Buchhandel, quo vadis?

Guten Abend, liebe Leserinnen und Leser,

wer meine Beiträge schon länger verfolgt, weiß, dass ich mich – vorzugsweise im Rahmen der „Freitagsfragen“ – gerne über verschiedenste Dinge echauffiere. Ebenso gerne hole ich in diesem Zusammenhang dann auch mal zu einem Rundumschlag gegen die Politik aus – oder zu dem, was ich dafür halte.

Manchmal beschäftigen mich aber auch Dinge, die nichts mit Politik zu tun haben und die auch sonst wenig in die Freitagsfragen passen. Und sofern sie, wie im vorliegenden Fall, mit Literatur zu tun haben, denke ich darüber nach, meine Gedanken hierzu in regelmäßige Beiträge zu kleiden.

Der heutige Anfang hat seine Ursache in der Beilage der Tageszeitung vom vergangenen Wochenende des Journalisten Kristian Teetz zur Situation des deutschen Buchhandels.

Er beginnt mit einem Rückblick in alte Zeiten, die auch ich – erschreckenderweise – noch kenne. Zeiten, in denen die Mehrheit der Menschen in Arztpraxen, Zügen, Bussen oder sonstwo ein Buch dabei hatte. Immer. Heute hat sich das Bild etwas gewandelt. Gelesen wird immer noch, allerdings nicht mehr im Buch, sondern auf dem Handy. Und es wird auch nicht mehr umgeblättert, sondern gewischt. Sollten nicht in den nächsten Jahrzehnten multiresistente Keime die Menschheit weitgehend dahinraffen, so wird die chronische Sehnenscheidenentzündung die Geißel eben jener Menschheit im 22. Jahrhundert sein.

Ja, tempus fugit. The times they are a-changing. Das mag man auch alles nicht so schlimm finden. „Natürlich: Nicht alle Menschen lasen Bücher, aber es waren auch nicht wenige – es war die Mehrheit.“, schreibt auch Teetz dazu, nicht nur auf Busse, Bahnen und Wartezimmer bezogen.

Welche Nebenwirkungen diese Entwicklung aber hat, bemerkt man, wenn man sich mal ein paar Zahlen ansieht. So ist, laut den Angaben des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, die Zahl der Käufer in der Zeit zwischen 2013 und 2017 um 4,6 Millionen Menschen zurückgegangen. Im Jahr 2017 kauften nur noch 29,6 Millionen Menschen ab 10 Jahren, nur noch 44 % der Deutschen, ein Buch. Ein Buch pro Jahr übrigens. Nicht in der Woche oder im Monat.

Damit ist man statistisch als Lesender nun erstmals seit langer Zeit Angehöriger einer Minderheit. Nun habe ich eigentlich gar kein Problem damit, einer Minderheit anzugehören, das tue ich täglich, aber was, wenn diese Entwicklung noch längerfristig anhält?

Und außerdem sind diese Zahlen ja nur statistische Mittelwerte. Ich kann nur von mir sprechen, weiß aber, dass ich deutlich mehr als nur ein Buch pro Jahr kaufe. Deutlich, deutlich mehr. Und vielen Anderen in der Blogosphäre geht es ähnlich, was nur den Schluss zulässt, dass der Anteil der Bevölkerung, der tatsächlich ein Buch kauft, noch wesentlich geringer als die oben erwähnten 44 % ist.

Und nun? Ist das eben so? Sollte mir das nicht egal sein, wenn der Buchhandel augenscheinlich nicht in der Lage war, sich an neue Gegebenheiten anzupassen?

Na, wenn es mir egal wäre, würde ich diese Zeilen nicht schreiben. Ich finde diese Entwicklung tatsächlich besorgniserregend. Komme ich irgendwann in die Buchhandlung meines Vertrauens und der Buchhändler meines Vertrauens hat dann nur noch ein kleines Bücherregal, verkauft dafür aber zusätzlich auch Werkzeuge, Zement und Kaffee, weil er sonst nicht über die Runden kommt, schließlich hat „Tchibo“ ja auch mal ausschließlich Kaffee und keine Regenschirme verkauft!? Das möchte ich nach Möglichkeit nicht erleben.

