„Die Königs-Chroniken – Ein Reif von Bronze“ von Stephan M. Rother – Alles ist mit allem verbunden

Buch: „Die Königs-Chroniken – Ein Reif von Bronze“

Autor: Stephan M. Rother

Verlag: Rowohlt

Ausgabe: Taschenbuch, 351 Seiten

Merke: Es handelt sich um den zweiten Teil einer Reihe, daher können Spoiler enthalten sein, auch wenn ich diese zu vermeiden versuche!

Der Autor: Stephan M. Rother, 1968 in Wittingen geboren, studierte in Göttingen Geschichte, Kunstgeschichte und Philologie. 1997 erfolgte seine Graduierung zum Magister Artium. Seit Mitte der Neunziger trat Rother als „Magister Rother – Deutschlands erster, bester und einziger Standup Historian“ auf den Bühnen Deutschlands auf. Seit dem Jahr 2000 hat sich Rother auf das Schreiben verlegt, seither hat er zahlreiche Romane veröffentlicht, die häufig im Mittelalter spielen. Der Autor lebt, nach eigener Aussage, mit seiner Frau und fünf Katzen „am Rande des Wahnsinns und der Lüneburger Heide“.

Zu den Büchern, die Rother nach eigener Angabe nie gelesen hat, gehören übrigens sämtliche Teile von „Harry Potter“. Die Begründung dafür, die ich euch nicht vorenthalten möchte, gibt er auf seiner Homepage hier.

Das Buch: Die Welt gleicht einem Rad, das aus der Spur geraten ist.
Nach sieben Jahrhunderten hat der Stammesfürst Morwa endlich die Völker des Nordens geeint – und einen uralten Fluch heraufbeschworen.
Seine Tochter Sölva, gezeugt mit einem Kebsweib, findet sich zwischen den Fronten wieder und muss sich einer gespenstischen Magie stellen, die die endgültige Vernichtung bringen kann und doch die einzige Hoffnung auf Rettung ist.

Die Südländerin Leyken lebt als Gefangene im goldenen Käfig. Da scheint sich unvermittelt die Gelegenheit zur Flucht zu ergeben. Was aber, wenn es sich um eine Falle handelt?

Die Raunacht ist gekommen, und mit ihr die Dunkelheit. Unter dem blutroten Banner ihres Propheten treten die gefürchteten Korsaren an, das Reich der Esche zu zerschlagen.

Das Mädchen aus dem Norden und die Frau aus dem Süden: Sind sie der Schlüssel zum Schicksal ihrer Welt? (Quelle: Rowohlt)

Fazit: Ende März erschien die, nicht nur von mir, sehnsüchtig erwartete Fortsetzung von Stephan M. Rothers „Königschroniken“-Reihe, die mit „Die Königschroniken – Ein Reif von Eisen“ begann. Ehrensache, dass ich mir das Buch zum frühestmöglichen Zeitpunkt organisiert und sogleich gelesen habe.

Und, ach, was könnte ich alles über den zweiten Teil schreiben!? Wahrscheinlich einen Text, dessen Umfang es mit dem des eigentlichen Buches aufnehmen könnte. Damit das nicht passiert, beschränke ich mich auf das Notwendige.

In manchen Dingen kann ich mich im Vergleich zum Reihenauftakt aber sowieso nur lobend wiederholen. Beispielsweise, was die bildhafte Sprache angeht, die das Kopfkino der Leserschaft zu Höchtleistungen antreibt und, zumindest bei mir, insbesondere im Hinblick auf die in den Nordlanden stattfindenden Ereignisse sehr plastische Bilder vor dem inneren Auge entstehen lässt.

Im Grunde genommen wollte ich Wiederholungen aber weitgehend weglassen, sofern möglich, habe ich doch im ersten Teil auch insbesondere die Dinge gelobt, die der Autor weggelassen hat, beispielsweise Elfen, Elben und sonstige spitzohrige und damit überflüssige Fantasy-Geschöpfe. Ich beschäftige mich daher lieber mit dem, was Rothers Fortsetzung enthält, was neu und was anders ist.

In „Ein Reif von Eisen“ äußerte ich noch leichte Kritik an der Ausgestaltung der Charaktere, die aber sicherlich auch dem Unfang von gut 360 Seiten geschuldet war. Diese Kritik hat sich für mich weitgehend in Wohlgefallen aufgelöst. Zumindest was Sölva und Leyken angeht, bekommt die Leserschaft deutlich mehr Hintergrund geliefert als im ersten Band. Lediglich Pol – eigentlich dessen gesamter Handlungsstrang, aber dazu später mehr – kommt für meinen Geschmack etwas zu kurz. Ingesamt stellt das Buch aber in diesem Bereich einen deutlichen Fortschritt zu seinem Vorgänger dar.

