Die nachfolgenden Freitagsfragen #58 verschoben sich um etwa zwei Tage

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Hallo, werte Leserschaft,

die Tatsache, dass ich derzeit Urlaub habe, hält mich mitnichten vom Bloggen ab. Dieser Urlaub hält mich nur davon ab, außer Lesen und gelegentlich am PC zu daddeln überhaupt irgendetwas zu tun, geschweige denn etwas Sinnvolles oder gar Produktives. Nun mag es sicherlich Menschen geben, die einwenden würden, dass genau darin die Sinnhaftigkeit eines Urlaubs liegt. Und besagte Menschen hätten damit meine uneingeschränkte Sympathie, denn im Grunde sehe ich das genau so und habe deshalb mit meinem eher gemächlichen Lebenswandel nicht das geringste Problem.

Deshalb habe ich mir für die Freitagsfragen im Brüllmausblog auch ein wenig Zeit gelassen.

Die heutigen Fragen und Antworten lauten:

1.) Was ist Deine größte Herausforderung?

Ach, das kommt darauf an. An schlechten Tagen würde ich behaupten, meine größte Herausforderung ist das Leben, das Universum und der ganze Rest.

An Tagen wie heute lautet die Antwort aber anders. So ist eine kleine Herausforderung im Moment, sich gedanklich nicht damit zu beschäftigen, dass die Hälfte meines Urlaubs schon vorbei ist.

Die wesentlich größere Herausforderung besteht für mich, das gebe ich zu, darin, durch die Vorkommnisse in Chemnitz kein Magengeschwür zu entwickeln. Angesichts dessen, was dort vor sich ging und geht fühle ich mich wieder wie mein 15-jähriges Ich, das 1992 vorm Fernseher die Ausschreitungen in Rostock-Lichtenhagen verfolgte und die Welt nicht mehr verstand. Und auch jetzt verstehe ich die Welt nicht mehr.

„Wenn eine solche Tötungstat passiert, ist es normal, dass Menschen ausrasten“, hat Herr Gauland der „Welt“ gesagt. Der sächsische AfD-Abgeordnete Frohmeier – dessen Name gleich wieder im Orkus des Vergessens verschwinden möge, so wie er in dem Loch, aus dem er hervorgekrochen kam – twitterte: „Wenn der Staat die Bürger nicht mehr schützen kann, gehen die Menschen auf die Straße und schützen sich selber. Ganz einfach!“

Diesen beiden, und allen anderen, die meinen, diese Vorfälle irgendwie rechtfertigen zu müssen, kann man nur entgegenhalten: Wenn sich mehrere Tausend Menschen in der Stadt zusammenrotten und ein nicht unwesentlicher Teil davon anfängt, Ausländer und andere, die vermeintlich fremdländisch aussehen, durch die Stadt zu jagen, dann ist das nicht „einfach“, dann ist das um Himmels Willen nicht „normal“ und es ist, drecksverfluchte Scheiße nochmal, sicherlich kein Bürgerschutz! Nein, wenn Menschen ausländischer Herkunft durch die Stadt gejagt werden, und das Ganze sicherlich nicht mir dem Ziel, sie freundschaftlich auf ein Getränk einzuladen, dann hat das Züge eines Pogroms!

Hach, es gibt in diesem Zusammenhang so vieles, über das ich mich noch aufregen könnte:

Wenn ein Innenminister vier (?) Tage braucht, um endlich am Ort des Geschehens aufzutauchen, um dann dazu aufzufordern, sich deutlich von Rechtsextremen abzugrenzen, dann ist das fast Realsatire. Der bayrische Innenminister Hermann hat gestern fünf Stunden gebraucht, um am Ort des Großbrandes in einer Raffinerie aufzutauchen. Und wer weiß, wie meine Meinung zur CSU sonst so ist, wird begreifen, wie verzweifelt ich sein muss, wenn ich einen CSUler als positives Beispiel heranziehe.

Wenn bei den segenswerterweise mittlerweile stattfindenen Gegendemos konsequent weniger Teilnehmer anwesend sind, als bei dem wütenden Mob, dann macht mich das traurig.

Wenn es offensichtlich Mitarbeiter in den Justizbehörden Sachsens gibt, die es mit den Grundsätzen des Rechtsstaates – ha, Rechtsstaat bekommt gerade eine völlig neue Bedeutung – nicht ganz so genau nehmen, läuft es mir kalt den Rücken runter.

Wenn ich mit ansehen muss, wie diese „besorgten Bürger“ fleißig Deutschlandfahnen mit zu ihren Kundgebungen nehmen, weil sie annehmen, sie seien „das Volk“, dann macht mich das wütend.

