„Die Kinder“ von Wulf Dorn – Gebt den Kindern das Kommando!

Buch: „Die Kinder“

Autor: Wulf Dorn

Verlag: Heyne

Ausgabe: Taschenbuch, 318 Seiten

Der Autor: Wulf Dorn, Jahrgang 1969, arbeitete zwanzig Jahre in einer psychiatrischen Klinik, ehe er sich ganz dem Schreiben widmete. Mit seinem 2009 erschienenen Debütroman »Trigger« gelang ihm ein Sensationserfolg. Seitdem stehen seine Bücher auf internationalen Bestsellerlisten und haben zahlreiche Auszeichnungen erhalten, darunter den französischen »Prix Polar«. (Quelle: Heyne)

Das Buch: Auf einer abgelegenen Bergstraße wird die völlig verstörte Laura Schrader aus den Trümmern eines Wagens geborgen. Im Kofferraum entdecken die Retter eine grausam entstellte Leiche. Als die Polizei den Psychologen Robert Winter hinzuzieht, wird dieser mit dem rätselhaftesten Fall seiner Karriere konfrontiert: Die Geschichte, die Laura Schrader ihm erzählt, klingt unglaublich. Doch irgendwo innerhalb dieses Wahnkonstrukts muss die Wahrheit verborgen sein. Je weiter Robert vordringt, desto mehr muss er erkennen, dass die Gefahr, vor der Laura Schrader warnt, weitaus erschreckender ist als jeder Wahn. (Quelle: Heyne)

Fazit: Nachdem die Passempfänger der Washington Redskins am Sonntag Abend nach relativ kurzer Zeit beschlossen, ihre Arbeit weitestgehend einzustellen, habe ich wiederum nach nur unwesentlich längerer Zeit beschlossen, ihnen und ihren Teamkollegen den Großteil meiner Aufmerksamkeit zu entziehen und diese stattdessen Wulf Dorn und seinem Thriller „Die Kinder“ zu widmen. Durch die – übrigens vermeidbare – Niederlage der Redskins, die Tatsache, dass es sich bei diesem Thriller um ein ziemlich gutes Buch handelt, sowie den erfreulichen Nebeneffekt, dass ich es auf diese Weise geschafft habe, endlich mal wieder ein Buch durchzulesen, ergibt sich für mich eine klassische win-win-win-Situation. :-)

Wulf Dorn hält sich nicht lange mit Vorreden auf und lässt den Leser direkt mit hohem Tempo in seinen Thriller einsteigen: Patrick Landers ist auf der Landstraße unterwegs, als er an einem Unfallort vorbeifährt. Im demolierten Auto findet er seine Schwägerin vor – und im Kofferaum eine Leiche. Im Anschluss fährt Dorn die Schlagzahl ein wenig zurück und lässt seine Protagonisten Laura Schrader im Gespräch mit dem Psychologen Winter ihre skurrile Geschichte erzählen. Mehr zum Inhalt sei an dieser Stelle nicht gesagt, um mich nicht unnötig einem Spoiler-Vorwurf auszusetzen.

Dorn erzählt die Geschichte um Laura und die namensgebenden Kinder auf sehr überzeugende Weise. Er versteht es, eine – für mich – wirklich gruselige Stimmung und düstere Bilder zu erzeugen, die auch über die ganze Länge des Buches beibehalten werden. Unterbrochen wird die Handlung von kurzen Einschüben, die die Geschichte einzelner Kinder irgendwo auf der Welt erzählen. Diese kurzen Einschübe erzielen ihre Wirkung vor allem daraus, dass sie auf wahren Begebenheiten beruhen. So lassen die Geschichten über Kinderprostitution in Kambodscha, kleine Jungen in Terrorcamps im Irak oder müllsammelnde Elfjährige in Ghana den Leser immer wieder schaudern, auch wenn sich erst spät – vielleicht sogar zu spät – herausstellt, in welchem Zusammenhang diese Zwischenspiele überhaupt mit der eigentlichen Handlung stehen.

Den moralischen Zeigefinger, der sich in diesem Zusammenhang anbietet, beschränkt Dorn auf ein Minimum, lediglich die Werbebranche, die Menschen Dinge verkaufen will, die diese nicht brauchen, bekommt in Verbindung mit einer leisen Kapitalismuskritik ihr Fett weg.

Auf ein Minimum beschränkt Dorn auch die Darstellung seiner Charaktere. An sich ist die Gruppe an handelnden Personen zahlenmäßig recht überschaubar gestaltet, dennoch erfährt man nicht mehr als unbedingt nötig über Dorns Figuren. Es gibt Genres, in denen ich das deutlich kritisieren würde, aber wenn man berücksichtigt, dass „Die Kinder“ ein Thriller mit gerade mal 318 Seiten Umfang ist, der seine Prioritäten deutlich anders setzt, dann stört diese rudimentäre Ausarbeitung eigentlich kaum.

Das Hauptaugenmerk liegt in diesem Thriller auf der düsteren Atmosphäre und einer Handlung, die den Leser lange im Unklaren lässt, wohin das Ganze denn nun führen soll. Und als solcher funktioniert „Die Kinder“ ziemlich gut! Dass mich der Thriller irgendwie an „Die Kinder des Zorns“ und diverse andere Horrofilme erinnert, tut der Sache keinen Abbruch.

Wer einen kurzweiligen Thriller lesen möchte, der – über weite Strecken – ohne bluttriefende Gewaltorgien auskommt und stattdessen mit Spannung und Atmosphäre punktet, liegt mit „Die Kinder“ genau richtig.

Werdenden Müttern respektive Vätern würde ich allerdings nicht unbedingt zu diesem Thriller raten. Und auch ich bin nach der Lektüre ungewöhnlich froh, keine Kinder zu haben. Ich würde meinen potenziellen Nachwuchs jetzt mit ganz anderen Augen betrachten. Und mit Misstrauen…

Wertung:

Handlung: 8,5 von 10 Punkten

Stil: 8,5 von 10 Punkten

Charaktere: 7 von 10 Punkten

Atmosphäre: 9 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 8,25 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: Entweder „Der Fall Kallmann“ von Hakan Nesser, wenn ich mich denn mal entschließen könnte, diesen Krimi, dessen Handlung sich mit der Geschwindigkeit eines hufkranken schwedischen Elchs durch die Gegend mäandert, durchzulesen. Vielleicht aber auch „Konklave“ von Robert Harris. Ooooder es geht mit „Die Königschroniken – Ein Reif von Eisen“ von Stephan M. Rother mal wieder ins Fantasy-Genre. Schaun mer mal!

 

 

6 Kommentare zu „„Die Kinder“ von Wulf Dorn – Gebt den Kindern das Kommando!

    1. Dann hoffe ich, dass es Dir gefallen wird!

      Ich hab Wulf Dorn letzmalig vor so gefühlten 10 Jahren gelesen und mich gewundert, dass der noch schreibt, als ich „Die Kinder“ in der Buchhandlung gesehen habe. ;-)

      Liken

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