„Fremd“ von Ursuals Poznanski und Arno Strobel – Die Faszination der Redundanz

Buch: „Fremd“

Autoren: Ursula Poznanski, Arno Strobel

Verlag: rororo

Ausgabe: Taschenbuch, 393 Seiten

Die Autoren: Ursula Poznanski wurde 1968 in Wien geboren. Sie war als Journalistin für medizinische Zeitschriften tätig. Nach dem fulminanten Erfolg ihrer Jugendbücher „Erebos“ und „Saeculum“ landete sie bereits mit ihrem ersten Thriller „Fünf“ auf den Bestsellerlisten. Bei Wunderlich folgten „Blinde Vögel“, „Stimmen“ und „Schatten“; gemeinsam mit Arno Strobel „Fremd“ und „Anonym“. Inzwischen widmet sich Ursula Poznanski ganz dem Schreiben. Sie lebt mit ihrer Familie im Süden von Wien. (Quelle: Rowohlt)

Arno Strobel, 1962 in Saarlouis geboren, studierte Informationstechnologie und arbeitete lange bei einer großen deutschen Bank in Luxemburg. Im Alter von fast vierzig Jahren begann er mit dem Schreiben von Kurzgeschichten, die er in Internetforen veröffentlichte, bevor er sich an seinen ersten Roman heranwagte. Mit seinen Psychothrillern erklomm Strobel die Bestsellerlisten. Gemeinsam mit Ursula Poznanski schrieb er für Wunderlich „Fremd“ und „Anonym“. Arno Strobel lebt in der Nähe von Trier. (Quelle: Rowohlt)

Das Buch: Stell dir vor, du bist allein zu Haus. Plötzlich steht ein Mann vor dir. Er behauptet, dein Lebensgefährte zu sein. Aber du hast keine Ahnung, wer er ist. Und nichts in deinem Zuhause deutet darauf hin, dass jemand bei dir wohnt. Er redet auf dich ein, dass du doch bitte zur Vernunft kommen sollst. Du hast Angst. Und du verspürst diesen unwiderstehlichen Drang, dich zu wehren. Ein Messer zu nehmen. Bist du verrückt geworden?
Stell dir vor, du kommst nach Hause, und deine Frau erkennt dich nicht. Sie hält dich für einen Einbrecher. Schlimmer noch, für einen Vergewaltiger. Dabei willst du sie doch nur beschützen. Aber sie wehrt sich, sie verbarrikadiert sich. Behauptet, dich niemals zuvor gesehen zu haben. Sie hält dich offensichtlich für verrückt. Bist du es womöglich?
Eine Frau. Ein Mann. Je mehr sie die Situation zu verstehen versuchen, desto verwirrender wird sie. Bald müssen sie erkennen, dass sie in Gefahr sind. In tödlicher Gefahr. Und es gibt nur eine Rettung: Sie müssen einander vertrauen … (Quelle: Rowohlt)

Fazit: Zugegeben, meine Erfahrung hinsichtlich Büchern von Autoren-Duos ist recht überschaubar. Und wenn, dann waren diese Erfahrungen selten erbaulich. So habe ich einige Bücher von Lee Child und Douglas Preston gelesen, die aber in meinem persönlichen Orkus des Vergessens untergegangen sind. Und ja, auch von Iny Klocke und Elmar Wohlrath habe ich ein oder zwei Bücher gelesen, hierbei wäre allerdings jede weitere Wort eines zu viel. Und meine letzte Erfahrung im Bereich Autoren-Duos wird wohl „Abgeschnitten“ von den Herren Fitzek und Tsokos gewesen sein, das ich mindestens für überflüssig halte, trotz meiner sonstigen Begeisterung für den Herrn Fitzek.

Trotz dieser Vorbelastung stürzte ich mich wohlgemut in die Lektüre von „Fremd“. Und siehe da: Es hat sich gelohnt!

