Freitagsfragen #49

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

eigentlich wollte ich heute mal wieder eine Rezension schreiben, als mir plötzlich mit Überraschung und, zugegeben, leichter Freude, auffiel, dass heute ja Freitag ist und mit diesem, wie so häufig, die Freitagsfragen aus dem Brüllmausblog einhergehen. Und diese haben da natürlich Priorität, weswegen ich den geplanten Text auf morgen oder übermorgen verschieben werde, um damit zum wiederholten Male gegen meinen eigenen Grundsatz zu verstoßen, keine Beiträge mehr am Wochenende zu veröffentlichen. Auch wenn ich insgeheim prognostiziere, dass die Leserschaft nach dem vorgestrigen WM-Spiel eben auch am Wochenende wieder sprunghaft ansteigen dürfte. Aber das ist ein anderes Thema, über das ich mich jetzt nicht auslasse, weil ich mich sonst nur wieder aufrege. „Gomez trifft den Ball nicht!“ Ja, danke, Béla Réthy, diese Tatsache, einhergehend mit der unweigerlich in diesem Zusammenhang auftretenden Frage, was besagter Herr Gomez denn so beruflich macht, war für jeden Fußballfan weit und breit ersichtlich …

Kommen wir zu den Fragen und Antworten, diese lauten:

1.) In welche historische Zeit würdest Du gern einmal zurückreisen?

Bei genauerer Betrachtung eigentlich in keine. Und wenn, dann in eine, in der die medizinische Versorgung recht gut ist und wo in der Umgebung nicht gerade geschossen wird.

Erfahrungsgemäß landet man in der Vergangenheit aber entweder irgendwo, wo man bei einer Virusinfektion zur Ader gelassen wird oder einem bei einem Magenleiden dauerhafter Quecksilber-Genuss verschrieben wird oder aber irgenwo, wo gerade der strategisch wichtige Hügel 203 erorbert werden muss.

Sollte ich mich aber nun entscheiden müssen, dann würde ich gerne ins Jahr 1492 an Bord der „Pinta“ zurückreisen. Ich hätte Rodrigo de Triana angeboten, seine Deckswache im Krähennest zu übernehmen (in einem ersten Entwurf dieser Antwort wollte ich de Triana aus dem Ausguck werfen, aber wenn man berücksichtigt, dass Kolumbus ihn angeheuert hat, um ihn vor der Inquisition zu beschützen, wäre das ein arg zynischer Fortlauf seiner Lebensgeschichte, das kann ich ihm nicht antun), und wäre dann so gegen zwei Uhr morgens am 12. Oktober 1492 der Erste gewesen, der der Bahamas angesichtig wurde und demzufolge aus Leibeskräften „Terra“ gerufen hätte.

Über 500 Jahre später würde ich dann feststellen, dass keine Sau meinen Namen kennt und mir unsterblicher Ruhm verwehrt geblieben ist, weil der verschrobene Genuese selbigen vollständig für sich beansprucht. Nur in Triana hätte man eine Straße nach mir benannt und in Sevilla eine Statue aufgestellt. Gut, in meinem Fall hätte man beides wohl eher im Großraum Hannover getan. :-)

2.) Womit hast Du einmal richtig Glück gehabt?

Hm, ich habe mal Ende der 90er bei meiner ersten und einzigen „Oddset“-Wette 50 Mark gewonnen, zählt das?

Ansonsten versuche ich Glück gerade allenfalls als das möglichst dauerhafte Ausbleiben von Pech zu betrachten. Wenn Letzteres doch mal dauerhaft ausbliebe, dann würde mir diese Weltsicht sicherlich früher oder später gelingen.

3.) Selber fahren oder Beifahrer sein?

Selber fahren. Ich fürchte, ich bin ein unheimlich schlechter Beifahrer. Das beginnt damit, dass die Perspektive für mich, seit ich selber fahre, mittlerweile sehr ungewohnt ist und ich immer denke, dass Fahrer XY jetzt doch schon sehr nah an den parkenden Autos vorbeigefahren ist. Im schlimmsten Fall gebe ich dann schon mal ein stetig lauter werdendes „Uääähhh“ von mir, was die Person auf dem Fahrersitz meistens völlig zu Recht irritiert.

Ein weiterer Grund des selber Fahrens: Ich darf schimpfen! Das würde ich als Beifahrer niemals machen, als Fahrer darf ich – zumindest, wenn ich alleine unterwegs bin – meinem Vordermann schon mal Sätze entgegenbrüllen, bei denen das amerikansiche Fernsehen jedes zweite Wort ausgepiept hätte.

Beifahrer bin ich nur dann gerne, wenn die Strecke übermäßig lang ist oder aber, wenn ich die Strecke überhaupt nicht kenne. Gut, heutzutage gibt es Navigationssysteme, aber das Navigationssystem, dass einerseits meinen fürchterlichen Orientierungssinn ausgleicht und das andererseits nicht dauerhaft, so wie der Vordermann, von mir angeschrien wird, das muss erst noch erfunden werden.

4.) Die Wahl der Qual: Bei einer schönen Feier draußen fängt es plötzlich an zu regnen oder eine Geburtstagsfeier mit lauter Unbekannten?

