Freitagsfragen # 46

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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

na, habe ich gesagt, dass ganz, ganz schnell Freitag sein wird? Habe ich es gesagt? Und schon ist er da!

Wer nicht mehr da ist – also „da“ sind sie schon noch, Personenpermanenz und so, aber hier vor Ort sind sie nicht mehr -, das sind die Westfalen. Und der Wasserhahn funktioniert auch wieder mit einer zufriedenstellenden Temperatur. Außerdem ist in wenigen Stunden Wochenende, das ich damit einläuten werde, mir „Slade House“ von David Mitchell aus der Buchhandlung meines Vertrauens abzuholen, sofern die überaktiven Straßenbauplaner dieser Stadt es irgendwie zulassen, einen Parkplatz in angemessener Entfernung zu besagter Buchhandlung zu bekommen. Man wird sehen.

Alles das ist Grund genug, mich nun in relativer Freitagsentspannung der neuen Ausgabe der Freitagsfragen im Brüllmausblog zu widmen. Übrigens, wie oben zu sehen ist, mit neuem Logo! Ich mochte das alte Logo, aber Veränderungen sollen von Zeit zu Zeit ja gut sein und auch „Malibu Stacy“ brauchte schließlich irgendwann einen neuen Hut.

Die aktuellen Fragen und Antworten lauten:

1.) Was ist etwas, das Du an anderen Generationen nicht verstehst oder nachvollziehen kannst?

Sollte ich ältere Generationen kritisieren, könnte mir das als Respektlosigkeit ausgelegt werden, bei Kritik an der jüngeren Generation könnte man mir unterstellen, dass ich der Meinung unterliege, dass früher alles besser gewesen sei. Beides stimmt nicht, so viel kann ich vorweg sagen.

Was die ältere Generation angeht, so habe ich da weniger zu kritisieren, als ich eigentlich dachte. Eigentlich wollte ich auf die Artikel von vor etwa einem Monat verweisen, nach denen die Zustimmung junger Europäer zwischen 16 und 26 Jahren so hoch ist wie letztmals – überspitzt gesagt – nach dem Kartoffelkrieg 1778/1779. Der älteren Generation haben wir dagegen den Brexit zu verdanken, 63 % der 65 Jahre alten und älteren Briten haben sich dafür entschieden. Gut, das lag auch daran, dass die Jüngeren gedacht haben: „Wird schon passen, da muss ich nicht hingehen!“ Aber das ist wieder ein anderes Thema.

In Deutschland, so dachte ich, würde der Anteil der AfD-Wähler auch eher im höheren Altersspektrum zu finden sein. Die Statistik spricht aber dagegen, die höchsten Wähleranteile hatte diese, nennen wir sie wohlwollend „Partei“, sogar unter den 35 bis 44 Jahren alten Menschen, also quasi „meiner“ Generation. Ich nehme das mit Verwunderung zur Kenntnis, kann bezüglich „meiner“ Generation aber nur sagen: Ich war es nicht!

Auch bei diesen „besorgten Bürgern“ der Pegida-Aufmärsche, so dachte ich, hätte ich in erster Linie ältere Menschen erblickt. Und in der Tat gibt es eine Studie aus dem Jahr 2016, wonach über die Hälfte der Pegida-Anhänger 56 Jahre alt und älter sein soll. Der Haken dabei: Die Studie ist nicht repräsentativ. Also lässt sich mein Eindruck wieder nicht verifizieren.

Was sich aber verifizieren lässt, ist, dass der Anteil der konservativen Wählerschaft von CDU/CSU mit zunehmendem Alter ansteigt. Aber dafür kann ich ja niemanden kritisieren, das muss jeder selbst wissen, vielleicht denke ich in 25 Jahren ähnlich und wähle auch die …, nein, warte, ich kann es doch ausschließen! :-)

Kurz: Mal eben googeln kann den persönlichen Eindruck revidieren, womit mir eigentlich nur bleibt, dass ich der älteren (britischen) Generation den Brexit in die Schuhe schieben kann. „Unserer“ älteren Generation kann ich so ziemlich gar nichts in die Schuhe schieben. Ich bin desillusioniert.

Bezüglich der jüngeren Generation gibt es natürlich auch das Eine oder Andere, was ich nicht nachvollziehen kann:

Sie geht, nach meinem Eindruck, wenn es gegen etwas, was sie betrifft, zu protestieren gilt, kaum noch auf die Straße. Und wenn doch, dann macht sie Hamburg kaputt, was ich nicht mal im weitesten Sinne als Protest verstanden wissen möchte.

Über den Umgang mit Sprache, insbesondere im Internet, lohnt es sich wohl kaum noch, zu lamentieren, aber wenn ich Dinge lese wie – sinngemäß – „was wilstn du alda hier is das internet hier daaf jeder schreiben wiea will“, dann möchte ich reflexartig entgegenbrüllen: „Verflucht, nein! Orthografie und Interpunktion gelten auch im Internet!“ Ich vermute allerdings, dass es sich bei diesen Sprachmisshandlern um Einzelfälle handelt. Viele Einzelfälle. Viele, viele Einzelfälle. Aber eben Einzelfälle. Vermute ich.

