„Die Königs-Chroniken – Ein Reif von Eisen“ – Fantasy ohne Schnickschnack!

Buch: „Die Königs-Chroniken – Ein Reif von Eisen

Autor: Stephan M. Rother

Verlag: Rowohlt Polaris

Ausgabe: Paperback, 375 Seiten

Der Autor: Stephan M. Rother, 1968 in Wittingen geboren, studierte in Göttingen Geschichte, Kunstgeschichte und Philologie. 1997 erfolgte seine Graduierung zum Magister Artium. Seit Mitte der Neunziger trat Rother als „Magister Rother – Deutschlands erster, bester und einziger Standup Historian“ auf den Bühnen Deutschlands auf. Seit dem Jahr 2000 hat sich Rother auf das Schreiben verlegt, seither hat er zahlreiche Romane veröffentlicht, die häufig im Mittelalter spielen. Der Autor lebt, nach eigener Aussage, mit seiner Frau und fünf Katzen „am Rande des Wahnsinns und der Lüneburger Heide“.

Zu den Büchern, die Rother nach eigener Angabe nie gelesen hat, gehören übrigens sämtliche Teile von „Harry Potter“. Die Begründung dafür, die ich euch nicht vorenthalten möchte, gibt er auf seiner Homepage hier.

Das Buch: Im Kaiserreich der Esche herrscht Unruhe. Die Blätter des heiligen Baumes beginnen zu welken – ein Machtwechsel steht kurz bevor.

Stammesfürst Morwa sucht in der düsteren Zeit die Völker des Nordens unter seinem Banner zu einen. Nur einen Stamm gilt es noch zu besiegen. Eile ist geboten, er spürt sein Ende nahen. Einzig die Kräfte der Sklavin Ildris erkaufen ihm eine letzte Frist. Doch welchem seiner Söhne soll er den Reif des Anführers anvertrauen? Die falsche Entscheidung könnte die Welt in Dunkelheit stürzen.

Zur selben Zeit will die junge Leyken aus dem Oasenvolk des Südens einen Schwur erfüllen: Sie begibt sich auf die Suche nach ihrer Schwester und fällt dabei in die Hände von Söldnern. Kurz darauf findet sie sich in der kaiserlichen Rabenstadt im Netz höfischer Intrigen wieder.

In der längsten und kältesten Nacht des Jahres spitzen sich die Ereignisse zu, das Schicksal der Welt liegt in den Händen dreier Frauen: Ildris’, die ein Geheimnis mit sich trägt, der ehrgeizigen Leyken und Morwas unehelicher Tochter Sölva. Können sie gegen die Dunkelheit bestehen? Kann eine von ihnen das Land aus der Dunkelheit führen? (Quelle: Rowohlt)

Fazit: Stephan M. Rothers Nachwort ist zu entnehmen, dass er nunmehr ein Jahrzehnt  gejammert habe, weil er ja eigentlich Fantasy-Autor sei, aber mittlerweile gar keine Fantasy mehr schreibe. Damit ist für mich der Beweis erbracht, dass auch jedes hinreichend lange Gejammer zum Ziel führen kann, im vorliegenden Fall zu „Ein Reif von Eisen“. Ich jedenfalls bin sehr froh, dass er gejammert hat, denn das Ergebnis kann sich sehen lassen.

Eine mir nahestehende ganz zauberhafte Person hat mal sinngemäß gesagt, dass auch das Fantasy-Genre nicht immer wieder neu erfunden werden könne, es aber doch eigentlich ausreiche, wenn ein Buch so ein, zwei Ideen beinhalte, die es von allen anderen unterscheidet. Und genau das trifft auf „Ein Reif von Eisen zu“. Allerdings muss sich meine Leserschaft da auf mein Wort verlassen, Beispiele kann und möchte ich aus Spoilergründen vermeiden.

Aber nicht nur seine Ideen machen Rothers Buch ziemlich lesenswert, sondern, so seltsam das vielleicht klingen mag, vor allen Dingen das, was ihm fehlt. So verzichtet der Autor ganz bewusst auf so vieles, was in anderen Fantasy-Büchern mittlerweile inflationär auftritt. Drachen, die erst langwierig großgezogen werden müssen, wird man hier erfolglos suchen. Auch tolkiensche Orks haben ausnahmsweise keinen Auftritt. Nirgendwo müssen sich drei Zwillingsschwestern gegenseitig umnieten und, dem Himmel sei Dank, Rother verzichtet auch auf die spitzohrige Baumumarmer-Fraktion. (Ich wollte erst „spitzohrige Waldorfschüler des Fantasy-Genres“, schreiben, aber dann gibts wieder…, ach, es ist auch manchmal schwierig heute…).