Die Autoren erzählen die Geschichte kapitelweise abwechselnd aus der Sicht der beiden Protagonisten Joanna bzw. Erik. Diese Art der Vorgehensweise führte zu Beginn des Buches zu einem Effekt, der mich anfangs irritiert hat. Man erlebt nämlich – logischerweise – die selbe Szene zweimal, ohne dass in der zweiten Schilderung sonderlich neue Erkenntnisse auf die Leser warten. Bald kamen erste Zweifel auf, ob diese Art der sich immer wiederholenden Ezählung auf lange Sicht nicht ermüden und langweilen würde. Im Laufe der Zeit erweist sie sich aber als durchaus zweckmäßig und spannend, z. B. als in einem aus Eriks Sicht erzählten Kapitel Joanna ein Telefongespäch führt, man die Äußerungen ihres Gesprächspartners aber erst im folgenden, aus ihrer Sicht erzählten Kapitel erfährt. Ihr könnt mir folgen?

Insgesamt geht der Stil, in dem „Fremd“ gehalten ist, nicht nur aufgrund der Erzählweise vollkommen in Ordnung. Die Autoren schreiben erfreulich schnörkellos und kommen ohne abenteuerliche Satzkonstruktionen aus. Damit wird der Stil auch dem im Laufe der Handlung anziehenden Tempo des Buches gerecht.

Die Charaktere bleiben ein wenig hinter der Qualität des Stils zurück, und das obwohl sich die Autoren auf ein recht überschaubares Figuren-Ensemble beschränken. Weder die Neben- noch die Hauptfiguren sind außerordentlich genau gekennzeichnet. Das stört aber eigentlich nicht weiter, wir haben hier schließlich einen Thriller vorliegen, erfahrungsgemäß kommt es hier in erster Linie auf die Geschehnisse, die Handlung selbst an. Und so ist es hier eben auch.

Und an eben dieser Handlung gibt es nur wenig auszusetzen. Poznanski und Strobel entfalten ein spannendes Szenario, das die Leser eine Weile im Dunkeln lässt, hinsichtlich der Frage, was das alles soll und wohin das alles führt. Bis ungefähr zur Hälfte des Buches kann man nach Herzenslust mitraten, wer denn nun als Antagonist auftaucht. Dann aber wird – bemerkenswert früh und bemerkenswert deutlich – klar geschildert, wer denn nun „die Bösen“ sind. Das tut der Spannung aber bemerkenswerterweise keinen Abbruch, so dass mich die Handlung eigentlich vollkommen überzeugt zurücklässt. Eigentlich. Denn da wäre ja noch das Ende. Darüber kann ich natürlich nicht ins Detail gehen, belasse es daher bei kryptischen Andeutungen, indem ich sage, dass das „Wie“ bezüglich der Ereignisse – bspw. hinsichtlich Joannas augenscheinlichem Gedächtnisverlust – gut und plausibel erklärt wird, das „Warum“, das dahintersteckt, mir jedoch ein „Och nöööö …!“ entlockte. Aber das, da bin ich mir recht sicher, wird nur mein subjektiver Eindruck sein, während der überwiegende Teil der Leserschaft damit kein Problem haben dürfte.

Daher: Klare Leseempfehlung!

Wertung:

Handlung: 8,5 von 10 Punkten

Charaktere: 7,5 von 10 Punkten

Stil: 9 von 10 Punkten

Spannung: 9 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 8,5 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Seht, was ich getan habe“ von Sarah Schmidt. Ein Buch über die Geschehnisse rund um Lizzie Borden. Das dürfte spannend werden. Hoffe ich …

16 Kommentare zu „„Fremd“ von Ursuals Poznanski und Arno Strobel – Die Faszination der Redundanz

  1. Ich bin zwar spät um zu diesem Buch etwas zu schreiben, was leider an Krankheiten liegt. Mit kommt es so vor, als wenn das schon verfilmt wurde. Irgend so ein Film schwirrt mir im Kopf rum.

    Gefällt 1 Person

    1. Es ist nie zu spät, etwas zu Büchern zu schreiben! Schön, Dich hier mal wieder zu lesen. Nicht so schön, dass Dich Krankheiten ereilt haben. :-(

      Mir persönlich ist keine Verfilmung von „Fremd“ bekannt und Google auch nicht. ;-) Aber vielleicht ist da etwas in der Mache, von dem ich nichts weiß!?

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  2. Ich fand das Buch ab der Mitte so öde und vorhersehbar das ich vorgeblättert habe bis zum Ende. Dort wurde alles bestätigt was ich mir dachte. Ergo, für mich ein totales fail 😈 ubd gehört damit zu den Büchern die ich nicht wirklich zu Ende lesen wollte.

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