Gut, man könnte jetzt Ursachenforschung betreiben. Sicherlich spielt die immer größere Anzahl an Smartphone-Nutzern eine Rolle – in 2018 mittlerweile 57 Millionen. Und wer dauernd per WhatsApp mit dringend notwendigen Nachrichten, humorvollen Sinnsprüchen und Welterklärungsvideos zugemüllt wird, hat abends wahrscheinlich kaum die Muße, Thomas Manns „Josef und seine Brüder“ zu lesen – wobei ich für jeden Verständnis habe, der dazu, auch ohne ein Smartphone zu haben, nicht die Muße aufbringt. Das allein kann aber nicht der Grund für den Einbruch der Verkaufszahlen sein, Smartphones gibt es schließlich schon eine Weile.

Vielleicht sind Streaming-Dienste ein weiterer Grund? Netflix, so war kürzlich zu lesen, zeigt sich verantwortlich für 15 % des weltweiten Downloadvolumens. 15 % Prozent, nur Netflix! Da liegt die Vermutung nahe, dass es die Leser von einst heute einfacher finden, sich Serien in einzelnen Häppchen anzusehen als dicke Wälzer durchzuackern. Und ich habe ja auch ein gewisses Verständnis dafür, wenn man es vorzieht, sich lieber im Rahmen eines verlängerten binge-watching-Wochenendes sämtliche Folgen von „Game of Thrones“ reinzuziehen als stattdessen tage- und wochenlang alle Teile von „Das Lied von Eis und Feuer“ zu lesen. ich persönlich würde am Ende eines solchen Wochenendes mittels nervöser Fuchtelbewegungen dauernd versuchen, imaginäre Drachen zu verscheuchen, aber das soll jeder halten, wie er möchte.

Offensichtlich ist in unserer schnelllebigen – 3 „l“, ich verfluche Dich, Rechtschreibreform! – Zeit die Muße verlorengegangen, sich tage- oder auch mal mehrere Wochen lang mit einem Buch zu beschäftigen. Das kann einem egal sein, man kann es aber auch schade finden. Ich persönlich finde es schade. Denn auf diese Weise könnte früher oder später eine immense Menge an Kulturgut verloren gehen, einfach weil sich niemand mehr dafür interessiert. Und das meiste davon lässt sich auch nicht durch Netflix kompensieren: Ich habe schon unzählige großartige Bücher gelesen, die niemals verfilmt wurden. Stattdessen wurde der „Denver-Clan“ neu aufgelegt …

Aber selbst, wenn man nun die Gründe kennte – was ein Konjunktiv -, und ich bin sicher, dass es deren so viele gibt, als dass man sie unmöglich in einem recht kurzen Text alle erwähnen kann, so wäre einem damit auch nur eingeschränkt geholfen, wenn man nicht weiß, wie man dieser Entwicklung nun begegnen soll. Man kann ja niemanden zum Lesen zwingen. Gut, wenn man noch minderjährige Kinder zu Hause hat, kann man das, aber ob das dann einen förderlichen Umgang mit Literatur darstellt oder die Liebe zum Lesen weckt, das wage ich zu bezweifeln.

„Was also ist zu tun?“, um mal einen gerne verwendeten Satz eines sehr geschätzten Bloggerkollegen zu verwenden. Tja, da genau liegt das Problem: Ich weiß es nicht! Ich weiß nur: Dabeistehen und zusehen ist in diesem Fall nicht so meins. Bis mir eine Lösung für das Problem  – Vorschläge werden gerne entgegengenommen – eingefallen ist, bleibt mir nur: Weiterlesen! Vorher gibt es wahrscheinlich sowieso die nächsten Bücherverbrennungen und das Problem löst sich von alleine …

Gehabt euch wohl!

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24 Kommentare zu „Buchhandel, quo vadis?

