Freitagsfragen #55

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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

na, war das mal eine beschissene Woche bis jetzt, oder was!? Also, für mich, bei Euch kann ich das nicht beurteilen. Ich für meinen Teil kränkele seit einigen Tagen ein wenig, habe in den letzten Nächten zum Gotterbarmen schlecht geschlafen und wenn überhaupt, dann quälte mich mein im freien Fall befindliches Hirn mit Albträumen. Insbesondere letztere habe ich ja gerne mal.

Dementsprechend habe ich bei einem Blick in den Spiegel heute morgen auch konstatieren müssen, dass ich aussehe, wie nach einem mehrwöchigen Aufenthalt im Hotel Guantanamo. Nach diesem Schrecken schaltete ich dann kurz, um die Nachrichten zu sehen, den Fernseher ein und wurde nichtsahnend mit einem debilen „Nimm 2“-Werbespot und dem völlig bescheuerten Liedtext „Das macht Plopp, das macht macht Plopp, ja, das macht Plopp-Plopp-Plopp“ gefoltert, was in mir den Wunsch auslöste, den Fernseher in seine kleinsten Bestandteile zu zerlegen. Wahlweise auch die Werbeschaffenden. Ich bin augenscheinlich etwas dünnhäutig heute, man könnte auch sagen, ich bestehe nur aus Zündschnur.

Dazu passt auch, dass ich die ganze Woche keine einzige Seite gelesen habe, was erfahrungsgemäß ein schlechtes Zeichen ist. Immerhin diesen Umstand gedenke ich nachher zu beseitigen und wenn ich mich dazu zwingen muss. Alles andere ergibt sich dann schon. Ich werde also das Wochenende ab dem heutigen Nachmittag vollständig und unter Ausschluss aller sozialen Kontakte lesend im Garten verbringen und diesen Platz nur für das Allernötigste verlassen, wenn überhaupt.

Wer versucht, mich in dieser Zeit zu erreichen, muss damit rechnen, angesichts dieses Versuchs bei mir auf wenig Gegenliebe zu stoßen, um das mal vorsichtig zu formlieren. Das gilt natürlich ausdrücklich nicht für so etwa eine Handvoll lieber Menschen, die wissen das aber auch.

Sollte ich dann im Laufe des Wochenendes auch mal die eine oder andere Stunde Schlaf bekommen, könnte es sein, dass ich bis Sonntag in den zenbuddhistischen Ruhezustand zurückgefunden habe, der mir eigen ist. Man darf gespannt sein.

Vorher gibt es noch die Freitagsfragen aus dem Brüllmausblog. Fragen und Antworten lauten:

1.) Was verbindest Du mit den 90ern?

Schule und schlechte Musik. Natürlich, in den 90ern gab es auch Bands wie Nirvana, Aerosmith oder Pearl Jam, die – nur mal exemplarisch genannt – die Fahne des guten Musikgeschmacks hochhielten.

Man musste sich in den 90ern aber auch mit „Musik“ von Dr. Alban, Haddaway, Marusha, Wigfield oder Snap! beschallen lassen. Und das war schon ziemlich nervig. Insgesamt stelle ich aber fest, dass ich das, was damals so im Radio lief, weniger ätzend fand als das, was dort heute läuft. Klar, „heavy rotation“ gab es damals auch schon. Trotzdem konnte es damals passieren, dass morgens mein Radiowecker ansprang und recht erträgliche Musik spielte, was schon mal den Effekt hatte, dass ich wieder eingeschlafen bin und deswegen fast zu spät zur Schule kam. Um dem entgegenzuwirken, habe ich den genialen Plan ersonnen, meinen Radiowecker auf den Sender „NDR 1 – Radio Niedersachsen“ umzustellen, der – vorzugsweise bei der älteren Generation beliebt – damals schon gruseligste deutsche Schlager spielte, irgendwo so zwischen „Mein Freund, der Baum“ und „Zigneunerjunge“. Hm, ist Letzteres eigentlich schon auf dem Index? Jedenfalls, wenn man dann morgens damit geweckt wurde, dass Nana Mouskouri einem ihr „Weiße Rosen aus Athen“ entgegenplärrte, dann MUSSTE man aufstehen, um den Wecker auszumachen, somit war die Gefahr des Wiedereinschlafens gebannt. Ich habe diesen Plan allerdings nach wenigen Wochen aufgegeben, weil er nicht gut für mein Nervenkostüm war …

