„Mörderhotel“ von Wolfgang Hohlbein –

Buch: „Mörderhotel“

Autor: Wolfgang Hohlbein

Verlag: Bastei Lübbe

Ausgabe: Taschenbuch, 847 Seiten

Der Autor: Wolfgang Hohlbein, am 15. August 1953 in Weimar geboren, lebt mit seiner Frau Heike und seinen sechs Kindern, umgeben von einer Schar Katzen, Hunde und anderer Haustiere, in der Nähe von Neuss. Mitte der fünfziger Jahre kam Hohlbeins Familie in den Westen und schlug ihr Domizil in Krefeld auf. In Krefeld absolvierte Wolfgang Hohlbein seine Schule und später eine Ausbildung zum Industriekaufmann. Zeitweise hielt er sich durch Nebenjobs, wie etwa als Nachtwächter, über Wasser.

Laut einer Aufstellung in Focus (Nr. 40, November 2006) liegt die Gesamtauflage von Wolfgang Hohlbein bei 35 Millionen Exemplaren. Er ist damit „einer der erfolgreichsten deutschen Autoren der Gegenwart“. Der Wegbereiter neuer deutscher Phantastik und Fantasy wurde bislang in 34 Sprachen übersetzt. Er hat bereits 160 Romane verfasst, den überwiegenden Teil alleine, etliche Kinder- und Jugendbücher gemeinsam mit seiner Frau Heike und einige wenige Erwachsenenromane mit Co-Autoren.

Zahlreiche Preise und Auszeichnungen hat Wolfgang Hohlbein erhalten. Vom „Preis der Leseratten“ 1983 bis zum „Bester Autor National“ Deutscher Phantastik-Preis 2004, dem „Sondermann-Preis“ auf der Buchmesse 2005 und dem „Nyctalus“ im November 2005.

Inzwischen fördert Hohlbein auf verschiedene Weise selbst Nachwuchstalente.

(Quelle: Bastei Lübbe)

Das Buch: Chicago, 1893. Die neunzehnte Weltausstellung öffnet ihre Tore. Millionen Besucher strömen in die Stadt und suchen ein Hotel. Herman Webster Mudgett besitzt ein solches. Es ist eines der erstaunlichsten Häuser am Platz: Es hat Falltüren, verborgene Räume, Geheimgänge, einen Foltertisch, ein Säurebad und eine Gaskammer. Viele Menschen gingen in dieses Hotel. Nur wenige verließen es wieder. Zumindest lebend …

(Quelle: Bastei Lübbe)

Fazit: Nach über zwei Monaten ohne Rezension wird es Zeit, dass mein Blog mal zu seinem „Kerngeschäft“ zurückkehrt. Einmal, weil ich wieder viel Lust dazu habe und zum Zweiten, weil mein Hang zur Benutzung von Post-Its genau so begrenzt ist, wie meine Gedächtniskapazität und bevor etwas in Vergessenheit herät, sollte man es lieber aufschreiben.

Kommen wir also zu Hohlbeins „Mörderhotel“.

Ich habe ja – irgendwann erwähnte ich das bereits – einen gewissen Hang zum „True Crime“-Genre. Wann immer ich also, Filme, Serien oder Dokumentationen sehe, die reale Verbrechen zum Inhalt haben, interessiert mich das. Das kann man übrigens gerne spleenig finden, weil es das ist. Und so sah ich, irgendwann vor ein paar Jahren, eine Dokumentation über Herman Webster Mudgett, dem Mann, der sein Hotel zur Zeit der Weltausstellung 1893 zu einer wahren Todesfalle ausgebaut hat. Entsprechend begeistert war ich, als mir dieses Thema in Buchform in Hohlbeins „Mörderhotel“ begegnete.

Hohlbein teilt seine Handlung in Kapitel auf, die sich unregelmäßig abwechselnd mit Herman Webster Mudgetts Vergangenheit bis zum 1893 einerseits beschäftigen und andererseits mit den aktuellen Geschehnissen des Jahres 1893 in dem die junge Arlis Christen in Chicago ankommt, die nach ihrer Schwester sucht, welche für Mudgett gearbeitet haben soll und von der Arlis schon länger kein Lebenszeichen mehr bekommen hat. Zusammen mit Mudgetts Freund Henry Howard Holmes sowie dem Versicherungsdetektiv Geyer versucht sie, die Spur ihrer Schwester aufzunehmen.

Während der Lektüre fiel mir wieder einmal das auf, was mir eigentlich immer auffällt, wenn ich Hohlbein lese, nämlich dass er wohl nicht mehr der größte Stilist auf Gottes weiter Erde werden wird. Aber er schreibt so, dass man als Leser an keiner Stelle vor Problemen steht, man Sätze nicht wiederholt lesen muss, um deren Bedeutung zu erfassen. Und das finde ich völlig in Ordnung so, wären verschachtelte Sätze bis zur Unkenntlichkeit der Satzbedeutung und geschliffenste, hochgestochene Formulierungen für das Genre, in dem Hohlbein sich umtut, doch eigentlich auch völlig fehl am Platze. Und nein, damit habe ich nichts gegen das Genre gesagt. Vom stilistischen Standpunkt her, geht „Mörderhotel“ also vollstens in Ordnung.

Auch die Charaktere haben es mir angetan. Ich beschwere mich ja häufiger über die „Bösen“ in Büchern, habe hier aber recht wenig Grund dazu. Zwar erfindet der Autor mit seinem Mudgett das Schurken-Rad auch nicht neu, aber dadurch, dass er ihm in zahlreichen Rückblenden ein Gesicht, eine detaillierte Geschichte gibt, hebt sich Mudgett doch vom sonstigen Einheitsbrei ab.