  1. Ich habe gesehen, dass du mehr geschrieben hast und das lese ich auch noch, sobald mir meine Bücher Zeit lassen, deshalb erst einmal ein paar Gegenthesen.
    Der Börsenverein ist, Pardon, ein Haufen weinerlicher Pussys. Heulsusen sind sie, allesamt. Ist ja auch die Interessensvertretung einer Branche lauter Heulsusen. Warum? Weil sie alle, Verleger wie Buchhändler, lange ignorant waren oder bis heute ignorant sind.
    Warum? Sie haben etwas Grundlegendes ihrer Branche nicht verstanden, einen massiven Wandel nicht begriffen und sie sind mutlos geworden.
    Was sie grundlegend nicht verstanden haben ist die Tatsache, dass es auch um Bücher geht, aber nicht nur um Bücher, sondern dass Bücher Träger von Texten sind. Statt frühzeitig neue Informationsträger zu nutzen, glauben Büchermacher bis heute, es sei das Buch. Obwohl ihnen schon der Boom der Taschenbücher (die gab es vor 60 Jahren so gut wie nicht) ein Hinweis hätte sein können. Aber statt mutig zu sein … Sie jammern.
    Der Handel ist seit Jahrzehnten damit beschäftigt, auf die Ketten zu schimpfen und dann auf Amazon. Obwohl es da so anonym zugeht. Was tut der Einzelhandel? Jammern. Und die gleiche Massenware verkaufen. Was hätte er tun können? Von Anfang an seine Kernkompetenz, die Beratung, zu nutzen. Denn das kann der Online-Handel bis heute nur begrenzt. Der Buch-Einzelhandel scheint es langsam zu begreifen, aber etwa ein Jahrzehnt lang habe ich mich wegen dem Einheitsbrei und den Einheitsempfehlungen im Buchhandel genau so schlecht aufgehoben gefühlt wie Amazon.
    Zwei Mal fehlender Mit. Und das rächt sich jetzt. Denn Kinos gibt es seit fast 100 Jahren, das Radio, Fernsehen, Internet. Jedes Medium gibt es noch. Es muss sich manchmal ein wenig anpassen … Ich sehe Mediatheken wie Netflix als neues Modell des Fernsehens, das aktuelle Aufblühen von Podcasts zeigt, wie stark die Idee des Radios ist … Man kann mit Online-Zeitungen mittlerweile Geld verdienen, hurra, auch die Idee des tagaktuellen Journalismus ist nicht tot.
    Was tut die Buchbranche? Experimentiert sie mit neuen, spannenden Ideen, sucht sie Angebote, die sich den neuen Lebensbedürfnissen und Möglichkeiten ihrer potentiellen Kunden anpassen? … Heute morgen habe ich gelesen, dass Verlage als Kulturgut staatlich gefördert werden.
    Als ob sie ein Baudenkmal wären. Der Witz an Denkmälern ist, dass ihre Funktion im Wesentlichen die ist: An die gute alte Zeit zu erinnern, die längst überholt ist.

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    1. Na, da ist aber einer böse. ;-) Und Du hast auch gar nicht mal Unrecht, der Börsenverein jammert, wie es jede andere Interessenvertretung in ihrem Bereich auch tun würde. Aber würde der Börsenverein Autos produzieren, man würde ihm den Arsch nachtragen. :-)

      Ich bemängele selbst, dass der stationäre Buchhandel sich augenscheinlich nicht genug innovative Ideen hat einfallen lassen, um schadlos mit der Zeit gehen zu können. Für mich liegt das ein bisschen in der Selbstwahrnehmung des Buchhandels: Schon seit ich denken kann, wurde in regelmäßigen Abständen der Abgesang auf den Buchhandel angestimmt – ungefähr so, wie immer wieder der Untergang des PCs vorausgesagt wird, seit etwa 3.000 Jahren -, passiert ist letztlich nie etwas. Und wenn man nur oft genug fälschlicherweise „Wölfe, Wölfe!“ gerufen hat, dann reagiert irgendwann niemand mehr, wenn tatsächlich einer kommt.

