„Konklave“ von Robert Harris – Habemus papam

Buch: Konklave

Autor: Robert Harris

Verlag: Heyne

Ausgabe: Taschenbuch, 368 Seiten

Der Autor: Robert Harris ist ein britischer Journalist, Sachbuchautor und Schriftsteller. Nach seinem Studium der englischen Literatur in Cambridge arbeitete er unter anderem für die Zeitungen „The Observer“ und „Daily Telegraph“. Darüber hinaus ist er Kolumnist der „Sunday Times“. Für seine Romane nimmt sich Harris häufig reale geschichtliche Ereignisse als Hintergrund, so zum Beispiel in seinem genialen Debütroman „Vaterland“ oder in dem nicht minder genialen „Aurora“ – beide sehr empfehlenswert und eine klare Kaufempfehlung für alle, die historisch interessiert sind. Neben einigen Sachbüchern hat Harris bislang 10 Romane veröffentlicht.

Das Buch: Der Papst ist tot. Er war alt, aber die Todesumstände sind mysteriös. Die um den Heiligen Stuhl buhlenden Gegner formieren sich: Traditionalisten, Modernisten, Schwarzafrikaner, Südamerikaner…

Kardinal Lomeli, den eine schwere Glaubenskrise plagt, leitet das schwierige Konklave. Als sich die Pforten der Sixtinischen Kapelle hinter den 117 Kardinälen schließen, trifft ein allen unbekannter Nachzügler ein. Der verstorbenen Papst hatte den Bischof von Bagdad im Geheimen zum Kardinal ernannt. Ist der aufrechte Kirchenmann der neue Hoffnungsträger in Zeiten von Krieg und Terror – oder ein unerbittlicher Rivale mit ganz eigenen Plänen. Alle Kandidaten sind heilige Männer, aber jeder ist von irdischem Ehrgeiz angetrieben. Die Gegener sind zahlreich. Und es kann nur einen Hiligen Vater geben, unfehlbar und ausgestattet mit der Macht Gottes auf Erden. Die Welt wartet, dass weißer Rauch aufsteigt… (Quelle: Klappentext)

Fazit: Angesichts meines seit einigen Tagen recht angegriffenen Gesundheitszustands – ich erspare euch die Details, aber ja, ich bin durchaus auf Mitleid aus -, dem bereits meine eigentlich unsagbar erquickliche Tagesplanung zum Opfer gefallen ist, was mich aus so zahlreichen, unterschiedlichen Gründen nervt, dass eine genaue Aufzählung den Rahmen sprengen würde, und angesichts der Tatsache, dass das alles gerade überhaupt nicht gut für meine ohnehin recht fragile Geduldsfaden-Nervenkostüm-Kombi ist, ich mich also, wie ein Freund kürzlich sagte „stimmungsmäßig zwischen Axt und Benzin“ befinde und den Drang habe, Katzenbabys anzubrüllen, angesichts all dessen also gehöre ich eigentlich in die Horizontale, idealerweise ins Bett.

Dort war ich allerdings schon und musste feststellen, dass ich mich da nach einiger Zeit, insbesondere durch die sechzehntausendste Ausstrahlung diverser “ The Big Bang Theory“-Folgen, intellektuell akut unterfordert fühlte. Und da lesen u.a. aus Konzentrationsgründen momentan auch nur so semi-gut funktioniert und ich andererseits natürlich genau um meine Verantwortung gegenüber meiner Leserschaft weiß, die schon seit Wochen senhsüchtig *hüstel* auf eine neue Rezension wartet, schreibe ich halt eine.

Da das Ganze bis hierhin allerdings noch gar nichts mit Robert Harris und „Konklave“ zu tun hat, wenden mir uns jetzt mal von meinem Leid ab und dem Buch des britischen Schriftstellers zu.