Was mich aber am meisten besorgt, ist, dass es in meiner Wahrnehmung den Anschein hat, als würde man meiner Nachfolgegeneration und noch jüngeren Vertretern mit Vehemenz jegliche Eigenverantwortung abtrainieren. Das wiederum ist aber eben ein Problem der zugehörigen Elterngeneration, also im weiteren Sinne meiner eigenen. Klar sollte niemand seinem Kind sagen: „Nein, Ben, Du kannst nicht Präsident werden, Du bist zu blöd dafür!“ und kein Vater wird beim Elternsprechtag sagen: „Mein Sohn ist nicht faul – der ist nur dumm!“ Aber es kann eben auch nicht jeder eine hochbegabte „special snowflake“ sein. Wenn man das aber von seinem Kind annimmt, unterliegt selbiges einem (Leistungs-)Druck, dem es kaum gerecht werden kann. Und wenn es dann in der Schule leitungsmäßig auf die Schnauze fällt, was ist dann? Dann müssen Andere daran schuld sein, vorzugsweise Lehrer und Innen. Was macht man dann? Man klagt gegen Schulnoten! Hätte ich das meinen Eltern vorgeschlagen, würden die sich noch heute, über 20 Jahre später, die Lachtränen aus dem Gesicht wischen. In anderen Elternhäusern hätte man – was damals schon genau so indiskutabel war, wie heute und vor zwei Generationen ! – vielleicht noch eine getäfelt gekriegt.

Heute dagegen sind Klagen gegen Schulnoten salonfähig geworden. Was lernt das Kind daraus? Dass andere Menschen für sein eigenes Handeln verantwortlich sind!

Hach ja, ich habe schon öfter, nein, oft darüber geschrieben, werde aber nicht müde, es immer wieder und wieder zu tun. :-)

Hm, als ich so über diese Frage 1.) nachdachte, war mein Gedankenkonstrukt im Kopf irgendwie viel strukturierter als das, was jetzt hier steht. Aber sei es dumm. Dennoch: Spannende Frage!

2.) Reparieren oder neukaufen?

Eindeutig reparieren! Oder besser: reparieren lassen! Meine Einstellung dazu hat einen ganz einfachen Hintergrund, nämlich den finanziellen. So lange sich etwas günstig und mit wenig Aufwand reparieren lässt, warum sollte ich mir etwas Neues kaufen? Ich hatte noch Ewigkeiten einen Röhrenfernseher, als die schon lange nicht mehr produziert worden sind und ich war zufrieden damit.

Was bringen mir vier Kilometer Bildschirmdiagonale, wenn das Programm doch weiterhin das selbe ist? „Die Helene Fischer-Show“ auf Großbildleinwand bleibt eben immer noch „Die Helene Fischer-Show“!

Im Zusammenhang mit dieser Frage fällt mir gerade die sogenannte „Abwrackprämie“ von 2009 ein. Man bekam damals doch tatsächlich Geld, wenn man seinen völlig funktionsfähigen fahrbaren Untersatz verschrottete, um einen neuen zu kaufen. Ökologischer Irrsinn! Das sollte aber u. a. die Schadstoffemissionen senken – 9 Jahre später gibt es die ersten Fahrverbote für Diesel …

Zur Senkung von Schadstoffemissionen hätte ich persönlich eine wirklich waghalsige Idee: Vielleicht sollten sich die Ingenieure der Autohersteller einfach mal hinsetzen und darüber nachdenken, wie sie Motoren herstellen, die auch ohne Software-Beschiss die Grenzwerte einhalten!?

3.) Meer oder Berge?

Eindeutig Meer! Es geht nichts über einen Besuch an der Nordsee, unabhängig vom Wetter. Ich nehme aber auch gerne jedes andere Meer.

4.) Die Wahl der Qual: Jede Woche in eine andere Stadt umziehen müssen oder niemals die Stadt verlassen können, in der Du geboren wurdest?

Das ist diesmal ganz einfach: Ich nehme Letzteres! Ich wohne – von einem kurzen Intermezzo abgesehen – schon mein ganzes Leben hier, bin hier also groß geworden. Wobei… groß…, sagen wir lieber, ich bin hier aufgewachsen. Na ja, gewachsen… sagen wir, ich bin hier älter geworden!

 

So weit, so gut, werte Leserschaft. Ich wünsche allseits einen guten Start in ein hoffentlich schönes Wochenende.

Gehabt euch wohl!

17 Kommentare zu „Freitagsfragen # 46

    1. Vielen Dank! Das selbe wünsche ich Dir auch. Zumindest das Wetter lässt heute keine Wünsche übrig. Gedanklich sitze ich schon mit Buch im Garten. :-)

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    1. Hömma, Alda, dat steht inne Duden! Haste noch keenen verbaut? ;-)

      Als Protest gegen das Dings lasse ich vieles durchgehen, aber nicht die Krawalle von Hamburg. Du haust Deinem Gegenüber doch auch nicht aufs Maul, nur weil Du mit seiner Meinung nicht einverstanden bist. Nehme ich jedenfalls mal an … ;-)

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      1. Ich finde es legitim, Menschen aus sehr viel geringeren Gründen als einer fatal falschen Meinung aufs Maul zu hauen. Ganz unabhängig davon, was ich von der Meinung halte.

        Un Duddn is nisch Polizei, Bro! 😂

        Gefällt 1 Person

  1. Digga ;)
    was erfreue ich mich jedes Mal an deinen Antworten, natürlich nebst vorhandener Orthographie und Interpunktion! Danke dafür! Bezüglich der Generationsfrage: Warum stehen auf Produkten Brätta oder Kex?! Wie soll man denn dann da das Richtige lernen und das auch noch plausibel erklären? „Mama willst du sagen Millionen Margarine Packungen sind falsch beschriftet….?!“
    „Ja, verdammt!!!!“

    Gefällt 2 Personen

    1. Och, vielen lieben Dank! :-)

      Ach, Du liebe Güte, „Kex“ gibt es ja tatsächlich! Ich bin entsetzt! Da kommt man tatsächlich in Erklärungsnöte …

      „Scheues Wildtier mit drei Buchstaben?“ „Fux!“ ;-)

      Gefällt 1 Person

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