„Nachts in meinem Haus“ von Sabine Thiesler – Leider vorhersehbar

Buch: „Nachts in meinem Haus“

Autorin: Sabine Thiesler

Verlag: Heyne

Ausgabe: Taschenbuch, 528 Seiten

Die Autorin: Sabine Thiesler, geboren und aufgewachsen in Berlin, studierte Germanistik und Theaterwissenschaften. Sie arbeitete einige Jahre als Schauspielerin im Fernsehen und auf der Bühne und schrieb außerdem erfolgreich Theaterstücke und zahlreiche Drehbücher fürs Fernsehen (u.a. Das Haus am Watt, Der Mörder und sein Kind, Stich ins Herz und mehrere Folgen für die Reihen Tatort und Polizeiruf 110). Bereits mit ihrem ersten Roman »Der Kindersammler« stand sie monatelang auf den Bestsellerlisten. Ebenso mit den folgenden Büchern »Hexenkind«, »Die Totengräberin«, »Der Menschenräuber«, »Nachtprinzessin«, »Bewusstlos«, »Versunken«, »Und draußen stirbt ein Vogel« und zuletzt: »Nachts in meinem Haus«. (Quelle: Heyne)

Das Buch: Tom ist ein anerkannter Kunstmaler, dazu reich und glücklich verheiratet. Alles läuft perfekt für ihn. Bis eines Nachts in seinem Haus etwas Schreckliches passiert. Unter Schock flieht er in ein toskanisches Bergdorf. Doch was ihm zunächst wie das Paradies erscheint, entpuppt sich schnell als Hölle. Tom hält das Alleinsein nicht aus, fühlt sich eingesperrt und verfolgt. Als er begreift, dass er niemandem mehr vertrauen kann, auch seinen Freunden nicht, ist es zu spät: Er trifft eine verhängnisvolle Entscheidung . . . (Quelle: Heyne)

Fazit: Manchmal soll es halt nicht sein. So in etwa könnte man meinen Eindruck von Sabine Thieslers „Nachts in meinem Haus“ zusammenfassen. Wobei man nach über 500 Seiten konstatieren muss: Die Autorin kann schreiben, zumindest in stilistischer Hinsicht, auch wenn die Dialoge manchmal eher Augenrollen verursachen. Auch die am Ende des Buches abgedruckte Leseprobe ihres Romans „Zeckenbiss“ verstärkt den Eindruck, ein Buch einer eigentlich fähigen Autorin vor sich zu haben und macht durchaus neugierig. „Nachts in meinem Haus“ allerdings konnte meine Erwartungen leider nicht erfüllen.

Beginnen wir mit dem Positiven, mit dem Stil. Thiesler schreibt sehr lesbar, was jetzt vielleicht despektierlich klingen mag, aber eher so gemeint ist, dass man ohne große Schwierigkeiten schnell im Text vorankommt. Insbesondere bei den Eindrücken, die die Autorin der Leserschaft dabei aus der Toskana vermittelt, läuft sie zu größerer Form auf. Aber der Stil gehört ja nun auch nicht zu den Schwierigkeiten, die ich mit dem Buch hatte, die liegen eher in anderen Bereichen.

Die Charaktere wirkten auf mich leider eher wie Stereotype, das gilt insbesondere für das Umfeld von Tom und seiner Frau Charlotte, die allesamt gutsituiert und insgesamt recht schwer verdaulich sind. Dass keiner dabei ist, inklusive des Protagonisten, den man so richtig sympathisch finden kann, stört dabei weniger. Mehr schon, dass sie einfach nicht überzeugen, sie sind da, sie sind mir nur mehr oder weniger egal. Sei es der Hotelier Wolfgang, der stets laut und meistens alkoholisiert ist, seine Frau Marlene, die äußerst harmoniebdürftig ist und die der Geschichte einen massiven Kinnhaken versetzen wird, der selbige arg in die Kitschecke taumeln lässt. Zu diesem Zeitpunkt ist die Handlung allerdings schon so weit fortgeschritten, dass es für den Leser keinen SInn mehr ergibt, das Handtuch zu werfen.

Und hier, in dieser Handlung, steckt das meiste Problempotenziel von „Nachts in meinem Haus“. Leider, leider war nahezu die gesamte Handlung für mich mehr oder weniger vorhersehbar. Und ich – ich erwähne das öfter, ich weiß – bin nicht gut in so etwas! In Sekundenbruchteilen weiß der Leser, was das „Schreckliche“ sein wird, das laut Klappentext zu Beginn des Buches passiert und auch die weitere Handlung wich nur in Nebensächlichkeiten von dem ab, was ich mir so vorgestellt hatte.

Überhaupt: Nebensächlichkeiten! Die Autorin verliert sich ständig in selbigen. So wird im kleinen toskanischen Bergdorf eine eher einsiedlerische Figur eingeführt, die Voodoo-ähnliches Zeugs betreibt, die aber vor allem für die eigentliche Handlung überhaupt keine weitere Relevanz hat. Der Leser muss sich aber dennoch eine Weile mit ihr beschäftigen und stellt sich unweigerlich die Frage, was diese Figur denn nun soll. Darstellen, dass man sich in einem wirklich ganz dolle rückständigen Bergdorf befindet, wo man noch Voodo betreibt? Vierhundert Einwohner, fünf Nachnamen, so in etwa?

Eine weitere Nebenhandlung sind die Geschehnisse rund um den italienischen Polizisten Donato. Dass der über weite Strecken hinsichtlich seiner Ermittlungen eher so wirkt wie ein Dorfdepp, ist eine Sache. Eine ganz andere ist es, dass Donatos Lebensgeschichte rund um seine verstorbene Mutter, sein verfallendes Haus und seine fremdgehende Frau sehr viel Platz einnimmt und völlig von der eigenen Geschichte ablenkt.

Insgesamt wirkt die Handlung auch leider viel zu konstruiert – was man schon daran erkennen kann, dass ich recht gut erraten habe, wie sie verläuft – und so als würde sie einfach so hintereinanderweg erzählt, während die Autorin nur einzelne Punkte der Handlung abhakt. Flucht in die Toskana – Check! Voodoo-Tante einführen – Check! Donatos Lebensgeschichte erzählen – Check! Mich in unnötigen Nebenhandlungen verlieren, um Tiefe vorzugaukeln – Check! Usw. usf.

Ich hoffe, man merkt mir an, dass ich „Nachts in meinem Haus“ wirklich mögen wollte und ich es außerordentlich schade finde, dass das letztlich nicht der Fall ist. Aber um wirklich gut zu sein, macht es zu viel verkehrt.

Kurz, die Autorin kann gut und szenisch erzählen, man merkt ihr den Hintergrund als Drehbuch-Schreiberin an. Dafür hakt es – seltsamerweise – bei den Dialogen und den Charakteren sowie an vielen kleinen Stellen der überschaubaren Handlung, was einem ungetrübten Ledevergnügen in Summe letztlich entgegensteht.

Und doch wird mich all das nicht davon abhalten, nochmal ein weiteres Buch von Sabine Thiesler zu lesen, sollte es sich ergeben. Einmal danebenliegen kann man schließlich immer.

Wertung:

Handlung: 6 von 10 Punkten

Stil: 7,5 von 10 Punkten

Charaktere: 6 von 10 Punkten

Spannung: 5,5 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 6,25 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Der Hirte“ von Ingar Johnsrud.

4 Kommentare zu „„Nachts in meinem Haus“ von Sabine Thiesler – Leider vorhersehbar

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