Und dann war in den 90ern ja noch die Schule. Rückblickend betrachtet waren die Jahre von 95 bis zum meinem Abschluss 98 die besten, die ich hatte. Schon nach dem Abi habe ich damals prophetisch geäußert: „Eigentlich kann es von jetzt an nur schwieriger werden.“ Ich hatte recht. ;-)

2.) Welche Staatsform wäre die beste, falls die deutsche Demokratie zerbrechen würde?

Wenn man sieht, welche unverändert hohen Umfragewerte die AfD hat, könnte man glauben, dass die Leute die Demokratie gar nicht wollen. 17 %, nach Umfragen von INSA oder auch Infratest dimap von vor ein paar Tagen. Ich sehe so etwas ja mit Erstaunen und Unwohlsein, auch weil ich es halt einfach nicht begreife.

Als in Rostock-Lichtenhagen 1992 – ha, das hätte ich auch unter Frage 1 schreiben können – Molotowcocktails auf ein von Vietnamesen bewohntes Wohnheim flogen, während bis zu 3.000 Zuschauer teils applaudiert haben,  im Deutschland-Trikot den Hitler-Gruß zeigten und die Arbeiten der Rettungskräfte behinderten, da war ich 15 und mein idealisiertes, jugendliches Weltbild löste sich im Rauch des Sonnenblumenhauses auf. Ich konnte damals schon nicht begreifen, wie man so dumm sein kann. Wie dumm man sein muss, um wirklich auch gar nichts aus der Geschichte gelernt zu haben.

So etwa 23 Jahre später flogen wieder Brandsätze auf Flüchtlingsunterkünfte und statt sich angesichts dieser Taten kollektiv zu schämen, haben 17 % der Wähler nichts anderes zu tun, als durch die Abgabe ihrer Stimme zu signalisieren, dass solcher Fremdenhass wieder gesellschaftsfähig geworden ist? Unfassbar eigentlich!

Egal, ob die AfD eine Anfrage an die Bundesregierung stellt, die einen Zusammenhang zwischen Flüchtlingen und Behinderungen impliziert, ob Frau von Stroch mal wieder „von der Maus abgerutscht“ ist oder Herr Gauland in einem Anfall geistiger Umnachtung  das wahrlich dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte als „Vogelschiss“ bezeichnet: Solche Leute kann doch niemand wählen, der bei klarem Verstand ist!

Aber je nun, die Leute tun es halt. Vielleicht, weil die Menschen die Demokratie für eine Art Grundrecht halten. Das ist sie nicht. Und wenn sich die jetztige Entwicklung so fortsetzt, wird sie möglicherweise irgendwann mal Geschichte sein. Ich tippe ja darauf, dass das Ganze mit einer Regierungskoalition zwischen CSU und AfD in Bayern seinen Anfang nimmt, vielleicht noch nicht im Oktober, aber dann halt in ein paar Jahren.

Ob es dann ohne die Demokratie besser wird, das wage ich arg zu bezweifeln. Klar, eine Monarchie unter meiner Führung würde das Land deutlich nach vorne bringen, ob es aber dazu kommt …

Ich persönlich hoffe, dass die Menschen hier die Demokratie nicht zu Grabe tragen. Denn eine bessere Staatsform gibt es meines Erachtens nicht.

3.) Was war Dein liebstes Schulfach und warum?