      Mir geht es auch weniger darum, den Buchhandel zu bemitleiden, sondern ich beobachte eine Entwicklung, die ich so nicht gutheißen kann und möchte und frage nach Gründen und Lösungen. Die Zahlen hätten übrigens noch dramatischer geklungen, wenn ich bis 2011 zurück gegangen wäre.

      Dass der Buchhandel am Rückgang der Käuferzahlen allein verantwortlich ist – ich weiß, das hast Du so nicht gesagt, es liest sich aber so -, ist mir zu kurz gesprungen. Die Leute beschäftigen sich halt heute anders, da kann man in der Buchhandlung noch so kompetent beraten. Was soll der Buchhandel denn dagegen groß tun? Selbst ein Social-Media-Netzwerk aufmachen? „Bookbook“, oder so? ;-)

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      1. Ich habe in meinem Leben einfach schon viel zu oft das Börsenblatt gelesen und mich nicht wiedergefunden und vor meiner regelmäßigen Börsenblatt-Lektüre zu lange in einer Bibliothek gearbeitet, um die Jammerei nachvollziehen zu können.
        Ja, die Konsumgewohnheiten der Menschen ändern sich, klassische Bücher sind weniger attraktiv. Texte bleiben attraktiv. Ist eine Veränderung, auf die man sich einstellen muss, könnte man Mal die Musikindustrie zu fragen. Nennt sich Strukturwandel. Ist nichts schlimmes, weil sich im Leben ständig was verändert. Ein Anfang wäre es doch, regelmäßig Veranstaltungen zum Text in den Buchhandlungen zu haben. Das ist ganz banal und Kernkompetenz. Kostet Zeit, ja. Kann deshalb auch Geld kosten.

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        1. Du liest das Börsenblatt? Da liegen mir Erwiderungen von „Warum?“ bis „Wann bist Du falsch abgebogen?“ auf der Zunge. ;-) Nur Spaß!

          Eben, die Konsumgewohnheiten ändern sich. Musik bleibt Musik bleibt Musik – ob nun auf Vinyl, CD, MPirgendwas, oder als Download. Da ist es meines Erachtens schlicht einfacher, neue Formate zu entwickeln. Abgesehen davon, meine ich gelesen zu haben – ohne, das jetzt genauer zu überprüfen – dass auch die Musikindustrie unter einbrechenden Absatzzahlen zu leiden hatte bzw. hat. Deswegen muss man für Auszeichnungen heute weniger Tonträger verkaufen als früher, dafür muss man als Musikliebhaber aber für Konzertkarten so viel bezahlen wie für einen Abend im Restaurant zu viert …

          Buchhandlungen könnten ihre Bücher ja auch online – in eBook-Form oder was auch immer da noch kommt – zur Verfügung stellen, dann bräuchte man aber trotzdem die Ladengeschäfte nicht mehr.

          Diese Veranstaltungen von denen Du sprichst, die finden in den zwei Buchhandlungen im nahe gelegenen Mittelzentrum auch durchaus statt, woanders sicherlich auch. Das Problem daran ist aber doch, dass da nur Menschen hingehen, die sich ohnehin für das Medium Buch interessieren.

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          1. Las. Aus beruflichen Gründen. Als Onliner also aus purem Masochismus. 😉
            Deine Beobachtung zum Tonträgerverkauf stimmen durchaus, aber es heißt nicht umsonst Musikindustrie. Wir müssen uns von dem Gedanken verabschieden, dass Kultur an ihr Substrat gebunden ist. Das Verlagswesen ist eben auch keine Buchindustrie sondern eine Literatur- und Informationsindustrie. Nur weil die Leute weniger lesen, heißt das nicht, dass sie weniger Spaß an Texten hätten, vom Hörbuch über die Lesung bis zum Poetry Slam. Die Branche weigert sich nur, innovativ zu sein und sich neue Geschäftsmodelle zu erschließen.
            Denk an Zeitungen, die heute einzelne Artikel (ungedruckte, mit zusätzlichem Video! 😱) verkaufen, die Musikindustrie, die den Live-Auftritt wiederentdeckt hat oder die Spielebranche: Nicht nur, dass gemeinsames Computerspielen in MMORPGs weiterhin beliebt ist (die Menschen wollen gesellig sein, von daher ist Lovelybooks imho für die Literatur wichtig als Ort des Austauschs), man kann in Spielen Dinge kaufen. Verrückt, aber war und ne clevere Idee.

