„Das Haus des Daedalus“ von Kai Meyer – Meyers bestes Buch!

Buch: „Das Haus des Daedalus“

Autor: Kai Meyer

Verlag: Blitz-Verlag

Ausgabe: Taschenbuch, 502 Seiten; limitiert, 333 Exemplare

Der Autor: Kai Meyer ist ein 1969 in Lübeck geborener Autor. Nach einem Studium – Film, Theater und Philosophie – arbeitete Meyer als Volontär bei einer Tageszeitung und schrieb während dieser Zeit an seinem ersten Buch. „Der Kreuzworträtsel-Mörder“ erschien dann 1993.

Der Durchbruch gelang Meyer im Jahr 1994 mit seinem Roman „Die Geisterseher“ und vor allen Dingen mit „Die Alchimistin“. International erfolgreich war der Autor erstmals mit „Die fließende Königin“, dem ersten Teil der Merle-Trilogie.

Meyers Romane haben mittlerweile Millionen-Auflagen erreicht und erscheinen in über 30 Sprachen.

Der Autor lebt mit seiner Familie am Rande der Eifel.

Das Buch: In Rom führt ein rätselhafter Fund den Kunstdetektiv Jupiter auf die Spur des geheimnisumwitterten Kupferstechers Piranesi. Welche Vorlage hatte der Künstler im 18. Jahrhundert für seine berühmten Carceri-Stiche, düstere Kerkerlandschaften so groß wie Städte? Warum scheinen sich die Gassen der römischen Altstadt seit Tagen in ein Labyrinth zu verwandeln, in dem sich selbst Einheimische verirren?

Grausame Morde und unheimliche Erscheinungen leiten Jupiter und die junge Restauratorin Coralina zum legendären Haus des Daedalus, einem vergessenen Ort tief unter den Fundamenten der Stadt. Verbirgt sich dahinter, wie ein uralter Geheimbund vermutet, die Hölle selbst?  (Quelle: Blitz-Verlag)

Fazit: Es gibt kaum einen Schriftsteller, dem ich so lange die Treue halte, wie Kai Meyer. Gut, da gab es ein paar Jahre, in denen unsere Autor-Leser-Beziehung größtenteils auf Eis lag. Ausgehend von der „Merle“-Trilogie, bei der ich es wenigstens noch mit dem ersten Band versucht habe, über die „Die Wellenläufer“, „Das Wolkenvolk“ und „Die Sturmkönige“, bei all denen ich es dann schon nicht mehr mit dem ersten Band versucht habe, schrieb Meyer plötzlich größtenteils Trilogien, die sich – so mein Eindruck – an eine eher jüngere Leserschaft richteten.

In dieser Zeit waren lediglich „Das Buch von Eden“ sowie „Herrin der Lüge“ so etwas wie Hoffnungsschimmer darauf, dass Meyer sich irgendwann wieder von seiner Trilogietis befreien könnte. Bei der Hoffnung ist es jedoch bis heute geblieben. Seit ein paar Jahren, so etwa seit 2014 verfolge ich allerdings wieder genauer, was der Autor so tut und habe die meisten seiner seither erschienen Bücher gelesen.

Im Vergleich zu seinen neueren Büchern, muss ich aber zugeben – ich bitte inständig um Verzeihung, Herr Meyer -, dass mir seine alten Bücher, beispielsweise die „Alchimistin“-Reihe, wesentlich besser gefallen. Das ist ja auch gar nicht schlimm, schließlich gilt das auch für „Bon Jovi“ oder „Die Ärzte“- :-)

Und so wird es nicht verwundern, dass ich vor einigen Monaten – ich erwähnte es seinerzeit nur so ganz nebenbei in einem, ähm, extra deswegen verfassten Beitrag – geradezu in Verzückung geriet, als ich auf eine limitierte und signierte Neuauflage von Kai Meyers „Das Haus des Daedalus“, erstmals erschienen im Jahr 2000, aufmerksam wurde. Flugs wurde in einer Art Übersprungshandlung ohne genaueres Nachdenken ein Exemplar geordert. Es wurde dann die Nummer 52, das sei nur der Chronistenpflicht halber erwähnt.

Und die erneute Lektüre dieses Buches brachte eine Reihe Erkenntnisse.

Zum Einen sei in diesem Zusammenhang auf die Geschichte des Buches verwiesen, die Meyer in einem Vorwort nochmals näher beschreibt. Das Buch erschien 2000 unter dem erwähnten Titel, die Verkaufszahlen sollen recht gut gewesen sein, es sollte aber dann im Jahr 2004 aus dem Sortiment genommen werden, weil eben jene Verkaufszahlen im Sinken begriffen waren.

Meyer wies den Verlag darauf hin, dass sein Buch durchaus Parallelen zu denen des damals frisch gehypten Dan Brown aufweise und ob man angesichts des Hypes um den amerikanischen Schriftsteller das Buch wirklich aus dem Angebot streichen wolle. Der Verlag entschied sich für eine Neuauflage, und zwar unter dem hanebüchenen, völlig bescheuerten, einfallslosen Titel „Die Vatikan-Verschwörung“.