Es gibt Autoren, deren Bücher würde ich auch lesen, wenn sie den Titel „Telefonbuch von Olpe im Sauerland“ tragen würden. Robert Harris gehört dazu. Das liegt meistens daran, dass ich als erstes Buch des betreffenden Autoren resp. der Autorin ein Buch gelesen habe, das mich restlos überzeugt hat.  Das wiederum hat allerdings zur Folge, dass ich sämtliche kommenden Bücher mit diesem zuerst gelesenen Buch vergleiche. Neue Bücher von Sebastian Fitzek beispielsweise werden von mir automatisch mit „Die Therapie“ verglichen und schneiden dann vergleichsweise durchschnittlich ab, obwohl sie objektiv betrachtet gut sind.

Und so ist es im vorliegenden Fall eben auch. Robert Harris hat mit „Konklave“ kein schlechtes Buch geschrieben, mit „Aurora“, „Vaterland“ und dem von mir sehr geschätzten „Intrige“ allerdings auch schon bedeutend bessere.

Dieser Eindruck entsteht vor allem durch den behäbigen Einstieg in das Buch. Der Papst ist tot – der übrigens, obwohl Ähnlichkeiten zu lebenden oder toten Personen unbeabsichtigt sind, unbestreitbar Parallelen zum aktuellen aufweist – und Kardinal Lomeli plant die Durchführung des Konklaves. Dabei werden auf den ersten gut 100 Seiten – die Türen zum Konklave werden erst auf Seite 145 geschlossen – unzählige Kardinäle mit ihren entsprechenden Ämtern eingeführt. Das barg für mich zwei Probleme. Zum Einen: Bis auf etwa fünf Personen kann man diese Kardinäle getrost wieder vergessen, was man aber erst im Laufe der Zeit erfährt. Und zum Anderen: Ich bin Protestant. Also, zumindest auf dem Papier. Daher sind mir diverse Amtsbezeichnungen aus der umfangreichen Hierarchie der katholischen Kirche gänzlich unbekannt. Haben mich „Kardinalspräfekten“ und Kardinalsstaatsekretäre“ nur dahingehend gestört, dass ich halt einfach nicht wusste, was deren eigentliche Aufgabe ist, so waren auch Ämter dabei, die so buchstabenreich waren, dass man damit jede Scrabble-Runde im Handumdrehen für sich entscheiden könnte. Als Beispiel: Weiß jemand, ohne Benutzung einer Suchmaschine, was ein „Kardinalgroßpönitentiar“ ist? Eben…

Das alles war natürlich kein Ausschlusskriterium für das Buch, es macht den Einstieg nur unnötig zäh und langwierig.

Darüber hinaus nimmt sich Harris nicht sonderlich viel Zeit für seine Charaktere. Auf knapp 370 Seiten, finde ich, hätte er durchaus die Gelegenheit dafür gehabt, wenn er denn weniger Zeit auf die Einführung der Kardinalgroßpönitentiare – ach, egal. Im Grunde erfährt man über die als Protagonisten dienenden Kardinäle, die für den Ausgang des Konklaves von Belang sind, nur ihre religiöse bzw. politische Einstellung. „Das reicht uns nicht!“, um mal Marshall Eriksen zu zitieren.

Stilistisch befindet sich Harris dagegen glücklicherweise auf gewohnt hohem Niveau. Wenn man den zähen Einstieg mal hinter sich gelassen hat, dann ist es angesichts seiner schnörkellosen Art zu erzählen möglich, den Roman zügig zu lesen.

Auch die Handlung kommt erst nach knapp 150 Seiten so richtig ins Rollen, überzeugt dann aber weitgehend. Viele Kardinäle kommen bei Harris zwar recht schlecht weg, irgendwie hat gefühlt jeder seine sprichwörtliche Leiche im Keller, aber das verweist, meiner Meinung nach, deutlich auf die Skandale und Skandälchen, durch die die katholische Kirche in den letzten Jahren durchmanövrieren musste, von Bischof  Tebartz-van Elsts Prunkbau bis hin zu wirklich Schlimmem.

Was wäre es noch schön gewesen, wenn Harris seine Handlung dann auch zu einem befriedigenden Ende gebracht hätte. Dieses Ende war für mich allerdings irgendwo zwischen vorhersehbar und pathetisch. Das hätte es nicht gebraucht.

