„Die siebte Leiche“ von Vlastimil Vondruska – So macht man das!

Buch: „Die siebte Leiche“

Autor: Vlastimil Vondruska

Verlag: Bastei Lübbe

Ausgabe: Taschenbuch, 335 Seiten

Der Autor: Vlastimil Vondruška, geboren 1955, hat in Prag Geschichte und Ethnologie studiert. Danach arbeitete er im Nationalmuseum und betrieb gemeinsam mit seiner Frau eine Werkstatt zur Nachbildung von historischem Glas. Heute widmet er sich ganz dem Schreiben und hat neben zahlreichen wissenschaftlichen Werken über 30 Historische Romane veröffentlicht. Mit einer Gesamtauflage von 500.000 Exemplaren gehört er zu den erfolgreichsten Autoren Tschechiens. Besonders beliebt ist die Serie um den Ritter Ulrich von Kulm und seinen Knappen Otto. (Quelle: Bastei Lübbe)

Das Buch: Mitten im tiefsten Winter geraten Ritter Ulrich von Kulm und sein Knappe Otto in einen heftigen Schneesturm. Sie finden Zuflucht in einer abgelegenen Burg, in der seltsame Dinge vor sich gehen: Jedes Jahr im Advent kommt es zu einem mysteriösen Todesfall.

Die Burgbewohner sprechen von einem schrecklichen Fluch, aber davon will Ulrich nichts wissen. Gemeinsam mit seinem Knappen geht er der Sache auf den Grund. Doch er kann nicht verhindern, dass auch in diesem Jahr wieder ein Mord geschieht … (Quelle: Bastei Lübbe)
Fazit: Gelegentlich neige ich dazu, mich zu wiederholen. Gelegentlich neige ich dazu, mich zu wiederholen. So werde ich nicht müde, in regelmäßigen Abständen den Abgesang auf mein einstiges Lieblingsgenre, den historischen Roman, anzustimmen. Zu banal, beliebig, kitschig und austauschbar war vieles von dem, was in den letzten Jahren und Jahrzehnten erschienen ist und was das Genre zu dem gemacht hat, was es jetzt ist. Die aus meiner Sicht Schuldigen daran sind hinlänglich bekannt und müssen an dieser Stelle nicht erneut genannt werden.
Aber immer, wenn ich die Hoffnung darauf, mal wieder gute historische Romane lesen zu können, fast aufgegeben habe, kommt so ein Buch wie Vondruskas „Die siebte Leiche“ daher. Streng genommen handelt es sich dabei um einen historischen Kriminalroman, aber mit Haarspalterei halte ich mich nicht auf.
Vondruska macht mit seinem Buch so ziemlich alles richtig, was man nur richtig machen kann. Das beginnt schon bei der Sprache und dem Handlungsrahmen. Ulrich von Kulm und sein Knappe Otto landen nach einem Schneesturm in einer Burg, die sie vorerst nicht mehr verlassen können. Dann geschieht ein Mord. Der abgelegene Ort und die überschaubare Menge an handelnden Personen, die fast alle für den Mord in Frage kommen können, verleihen „Die siebte Leiche“ den Reiz eines typischen „Whodunit“-Krimis, einem Genre dem ich ebenfalls sehr zugeneigt bin. Damit rannte Vondruska bei mir, der kürzlich erst beschlossen hat, mal wieder Agatha Cristie zu lesen, offene Türen ein.
Auch im stilistischen Bereich bewegt sich der tschechische Autor auf hohem Niveau. Er vermittelt nicht nur die angespannte, eisige Stimmung auf der Burg sehr überzeugend, sondern erzeugt über das gesamte Buch hinweg mit seiner Art zu erzählen eine sehr überzeugende Stimmung. Die Dialoge seiner Charaktere überzeugen ebenfalls fast ausnahmslos. Allerdings hätte ich mir hier eine deutlichere sprachliche Abstufung der Charaktere, gemessen an ihrem gesellschaftlichen Stand, gewünscht. Wenn eine Bademagd, die sich auch gelegentlich als örtliche Prostituierte verdingt – wenigstens wandert sie nicht – fast genau so spricht wie ein gelehrter Prokurator des Königs, dann irritiert das schon. Allerdings ist das Jammern auf ziemlich hohem Niveau.

Die Charaktere, insbesondere natürlich unsere beiden Protagonisten Ulrich von Kulm und dessen Knappe Otto, sind dem tschechischen Schriftsteller ebenfalls gut gelungen. Ulrich äußert dabei immer wieder Zweifel und Kritik an den Umständen unter und den Menschen mit denen er so leben muss, so äußert er regelmäßig Kritik an Geistlichen. Letztlich merkt man aber doch, dass er ein Mann seiner Zeit ist, beispielsweise, wenn es um die Rolle der Frau im 13. Jahrhundert geht. Das Frauenbild als solches ist in „Die siebte Leiche“ kein sonderlich positives. So wird beispielsweise der Knappe Otto als Frauenheld dargestellt, der bei jeder sich bietenden Gelegenheit eine neue Liebschaft anfängt. Diese Liebschaften zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass sie auf mich einen blitzdummen Eindruck machen. Das muss man nicht mögen, ich persönlich bin allerdings ganz glücklich gewesen, dass der Autor aus Ulrich von Kulm keinen mittelalterlichen Emanzipationsbeauftragten gemacht hat.

Dann bliebe noch die Handlung selbst. Und auch dort habe ich wenig zu kritisieren. Wie es im Genre des „Whodunit“-Krimis üblich ist, kann die Leserschaft nach Herzenslust mitraten, wer denn nun der Mörder ist. Ich habe, wie üblich, danebengelegen. Auf dem Weg zur überzeugenden Auflösung des Mordfalls gibt es zahlreiche Wendungen und die Spannung bewegt sich durchgehend auf hohem Niveau.

So bleibt nur meine Hoffnung, dass zeitnah viele weitere Krimis des Tschechen übersetzt werden. Die Ulrich-von-Kulm-Reihe umfasst im Original nämlich eine bereits eine ganze Menge Bücher, von denen lediglich zwei ins Deutsche übersetzt wurden. Alternativ muss ich halt tschechisch lernen…

Wertung:

Handlung: 8,5 von 10 Punkten

Stil: 9,5 von 10 Punkten

Charaktere: 8,0 von 10 Punkten

Atmosphäre: 9,5 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 8,875 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Ein Reif von Eisen“ von Stephan M. Rother

9 Kommentare zu „„Die siebte Leiche“ von Vlastimil Vondruska – So macht man das!

    1. Das kann ich verstehen, das geht mir eigentlich auch so. In diesem Fall werde ich aber trotzdem noch irgendwann zum zweiten Buch greifen, allein, weil ich fürchte, dass die komplette Reihe ohnehin nicht ins Deutsche übersetzt wird. Und wenn, dann nicht chronologisch: Das tschechische Original von „Die siebte Leiche“ erschien 2004, das zweite ins Deutsche übersetzte Buch „Die Toten vom Jakobsweg“ 2010. Und dazwischen erschienen halt noch einige andere, die man nicht mit einer Übersetzung gewürdigt hat.

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  1. Das kommt nicht auf meine Liste, Warum? Weil nix mehr drauf passt und ich nicht mehr lange genug zu leben, äh zu lesen habe. Andererseits….. ich könnte was anderes runter werfen von der Liste….. hm, ich werde mal in mich gehen…..
    Wieder mal eine sehr unterhaltsame Rezension, danke schön :-)

    Gefällt 2 Personen

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