Ich erinnere mich, seinerzeit in der Buchhandlung meines Vertrauens auf „Die Vatikan-Verschwörung“ gestoßen zu sein und gedacht zu haben: „Oh, sieh mal an, ein neuer Kai Meyer!“ Erst beim Lesen des Klappentextes fiel mir auf, dass ich dieses Buch – bis heute mein Lieblingsbuch von Meyer – schon kannte. Angesichts des Sakrilegs (man beachte den Wortwitz, der sich aus dem Kontext ergibt!), dieses Buch unter besagtem bescheuerten Titel erneut zu veröffentlichen, bekam ich spontan Schnappatmung.

Jetzt, fast 15 Jahre später, weiß ich durch Meyers Vorwort zwei Dinge: Erstens hat sich der Autor gegen diesen Titel „mit Händen und Füßen gewehrt“ und zweitens verkaufte sich das Buch unter seinem neuen Titel innerhalb von vier Wochen besser als in den gesamten fünf Jahren zuvor. Ersteres gibt mir zwar meinen Seelenfrieden wieder, wirft aber die Frage nach dem Mitspracherecht eines Autors am eigenen Werk auf, Letzteres sagt – man verzeihe mir diese Hochnäsigkeit – mehr über die deutsche Leserschaft aus, als tausend Worte.

Kommen wir nach dieser eher ausufernden Einleitung nun aber endlich zu „Das Haus des Daedalus“.

Beginnend mit den Charakteren muss man sagen, dass das ein Bereich ist, in dem sich Meyer meines Erachtens im Laufe der Zeit deutlich verbessert hat. Wenn ich die Charaktere dieses Buches beispielsweise vergleiche mit denen aus „Die Spur der Bücher“, dann sind Letztere wirklich besser gelungen.

Zwar können die Protagonisten des Buches, der Kunst-Detektiv Jupiter und die junge Kunsthistorikerin und Restauratorin Coralina durchaus überzeugen, man mag sie und es gelingt mir als Leser eine gewisse Beziehung zu ihnen aufzubauen. Dennoch wirken sie vergleichsweise eindimensional. Dazu trägt wohl auch Jupiters dauernde Erwähnung seiner Ex-Freundin bei. Gut, selbige hat ihn nicht nur verlassen, sondern auch seine Kundenkartei und andere Unterlagen mitgehen lassen, da mag es nicht verwundern, wenn sich Jupiter gedanklich häufig mit ihr beschäftigt. Und dennoch …

Besonders überzeugend fand ich dagegen, und das findet man selten, die unter der Rubrik „Bösewicht“ einzuordnenden Charaktere. Dazu kann ich nur leider naturgemäß nichts verraten.

Die Figuren waren allerdings für mich noch nie ein Grund, ein Buch von Kai Meyer zu lesen. Der Autor hat seine Stärken meiner Meinung nach in anderen Bereichen. Sein Stil ist sehr eingängig, man – man verzeihe mir dieses Phrase, aber hier stimmt sie – fliegt nur so duch die Seiten, die Dialoge können überzeugen, und Meyer verbreitet erneut eine ganz besondere Atmosphäre.

Gerade diese Atmosphäre ist es, die mich damals wie heute an diesem Buch begeistert. Beispielsweise gibt es im Buch Szenen, in denen eine Gruppe von Mönchen eine Treppe hinabsteigt und das mittels einer Schwarz-Weiß-Kamera aufzeichnet. Eine laaaange Treppe. Das klingt unspektakulär, auch wenn während dieses Hinabsteigens natürlich Dinge passieren, die ich nicht erwähnen will, aber dennoch liegt so viel Grusel in den Bildern, die mein inneres Auge so gebildet hat, dass diese Passage zu meinen Highlights des Buches zählt. Ich erinnere mich, damals wenige Tage vor der erstmaligen Lektüre des Buches „Blair Witch Project“ gesehen zu haben – nebenbei bemerkt einer von ungefähr drei Filmen, nach denen ich wirklich schlecht geschlafen habe -, was den Eindruck der genannten Szenen damals wohl nicht verstärkt hat, aber sie wirken eben auch heute noch.

Die Atmosphäre zieht sich durch die gesamte Handlung des Buches, welche durchgehend spannend, tempo- und wendungsreich sowie, aus meiner Sicht, erfreulich unvorhersehbar ist.

Kurz gesagt, ich bleibe dabei: „Das Haus des Daedalus“ ist und bleibt Meyers bestes Buch. Unbedingt lesen!

Ich kann übrigens auch nur empfehlen, sich mal Piranesis“Carceri-Stiche“ anzusehen. Bedrückende Bilder, dennoch hübsch, ein bisschen wie M.C. Escher, nur in schön. Vielleicht sollte man das aber, wie ich, erst nach der Lektüre tun, um die Bilder des inneren Auges mit den tatsächlichen abzugleichen.

Wertung:

Handlung: 10 von 10 Punkten

Stil: 9,5 von 10 Punkten

Charaktere: 8 von 10 Punkten

Atmosphäre: 10 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 9,375 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Vor dem Fall“ von Noah Hawley.

3 Kommentare zu „„Das Haus des Daedalus“ von Kai Meyer – Meyers bestes Buch!

    1. Braves Mädchen, ähm, ich will sagen: Eine weise Entscheidung. :-) Übrigens sind wohl auch noch Exemplare der limitierten Ausgabe erhältlich – ich wollte es nur erwähnt haben …

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