Nein, Rother kommt ohne derlei Beiwerk aus und weiß dennoch, oder deswegen, eine fesselnde Geschichte zu erzählen. Dies gelingt ihm durch seine bildhafte Sprache, die, meiner bescheidenen Meinung nach, nirgendwo so wichtig ist, wie im Fantasy-Genre. Egal, ob es der Feldzug des Stammesfürsten im eisigen Norden mit seinen Schlachten, die malerische, fast märchenhafte Umgebung der Rabenstadt oder die im Untergang befindliche Freie Stadt Carcosa ist, alles entsteht sehr plastisch vor dem inneren Auge des Lesers.

Die Beschreibung der Protagonisten leidet ein wenig unter der Kürze des Buches. Detailliert auf drei Hauptpersonen einzugehen, ist auf gut 360 Seiten allerdings auch nicht so einfach, wenn auch noch Platz für Handlung sein soll. Darüber hinaus bleibt Rother ja auch mindestens noch ein zweiter Teil, in dem er vielleicht etwas genauer auf seine handelnden Personen eingehen kann. Dennoch fügen sich seine Hauptpersonen gut in seine Handlung ein, sie alle sind über weite Strecken des Buches noch dabei, sich in ihrem neuen Umfeld, ihrer neuen Rolle oder an einem neuen Ort zurecht zu finden, denn alle drei könnten den Satz sagen: „Ich habe nicht darum gebeten, hier zu sein!“ Ihre Entwicklung, ihre Findungsphase, scheint gegen Ende des ersten Teils abgeschlossen, auch daher erwarte ich mir im Bereich der Charaktere Fortschritte in der Fortsetzung. Allerdings jammere ich hier auch – und zwar auf hohem Niveau.

Im Hinblick auf die Handlung kann ich ebenfalls nicht viel meckern. Rother teilt sie in drei Erzählstränge auf. Mir persönlich hat es besonders der Teil mit dem Feldzug im hohen Norden angetan. Man ahnt bereits, dass diese Handlungsstränge zusammenhängen, in Teilen weiß man auch, wie, zusammengeführt werden sie aber noch nicht. Auch das dürfte dann erst in Teil zwei passieren.

Übrigens: Wer „Ein Reif von Eisen“ genauer liest, der kann einzelne Stellen sogar interpretieren und mit realen aktuellen Ereignissen und Entwicklungen vergleichen. Zumindest ist das mein Eindruck. Vielleicht überinterpretiere ich hier auch. Um möglichen Lesern des ersten Teils da nichts vorzubeten und sie entsprechend unvoreingenommen zu lassen, muss ich es auch hierbei leider bei Andeutungen belassen.

Abschließend kann ich sagen, dass es mir gut gefallen hat, mal wieder ein Fantasy-Buch zu lesen, dass ohne unnötigen Firlefanz auskommt, dennoch sprachlich und inhaltlich überzeugt und das – aller Voraussicht nach – nicht in 4.298 Teil aufgesplittet wird, wie es sonst mittlerweile Usus ist. Der zweite Teil erscheint bereits am 24.01.2018, lange warten muss ich also nicht mehr.

Wertung:

Handlung: 8,5 von 10 Punkten

Charaktere: 7 von 10 Punkten

Stil: 9 von 10 Punkten

Atmosphäre: 9,5 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 8,5 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Die Mädchen von der Englandfähre“ von Lone Theils. Ein Krimi.

8 Kommentare zu „„Die Königs-Chroniken – Ein Reif von Eisen“ – Fantasy ohne Schnickschnack!

  1. Ist vorgemerkt bzw. wahrscheinlich doch wieder vergessen, bis Du dann den zweiten Band für uns besprichst :-) Aber Mehrteiler lese ich mittlerweile erst, wenn sie ein Ende gefunden haben. Deutsche Fantasy hat’s nicht leicht und bleibt oft epigonal – da freu ich mich auf diesen ohne Orks & Elfen auskommenden historisierenden Commedian. Meinen herzlichen Dank!

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    1. Gerne doch! Und nein, das hast Du nicht. Erwähnte ich, dass ich in Teil zwei feststecke, seit, na ja, ungefähr Sommer, oder so… Ich habe keine Ahnung, wie es dazu kommen konnte… :-)

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