dagegen gehabt, wenn die ungarische Regierung ihre Entscheidung, Obdachlosigkeit für illegal zu erklären und Obdachlose auf diese Weise zuhauf in die Wälder zu vertreiben oder nach dreimaliger Verwarnung einfach wegzusperren, bis auf den Sanktnimmerleinstag verschoben hätte.

Oder nehmen wir die CDU und ihre Suche nach einer/einem neuen Vorsitzenden. Wenn ich die Wahl habe zwischen einer sich offen gegen die Ehe für alle aussprechenden Kramp-Karrenbauer, Jens „Hartz-IV-ist-keine-Armut“ Spahn oder Friedrich „BlackRock“ Merz, dann sollte ich darüber nachdenken, diese Wahl ebenfalls bis auf den besagten Sanktnimmerleinstag zu verschieben, in der Hoffnung, dass bis dahin doch noch ein erträglicher Kandidat aus der Hecke gesprungen kommt. Oder es sich wenigstens Armin Laschet nochmal anders überlegt.

2.) Wie motivierst Du Dich zu unangenehmen Erledigungen?

Ja, gar nicht, das ist ja das Problem! ;-) Nein, mal ehrlich, mich dazu zu motivieren, unangenehme Dinge zu erledigen, gehört wahrlich nicht zu meinen großen Stärken. Wenn ich solche Erledigungen dann angehe, dann passiert das meistens aus einer Art „Ich-mach-das-jetzt“-Übersprungshandlung. Manchmal auch durch sanften Druck anderer Personen. Nur leider verabscheue ich es eigentlich abgrundtief, wenn mir Menschen ungefragt sagen, was ich zu tun und zu lassen habe. Hach, es ist schon manchmal schwierig.

3.) Sagst Du Deinen Mitmenschen lieber, was Du Dir zum Geburtstag wünschst, oder lässt Du Dich lieber überraschen?

Das kommt entschieden auf den Schenkenden an. Es gibt Menschen, vorzugsweise aus dem familiären Hintergrund, die mir ohne Anregung meinerseits Dinge schenken, die sie begründen mit „Ich habe mir gedacht, das könntest Du gut gebrauchen!“ Meistens ist das falsch gedacht. So weiß ich heute noch nicht, was ich eigentlich mit den Kopfhörern machen soll, die ich vor Jahren bekommen habe.

Es gibt aber auch Menschen, denen lasse ich in dieser Frage gerne völlig freie Hand und kann mich in der Mehrzahl darauf verlassen, etwas zu bekommen, über das ich mich freue.

Sollte ich selbst der Schenkende sein, bin ich übrigens sehr froh, wenn jemand ganz deutlich äußert, was er oder sie sich wünscht, denn ich bin ein unfassbar schlechter Geschenke-Schenker. Manchmal habe ich Geistesblitze, dann fällt mir auch etwas Sinnvolles ein, manchmal verschenke ich auch wert- und nutzlosen Tand mit der Begründung: „Ich habe mir gedacht, das könntest Du gut gebrauchen!“. Ich bin offensichtlich genetisch  vorbelastet.

Ach, und da wir ja bei Geschenken sind und ich diese Anekdote unmöglich für mich behalten kann: Bücher in öffentlichen Bücherschränken sind ja auch irgendwie Geschenke. An andere, unbekannte Leser eben. Wer aber auf die Idee gekommen ist, im öffentlichen Bücherschrank im E-Center das Buch „Rechtschreibung und Zeichensetzung“ von Karl Dieter Bünting und Dorothea Ader aus dem Jahre 1993 (!) zu hinterlegen, hat entweder eine sehr feinsinnige Art von Humor oder ist schlicht gemein. :-)

4.) Die Wahl der Qual: Eine schlaflose Nacht haben oder einen Tag verschlafen, an dem Du eigentlich viel vor hattest?

Erfahrungen mit schlaflosen Nächten hatte ich in der Vergangenheit zur Genüge. Daher verschlafe ich lieber den Tag. Einerseits schlafe ich gerne, andererseits gibt es wenig, das ich nicht auch noch am Folgetag erledigen könnte.

 

So weit, so gut, ich wünsche allseits noch einen erholsamen Restsonntag.

Gehabt euch wohl!

6 Kommentare zu „Freitagsfragen # 66

  1. uiuiuui…Prokrastinations-Alarm :O :O….naja, leider kann ich da auch ein wenig mitreden :( Ich sage nur: einladungskarten hochzeit :O :O …naja, was muss, das muss und ist ja eigentlich auch was schönes, wenn nur dieser ganze orgakram nicht wäre :D …naja, machr ihr euch mal nen schönen abend ;) LG Anja

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    1. Hochzeitskarten würde ich schreiben – aber mich heiratet ja niemand. ;-) Außerdem ist Hochzeitskarten schreiben immer noch besser, als darauf zu verzichten und als Ergebnis daraus dann alleine zu feiern.

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  2. „andererseits gibt es wenig, das ich nicht auch noch am Folgetag erledigen könnte.“ Als grandioser Prokrastinierer, als der Du Dich weiter oben geoutet hast, ist das ja nur konsequent.

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