Wer mal einen aktuellen Kirchen-Roman lesen möchte, in dem nicht der ewig gleiche Symbologe an der Seite einer schönen Frau durch die Weltgeschichte hetzt, um Codes zu knacken und die Welt zu retten, der findet mit „Konklave“ vielleicht das, was er sucht. Wer gerne die Bücher von Robert Harris liest, dürfte dagegen leicht enttäuscht werden.

Wertung:

Handlung: 7 von 10 Punkten

Stil: 8,5 von 10 Punkten

Charaktere: 6,5 von 10 Punkten

Spannung: 7 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 7,25 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Die siebte Leiche“ von Vlastimil Vondruska.

11 Kommentare zu „„Konklave“ von Robert Harris – Habemus papam

  1. Hm, da ich zuerst Deine Freitagsfragen und jetzt diese Rezension hier gelesen habe, schließe ich mal aus diesen Endlossätzen und Deiner Befähigung dazu, dass Dein Zustand so schlimm gar nicht sein kann.
    Was Deine Ennerviertheit in Bezug auf die Jahreszeit angeht, so empfehle ich Dir ganz klar: Alkohol. Er entspannt, ab einem gewissen Level macht es einen auch relativ taub und blind sämtlichen Weihnachtsliedern etc. gegenüber, also kann das nur helfen.

    Was genau hat eigentlich Dein Weihnachtstrauma ausgelöst? Mal abgesehen davon, dass gerade die Weihnachtstage zu 99 % zu den größten und schlimmsten Kriegsschauplätzen in den meisten Familien mutieren, daher kann Deine Aussage mit Harmonie und Heitutei nicht so wirklich richtig sein, oder zumindest für mich nachvollziehbar.
    Um dann jetzt mal auf die Rezension zurückzukommen, auch ich neige zu Vergleichen mit vorherigen Bänden, wobei dei Folgebände selten gut abschneiden. Ausnahme bisher: Eva Almstädt und K. P. Wolf.
    Dann setze ich den Band doch mal auf meine Buchliste.

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    1. Vertrau, gerade wenn es mir schlecht geht, laufe ich zur sprachlichen Höchstform auf. :-) Und Alkohol als Kompensation halte ich nur bedingt für empfehlenswert… :-)

      Was mein Weihnachtstrauma ausgelöst hat, weiß ich gar nicht so genau. Aber irgendwann ist mir aufgefallen, dass das alles mit dem magischen Zauber von früher nicht mehr das Geringste zu tun hat, sondern alles in reinen Stress ausartet.

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  2. von mir auch gute Besserung und wart mal, ich hab tatsächlich noch irgendwo hier eine Tüte Mitleid rumliegen. Ah, da ist sie ja. :D
    Krank sein ist immer doof, egal was es ist. Ich drück Dich mal aus der Ferne.

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    1. Oh, vielen lieben Dank! DAS ist genau das, was ich gebraucht habe! :-)

      Stimmt, krank sein ist immer doof, aber es gab selten dümmere Zeitpunkte dafür, als in dieser Woche. ;-) Dazu kommt dann noch, dass ich in dieser prä-Weihnachts-Glitzer-Glöckchengebimmel-Wham-Gedudel-Zeit eh schon nicht sonderlich entspannt bin…

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        1. Ich tue mein Bestes! ;-)

          Und dass ich mit meiner eher ablehnenden Haltung zu dieser ach so zuckersüßen Zeit voller Harmonie und Gemütlichkeit ziemlich allein dastehe, ist mir bewusst. Aber da stehe ich drüber. ;-) Sollen alle so halten wie sie wollen.

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    1. Danke!

      Und danke! Ich schreibe solche Sätze auch gerne, mögen sie auch zu Lasten der Lesbarkeit gehen. ;-) Dass ich in meiner Verfassung dazu überhaupt in der Lage war, erstaunt mich zutiefst. Ich klopfe mir ausnahmsweise mal selbst auf die Schulter. :-)

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