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      1. Ja, ich erinnere mich noch sehr gut. Und ich erinnere mich auch noch, bereits da eine Lanze für die Mitverantwortlichkeit der Käufer gebrochen zu haben. ;-)

        Mit persönlich ist völlig egal, wo jemand seine Bücher kauft. Wenn man mit dem stationären Buchhandel seine problematischen Erlebnisse hatte, dann kann ich einen Wechsel zu Amazon & Co nachvollziehen – allein Faulheit lasse ich nicht ganz als Grund durchgehen. ;-)

        Aber jeder kann halt nur im Rahmen seiner persönlichen Erfahrungen berichten und ich habe im naheliegenden Mittelzentrum zwei Buchhandelungen und über beide kann ich mich nicht im Geringsten beschweren – was natürlich zur Folge hat, dass ich Amazon mit der Nichtbeachtung strafe, die es meines Erachtens verdient. :-)

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    1. Ich kann schon gar nicht mehr zählen, wie oft ich als ein solcher bezeichnet wurde. Eine ebenso gerne genannte Unterform davon ist übrigens der englische „Grammar-Nazi“. :-)

      Anstatt sich für eine gutgemeinte Hilfestellung zu bedanken, wird man heute eben angefeindet. Tja – die Zeiten ändern sich …

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      1. Ja, leider! Ich bin ja kein Freund von „Früher war alles besser“-Plattitüden, aber in diesem Fall…!
        Mir wurde schon vorgeworfen, dass ich den Germanistik-Professor raushängen lasse. Ich war ganz erstaunt, dass die besagte Person wußte, was „Germanistik“ ist und schöpfte Hoffnung!

        Kalauer des Tages:
        Wie lautet der Vorname vom Dichter und Denker Goethe? Antwort: Fackju
        (Sorry! Der musste jetzt sein!)
        😂

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  2. Wow, ich stelle gerade fest, auch ich gehöre zu einer Minderheit. Und das vor dem Hintergrund, dass meine Eltern nie ein Buch in der Hand hatten. Zumindest habe ich sie nie mit einem gesehen und meine Mutter erklärte mir immer wieder, dass sie dazu keine Geduld hätte. Ich inhaliere jedoch seit frühester Jugend Bücher, inzwischen in unterschiedlicher Form: e-book (allerdings nie auf dem Handy, das ist mir einfach zu klein), Taschenbuch, gelegentlich auch Hardcover und Hörbuch. Und ich habe null Verständnis für die Serienjunkies mit Netflix & Co. Aber ich toleriere sie. Irgendwoher müssen ja die Dementkranken von Morgen kommen und so die Pflegeheime füllen und reich machen. Ist das jetzt böse? Vielleicht. Aber nach wie vor ist gerade auch lesen eine tolle Form von Gehirnjogging. Und ja, ich weiß, dass Demenz unterschiedliche Ursachen haben kann. Dennoch stehe ich dazu, dass Dauerberieselung nicht nur der deutschen Sprache schadet.

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    1. Dann bin ich auch böse, fand ich doch „Irgendwoher müssen ja die Demenzkranken von Morgen kommen (…)“ zugegeben sehr amüsant. ;-) Inwiefern Dauerberieselung da als Ursache gilt, kann ich aber nicht beurteilen. Das wird man wohl noch sehen.

      An Deinem Beispiel merkt man, dass es – so finde ich zumindest – zwar wichtig ist, Lesen in der Familie vorzuleben, dass das aber nicht einzige Grund ist, warum Menschen zu Büchern greifen. Umgekehrt kann mangelndes Vorleben in dieser Hinsicht somit aber auch kein generelles Argument dafür sein, wenn jemand eben nicht zum Buch greift.

