„Die Mädchen von der Englandfähre“ von Lone Theils – Stets bemüht

Buch: „Die Mädchen von der Englandfähre“

Autor: Lone Theils

Verlag: rororo

Ausgabe: Taschenbuch, 431 Seiten

Die Autorin: Lone Theils war jahrelang London-Korrespondentin für die angesehene dänische Tageszeitung Politiken sowie fürs Fernsehen. Ihr Debütroman und Auftakt der Reihe um Nora Sand erscheint in 14 Ländern. Neben ihrer journalistischen Tätigkeit zwischen Dänemark und England teilt die Autorin mit ihrer Protagonistin auch die Leidenschaft fürs Kickboxen. (Quelle: rororo)

Das Buch: Im Sommer 1985 verschwinden die dänischen Teenager Lulu und Lisbeth auf der Überfahrt nach England spurlos. Eine Suchaktion über Landesgrenzen hinweg verläuft im Nichts. Jahrzehnte später fällt Nora Sand, die in London für eine dänische Zeitung arbeitet, ein Foto der beiden in die Hände: Es zeigt die Mädchen in der Zeit nach ihrem Verschwinden. Nora lässt die Geschichte nicht los. Ihre Recherchen beginnen in Dänemark, wo die Mädchen in einem Heim aufwuchsen. Und führen zu dem englischen Frauenmörder Bill Hix. Der verbüsst im berüchtigten Gefängnis Wolfhall eine lebenslange Haftstrafe.
Nora ahnt nicht, welche Konsequenzen ihre Nachforschungen haben. Die Suche nach der Wahrheit ist gefährlich … (Quelle: rororo)

Fazit: Winterzeit ist bei mir Krimizeit. Ich habe keine Ahnung, woran genau das liegt, aber es ist nun mal so. Daher war es nur logisch, dass ich in der Buchhandlung meines Vertrauens zu „Die Mädchen von der Englandfähre“ griff, erinnerte die Handlung doch entfernt an „Das Schweigen der Lämmer“ von Thomas Harris und – wie ich in anderen Rezensionen gelesen habe – an Jussi Adler-Olsen, dessen Bücher aber, nach Meinung des von mir recht geschätzten Denis Scheck, „so spannend wie eine 24-stündige Live-Übertragung der Weltmeisterschaft im Pfahlsitzen“ sein sollen, weswegen ich sie nie gelesen habe und deswegen keine Vergleiche anstellen kann.

Leider muss ich konstatieren, dass ich nach Lektüre dieses Buches doch lieber zu Harris´ Original oder auch zu Adler-Olsen, trotz des Pfahlsitzen-Vergleichs, hätte greifen sollen.

Wobei, nicht alles ist schlecht an diesem Buch. Insbesondere der Schreibstil hat mir durchaus gefallen. Alles andere dagegen leider weniger.

Die Protagonistin Nora Sand zum Beispiel fiel bei mir durch. Sie hebt sich zwar ab von den alkoholkranken, geschiedenen Ermittlerfiguren aus zerrütteten Familienverhältnissen, die das Genre sonst so bevölkern, aber sie gefiel mir dennoch nicht. In ihrem Ermittlungen überzeugt sie weniger durch Scharfsinn, sondern mehr dadurch, dass sie jemanden kennt, der jemanden kennt, der jemanden kennt, der ihr weiterhelfen kann.

Und auch abseits der Ermittlungen, wenn es um ihrem „love interest“ – ja, ein Anglizismus, „das war Absicht“, um mal Gimli, Glóins Sohn, zu zitieren – Andreas geht, stellt sie sich nicht sonderlich helle an. Eher im Gegenteil, der Leser möchte sie schütteln und ihr zurufen: „Jetzt hör ihm doch mal endlich zu!“. Abgesehen davon ist dieser ganze Handlungsstrang mit ihrem Andreas an sich eigentlich völlig verzichtbar.

Denn darin liegt eines der Probleme der Handlung. Lone Theils hält sich bemerkenswert häufig mit Belanglosigkeiten auf. Da wird miteinander gegessen, geschwommen, geplaudert und buchstäblich nichts davon treibt die Handlung wirklich voran. Da wäre es sinniger gewesen, die Autorin hätte  aus ihrem Buch gleich zwei gemacht, hätte das andere „Andreas und ich“ genannt, und darin detailliert beschrieben, wie sie dem eigentlichen Jugendfreund den Rücken zugekehrt hat, nachdem dieser ihr seine Liebe gestanden hat. Das wäre dann im Bereich der „Chick-Lit“ vielleicht sogar erfolgreich gewesen und hätte dafür hier nicht gestört. Aber hey, dieser gesamte Handlungsstrang ist nunmal da…

Aber auch wenn man sich Andreas wegdenkt, bleibt nichts wirklich Erinnerungswürdiges über. Die Interaktion zwischen Nora Sand und dem inhaftierten Bill Hix – unter der ich mir ein spannendes Katz-und-Maus-Spiel vorgestellt habe – beschränkt sich auf ein Minimum, anschließend geht die Handlung in einen überhaupt nicht zum Rest des Buches passenden Showdown über. Inklusive der obligatorischen „überraschenden Wendung“, die allerdings, so man halbwegs aufmerksam liest, so überraschend auch wieder nicht ist.

Alles in Allem bleibt ein Krimi der Kategorie „kann man – muss man aber nicht“ übrig.

Wertung:

Handlung: 6,5 von 10 Punkten

Charaktere: 6,5 von 10 Punkten

Stil: 8,5 von 10 Punkten

Spannung: 6,5 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 7 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: Genau weiß ich das noch nicht, ich stelle aber mal „Die Blausteinkriege II“ in Aussicht, weil ich einen Grund habe, die Teile zwei und drei möglichst bald zu lesen.

Advertisements

5 Kommentare zu „„Die Mädchen von der Englandfähre“ von Lone Theils – Stets bemüht

  1. Die Meinung über Adler-Olsen kann ich nicht nachvollziehen. Die reihe die er schreibt ist spannend. Die Charaktere interessant mit tiefe und Geheimnisse. Und ein paar der Geschichten sind mir definitiv unter die Haut gegangen. Die Bücher haben ihren eigenen Rhythmus. Aber langweilig oder gar ähnlich sind sich die Geschichten nicht. Ich würde ihnen mal eine Chance geben. Zumindest der Reihe um den Polizisten Carl mork… Die sind toll. Die beiden Bücher die ich außerhalb der Reihe gelesen haben waren leider tatsächlich zum gähnen. Das eine habe ich nicht einmal zu Ende lesen können,

    Gefällt 1 Person

  2. Meine unbedeutende Meinung zu Jussi: kennst du einen – kennst du alle und zumindest das Pfahlsitzen des damals 1,5 jährigen Elfenmädchens war spannender (dauerte allerdings auch nur 30 Sekunden, bis Vatern das lustige Foto geschossen hatte und Muttern mit der Schnappatmung aufhören konnte 😊) und wieder ein Buch, das ich nicht lesen möchte. Aber danke für den Beitrag 😊

    Gefällt 4 Personen

    1. Der Dank ist ganz meinerseits! :-) Und gut zu wissen, dass ich den Kollegen Adler-Olsen weiterhin mit Nichtbeachtung strafen kann.

      Bei 30-sekündigem Pfahlsitzen einer Anderthalbjährigen hätte ich übrigens auch Schnappatmung bekommen. :-)

      Gefällt 3 Personen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s