Geschichte, Deutsch und Sozialkunde, in dieser Reihenfolge. Geschichte, weil mich historische Zusammenhänge schon immer interessiert haben und Geschichte auch immer so ein bisschen Eskapismus bedeutet, wenn man sich intensiv mit der Zeit von früher beschäftigt.

Deutsch mochte ich immer schon gerne, aber erst in der Oberstufe wurde es zu einem meiner Lieblingsfächer. Was zum Einen am Kursleiter zum Anderen an den gelesenen Büchern lag. Gut, wir mussten uns auch mit den Kommunikationstheorien von Friedemann Schulz von Thun und dem Buch „Nachdenken über Christa T.“ von Christa Wolf befassen und heutige Schülergenerationen würden wohl gegen beides vor Gericht klagen, aber wir durften eben auch Süßkinds „Das Parfüm“ lesen, uns mit Wedekinds „Frühlingserwachen“ befassen, in das eine Mitschülerin einen großartigen Kommentar als Gedächtnisstütze für die Klausur schrieb, den ich hier aber unmöglich wiedergeben kann, und wie betrauerten „Die Leiden des jungen Werther“, auch wenn es Menschen geben soll, die mit Letzterem nicht viel anfangen können, eine Einstellung, der ich absolutes Unverständnis entgegenbringe.

Und Sozialkunde mochte ich, weil ich bei der Lehrerin in der Oberstufe am meisten fürs Leben gelernt habe. Sie soll zwar mal gerüchtemäßig einem anderen Kurs die Worte: „Ich finde Euch alle zum Kotzen!“ entgegengezischt haben, aber ich persönlich konnte mich nicht beklagen. ;-)

4.) Die Wahl der Qual: Das Abendessen mit Freunden ungenießbar verkochen oder mit Fremden gezwungen sein etwas zu essen, das Dir nicht schmeckt?

Dann verkoche ich doch lieber das Abendessen. Warum sollte ich mit Menschen, die ich nicht kenne, etwas essen, das ich nicht mag? Bei einem verkochten Abendessen kann man sich immer noch eine Pizza bestellen.

 

Das war es auch schon wieder!

ich wünsche allseits einen guten Start in ein schönes Wochenende, bei dem ich, wenn ich mir etwas wünschen dürfte, gerne Temperaturen von maximal 25 Grad hätte, die Hitze macht mich nämlich langsam fertig.

Gehabt euch wohl!

6 Kommentare zu „Freitagsfragen #55

  1. … Gegen den Müll von Helene Fischer ist aber die „Schlager“-Musik von Nana Mouskouri oder Alexandra hohe Kunst. Meine Mutter hat uns immer mit dem Radioprogramm gequält, das „Guten Morgen, Sonnenschein“ dudelte. Aber das ist ja schon ewig her – nämlich in den 70er Jahren. In den 90er Jahren habe ich mich eher mit Gothic, Wave und Rock beschäftigt.

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    1. Gegen Helene Fischer ist jegliche Musik hohe Kunst! ;-) Glücklicherweise scheint aber „Guten Morgen, Sonnenschein“ nicht zu einem frühkindlichen Trauma geführt zu haben. :-)

      Liken

      1. Das frühkindliche Trauma ist auch nur deshalb ausgeblieben, weil wir zum Glück vernünftige Schallplatten im Haushalt hatten. Mein Vater war Swing- und Jazz-Fan. Da gab’s dann öfters auch mal Glenn Miller, Benny Goodman und Louis Armstrong auf die Ohren.

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  2. Das war mal wieder ein Hochgenuss des Lesens. Ist mir immer wieder eine Freude und rettet mir den Tag.
    Dafür habe ich festgestellt, wie verdammt alt ich bin … Ich bin nämlich eigentlich erst Ende dreißig, gefangen im Körper einer Anfang 50-jährigen.

    Gefällt 1 Person

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