Das kommt drauf an. Ist es meine Feier, bei der es plötzlich regnet? Das fänd ich eher doof. Ist es nicht meine, könnte ich damit leben. Trotzdem würde ich wohl die zweite Alternative wählen, ich habe schon ausgesprochen nette Menschen auf Feiern kennen gelernt, bei denen ich, von Gastgeberin bzw. Gastgeber abgesehen, quasi keine Sau kannte.

 

So viel dazu. Kommt alle gut durch den Freitag und anschließend in ein schönes, sonniges Wochenende!

Gehabt euch wohl!

15 Kommentare zu „Freitagsfragen #49

    1. Ich würde mich sogar dann nicht freiwillig melden, wenn es weniger kompliziert wäre, jede Technik braucht erst mal Zeit zum Ausreifen. ;-) Aber ja, in der Tat ein besonderer Moment, bei dem ich gerne dabei gewesen wäre.

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    1. Danke, das wünsche ich Dir auch. Schön, gelesen zu werden. ;-)

      Und die Statue wäre weit weniger beeindruckend, als Du Dir das vorstellen magst. Eher so eine Art Taubenlatrine, die in Richtung Bahamas deutet. :-)

      Gefällt 2 Personen

  1. Danke für’s Mitmachen! Welch Ehre, dass Du dafür sogar eigene Beiträge verschiebst!

    Hast Du mal Kolumbus‘ Tagebuch gelesen? Sehr interessant das Ganze.

    Zum Glück: es als Ausbleiben von Pech zu definieren finde ich doch irgendwie…so gezwungen. So unzureichend. Man kann ja auch Glück im Unglück haben. Zugegeben, Glück ist ein steter Prozess, eine ständige Arbeit. Ich habe es immer gehasst, wenn das jemand zu mir gesagt hat, aber es ist ja doch wahr. Und es kommt eben sehr auf die Betrachtungsweise an. Man kann alles negativ sehen, was einem geschieht, dann wird man nie wirklich glücklich. Oder man sucht Positives auch in doofen Situationen, scherzt darüber oder was weiß ich.

    Wobei das wohl zu sehr in „Glücklichsein“ rutscht und nicht mehr nur „Glück“ tangiert. Ist aber auch ein bisschen verbandelt, denke ich.

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    1. Sehr gerne, es macht mir immer wieder Spaß!

      Und ja, Kolumbus´ Tagebuch habe ich gelesen, ebenso wie Pigafettas Tagebuch über Magellans Weltumsegelung und das von James Cook usw. usf. Wenn auch alles schon vor etwa 20 Jahren. Ich habe damals alles verschlungen, was irgendwie wie Entdeckungsgeschichte zu tun hatte, das Interesse dafür ist bis heute geblieben. :-)

      Was das Glück angeht, so streben wahnsinnig viele danach, ohne zu merken, dass es vielleicht schon Glück bedeutet, wenn einfach alles nur „normal“ läuft und schlimmere Dinge wie Krankheiten oder ähnliches ausbleiben. Das wollte ich damit gesagt haben. Aber dazu hat wohl jeder seine eigene Einstellung.

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      1. Vielleicht sind die bildlichen Darstellungen der Entdeckungsgeschichte von De Bry ja auch was für Dich? Es gibt auch einen tollen Bildband, „Painting the Conquest“, darin geht es um bildliche Darstellungen mexikanischer Indios im 16. Jahrhundert. Sehr interessant, diese Seite zu betrachten. Daneben empfehle ich die Aufzeichnungen von Hans Staden und Jean de Léry, die aber beide mit Vorsicht zu genießen sind.

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        1. Oh, Anregungen in dieser Hinsicht kann ich immer gebrauchen, vielen lieben Dank. Bildbände sind eher nicht so meines, aber die letzten beiden merke ich mir mal. Wobei ich glaube, Hans Stadens Buch schon gelesen zu haben. Irgendwie sagt mir der Name etwas … Tja, sämtliche Lektüre zu dem Thema ist auch echt lange her. Ein Roman dazu wäre auch mal wieder spannend.

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          1. Zu der Kunst der Indios möchte ich erwähnen, dass darin alles sehr schön erklärt ist, also sind nicht nur Bilder drin. ^^
            Ich werfe einfach mal noch Namen in den Raum, die dazu noch interessant sind: Caminha, Thervet, Montaigne, Cardim. Zum Kannibalismus hat William Arens noch ein Buch geschrieben, The Men-Eating Myth. Das hat meine Dozentin noch empfohlen. Das Thema Europäische Expansion nach Amerika behandeln wir gerade in einem Seminar.

            Hans Staden ist ja quasi wie ein Roman. Nur eben mit einem bisschen Menschenfresserei. ^^

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          2. Hui, das Seminar hätte ich genossen, ich schlug mich stattdessen u.a. einerseits mit der Erbschaftsfolge der Bauern in der frühen Neuzeit und der Literatur von Thomas Mann andererseits herum. Beides nicht sonderlich erquickend.

            Ich schaue mir die genannten Namen mal an und danke herzlich für die Tipps. Endlich mal mit Profis arbeiten! ;-)

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