      Was den Schaden für die deutsche Sprache angeht, so finde ich: Wenn überhaupt etwas der deutschen Sprache schadet, dann ist es das Internet, wo jeder schreibt, wie es ihm gefällt, ohne dass ihm widersprochen wird, denn wenn man das tut, wird man sofort als „Rechtschreib-Nazi“ verunglimpft. Wer will das schon? Und das führt dann zu Ausführungen schriftlicher Natur, bei denen sich mir die Fußnägel aufrollen. ;-)

      Gefällt 3 Personen

    1. An diesem Seitenwechsel ist auch nichts Verwerfliches, das würde ich niemals jemandem vorwerfen, zumal die Gründe dafür immer individuell sind.

      Was ich auf die Gesamtmenge der „Nicht-mehr-Leser“ bezogen allerdings nicht verstehe, ist, dass viele von ihnen in einer Befragung angegeben haben, dass ihnen in der heutigen hektischen Zeit ein wenig Entschleunigung fehlt, um wieder die Muße zu haben, zum Buch zu greifen. Dabei läge doch genau darin die Lösung, vermittelt doch ein gutes Buch genau dieses Gefühl der Entschleunigung, das, meiner Meinung nach, mit wenig zu vergleichen ist.

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  3. Meine Eltern haben viel gelesen – ich auch, schon immer. Meine Brüder fingen erst im Erwachsenenalter an. Unsere Kids haben es geliebt, wenn ich Bücher vorgelesen habe. Irgendwann während der Grundschulzeit war es vorbei. Das Elfenmädchen mit bald 17 fängt jetzt langsam wieder an, ein Buch zur Hand zu nehmen. Ich sage: kein Druck. Ich sage aber auch, dass ich Bücher immer kaufe, wenn die Kids eins wollen – auch ohne Weihnachten, Geburtstag oder sonst was.
    Eine ehemalige Kollegin, mit der ich im Buchhandel zusammen gearbeitet habe, sagt mal: „Natürlich ist es schlimm, wenn die Menschen nicht mehr lesen. Schlimmer ist es allerdings, wenn sie nicht mehr miteinander reden“ …..

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    1. Der Satz gefällt mir ganz besonders gut! Wobei ich da auch gruselige Tendenzen sehe, wenn ich beispielsweise zwei Menschen im Café betrachte, die eigentlich primär auf ihr jeweiliges Handy starren, sich gelegentlich Bilder, Videos oder sonstwas zeigen und irgendwann auseinandergehen, in dem Gefühl, ein gutes Gespräch gehabt zu haben. :-)

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      1. Dann brauche ich mich mit der Person auch nicht zu treffen – gruselig!!!! Auf der anderen Seite bietet das für meinen Mann und mich immer herrliches Lästerpotential, wenn wiesen gegen und uns die Eheleichen anschauen, die dich nix mehr zu sagen haben. Wir haben dann immer Gesprächsstoff 😉😂 ne – ernsthaft – das ist doch krank…..

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  4. Uns lebte man das Lesen vor. Heutzutage sitzen die Eltern mit dem Handy auf dem Spielplatz, während sich das Kund auf der Schaukel aufhängt – unbemerkt.
    Lesen, auch ebooks, ist für viele als Freizeitbeschäftigung unvorstellbar. Es gibt zuviele andere Ablenkungen heutzutage. Nein, ich verteufle sie nicht. Ich bin auch ein netflix Fan und ich spiele hie und da. Allerdings ist das alles kein Ersatz fürs lesen.
    Aber das merken die Leute noch irgendwann.

    LG
    Susi

    Gefällt 2 Personen

    1. Inwiefern die heutige Elterngeneration auf zukünftige (Nicht-)Leser einen Einfluss haben wird, vermag ich nicht zu beurteilen, das wird man sehen. Angesichts der Tatsache, dass es aber immer mehr gesellschaftlich anerkannt wird, gegen Schulnoten und Zeugnisse zu klagen, statt den Filius für seine Nichtleistung selbst verantwortlich zu machen, schwant mir auch in diesem Bereich Böses …

      Verteufeln möchte ich aber natürlich auch nichts. Jeder soll seine Zeit so verbringen, wie er möchte.

      Gefällt 3 Personen

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