„Hell-Go-Land“ von Tim Erzberg – Whodunit

Buch: „Hell-Go-Land“

Autor: Tim Erzberg

Verlag: HarperCollins

Ausgabe: Taschenbuch, 350 Seiten

Der Autor: Kindesentzug, Körperverletzung, schwere Brandstiftung … Wer seit seiner Kindheit solche Erfahrungen gemacht hat, betrachtet die menschlichen Abgründe mit anderen Augen: Das Verbrechen ist keine andere Welt, es ist Teil des Normalen.
Tim Erzberg entschloss sich nach dem Jurastudium, Literaturagent zu werden. Er vertrat unter anderem den berühmtesten deutschen Strafverteidiger Rolf Bossi, und Zvi Aharoni, den Mann, der Adolf Eichmann aus Argentinien entführte, sowie mehrere ehemalige Geheimagenten.

Seine dunklen Erfahrungen verarbeitet Tim Erzberg in Geschichten, in denen es nicht einfach nur Gut und Böse gibt. (Quelle: HarperCollins)

Das Buch: Ein kaltblütiger Mörder, eine unerfahrene Polizistin, eine Insel voller Opfer. Ein roter Fels im sturmgepeitschten Meer. Darauf Deutschlands abgeschiedenster Polizeiposten. Hier ist ihre neue Dienststelle. Hier war ihr Zuhause. Bis der Albtraum über Anna Krüger hereinbrach. Kaum jemand weiß von ihrer Rückkehr nach Helgoland. Doch schon an ihrem ersten Arbeitstag erwartet sie eine grausame Überraschung, die Anna klarmacht, dass es keine Flucht vor der Vergangenheit gibt. Nicht für sie. Nicht an diesem Ort. (Quelle: HarperCollins)

Fazit: Die Lektüre von „Hell-Go-Land“ liegt für mich schon einige Wochen zurück, meine diesbezügliche Dokumentation ist beklagenswert und lückenhaft wie meine naturwissenschaftlich-mathematischen Kenntnisse und dennoch kann ich mich noch bemerkenswert gut an Erzbergs Krimi erinnern. Das spricht dafür, dass es sich dabei um ein gutes Buch handelt, und das ist es letztlich auch – bis auf eine Kleinigkeit, die allerdings persönlicher Natur ist. Dazu später mehr.

Schon der Einstieg in den Roman gelingt dem Autor sehr überzeugend. Direkt nach Annas Rückkehr nach Helgoland beginnt ein großer Sturm aufzuziehen. In nur wenigen Sätzen schildert Erzberg eindringlich die Urgewalten des Meeres und des Wetters, denen Deutschlands einzige Hochseeinsel ausgesetzt ist. Diese Schilderungen ziehen sich durch den ganzen Roman und sorgen für genau die Stimmung, die ein solcher Krimi braucht.

Zum Zweiten schafft Erzberg durch das Heraufziehen des mehrtägigen Sturms das Szenario eines handelsüblichen whodunit-Krimis, eines Genres, dem ich schon lange sehr zugetan bin.

Die handelnden Personen in „Hell-Go-Land“ sind ebenfalls gut gelungen. Insbesondere Anna Krüger ist eine authentische, zwar mit ihrer Vergangenheit handernde aber dennoch bodenständige Ermittlerfigur, die man eigentlich mögen muss. Auch über ihre Polizeikollegen sowie die meisten Nebenfiguren lässt sich eigentlich nicht viel Negatives sagen.

Die Authentizität, die für die Hauptfigur gilt, gilt auch für die Dialoge, die lebensecht und ungekünstelt daherkommen.

Und im weiteren Verlauf stellt sich heraus, dass auch die Handlung sehr gut konstruiert ist, die Aufklärung der Geschehnisse in sich logisch und nachvollziehbar und durchgehend spannend, wenn – und da kommen wir zur eingangs erwähnten Kleinigkeit – wenn es Einem nicht so ergeht, wie mir: Wohl noch nie hatte ich für mich die Frage nach dem Täter, der Täterin, den Tätern, den Täterinnen oder den Täterinnen und Tätern (habe ich noch eine mögliche Konstellation vergessen? Ich will ja nicht zu viel verraten.) so früh geklärt! Das wird Zufall sein, weil ich nicht gut darin bin, aber ich hatte eine Vermutung hinsichtlich Motiv und Personalie und wurde darin letztendlich bestätigt. Das wiederum sorgte auch für eine ganz andere Wahrnehmung beim Lesen, weil man dauernd abklärt, ob die eigene Vermutung mit neu hinzugekommenen Informationen übereinstimmt.

Da ich aber ausschließe, dass es der Mehrheit der Leserschaft so ergeht wie mir, kann ich Erzbergs „Hell-Go-Land“ wärmstens empfehlen. Ein Buch, das perfekt zu den nun bald anbrechenden regnerischen Herbsttagen passt. Die muss es ja schließlich geben, irgendwann wird es schon regnen.

Wertung:

Handlung: 8,5 von 10 Punkten

Charaktere: 8 von 10 Punkten

Stil: 9 von 10 Punkten

Atmosphäre: 9,5 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 8,75 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Hexenmacht – Die Krone der Sterne II“ von Kai Meyer.

9 Kommentare zu „„Hell-Go-Land“ von Tim Erzberg – Whodunit

    1. Manchmal ist in solchen Büchern ja der vorher nur in zwei Zeilen auf Seite 382 auftauchende Falafel-Verkäufer an der Ecke der Täter – über so etwas muss ich dann immer ein bisschen den Kopf schütteln. Hier ist das glücklicherweise anders, ohne zu viel zu verraten.

      Das Ergebnis meines Treffers war eigentlich nur das Resultat daraus, dass ich schon so einige Krimis gelesen habe und mir überlegt habe, wie es weitergehen könnte. Tja, so war es dann auch … :-)

      Gefällt 1 Person

  1. Ok, ich gebe zu, ich musste mal wieder googlen, ob ich mit der Interpretation der Begrifflichkeit „whodunit“ Recht hatte, denn davon hatte ich vorher noch nie gelesen oder gehört. Wieder was dazu gelernt. Ansonsten habe ich mir das Buch direkt in meinen Warenkorb meines bevorzugten Buchhandels geschoben, denn es klingt nicht nur für mich spannend – zumal ich Helgoland ja noch vor fast einem Jahr kennenlernte – sondern es ist auch ein super Geschenk für eine Freundin von mir. Danke dafür.

    Und im übrigen regnet es draußen gerade… ;D

    Gefällt 1 Person

    1. Bevor ich davon hörte, hatte ich auch noch nie davon gehört. ;-)

      Ich kann mir vorstellen, dass das Buch nochmal ganz anders wirkt, wenn man die Insel kennt. Vielleicht gibts du ja mal eine Rückmeldung, wie es gefallen hat?

      Gefällt mir

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