„Agathas Alibi“ von Andrew Wilson – Retro-Charme

Buch: „Agathas Alibi“

Autor: Andrew Wilson

Verlag: Pendo

Ausgabe: Hardcover, 380 Seiten

Der Autor: Andrew Wilson ist ein britischer Journalist. Er schreibt unter anderem für die Zeitungen Guardian, Daily Mail und Sunday Times und hat bereits zwei erfolgreiche Biografien über Patricia Highsmith, Sylvia Plath und Alexander McQueen veröffentlicht. Mit dem Leben und Werk von Agatha Christie setzt sich Wilson seit vielen Jahren auseinander. »Agathas Alibi« ist sein zweiter Roman. (Quelle: Pendo)

Das Buch: Im Dezember 1926 verschwindet Agatha Christie spurlos. Eine groß angelegte Suchaktion beginnt, an der sich sogar Arthur Conan Doyle beteiligt. Doch Christie, deren jüngstes Buch »Alibi« gerade zum Welterfolg lanciert, bleibt verschwunden. Erst elf Tage später wird sie in einem Hotel gefunden, in das sie sich unter dem Namen der Geliebten ihres Mannes einquartiert hat. Bis heute weiß niemand, was damals geschah. Was, wenn Christie an einen bösartigen Widersacher geraten ist? Was, wenn sie erpresst worden ist? Was, wenn die Königin der rätselhaften Morde selbst gezwungen worden ist, ein Verbrechen zu begehen? Auf intelligente und unterhaltsame Weise erzählt Andrew Wilson in einer Mischung aus Fakten und Fiktion von einem rätselhaften Fall, in dem die größte Krimiautorin der Welt selbst zur Protagonistin wird. (Quelle: Pendo)

Fazit: Kennt ihr das? Manchmal bekommt man so einen Anfall, der nur entfernt an Nostalgie erinnert und damit verbunden irgendwie Lust auf etwas Altes, etwas „von damals“. So habe ich heute zum Beispiel ein mir noch nicht näher erklärbares verstärktes Bedürfnis nach Punkmusik aus den 90ern. So etwas wie das hier. Oder das hier. Oder auch das hier.

Da ich aber nicht den ganzen Tag „WIZO“, „Lagwagon“ oder „No use for a name feat. Cinder Block“ hören kann – also, ich meine, ich könnte, nicht, dass wir uns falsch verstehen, aber … nein -, tue ich lieber etwas Sinnvolles und schreibe mal wieder eine Rezension. Und auch diese Rezension hat etwas mit so einem Retro-Anfall zu tun.

Vor einiger Zeit stieß ich beim Stöbern auf diversen Blogs – leider weiß ich überhaupt nicht mehr, wo – auf den Namen Agatha Christie. Und ich erinnerte mich, wie gerne ich ihre Bücher – im Besonderen die Poirot-Reihe – damals gelesen habe. Übrigens ebenfalls in den 90ern. Schnell reifte der Entschluss, mal wieder eines ihrer Bücher zu lesen. Sehr zu meinem Bedauern musste ich feststellen, dass meine Bestände an Christie-Krimis doch arg abgenommen haben. Hatte ich damals Ummengen an Büchern aus der „Goldmann rote Krimi“-Reihe von kurz nach dem Kartoffelkrieg, so war mir davon genau eines geblieben. Wo der Rest verblieben ist, entzieht sich bislang meiner Kenntnis.

Dann jedoch griff der Zufall ein – ausnahmsweise mal auf positive Art – und dieser führte dazu, dass mein suchender Blick in der Buchhandlung meines Vertrauens auf „Agathas Alibi“ fiel.

Nun habe ich das Buch bereits im Dezember gelesen, vor Weihnachten, lang vor Weihnachten, vor ziemlich langer Zeit also. Diese Zeit ist zumindest dann ziemlich lang, wenn man – wie ich – dazu neigt, sich während der Lektüre praktisch keinerlei Notizen zu machen. Ich merke mir während der Lektüre weitgehend, worauf ich eingehen möchte und das funktioniert auch meistens – dafür vergesse ich viel unwichtigere Dinge wie die rechtzeitige Abgabe meiner Steuererklärung. Es funktioniert allerdings nur über einen begrenzten Zeitraum und der ist, man ahnt es, eigentlich überschritten. Aber ich versuche, nach viel Text bar jeglichen sinnvollen Inhalts, dennoch mein Glück.

Ich mag historische (Kriminal-)Romane, die auf wahren Begebenheiten beruhen. Denn Agatha Christie verschwand tatsächlich im Jahr 1926 für mehrere Tage spurlos. Und die Umstände sind nach wie vor ungeklärt. Möglicherweise floh sie einfach vor einer Schreibblockkade und hat sich einfach ein paar Tage lang die Kante gegeben, was eine völlig aus der Luft gegriffene Spekulation meinerseits ist. Möglicherweise ist es aber auch genau so passiert, wie Andrew Wilson in „Agathas Alibi“ beschreibt.

Ich mag auch Romane, in denen historische Berühmtheiten auftauchen. Wenn eine solche historische Berühmtheit allerdings die Protagonistin ist und die Geschehnisse auch noch aus ihrer Sicht bzw. von ihr erzählt werden, dann habe ich damit ein größeres Problem. Meiner Meinung nach läuft man als Autor Gefahr, der Person nicht gerecht zu werden und im schlimmsten Fall sorgt man für die Wirkung, die Wilsons Agatha auf mich hatte: Sie nervte mich! Ja, ihre Ehe war in einer Krise und ja, sie war von ihrem letzten Buch alles andere als überzeugt und hatte sich bei ihrem nächsten festgefahren. Das verstehe ich alles. Aber irgendwie war mir die Gute etwas zu wehleidig, jammerig und immer an der Grenze zur Ohnmacht.

Der mit der Suche nach Christie beauftragte leitende Ermittler Kenward wird von Wilson mehr oder weniger als inkompetenter Trinker dargestellt. Ob er das war, entzieht sich meiner Kenntnis, aber mit seiner inkompetenten Art und seinem Beharren auf immer weitere Suchaktionen nervte auch er. Insgesamt gibt es im Bereich der Charaktere nur eine Person, die mir zusagte, über die zu sprechen sich aus Spoilergründen allerdings verbietet.

Auch inhaltlich hatte ich mir etwas mehr erhofft. Die eigentliche Rahmenhandlung ist von überschaubarer Spannung, enthält keine wirklichen Wendungen und kommt insgesamt recht unaufgeregt daher. Das mag Christies Originale gut widerspiegeln, waren auch das schließlich keine actiongeladenen Thriller modernster Machart, aber dennoch hätte man das Ganze doch irgendwie aufregender gestalten können, denn auregend bzw. spannend waren die Originale ja schon.

Wenigstens in stilistischer Hinsicht habe ich nichts zu meckern. Auch dieser erscheint mir an die Originale angelehnt, was ich viel passender finde, als das auch im Bereich der Handlung so zu handhaben. So findet sich beispielsweise auch der eine oder anachronistische Begriff in „Agathas Alibi“. Wilson Stil hat mich also vollkommen überzeugt.

Insgesamt reicht das aber nicht, um eine klare Leseempfehlung auszusprechen. Christie-Fans können zugreifen, alle anderen sind anderswo besser bedient.

Wertung:

Handlung: 7 von 10 Punkten

Charaktere: 6,5 von 10 Punkten

Stil: 9 von 10 Punkten

Spannung: 6,5 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 7,25 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten“ von Becky Chambers.

2 Kommentare zu „„Agathas Alibi“ von Andrew Wilson – Retro-Charme

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