Auch der Versicherungsdetektiv Geyer kann bei mir punkten. Irgendwie wirkt er auf mich wie eine Mischung aus Columbo und Hercule Poirot, aber das wird ein sehr subjektiver und exklusiver Eindruck sein, den ich da habe. :-)

Auch an Arlis – obwohl ich sie etwas zickig fand – und Peitzel, Mudgetts Assistenten, habe ich wenig zu kritisieren.

Die Handlung hat Hohlbein gut konstruiert und zusammengefügt. Manche Szenen in der Gegenwart erhalten erst durch – teilweise viel später – eingestreute Rückblenden ihre genaue Bedeutung oder ihren genauen Sinn bzw. verdeutlichen den Hergang der Ereignisse. Dadurch hat der Leser (generisches Maskulinum) häufig Aha-Erlebnisse, die die Lektüre deutlich unterhaltsamer machen.

Letztlich bleibt ein spannendes Buch, dass sich trotz seines Umfangs recht schnell lesen lässt und über (fast) die volle Distanz gut unterhalten kann. Fast. Denn da sind wir schon bei einem von nur zwei Kritikpunkten, die ich anzubringen habe: „Mörderhotel“ ist einfach zu lang. Und ich hätte nicht gedacht, dass ich so etwas mal über ein Buch sage. Aber es enthält Szenen, die dem Buch bzw. dem Handlungsrahmen möglicherweise mehr Tiefe, mehr Farbe verleihen sollten, beispielsweise im „Ferris wheel“. Allerdings tragen die, in einem ansonsten recht handlungsgetriebenen Buch, kaum zur Geschichte bei. Man hätte sie also entweder deutlich kürzen, wahlweise aber auch in Einzelfällen einfach ganz weglassen können, ohne dass ich das Gefühl bekommen hätte, dass da jetzt etwas fehlt.

Der zweite Kritikpunkt betrifft die Tatsache, dass man am besten ohne Vorkenntnisse der historischen Begebenheiten an dieses Buch herangeht, denn wenn man sich mit der Thematik auskennt, dann funktioniert die eine große Überraschung des Buches nicht, der große Plottwist ist also für die Katz. Robert Harris bespielsweise schaffte es seinerzeit mit „Intrige“, einen Roman zu schreiben, der auch dann spannend blieb, wenn man sich mit der Thematik auskannte. Hohlbein schafft das nur bedingt. Gern gelesen habe ich „Mörderhotel“ allerdings trotzdem.

Da wir in sensiblen Zeiten leben, möchte ich abschließend aber noch erwähnen, dass man dieses Buch lieber an sich vorbeiziehen lässt, wenn man Probleme mit expliziter Gewaltdarstellung – abgeschnittene Gliedmaßen, gekochte Leichen und ähnliche Späße – hat. In dem Fall sollte man aber generell vom Werk Wolfgang Hohlbeins Abstand nehmen.

Wertung:

Handlung: 8 von 10 Punkten

Charaktere: 8,5 von 10 Punkten

Stil: 8,5 von 10 Punkten

Spannung: 8,5 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 8,375 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Risiko“ von Steffen Kopetzky.

6 Kommentare zu „„Mörderhotel“ von Wolfgang Hohlbein –

  1. Ic h habe eine Zeitlang auch sehr gerne Hohlbein gelesen, irgendwann hat es mich nicht mehr gepackt. In guter Erinnerung blieb mir „Das Druidentor“, vor allem, da ich die Gegend, in der das spielt gut kenne. Daher war ich auf diese Rezension sehr gespannt. Ob ich gekochte Leichen brauche? Wer braucht die schon?! Aber ich denke drüber nach….

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    1. Ich lese ihn auch seltener als früher. An „Das Druidentor“ kann ich mich aber auch noch gut erinnern. Falls Du Dir dieses Buch hier gönnst, bin ich auf Deine Meinung gespannt … ;-)

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  2. Irgendwie kommt mir das bekannt vor. Aber da gab es glaube ich unten eine Höhle wo verwahrlose Menschen lebten, die glaube ich andere Menschen gegessen haben. Da haben vielleicht zwei Autoren das Thema ähnlich angepackt.
    LG Kenia

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  3. Ich fand die Story bzw. Die Dokumentation die ich darüber gesehen habe so verstörend, dass ich es nicht unbedingt als Buch lesen wollen würde. Aber interessant, dass hohlbein auch über so was schreibt. Meine leseleidenschaft hat mit seinen jugendbüchern begonnen, als ich 11 war😅aber ehrlich gesagt bin ich an andere Bücher von ihm nie so recht rangekommen. Und irgendwann hab ich begriffen, dass ich ihn als eher mittelmäßigen Autor begreife. 🤔

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    1. Ich fand die Doku sp verstörend, dass ich es unbedingt lesen musste. ;-)

      Ich kann Deine Klassifizierung als „mittelmäßiger Autor“ durchaus nachvollziehen, denn es gab genug Bücher von Hohlbein, mit denen ich so meine Probleme hatte. Andererseits gibt es dann Highlights wie „Die Chronik der Unsterblichen“, die die problematischen Bücher mehr als ausgleichen. :-)

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      1. Ich hatte irgendwann man 3 hintereneinander, die ich grottig fand und letztlich auch nicht mehr zu Ende gelesen habe. Daraufhin hab ich mir keine Bücher mehr von ihm geholt. Macht aber nix. In meinem Regal stehen ca. 25 Stück von ihm. Die darf dann irgendwann mein Sohn lesen, der hoffentlich meine leseleidenschaft geerbt hat😄😇

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