Mich persönlich überrascht das Buch – besonders erfreulich, finde ich – insbesondere im Bereich der Handlung. Obwohl die „Königschroniken“-Reihe potenziell auf vier Teile ausgelegt ist – sofern das noch der aktuelle Stand ist -, „Ein Reif von Bronze“ somit keinen klassischen „Mittelteil“ darstellt, habe ich eigentlich eher das erwartet, was einen solchen klassischen Mittelteil auszeichnet. Nämlich ein Buch, das viel Gewohntes und wenig Neues enthält und das insbesondere die Handlung nur wenig bis unwesentlich vorantreibt. Manche Leute behaupten eben so etwas ja sogar über „Episode 8“, aber das ist ein anderes Thema. Nun, jedenfalls, speziell was die nicht vorangebrachte Handlung angeht, kann ich Entwarnung geben. Speziell die Ereignisse im hohen Norden haben eine angenehme Dynamik, enden allerdings an einer Stelle, die mir ein „Nicht doch!“ entlockte, auch weil mich der Autor mit einer Reihe von Fragen zurücklässt. Aber das muss wohl so sein, deshalb hält sich meine Empörung auch in Grenzen. ;-)

Lediglich dass die Handlung ihren Fokus vergleichsweise selten auf Pol und seine Reise legt – ein Handlungsstrang, der mir persönlich, neben den Nordlanden, am besten gefällt und der auch die, meiner Meinung nach, beste Atmosphäre rüberbringt -, hat ein wenig meinen Unmut erzeugt. Das allerdings ist natürlich nur ein rein subjektiver Eindruck und schon im dritten Teil kann die Sache schon wieder ganz anders aussehen.

Abschließend seien mir noch ein paar Worte dazu gestattet, was sowohl den Reihenauftakt, als auch die Fortsetzung für mich so besonders macht:

Wer weiß, dass sich der Autor schon in Teil eins von realen Ereignissen und Entwicklungen in unserem Hier und Jetzt hat inspirieren lassen, der liest „Ein Reif von Bronze“ wohl mit erhöhter Aufmerksamkeit. Zumindest mir ging das so. Und wer das tut, dem kann wirklich eine Menge auffallen. Dass sich Feuer als Motiv quer durch die Handlung zieht, für diese Erkenntnis muss man – gerade nach einem kurzen Blick auf das erneut schön gestaltete Cover – kein Genie sein.

Viel mehr thematisiert der Autor erneut Dinge, wie beispielsweise Rassismus und religiösen Fundamentalismus, die in unserem Hier und Jetzt in jüngerer Vergangenheit vermehrt aufzutreten scheinen.

Aber nicht nur die Themen der Handlung sind teilweise unserer Welt entlehnt, Ähnlichkeiten finden sich auch bei der Namensgebung. Überhaupt, die Namensgebung: Da findet man beispielweise einen Alric. Dieser Name taucht speziell im „Das Schwarze Auge“-Universum derart häufig auf – zumindest war das früher der Fall, wenn man ihn damals auch meistens mit „k“ schrieb -, dass es schon in grauer Vorzeit, als ich noch in DSA-Pen-and-Paper-Runden saß, verpönt war, seinem Spielecharakter diesen Namen zu verpassen. Tat man es doch, war diesem Charakter ein beschwerlicher und vor allem kurzer Lebensweg und ein gar erschröckliches Ende vorherbestimmt. ;-)

Andere Charaktere sorgen ob ihrer Namensgebung bei mir immer noch für Verwirrung. So habe ich weiterhin Schwierigkeiten Morda, dessen Sohn Morwa sowie wiederum dessen Söhne Morwen, Mornag, Mortil und Morleif auseinander zu halten. Dass die Herren Deinhardt, Meinhardt und Reinhardt nur eine kurze Sprechrolle haben, entspannte mich daher umso mehr. Ich schätze, spätestens im dritten Teil fällt mir die Unterscheidung dann leichter. :-)

Jedenfalls, die Namensgebung ähnelt in Einzelfällen besonders geografisch unserer Welt. So gibt es ein Leuchtfeuer von Phoras, das an den Pharos von Alexandria erinnert, auch wenn es an einer Stelle steht, an der man eher die Säulen des Herakles vermuten würde. Ich kann mir übrigens nicht verkneifen, darauf hinzuweisen, dass der Autor ein- oder zweimal über seine eigenen Namens-Fallstricke stolpert, denn im Text ist öfter von „Pharos“ anstelle von „Phoras“ die Rede …

Nicht nur im Bereich der Namen erinnert die abgedruckte Karte an unsere Welt, insbesondere der südliche Teil kommt einem von den Umrissen her recht bekannt vor. All das gibt Anlass zu wilden Spekulationen bezüglich des im Buch mehrfach erwähnten „Sonnenvolkes“ …

Gerade solche Dinge sind es, die die Reihe für mich, natürlich neben der Handlung, besonders lesenswert machen, findet man solche Anspielungen und Anleihen an der Realität im Fantasy-Bereich doch mittlerweile recht selten.

Der langen Rede kurzer Sinn: „Ein Reif von Bronze“ ist eine mehr als überzeugende Fortsetzung, der der Autor meinetwegen noch eine ganze Reihe mehr Fortsetzungen als nur die noch angedachten zwei folgen lassen könnte. Für die Liebhaber und Innen gut gemachter Fantasy-Romane, sowie denen, die es werden wollen, kann ich eine absolute Leseempfehlung aussprechen.

Wertung:

Handlung: 9 von 10 Punkten

Charaktere: 8 von 10 Punkten

Stil: 9 von 10 Punkten

Atmosphäre: 10 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 9 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Die Blausteinkriege II – Sturm aus dem Süden“. Diesmal wirklich! Ich bin offensichtlich in einer Fantasy-Phase.

2 Kommentare zu „„Die Königs-Chroniken – Ein Reif von Bronze“ von Stephan M. Rother – Alles ist mit allem verbunden

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