Wenn weder unser Bundesinnenminister noch unser Bundesjustizminister am Orte des Geschehens aufschlagen, dann macht mich das fassunglos. Geschickt hat man stattdessen, bei allem Respekt, die Bundesfamilienministerin Giffey. Wenigstens hat man auf gemeinschaftliches „Kumbaya“-Singen verzichtet.

Wenn die „besorgten Bürger“ für sich in Anspruch nehmen, man müsse ihre gefühlte Realität und ihre gefühlten Ängste ernst nehmen, dann bringt mich das zum Lachen. Wenn ich in einer gefühlten Realität lebe, wäre aus meiner Sicht eher der Besuch eines Facharztes angebracht.

Wenn eine neue Umfrage vor drei Tagen zu dem Ergebnis kommt, dass die AfD, wären jetzt in Sachsen Wahlen, was glücklicherweise erst in einem Jahr der Fall sein und in der Folge wohl zur ersten AfD-Regierungsverantwortung in Deutschland führen wird, auf ganze 25 % käme, dann halte ich es mit Volker Kauder, der gesagt hat, die AfD-Wähler müssten sich schon fragen lassen: „Schämen Sie sich nicht, einer solchen Partei die Stimme zu geben?“

Aber hey, liebe AfD-Wähler, also ihr Rechtsradikale und Nazis, denn mit Eurer Stimme für die AfD seid ihr mindestens das Eine, vielleicht aber sogar das Andere, ihr braucht euch gar nicht zu schämen. Ich tue das für euch!

2.) Was ist Deine größte Sünde?

Ach, was bedeutet schon Sünde? Das kommt doch immer auf die Betrachtungsweise an. Aber wäre ich katholisch, was ich nicht bin, und würde ich gelegentlich zur Beichte gehen, müsste ich dort wohl regelmäßig erwähnen, dass ich bei Fußballübertragungen vor dem Fernseher regelmäßig mit dem lauten Zuruf: „Hau ihn um!“ einen beliebigen Spieler dazu auffordere, einen Bayern-Spieler umzukloppen… So etwas macht man nicht! Wobei: Augen auf bei der Vereinswahl! ;-)

3.) Was ist Dein größter Erfolg?

Ach, da bin ich mal ganz bescheiden und sage: Das sollen Andere beurteilen!

4.) Die Wahl der Qual: Zu kleine Schuhe die drücken oder zu große Hosen die rutschen?

Schmerzen an den Füßen ertrage ich erstaunlich gut, sehe in „baggy trousers“ aber wohl noch bescheuerter aus als in kurzen Hosen, deshalb nehme ich die zu kleinen Schuhe.

 

Nun verabschiede ich mich in den Restsonntag.

Gehabt euch wohl.

12 Kommentare zu „Die nachfolgenden Freitagsfragen #58 verschoben sich um etwa zwei Tage

  1. Ich schäme mich mit dir.
    Das ist wirklich richtig übel. Ich bin so wütend, dass ich kaum in der Lage bin es in verständlichen Worten auszudrücken, wie viel Wut in mir brodelt und wie schwachsinnig ich diese Menschen finde.
    Und dann soll man die auch noch ernst nehmen. Sich die Probleme anhören und darauf eingehen. Ich denke die haben nur ein Problem, dass sie ihren Kopf wahrscheinlich nur haben, damit ein Friseur Arbeit hat. Ich fürchte auch, dass da nix drin ist, was Schmerzen verursachen könnte … okay, ich echauffiere mich und hör jetzt besser auf, will dir ja nicht deinen Urlaub versauen.
    Genieße die Zeit und sehe den Pflanzen beim wachsen zu.

    Gefällt 3 Personen

    1. Ob das aus Sachsen, Hamburg oder dem Saarland kommt, ist mir auch völlig wurscht und es ist mir ebenfalls egal, dass sich die ostdeutschen Bundesländer in den einschlägigen Statistiken dennoch hervortun. Mir geht es darum, wie man damit, mit dem ganzen Problem und mit den Menschen an sich, umgehen soll. Irgendwie bin ich mit meinem Latein am Ende!

      Gefällt 2 Personen

        1. Das sehe ich etwas anders. Wenn auffällig ist, dass das eigentliche Problem in bestimmten Regionen besonders häufig auftritt, muss man das auch benennen, eben weil eine solche Information auch zur Ursachenforschung und letztendlich Problemlösung wichtig ist.

          Gefällt 1 Person

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